Kosten und so…

Die aktuellen Spritpreise sorgen auch häufiger für Diskussionen im Taxi.

Gerne in der Art:

“Habt Ihr die Preise denn schon erhöht? Oder müßt Ihr noch?”

“Warum?”

“Na, wegen der Spritpreise!”

Oder auch bei von Kunden verlangten Wartzeiten an Tankstellen oder Geldautomaten:

“Mach doch solange den Motor aus. Damit das Taxameter nicht weiterläuft!”

Oder, seitdem in unserer Flotte die ersten drei Daimler mit Start-Stop-Automatik im Einsatz sind:

“Das ist ja gemein, warum zählt der denn an der Ampel weiter? Du verbrauchst doch gar nichts!”

Mit der Abwandlung:

“Wenn Ihr jetzt weniger verbraucht, müsste ja eigentlich auch der Taxitarif sinken!”

Wieso denken eigentlich so unglaublich viele Menschen, daß Spritkosten unser größtes Problem sind? Klar wirkt es sich auf den Unternehmensgewinn aus, wenn der Literpreis steigt. Bei den grob überschlagen 100.000 Litern, die wir im Jahr verbrauchen kostet jeder Mehrcent tausend Euro im Jahr.

Dem wirkt die Automobilindustrie netterweise seit kurzem mit diversen Optimierungen entgegen. Unsere aktuellsten Fahrzeuge verbrauchen 1-2 Liter auf 100 km weniger als die fast gleiche E-Klasse vor 2-3 Jahren.

Selbst wenn das nicht der Fall wäre:

Um 100 Euro Umsatz zu machen muß ich hier (keine Gemeinschaftszentrale, fast nur telefonisch bestellte Fahrten, dadurch viele unbezahlte Leerkilometer) etwa 100 km fahren. Macht rund 12 Euro für Diesel. Also 12% des Umsatzes ist weg für die Treibstoffkosten, rund ein Achtel.

Also steigen die Kosten für einen Kilometer (leer oder besetzt) um einen Cent, wenn der Sprit acht Cent teurer wird. 80 Cent mehr für einen Liter Diesel und es entstehen 10 Cent Mehrkosten pro Kilometer. Bei zwei Leerkilometern auf einen besetzten also 30 Cent höher Fahrpreis oder anders ausgedrückt: 50% Mehrpreis an der Zapfsäule müssten (wenn man es exakt rechnen würde) für 20% höhere Taxitarife sorgen.

Wir werden sicher in den nächsten Jahren diese Spritpreiserhöhung erleben. Aber bis dahin haben wir aus diversen anderen Gründen auch schon 1-2 Taxitariferhöhungen erlebt.

Die anderen Gründe sind z.B. die geringere Haltbarkeit der Fahrzeuge und der deutlich gestiegene Wartungs- und Reparaturaufwand. Die Autos können heute viel mehr, aber das “mehr” muß auch bezahlt und im Falle eines Falles repariert werden. Und so schön die Verbrauchswerte im Vergleich zu früher sind: Die Motoren sind deutlich anfälliger geworden. Ein paar tausend Bar Einspritzdruck bei den Common-Rail-Dieseln sind halt was anderes als die Mechanik an den unkaputtbaren Saugdiesel des letzten Jahrhunderts.

Und wisst Ihr, was am meisten Geld kostet im Taxigewerbe?

Ich!

Und alle meine Kollegen… Und da ist nun wirklich sparen nicht mehr angesagt!

(…und um den Bogen zurück zum Anfang zu schlagen: Ich koste auch noch Geld, wenn ich an der Ampel stehe oder an der Tankstelle warte! Also läuft auch das Taxameter weiter. Basta! :D )

14 Antworten zu “Kosten und so…”

  1. Norbert sagt:

    So…und versuch das bitte dem Fahrgast mit gefühlten 2, xx Promille zu erklären.
    :D

  2. Der Maskierte sagt:

    Torsten, das ist doch die Lösung! Du schaltest dich einfach während Wartezeiten ab! :D

  3. Arne sagt:

    Wenn der Taxifahrer so viel kostet, dann las doch den Fahrgast fahren… ;-)

  4. dingens sagt:

    => An Ampeln sollte das Taxameter mindestens 10% langsamer laufen.
    :-)

  5. ednong sagt:

    Wieso kostest du an der Ampel Geld? Du kannst doch soviel Dinge nebenbei tun, während die Ampel stumpfsinnig Rot leuchtet. Versteh ich grad nicht ;)

  6. Wolfy sagt:

    Genau… einfach Zeitungs auspacken oder Twittern ;P

    Nja – da sieht man aber mal, dass viele Taxinutzer keine Ahnung haben. Müssen sie ja eigentlich nicht – weil das ist nicht ihr Job – aber theoretisch erklärt sich das ja auch schon durchs nachdenken:
    Stehendes Taxi an Ampel: Auto hat Pause, Fahrer muss weiter konzentriert bleiben. Und wer meckert, dass Taxifahrer so teuer sind… nja – taxifahrer kann auch aussteigen und schlüssel mitnehmen, mal sehen wann Kunde dann ankommt. ;P

  7. daFux sagt:

    Jo, nichts wirklich Neues. Aber zumindest Verkehrsbetriebe erblöden sich regelmäßig nicht, die Tarif-”Anpassungen” mit den Benzinpreisen zu begründen. Ich wäre nicht überrascht, wenn das bei Taxi-Gebühren ähnlich läuft. Hat vermutlich nur als Vorteil, daß das noch am ehesten geglaubt wird. Mit Nebenwirkungen wie beschrieben.

  8. Meuselontour sagt:

    Hallo Torsten,
    haste schön erklärt :0)

  9. anonym sagt:

    Wie es in anderen Ländern ist, weiß ich nicht, aber in Deutschland ist es nachweislich so, daß es unglaublich viele Leute gibt, die von wirtschaftlichen Zusammenhängen nicht den allergeringsten Hauch einer Ahnung haben. Selbst wenn man sich selbst da mitzählen mag, kann man ja immer noch so schlau sein, einfach zu solchen Themen zu schweigen.

  10. Ole Phat Stu sagt:

    Wer legt die Taxitarife eigentlich fest, Torsten?
    Denn sie sind ja einheitlich, so weit ich weiss.

  11. TaxiIngo sagt:

    @Ole Phat Stu

    Das sind die Kreise und kreisfreien Städt die den Preis für ihren Bezirk festlegen

  12. Torsten Bentrup sagt:

    @Norbert: Tausendmal versucht, oft gescheitert.

    @Der Maskierte: Schöne Idee. Aber mich wieder hochzufahren dauert so lange, da können wir selbst in Ampelborn 3-4 Rotphasen den Verkehr behindern. Nicht praxisgerecht, sorry!

    @Wolfy: Schöne Idee. Am besten mitten im Feierabendverkehr am Westerntor… Hihi, ich mag die Vorstellung.

    Besser, weil ich dann nicht meine persönlichen Wertgegenstände einpacken muß: Ich sag einfach: “Wenn ihr jetzt aussteigt, ist die Wartezeit umsonst. Ihr müsst aber bis hierhin bezahlen vorher.” Und fahre dann ab! Und der nächste Kollege bis zur nächsten Ampel nimmt dann wieder 2,50-2,70 Euro Grundgebühr. DER Spartip!

    @dingens: Dann müssten wir aber die Wartezeit viel, viel teuer bezahlt bekommen. Das ist nicht nur 10% billiger als eine Fahrt bei Tempo 50. Nein, es sind sogar 2/3 Rabatt! Fast 70%! Ein Skandal!!!111einself!! ;)

    @daFux: Natürlich ist auch die offizielle Begründung für Taxitariferhöhungen dieselbe. Wie gesagt: Jeder Cent mehr kostet uns fast 1.000 Euro im Jahr (sinkende Tendenz, weil die Fahrzeuge nach und nach mit Spartechnik ausgerüstet sind). Rechnet man es aber wieder auf die Anzahl der Fahrten runter, sind es eben doch nur ein Cent, der alle drei-vier Besetztkilometer anfällt. Aber natürlich hat auch der Dieselpreis eine Mitschuld an den Steigerungen der Gesamtkosten.

    @anonym: Ich denke mal, daß das überall auf der Welt gleich ist. Es sind halt für fast jeden Beruf ganz viele organisatorische Dinge zu rechnen. Die Dinge, die einfach gegeben sein müssen, um in der gewünschten Qualität eine Dienstleistung zu erbringen. Und für die meisten Firmen und Branchen weiß einfach auch kaum jemand, was alles zu machen ist, wenn man einen Vollservice-Betrieb am laufen halten will.

    @Ole Phat Stu: TaxiIngo hat es auf den Punkt gebracht. Alle paar Jahre gibt es ein Rundschreiben an die Unternehmen vom Kreis mit der Frage: “Seid Ihr zufrieden? Wollt Ihr mehr oder weniger? Warum?”. Und weil bei “mehr” die Gefahr besteht, daß trotzdem der Umsatz sinkt (weil einige der Kunden die Erhöhung nicht mehr mitmachen), kommt es meist erst im zweiten oder dritten Anlauf zu einer Erhöhung. Weil erst dann die Mehrheit der Unternehmen eingestehen müssen, daß es mit den alten Tarifen nicht mehr sinnvoll ist.

  13. taxi flughafen sagt:

    Interesting and Informative Article. I am glade to read this useful Article. I always appreciate your work. Thanks for sharing.

  14. leserin sagt:

    “Mach doch solange den Motor aus. Damit das Taxameter nicht weiterläuft!”

    Unglaublich, das kommt glaube ich auf den Nummer-1-Podest der Dreistigkeit…

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