Ausnahmsweise!

(mal wieder mit Bild)

Aber auch nur ausnahmsweise mal durfte ich letzte Nacht in Scharmede (Taxibezirk Salzkotten) fahren.

Taxibezirke werden normalerweise heftig von den ortsansäßigen Firmen verteidigt. Auch die Salzkottener finden es nicht wirklich toll, daß ein paar von uns aus Paderborn dort heute mit ausgeholfen haben. Aber es half ja nichts, allein hätten sie die vielen Besucher des Karnevalsumzugs nicht nach Hause bringen können.

Also hat mein Chef eine Ausnahmegenehmigung beantragt und sogar bekommen.

So sieht sowas übrigens aus:

Genehmigungen für den Sondereinsatz in Scharmede

Oben die Genehmigung “gemäß § 47 Abs. 2 PBefG zum öffentlichen Bereithalten einer Taxe außerhalb der Betriebssitzgemeinde” an sich und gleichzeitig die Rechnung über die “Gebühr für das Tätigwerden der Genehmigungsbehörde” in Höhe von 25,– Euro.

Unten zwei gelbe DinA-5 Karten übereinandergelegt. Eine gut sichtbar für die Fahrgäste und eine für den Blick von draußen anzubringen.

Ich fuhr übrigens das einzige auswärtige Taxi, dessen Genehmigung wirklich sichtbar war. Daneben gab es einige mit Genehmigung (aber wohl im Handschuhfach) und jede Menge ohne Erlaubnis…

Vermutlich werden in den nächsten Tagen also einige Anzeigen geschrieben werden. Der ortsansässige Unternehmer ist nicht wirklich als umgänglich in dieser Sache bekannt. Und mit ziemlicher Sicherheit werden diese Anzeigen (fast) vollständig eingestampft, weil der betreffende Kollege dort “bestellt auf Meier, Müller, Schulze” war.

Komisches Spiel, aber alle spielen mit! ;)

11 Antworten zu “Ausnahmsweise!”

  1. chris sagt:

    Das heißt wenn das Taxi von jemandem bestellt wurde ist es erlaubt, den in einem anderen Bezirk abzuholen? Nur an den Taxistand darf man sich da normalerweise nicht stellen?

  2. Torsten Bentrup sagt:

    Genauso siehts aus. Ich darf Dich auch aus Köln abholen, dort aber nicht (wie in Paderborn) auf der Straße jeden Fahrgast einsammeln.

  3. Stefan sagt:

    Wir fanden das auch nicht gerade witzig, wenn Rosenmontags plötzlich scharenweise Gladbacher Billigtaxen auftauchten und uns die Fahrgäste vor den Augen wegschnappten, natürlich ohne Genehmigung und ohne Bestellung.

  4. Simon sagt:

    Du sagst, Du dürftest nichtmal in Köln Fahrgäste aufsammeln … ist es nicht so, daß Du zwar Fahrgäste (am Straßenrand) aufsammeln darfst aber eben nicht an den Taxiständen?
    … meine Taxiunternehmerprüfung ist schon über drei Jahre her…

  5. waschsalon sagt:

    denkt eigentlich irgendwer dabei auch an den kunden?!
    nichts für ungut, aber ich halte nichts von marktzugangsbeschränkungen. das vermindert immer die qualität und erhöht künstlich die preise. ob es um dvd-player aus asien geht oder taxen in kölle.

  6. Torsten Bentrup sagt:

    @Simon: Das würde Mißbrauch bei Veranstaltungen ja Tür und Tor öffnen. Zudem darf ich ja ausserhalb meines Pflichtfahrgebietes auch nicht mit leuchtendem Dachschild unterwegs sein. Es würde mich also doch sehr wundern, wenn ich mich da irre (ein Restrisiko besteht allerdings…).

    @waschsalon: Wann hast Du das letzte Mal einen guten DVD-Player gekauft? Schade, gibts nicht mehr… Entweder kaufst Du einen SEHR guten Player für eine Menge Geld oder den Schrott für unter 50,–. Die Mittelklasse ist weg.

    Taxen sind ein wichtiger Teil des ÖPNV und grade für ältere Menschen oft die einzige Möglichkeit, am Leben ausserhalb der eigenen Wohnung teilzunehmen. Speziell in ländlichen Gegenden ist es bei den derzeitigen Tarifen schon kaum möglich zu überleben. Wenn jetzt auch noch die Gefahr besteht, daß Volldepp mit Kampfpreisen an den Start geht, macht er damit erst die Konkurrenz platt und kurz danach sich selbst (weil er irgendwann merkt, daß man als Taxiunternehmer auch Kosten hat).

    Zu dem Thema mach ich aber noch einen eigenen Eintrag.

  7. Shantyman sagt:

    Wenn ich mich recht entsinne, gibt es bei Taxen
    - eine Beförderungspflicht (innerhalb des Lizenzgebietes): Ich muss jeden mitnehmen, der anruft, der winkt, oder zum Taxenplatz kommt. Ausnahmen: Stark alkoholisierte, gewalttätige… Personen. Ferner bin ich verpflichtet, das Auto auch “bereit zu halten”, d.h. dafür zu sorgen, dass es auch zur Verfügung steht
    - ein Beförderungsrecht (in der Umgebung des Lizenzgebietes, also in unserem Fall im Kreis Paderborn): Ich darf Winker mitnehmen und Leute abholen, mich aber nicht auf Taxenplätzen rumtreiben.
    - ein Beförderungsverbot: Ich darf nix und muss auch den “Vogel” abnehmen.

    Gaaaaaaanz 100%ig sicher bin ich mir da aber nicht. Muss ich noch mal in die Taxenordnung schauen, die in jedem Taxi liegen sollte.

  8. waschsalon sagt:

    ja, die argumente kenne ich. aber wer sagt denn, dass die kampfpreise dumpingpreise sind?! das sagen monopolisten auch immer.

    es ist ja wohl eine sache von angebot und nachfrage: wenn beispielsweise die nachfrage groß ist, warum soll ich dann als kunde 40 minuten in der kälte stehen, nur bis die nächste gebietsschutztaxe frei ist? umgekehrt: wenn auf dem land die nachfrage sinkt, dann müssen die preise eben steigen, damit die taxen überleben (oder noch weiter sinken, damit mehr kundschaft kommt). im übrigen sticht das argument mit den landpreisen auch deshalb nicht: wenn die taxen scon mit schutz kaum überleben, dann stimmt was mit den kosten nicht. nicht mit dem markt.

    übrigens: beim dvd-player habe ich wenigstens die wahl einen billigen oder einen teuren zu kaufen (dass gut gleich teuer ist, kann man so pauschal nicht sagen). aber beim taxi zahle ich immer denselben preis – egal wie gut der service ist, ob der fahrer nett ist oder stoffelig, ob er den weg kennt oder mich bescheisst. alles schon erlebt. wäre der markt offen, würde sich der service schlagartig verbessern.

    aber ich bin gespannt auf den beitrag.

  9. Aci sagt:

    Also wenn ein Taxifahrer “stoffelig” (süßes Wort :-) )ist, dann rufe ich beim nächsten Mal ein anderes Taxiunternehmen an. So reinigt sich der Markt auch. Wenn’s ganz schlimm gelaufen ist, setze ich halt eine Beschwerde auf.
    Ausserdem stand ich noch nie 40 Minuten in der Kälte, um auf ein Taxi zu warten…. mag ja sein, dass ich da ein Ausnahmefall bin. Ich musste ja auch noch nie eine Beschwerde aufsetzen. Die Taxifahrer, die mich befördert haben, waren immer alle sehr nett und hilfsbereit. Ich habe sogar 2 Lieblingstaxifahrer und frage bei der Taxibestellung meistens an, ob einer der beiden vielleicht grade Zeit hat mich zu fahren. Klappt meistens :-)

    Der Markt bestimmt und entwickelt sich nicht nur über Preise. Das sieht man ja am Buchmarkt, wo der Preis vom Verlag aus festgelegt ist. Entscheidend ist Angebot und Service. Das reicht vollkommen aus, um “Gewinner” und “Verlierer” hervorzubringen.

  10. Torsten Bentrup sagt:

    @Waschsalon: Der Beitrag ist jetzt online.

    Trotzdem kurz zu Deinen Argumenten: Der Kunde sollte sich natürlich das erstbeste Taxi schnappen, das da “zufällig” rumstromert. Mir ist es immer noch wichtiger, der Kunde hat eine positive Meinung zur Dienstleistung “an sich”, als das ich auf Biegen und Brechen mehr Umsätze mache.

    Zum Preis hab ich genug im Extrabeitrag. Aber ich gebe Dir völlig recht bei der These: “Es stimmt was mit den Kosten nicht”.

    Zum letzten Absatz bin ich komplett anderer Meinung. Der Service würde sich weiter verschlechtern mit dem Aldi-Argument: “Dafür sind wir billiger!”. Heute findet eine “Markendifferenzierung” zwischen den Taxizentralen (legal) ausschließlich über Service und Auswahl der Fahrer statt. Wer schlechte Fahrer hat, wird weniger Stammkunden gewinnen.

  11. taxiblog.de sagt:

    Warum Taxen teuer sind

    Bereits mehrfach nach entsprechenden Kommentaren habe ich versprochen, mal einen eigenen Eintrag zum Thema “Taxipreise” zu machen. Hier ist er!

    Also: Warum sind Taxen eigentlich so teuer und warum kann das Taxiunternehmen die Preise nicht …

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