Die Stille nach dem Knall
Sechs Minuten, 24 Sekunden. Wenn man Glück hat, vergeht nur soviel Zeit zwischen Unfall und Eintreffen der Rettungskräfte.
Wenn man Glück hat…
(Direkttube, via rettungstrupp.de)
Meine Erfahrungen als “Erster am Unfallort” nach dem Weiterklick:
Dreimal ist es in den letzten fast 15 Jahren passiert, daß ich mit verletzten Unfallopfern zu tun hatte.
Das erste Mal war ein Seitenaufprall, direkt in die Fahrertür. Der Fahrer war ansprechbar, konnte sich aber nicht bewegen. Wir haben die alarmierten Rettungskräfte abgewartet und währenddessen nur geredet. Antworten einfordern, nicht aufgeben lassen, Mut zusprechen.
Nur ein paar Tage später und auf dergleichen Landstraße nur rund einen Kilometer weiter ist ein Kleinwagen mit zwei Insassen von der Straße abgekommen und in einem Straßengraben an einer Baumwurzel abrupt gestoppt worden.
Der Fahrer konnte sich selbst befreien und stand bereits auf der Straße als ich besetzt dort ankam. Von der Rückbank kam die klare Ansage:
“Fahr bloß weiter, das ist viel zu gefährlich!”
Fahrgäste haben oft recht, aber weiterfahren stand mal nicht zur Debatte. Ein anderer Fahrgast half mir dann auch, zum Auto zu kommen und die bewusstlose Beifahrerin rauszuziehen. Es gab dann noch ein kurzes Streitgespräch mit inzwischen hinzugekommenen Gaffern. Ich wollte eine Jacke, damit die Verletzte nicht auf dem kalten Asphalt liegen muß. Schäden oder Reinigungskosten bei Nothilfe ist grundsätzlich versichert, ich mußte es ihm erst erklären…
So konnten wir die Verletzte, die inzwischen auch wieder zu Bewusstsein gekommen ist, in Schocklage bringen. Und wieder Händchen halten, gut zureden und darauf hinweisen, daß die Retter jeden Moment da sind.
In beiden Fällen habe ich später erfahren, daß es den Verletzten schnell wieder gut ging.
Über den dritten Fall hab ich schonmal ausführlich geschrieben: Stumme Zeugen. Auch dort konnte ich nur mit Worten helfen.
Aber immerhin, es war jemand da und hat geholfen, die Angst zu verdrängen. Und das kann wirklich jeder, da gibt es keine Ausreden.
Den erneuten Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses werde ich auch mal nach oben rücken auf der to-do-Liste. Bisher hatte ich “Glück” und musste nie wirklich medizinische Hilfe leisten.
Aber Glück hält nicht ewig.
7. November 2008 um 09:03 M.One(Quote)
Sag Bescheid, wenn Du gehst, ich könnte eine Auffrischung auch mal wieder gebrauchen!
7. November 2008 um 09:05 Torsten Bentrup(Quote)
Ob wir das wohl terminplanungstechnisch hinbekommen? Aber wir versuchen es!
7. November 2008 um 09:45 M.One(Quote)
Bestimmt, irgendwann 2009
7. November 2008 um 09:57 Mocca(Quote)
Mein Gott, wie lang sechseinhalb Minuten sein können…
7. November 2008 um 10:18 flippah(Quote)
Ich hatte mal das “Glück”, dass ich als fahrradfahrer an einem gestürzten Motorrad vorbeikam.
Ich hab erstmal mein Fahrrad quer auf die Straße gestellt, damit die autos nicht mehr einfach vorbeifahren können und endlich jemand einen Notruf absetzt (Handy hatte ich da noch nicht).
Dann hab ich dem armen Kerl ein wenig Händchen gehalten und ihm ein bisschen helfen können. Als der Rettungswagen kam hab ich noch kurz gesagt, was ich gemacht habe und bin dann umgekippt.
Ich war echt heilfroh, dass ich durch Führerschein, Segelscheine und Bundeswehr gerade mehrere Erste-Hilfe-Kurse nacheinander gemacht hatte und dadurch das ganze leidlich saß. Es war für mich wie ein Film. Ich stand neben mir und sah, dass ich was tat.
7. November 2008 um 11:42 Guggug(Quote)
hey torsten… respekt..
*eigenwerbung* … da sitzt du nicht nur deine zeit dumm rum, sondern musst auch mal richtig was tun
ich kann dir auch die EH-Kurse in Schloss Neuhaus beim DRK empfehlen
Auf das mehr leute so wie du handeln würden.
*thumbs up*
7. November 2008 um 13:36 Ulli F. aus L.(Quote)
Ein alter Mann liegt auf dem Gehweg neben der Landstrasse, sein ebenso alter Spazierkamerad versucht, ihm wieder auf die Beine zu helfen. Vormittags gegen 10:30. Nicht verdeckt und sichtbar aus beiden Richtungen. Tempo-70-Zone. Ich kann dort bequem anhalten. Jeder andere haette das uebrigens auch gekonnt. Hat aber keiner! Die ganze lange Zeit ueber, in der eine verzweifelnde alte Mann dem anderen zu helfen versuchte.
Dabei war es so einfach: 112 anrufen, meine Jacke und eine Decke aus dem Auto zum Waermen genutzt, viele beruhigende Dinge erzaehlt, danach die Verantwortung an das Rettungswagenpersonal abgegeben und Fahrt fortgesetzt.
Sonntag morgen, ca. 8:30. Die Fahrt fuehrt auf einer gut ausgebauten Bundesstrasse mit beidseitigem Standstreifen aus der Stadt heraus. Auf Hoehe einer Bushaltestelle weichen die vorausfahrenden Autos grossraeumig nach links aus. Den Grund dafuer sehe ich bald. Auf dem Standstreifen vor der Haltestelle liegt eine hilflose Person, Kopf und Oberkoerper ragen auf die Fahrbahn. Nachdem ich angehalten habe, bemerke ich, dass der Mann unter Kraempfen leidet, die es ihm unmoeglich machen, sich in Sicherheit zu bringen. Person in Sicherheit gebracht, 112 angerufen, dann hielt ein weiteres Auto an, der Fahrer ein Rettungssanitaeter, kurz darauf kam der Rettungswagen und ich konnte weiter fahren.
In England fahren die beste Beifahrerin von allen und ich in der fruehen Morgendaemmerung ueber die engen und unuebersichtlichen Strassen von Lincolnshire, als wir beide gleichzeitig das Heck eines Unfallwagens im abschuessigen Strassengraben aus der dichten Strassenrandzonenbepflanzung ragen sehen. Keine Person im Inneren des Autos, aber viel Blut. Die Windschutzscheibe existiert nicht mehr, auch die Scheibe der Fahrertuer ist nicht mehr existent. Nachdem wir auch das Gestruepp in der Naehe des Autos abgesucht haben, gehen wir zu unserem Auto zurueck, werfen noch einmal einen Blick auf das Wrack und bemerken erst jetzt den Aufkleber, den die Polizei auf das Blech geklebt hat: „Die Verletzten sind versorgt, die Unfallstelle wird in Baelde geraeumt. Schoen, dass Sie versucht haben zu helfen.“
Hoffentlich sind die Insassen frueh genug gefunden und versorgt worden.
Fuer einen Bekannten von mir ist ein aehnlicher Unfall toedlich ausgegangen. Er war im Winter von der Strasse abgekommen, im Auto eingeklemmt und ist schlicht erfroren. Tot, obwohl er keine lebensgefaehrlichen Verletzungen hatte. Niemand hielt es fuer noetig nachzusehen, ob hier Hilfe benoetigt wurde.
Hallo Torsten, wenn`s zu lang wird, kannst Du gerne oben oder unten kuerzen
Mittags, vielbefahrene Landstrasse, in einer engen Kurve hat sich ein Wagen ueberschlagen und liegt, Dach unten, auf dem Acker. Auch hier fahren alle langsam! -und vorbei! Fahrer eingeklemmt und bewusstlos. 112 gerufen, keine Moeglichkeit, den Verletzten zu versorgen, ausser notduerftig Waerme zu geben und auf den Notarzt zu warten. Merkwuerdigerweise halten, nachdem erstmal ein „Helfer“ angehalten hat, noch zehn andere hilfsbereite Autofahrer an.
Habe noch zwei weitere, aehnliche Unfallsituationen erlebt, denke aber, es fuehrt hier zu weit. Leider immer das gleiche Dilemma. Wertvolle Zeit geht verloren-lebenswichtige Zeit-!
Alle sollten einmal daran denken, dass sie das potentielle Unfallopfer sein koennten, oder ein Familienangehoeriger, oder ein Freund, oder…einfach nur ein Mensch!
Falsch machen kann man uebrigens nur eins: Nichts machen.
7. November 2008 um 14:40 Matthias(Quote)
Das regt mich auch jedes Mal tierisch auf… alle Leute die vorbeigehen scheinen nicht zu kapieren, dass die Person, die grad Hilfe benötigt, sie selbst sein könnte. Oder ein Freund oder Verwandter. Es reicht doch oftmals, die 112 zu rufen. Ich meine, das ist schon mal so viel besser als nichts. Niemand muss ausgebildeter Arzt sein für erste Hilfe.
Schade finde ich es nur, dass die Erste-Hilfe-Kurse kostenpflichtig sind. Es sollte Pflicht sein, sie zu besuchen (alle paar Jahre!), und kostenfrei.
7. November 2008 um 15:03 torschtl(Quote)
die beste erste hilfe, die jeder mensch leisten kann, ist händchen halten, dem patienten zuhören und die nachforderung von “profis”… jeder könnte in eine solche sitution kommen und wird sich dann sicher freuen, wenn erst das 25. auto anhält.
nur zur schocklage: Birne (Kopf), Brust, Bauch, Becken, Beine (=5 Bs) … schocklage vermeiden, wenn eines dieser 5 Bs betroffen sein könnte (und das ist bei fast jedem krankheitsbild der fall, außer bei so sachen wie nem armbruch / schnittwunde am arm).
grundsätzlich gilt jedoch: jede hilfe ist besser als keine hilfe. es gab noch nie den fall, dass jemand verurteilt wurde, weil er einen menschen geschädigt hat, obowhl seine eigentliche intention hilfeleisten war. wie schon oben geschrieben… sachen, die bei der hilfeleistung kaputt gehen, werden von der versicherung des unfallopfers / patienten i. d. R. ohne wenn und aber ersetzt
7. November 2008 um 15:37 Forscherin(Quote)
Wenn ich solche Dinge lese, dann stelle ich mir immer die Frage, ob bzw. wieso es für gewisse Personen-/Berufsgruppen keinen alle x Monate verpflichtenden EH-Kurs gibt. Zu solchen Gruppen würde ich bspw. eben die Taxifahrer, Busfahrer, Kurierdienstler und sonstige “Kilometerfresser” zählen. Bei Polizisten und Co. gehe ich davon aus, dass dort die Kenntnisse vorhanden sind und aufgefrischt werden.
Von meinem letzten EH-Kurs wusste ich nach 1 Jahr kaum noch etwas, inzwischen würde komplett hilflos vor einer Unfallstelle stehen. Auch wenn ich kaum unterwegs bin, ich sollte wohl mal so einen Kurs wieder absolvieren. Ist ja nicht nur beim Autofahren gut.
7. November 2008 um 17:33 Claudia(Quote)
Warum nur für bestimmte Berufs-/Personengruppen?
Und warum muß man alles zur Pflicht machen?
Warum schaffen wir es nicht, so wichtige Dinge – und das steht ja wohl außer Frage – gelegentlich eigenverantwortlich aufzufrischen?
Nach einem Jahr steht man übrigens nicht vollkommen hilflos an einer Unfallstelle. Dasein! Das ist das Wichtigste. Eine Person in einer beschissenen Lage läßt man nicht alleine. Der Rest kommt wieder in Erinnerung, es hilft auch die Intuition und der gesunde Menschenverstand, aber das schlimmste ist weitergehen, weil man keine Zeit oder zuviel Angst vor Fehlern hat.
Claudia
7. November 2008 um 18:35 Mike(Quote)
Ich finde, dass alle Kommentare so die gleiche Richtung haben: “es wäre gut, diese Sachen mal wieder aufzufrischen”. Können wir da nicht einfach Nägel mit Köpfen machen? Es gibt für jeden die Möglichkeit, einen kompletten Erste- Hilfe- Kurs zu besuchen, allerdings kann ich mir vorstellen daß das bei bestimmten Berufsgruppen wie Taxifahrern im Nachtdienst auf terminliche Schwierigkeiten stoßen kann. Eine andere Möglichkeit wäre: Ich (hauptberuflich bei der Blaulichtbude und nebenberuflich Erste- Hilfe -Ausbilder) würde mir gerne einen Sonntagnachmittag oder -vormittag, irgendeinen Vormittag, wenns sein muß auch eine Nacht frei nehmen und Euch über Neues und Altbewährtes in der Ersten Hilfe auf die Sprünge zu helfen. Diese Version würde außer etwas Zeit auch nichts kosten und vielleicht Appetit auf einen ganzen Kurs machen, zumindest aber mehr Selbstvertrauen und Sicherheit in solchen Situationen schenken. Denkt doch mal drüber nach.
7. November 2008 um 19:41 Isa(Quote)
Ich habe einmal einen Unfall beobachtet und war damit auch, neben dem verursacher (hatte eine Fahrradfahrerin angefahren), als erstes zur Stelle. 1. War ich heilfroh, dass es ihr so erstmal gut zu gehen schien. 2. War der verursacher Arzt und hat gleich ales mögliche getan.
Ich hab ihr dann geholfen in dem ich die paar Meter zu ihrem Haus zurück gelaufen bin und ihren Mann geholt habe.
Ich weiss noch, dass ich mich hilflos gefühlt habe, aber mit Sicherheit nicht hilfloser als sie. Als ich auf der Arbeit war, habe ich erstmal gemerkt, dass ich selbst ein wenig unter Schock stand, war aber heilfroh, dass ihr geholfen wurde.
Ich würde das jederzeit wieder machen, und wenn es eine gefährliche Situation sein könnte (Landstrasse nachts) zumindestens einen Rettungswagen rufen.
7. November 2008 um
6 Minute, 23 Sekunden…
Die Stille nach einem Unfall, 6 Minuten und 23 Sekunden lang. Wenn so schnell Hilfe kommt, kann man schon froh sein. Beeindruckendes Video.
via taxi-blog.de
…
7. November 2008 um 20:49 Anke W.(Quote)
Es ist gut, das hin und wieder mal ins Gedächtnis zu rufen, wie wichtig ein EHK ist.
Einmal bin ich zu einem Auto gekommen, was bei Glatteis weit eine Böschung runter gefahren war. Es war niemand mehr im Fahrzeug, es gab aber auch keine Anhaltspunkte für Verletzungen, der Bulli war einfach nur verdammt unglücklich geparkt (und kam da ohne Kran nicht mehr raus). Bevor wir an der Unfallstelle ankamen, sahen wir vor uns und entgegenkommend viele Autos, die vorbei gefahren sind. Als wir selbst nach dem Rechten gesehen haben, hielten gleich 3 an und wollten uns helfen. Sie dachten wir wären da im Graben gelandet. Aber trotz meiner Bitte hat niemand geschaut, ob die Fahrzeugbesitzer irgendwo im Schnee sitzen. Das haben wir dann noch selbst gemacht aber auch niemanden gefunden. Vermutlich sind sie ins nahegelegene Krankenhaus gegangen. In der Zeitung stand jedenfalls nichts von Schwerverletzten oder gar Toten.
Ein andermal in der Fußgängerzone. Eine ältere Frau stolpert über das Kopfsteinpflaster und schlägt sich eine Platzwunde an die Stirn. Erst kann sie nicht aufstehen. Ich weiß nicht wie viele Leute daran vorbei gelaufen sind, es waren ein paar und ich glaube nicht, dass sie gedacht haben “die Schülerin geht schon hin, dann brauche ich ja nicht” die haben mich nicht gesehen. Ich habe der Frau aufstehen geholfen, sie mit Taschentüchern versorgt und zum Arzt bringen wollen. Das wollte sie nicht, aber in die Apotheke habe ich sie noch gebracht. Dort war ein Stuhl und ein Glas Wasser für sie.
Übrigens ist medizinisches Personal auch fehlbar. In der Schwangerschaft war ich in einer Apotheke und dank der stickigen Sommerluft bin ich dort umgekippt. Den jungen Apotheker hat es nicht interessiert, ich habe noch gesehen wie er mich einknicken sah, doch er bediente die andere Kundin in Ruhe weiter ohne nur zu fragen ob er helfen kann. Die Kundin hat mir dann auf einen Stuhl geholfen, der Apotheker war nach hinten verschwunden, aber nicht um mir Wasser zu holen oder mir anderweitig zu helfen. Die andere Kundin und ich, wir haben uns danach noch öfter getroffen – in einer anderen Apotheke.
Ich bin für das Helfen. Ich muss mir da nicht vor Augen halten, dass ich selbst da liegen könnte oder ein Mensch den ich kenne. Es ist meine Pflicht zu helfen, ich tue es damit ich reinen Gewissens abends einschlafen kann.
7. November 2008 um 20:49 Maik(Quote)
Die meißten die weiterfahren, tun dies nicht aus Ignoranz, sondern weil Sie Angst haben – Angst davor, irgend etwas falsch zu machen und Angst davor, Verantwortung zu übernehmen.
Autobahn A7 nördlich von Hannover im November 1996. Es ist kurz vor 20.00 Uhr, seit Stunden fällt Schnee.
Die rechte und mittlere Spur ist nass, aber Schneefrei, die linke von Schnee bedeckt.
Ich fahre auf der mittleren Spur, überhole einen anderen Lkw. Links zieht ein Golf vorbei, ca. 200 Meter vor mir kommt das Auto ins Schleudern, knallt gegen die Mittelleitplanke, von dort zurück auf die mittlere Spur und kommt dort zum stehen.
Ein Ausweichen ist unmöglich, den Knall höre ich noch heute.
Ich wurde nicht verletzt, stand aber unter Schock.
Eine große Hilfe waren andere (fremde) Menschen, die einfach mit mir sprachen. Was die sagten, spielte keine Rolle – wichtig war das Gefühl, nicht allein zu sein.
7. November 2008 um 22:50 Mokantin(Quote)
Wie Maik sagt – Angst, nicht Ignoranz. Meistens zumindest.
Vor ziemlich genau zwei Jahren fur das Auto vor mir auf der Autobahn mit 170 auf ein Hindernis, überschlug sich. Ich konnte gerade ausweichen, habe angehalten und die Polizei gerufen. Ich habe mich nicht getraut, zu dem Auto zu gehen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, wie reagieren. Die Beifahrerseite war so eingedrückt, dass der Kopf des Beifahrers außen war. Und zwar nicht mehr vollständig. Erst als noch zwei andere Helfer dazukamen, bin ich mit auf die Fahrerseite gegangen. Er ist gestorben, bevor wir den Gurt losschneiden konnten. Gleichzeitig sind andere Fahrzeuge vorbeigefahren. Ein Auto hielt an, der Beifahrer hat mit seinem Handy Fotos gemacht, dann ist das Auto weitergefahren.
Naja, seitdem weiß ich, dass man eben auch nachts allein auf der Autobahn nicht “aufdrehen” kann. Aber ich weiß auch besser, wie ich helfen kann und bin sicher, dass ich die Situation heute besser im Griff hätte. Übung macht den Meister, gerade in solchen Ausnahmesituationen.
7. November 2008 um 23:08 Fincut(Quote)
In dem “Video” kommt die Hilfe bereits 4:30 Minuten nach Start, obwohl die ersten Zeugen sogar erst recht spät eintreffen. Da diese wohl erst noch wegfahren müssen, um die Polizei zu holen, ist hier also die Hilfe ca. 2 Minuten nach dem Anruf vor Ort.
Wenn man schon so ein Projekt macht, bitte auch richtig. Also weniger Rechtschreibfehler, weniger Pseudogeschwafel (“Folgetonhörner”) und was weiß ich.
Das ist peinlich bis billig.
8. November 2008 um 02:14 calypso(Quote)
>Ein Auto hielt an, der Beifahrer hat mit seinem Handy Fotos gemacht, dann >ist das Auto weitergefahren.
Das Kennzeichen hätte ich mir gemerkt und garantiert hätte das eine solche Anzeige gegeben, diese Beteiligten hätten sich gewünscht NIE ein Auto besessen zu haben.
Ich habe ja beruflich sehr sehr oft mit diesen Dingen zu tun und wenn ich dann sehe wie viele Leute bei solchen Sachen nur wie blöde rumstehen und da nur rumschauen, da kommt mir immer das kotzen. Das beste ist immer bei den Gaffern das man sie Anspricht. Auch wenn wie oben beschrieben eine Person stürzt und andere weitergehen. Einfach anhalten und ansprechen und zum Helfen “zwingen”.
Gerade wenn ich berufsmäßig bei Unfällen Fotos mache und mich dann irgendwelche Passanten ansprechen und nur wissen wollen ob es Tote gegeben hat, dann könnte ich immer ausrasten. Diese Leute wünschen sich dann immer mich nie angesprochen zu haben…
8. November 2008 um 18:00 Loco(Quote)
@Fincut: Nur wer nichts macht, macht keine Fehler…
@all: Tatsächlich wird es meist die Angst sein, die Menschen zum Nichthelfen veranlaßt. Angst, überfordert zu sein, überfordert von Blut, von Schreien, vom Todeskampf eines Menschen… eine Angst, die ja auch leider oft genug berechtigt ist. Leid und Tod anderer geht nicht einfach an uns vorbei, und wenn wir dem aus dem Weg gehen können…
In dem Film haben die Leute wenigstens angehalten. Und sie haben die Rettung informiert. Leider geschieht in der Realität meist nicht einmal das. Man fährt langsam, gafft, gruselt sich – und fährt weiter. Nur nicht mehr damit in Verbindung kommen, man könnte ja… ja was eigentlich? Wer die Rettung alarmiert, wird danach wohl nicht wegen unterlassener Hilfeleistung belangt!
8. November 2008 um 18:12 AnnaJuliana(Quote)
Ich finde es unmöglich einfach nur hinzusehen. Nicht helfen zu können ist eine Sache. Aber es gibt 2 Möglichkeiten:
1. es zu versuchen
2. wenn andere helfen, und man selbst überflüssig ist zu gehen, oder Menschen vom gaffen abzuhalten.
Solche Situationen sind furchtbar. Ich könnte auch nicht mit Sicherheit das Richtige tun. Ich habe schon 3 Erste Hilfe Kurse gemacht, aber wenn ich in so Situationen war, hab ich das Meiste wieder vergessen. Ich denke aber alleine der Schritt nach vorne um zu helfen, zu sprechen, zu versuchen, hilft auch anderen Menschen sich zu trauen! Und wenn man Fehler macht, hat man es wenigstens versucht!
8. November 2008 um 18:35 Doc Cooper(Quote)
Eigentlich fällt mir ja zu allem ein dummer Spruch ein, aber den spare ich mir heute. Als überzeugter Fußgänger kann ich ohnehin nur schwer die Faszination des Rasens nachvollziehen, aber Das macht einen dann doch schon beroffen, wenn man sich auf die Situation mal einläßt…
Das nicht-Helfen am Unfallort sollte allerdings viel stärker unter Strafe gestellt werden…
9. November 2008 um 09:05 Film izle(Quote)
ty man
9. November 2008 um 23:59 McDough(Quote)
Ich glaube, mangelnde Erste-Hilfe-Kenntnisse sind bei Autounfällen oft nicht der Grund, warum niemand kommt. Eher werden Ausreden vorgeschoben: “Da kümmert sich bestimmt schon wer drum” oder “Ich würde ja helfen, aber ich habe doch noch einen wichtigen Termin und hier sind so viele Leute”. Wichtig wäre es, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Zivilcourage ist hier – wie so oft – das Zauberwort.
10. November 2008 um 00:03 Shiva(Quote)
Vielen Dank, Torsten, für das Einstellen dieses Videos. Hat mich wirklich berührt.
Zum Glück kam ich bisher weder in die Lage, dass ich einen Unfall aus nächster Nähe miterlebt hab, noch, dass ich selbst in einen verwickelt war. Wahrscheinlich habe ich mir deshalb auch noch nie wirklich ausgemalt, wie verdammt schlimm so eine Situation ist, wenn dann erstmal der Unfall selbst “vorbei” ist..
Und selbst wenn Rettungskräfte in 10 Minuten da sind, ich vermute, es kommt wie eine Ewigkeit vor, wenn man verletzt und hilflos ist ):
10. November 2008 um 01:42 Archimedes(Quote)
Auch 10 Erste-Hilfe-Pflichtkurse bringen eine Person die menschlich nicht in der Lage ist zu helfen dazu, bei einem Notfall zu helfen. Auch Strafen nicht. Wenn es ernst wird, stellt er sich zitternd und hilflos daneben. Er will ja helfen, aber seine Beine sind wie festgefroren und im Kopf ist alles wie weggelöscht. Ich denke, es liegt in der Persönlichkeit der Einzelnen verankert, ob jemand die Initiative ergreift oder nicht. Ich habe mir nie Illusionen hingegeben, nach einem EH-Kurs mit 15 Teilnehmern ebenso viele Ersthelfer zu verabschieden. Es kamen zu den 3-5 Althelfern vielleicht zwei Neue hinzu. Der Rest fällt sofort danach in seine alte Ebene “Ich kann kein Blut sehen, mir wird schlecht und wenn ich was falsch mache komme ich ins Gefängnis, nichts anfassen, da darf nur der Arzt dran.”
Wenn also schon 5 Leute anwesend sind und sich darüber beschweren, dass Andere vorbeifahren und deren Autonummern notieren, dann frage ich mich, welcher Notfall da sein soll.
Sollten mehr Leute eintreffen, als Helfer benötigt werden, kann man einen oder zwei zu leitenden Gaffern ernennen, die die Anderen auf Distanz halten. Oder man kann sie als Deckenhalter benutzen. Zur Belohnung gaffen sie dann offiziell hinter die Decke, die sie der Meute als Sichtschutz ganz wichtig ins Gesichtsfeld halten.
10. November 2008 um 09:16 Milan(Quote)
Ich bin zum Glück bisher noch nicht in die Situation gekommen Zeuge und Helfer bei einem schweren Unfall zu sein habe aber schon mehrmals verunfallten Menschen geholfen und würde vermutlich auch nicht zögern dies bei einem schweren Unfall zu tun.
Meine ersten Hilfe kurs werde ich bald, nach 3 Jahren wieder auffrischen wobei ich das meiste noch weiß.
Ich glaube ein Problem warum viele nicht anhalten ist die Idee das andere schon anhalten werden weshalb man denke ich deutlicher machen sollte das man immer vor Ort schauen sollte ob wirklich ausreichend Hilfe da ist. Ich selber halte immer an es sei denn Profis sind schon vor Ort einfach aus dem Wissen heraus das häufig lange keiner hilft.
Ich finde solche Einträge und Kommentare übrigens äusserst interessant und einer der Gründe warum ich diesen Blog lese!
10. November 2008 um 11:02 Torsten Bentrup(Quote)
@Mocca: Mein Reden, das Video ist mal sehr hintersinnig und geschickt gemacht.
@Guggug: Neuhaus klingt schonmal prima.
@Ulli F.: Die Situation hatte ich in der Nacht, in der mein Telefon geklaut wurde. Am Ende des Husarenwegs/Ecke Diebesweg hatte sich ein Wagen mit Vollgas in einen Erdhügel gebohrt. Kein Telefon, schlechte Funkverbindung (und keine Kamera
). Erst hab ich einen Kollegen zum 112-wählen aufgefordert, bin dann durch den Matsch geklettert und war sehr erfreut, daß niemand mehr drin lag. Wie ich dann am Funk erfuhr, war der Unfall auch schon längst “erledigt”.
Mit einem Aufkleber hätte ich mir nicht die Klamotten versauen müssen. Menno… Dabei war es sogar ein britisches Fahrzeug!
@Mike: Wenn ich Deine Mailadresse richtig deute, kommst Du sogar aus der Gegend. Wollen wir da so Januar/Februar ein Erste-Hilfe-Blog-Event draus machen? Ein Extratermin mit Intensivschulung für Blogleser, Paderblogger (das könnten wir sicher auch in fast allen Paderblogs bekannt machen) und natürlich Taxifahrer (ich verteil dann auch Flyer am Taxistand, es gibt tatsächlich noch Kollegen, die hier nicht mitlesen)?
Am besten Wochentags Nachmittags mit anschließendem Kneipenbummel für diejenigen, die Lust haben? Und Guggug macht den Ko-Instruktor!
Fänd ich eine Superaktion!
@Fincut: Sicher hätte man auch einen 20-minütigen Hochglanzfilm drehen können. Hätte nur keiner zu Ende geguckt…
10. November 2008 um 11:13 Maik(Quote)
>>> Sicher hätte man auch einen 20-minütigen Hochglanzfilm drehen können. Hätte nur keiner zu Ende geguckt…
Sei Dir da mal nicht so sicher. Deine Besucherzahlen wären phänomenal gestiegen, besonders wenn man noch einige Nahaufnahmen mit eingebaut hätte…
10. November 2008 um 17:43 Mike(Quote)
Klasse Idee! Jederzeit!
13. November 2008 um 18:36 Rettungsdackel(Quote)
Dein Vorhaben den Erste Hilfe Lehrgang aufzufrischen find ich sehr gut. Meiner meinung nach sollte das alle 3-5 Jahre Pflicht sein.
aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen das 90% der Ersthelfer bei einem Unfall oder ähnlichem auch keine med. Hilfe leisten können. Mehr als Lagerung oder vielleicht noch ein kleiner Verband ist meist gar nicht drin.
aber was anderes. Ich hab leider ne Weile bei dir nicht gelesen. Ich war ganz überrascht das du die Firma gewechselt hast. Was ist passiert? Und vor allem wann? Hab schon versucht etwas im Archiv zu suchen hab aber nix gefunden
13. November 2008 um 18:44 Torsten Bentrup(Quote)
@Mike: Ich meld mich da im Januar noch bei Dir!
@Rettungsdackel: http://www.taxi-blog.de/wordpress/kollegen/14... war das “Wechsel-Outing” hier im Blog und erklärt auch Deine Fragen. Es wird bald Zeit für den 3-Monats-Rückblick (oder lieber 100 Tage?).
14. November 2008 um 06:47 Rettungsdackel(Quote)
Ich danke dir. ich bin für denn 100Tage Rückblick. Mein Reader hat mir leider nur die Einträge ab Ende August angezeigt
4. Dezember 2008 um
[...] … gefunden im beliebten „Taxiblog“ von Torsten Bentrup: http://www.taxi-blog.de/wordpress/verkehrt/15... [...]
8. Dezember 2008 um 14:08 M.One(Quote)
Wann ist denn der nächste EH-Kurs in Schloß Neuhaus?
Vielleicht schaffen wirs ja tatsächlich gemeinsam dahin!
29. April 2009 um 03:58 Chris(Quote)
Diesmal hab ich mich nicht durch alle Kommentare gekämpft, mach ich vielleicht noch…
…aber ich wollte mich bei dir bedanken, Torsten. Für den Blog an sich sowieso, aber diesmal konkret für dieses Video. Ich habe nämlich in den empfohlenen Videos danach eines gefunden, was in der Fahrschule gezeigt wurde, mich total schockiert hat und was ich danach leider nie wieder gefunden habe: Die letzte Minute. Mein späterer Fahrlehrer hat das in meiner Theoriestunde zum Verhalten bei Unfällen gezeigt, ich fand das genial. Also sowohl das Video als auch dass er das gezeigt hat.