Dummerstag
Gestern war Handwerkertag auf Libori. Eigentlich bekannt für viel Freibier und weite Fahrten. Traditionell der Tag für gemeinsame Firmenausflüge, da sind dann auch gerne mal Leute von weiter weg in Paderborn. Und wenn die Getränke nichts kosten, gönnt man sich auch mal eine weite Taxifahrt.
Okay, diese Klientel ist auch nicht immer ganz einfach, manch einer trinkt dann bis zum Pupillenstillstand…
Dieses Jahr hatte ich allerdings kaum einen typischen Handwerker im Auto. Stattdessen hab ich bei jeder zweiten Fahrt in die Scheiße gegriffen, mehr oder weniger jedenfalls.
Nichts wirklich Dramatisches. Einfach eine Ballung aus unverschämten und dummen Menschen. Bei den Fahrgästen und auch bei den Passanten.
Sehr häufig waren die hartnäckigen Gurtverweigerer. Mehrfach wurden die mitfahrenden Kinder angeschnallt und Mutti oder Papi müssen erst erinnert werden, daß die Gurtpflicht auch für sie gilt.
Daß sich hinten nur angeschnallt wird, wenn ich dazu auffordere, bin ich ja gewohnt. Aber die Frage:
“Wie, vorne muß ich mich auch anschnallen?”
hab ich das erste Mal gehört. Grandios.
Dazu unglaublich viele Preisdiskussionen. Die Vorstellungen lagen dann auch gerne bei 30-50% unter dem Taxitarif.
Wie war das noch mit mit “Angebot und Nachfrage”? Wenn ganz viele Leute ein Taxi brauchen, wie würde sich der Preis entwickeln, wenn wir nicht Tarifgebunden wären?
Nun, ein Nichtkunde hatte da eine tolle Idee:
“Ihr habt doch heute so viel zu tun. Da kannst Du mich doch auch mal billiger fahren!”
Nicht. Sei einfach froh, daß wir keine “Libori-Zuschläge” nehmen dürfen!
Und die Kollegen, die 20 Euro für 20 Kilometer akzeptieren (“Da finden wir immer einen, auch zu Libori!”) möge der Blitz beim Scheißen treffen. Wegen erwiesener Dummheit!
Die Passanten waren auch genial. Offensichtlich hatte man es sich zum Ziel gesetzt, die Marienstraße unbefahrbar zu machen. Unmengen an Scherben überall. Und natürlich muß man gruppenweise immer mitten auf der Straßen stehen und gehen.
Mein Kopfschütteln zu einer besonders merkresistenten Gruppe wurde mit:
“Ja, schüttel ruhig den Kopf. Kann man ja auch nicht mit rechnen, daß zu Libori Leute auf der Straße gehen!”
kommentiert. Doch, hab ich mit gerechnet. Deshalb bin ich auch mit Schrittgeschwindigkeit hundert Meter hinter Euch hergeschlichen. Nicht rechnen kann und muß man allerdings, daß auch dann die Straße nicht freigegeben wird, wenn man das Auto bemerkt. Das ist einfach nur ätzend. Dumpfbacken!
Bin ich froh, daß solch ein Ballung nur alle paar Monate mal vorkommt…
Ich denke mal, die zweite Freischicht heute Abend hab ich mir verdient.
30. Juli 2010 um 08:05 SnakeWare(Quote)
Dann hat das mit dem verschieben deines Dienstes ja doch geklappt… Gut das ich erst Morgen / Sonntag in PB bin.
30. Juli 2010 um 08:15 Reinhold(Quote)
Gestern hab ich gesehen, wie schon wieder die Zelte für die Wiesn aufgebaut werden. Heute zum Frühstück hat mich dein Beitrag wieder an unser Fest und die gleichen Umstände erinnert. Mal schauen wie ich dieses Jahr dem Oktoberfest entkommme.
30. Juli 2010 um 15:26 Donalbain(Quote)
Zusammengefasst heißt das also: die gestrige Nacht war – was Passanten und Fahrgäste betrifft – so, wie jedes x-beliebige Wochenende in Paderborn eigentlich auch
30. Juli 2010 um 16:54 Marco(Quote)
Dein Beitrag war herrlich zu lesen. Aus dem Leben gegriffen und genauso geschrieben. Dein Blog liegt nun bei mir unter “Lesezeichen”..–))
30. Juli 2010 um 17:48 Max(Quote)
Bin ich froh, dass ich kein Taxifahrer bin…ich würde nach mehreren solchen Abenden sicher einen Herzanfall bekommen…
Du musst innerlich eine unglaubliche Ruhe haben, beneidenswert.
30. Juli 2010 um 17:50 Max(Quote)
Nachtrag: Ein Taxifahrer in Berlin hat mich zu einer Messe gebracht. In einer Seitenstraße ist eine Dame sehr langsam über die Straße gegangen und hat das Taxi irritiert angeschaut. Die Reaktion des Taxifahrers: “Entschuldigung, dass ich auf der Straße fahre du dumme ***” …
Du bist also nicht unbedingt die Norm!
30. Juli 2010 um 21:59 Nick(Quote)
Wir Berliner sind ja auch quasi die Erfinder der Freundlichkeit!
31. Juli 2010 um 23:03 Bernd(Quote)
Solcherart Geschichten sind genau der Grund, warum ich ums Verrecken keine Nachtschicht mehr fahre. Ich kann dieses bescheuerte, besoffene Volk nicht mehr sehen!
31. Juli 2010 um 23:46 jo(Quote)
@Bernd: Mit der Einstellung stirbt man als Taxifahrer eher einsam, oder?
@Hee, Torsten, soviel Unmut in einem Posting und kein einziges Mal fällt der Begriff “Studenten”? Muss ich mir Sorgen machen?
1. August 2010 um 05:30 Andi(Quote)
@jo
Nö, oder zumindest sterben Bernd und ich dann im Team ^^
Mir erging es nämlich auch so, dass das besoffene Volk am WE gepaart mit der Respektlosigkeit, welcher zu vielen der jetzigen Generation abgeht, dafür verantwortlich ist, dass ich ins Tagesgeschäft gewechselt habe. Gab es durchaus noch andere Gründe wie z.B. auf Dauer fehlende Lebensqualität, aber das war doch der Hauptgrund.
Aber das sollte dann wohl auch ein jeder für sich selbst entscheiden dürfen.