Wenn Polizisten schlechte Laune haben

Und wo wir grade beim Thema sind. Seit eineinhalb Wochen überlege ich, ob ich die Erlebnisse verbloggen soll. Aber ich bin immer noch ziemlich sauer und auch immer noch der Meinung, daß es sich dabei um reine Schikane gehandelt hat. Also muß es raus.

Kurz vorweg: Ich habe fast ausschließlich positive Erfahrungen mit der Polizei gemacht. Die Beamten machen fast immer einen großartigen Job, den ich nicht freiwillig übernehmen würde. Ich will also nicht pauschalieren und ich hab auch keine Ahnung, welche Laus diesem Beamten über die Leber gelaufen ist. Dieser Polizist ist mir hier auch zum ersten Mal negativ aufgefallen.

Es begann harmlos. Kurz vor 2 Uhr komme ich am Rathausplatz an. Der Auftrag war: Anrufer kommt um 2 Uhr zum “Bar Celona” am Rathausplatz.

Während ich also warte, werde ich von einer Streife zugeparkt. Ein Beamter steigt aus und kommt zur Fahrertür.

“Guten Tag, Führerschein und Fahrzeugschein bitte.”

“Was hab ich denn getan?”

“Führerschein und Fahrzeugschein, BITTE!”

Er nimmt die Papiere, geht zum Streifenwagen und funkt ein bischen. Dann kommt er zürück.

“Was machen Sie hier?”

“Auf meinen Fahrgast warten.”

“Ach, und der ist gehbindert?”

“Nein, nicht daß ich wüsste. Warum?”

“Hier ist Fußgängerzone, sie haben hier nichts zu suchen!”

“Ich bin über den Kamp hierhin gefahren und da steht eindeutig ein Schild mit dem Hinweis -Taxi frei bis Rathausplatz-.”

“Ach, ist das so?”

Sprachs, ging zum Streifenwagen und verschwand. Während ich noch am Funk die üblichen Sprüche zu solchen Situationen austausche (ihr wißt schon: “Haben wohl zuviel langeweile…”, “Die Verbrecher schlafen bestimmt alle schon…”) steht der Wagen schon wieder hinter mir.

Der Polizist steigt aus, stellt sich neben mein Taxi und meint:

“Dann wollen wir doch mal sehen, ob Ihr “Fahrgast” noch kommt!”

Kam er blöderweise nicht. Ärgerlich, aber an einem Treffpunkt, an dem im 3-Minuten-Takt Taxen auf Kundensuche vorbeifahren, ist die Wahrscheinlichkeit für dieses Ergebnis deutlich höher als 10%. Passiert also ständig und ist nicht ungewöhnlich. Am Wochenende steigt die Quote der Fehlfahrten grade dort am “Bar Celona” auf gefühlte über 50%.

Während wir gemeinsam warteten, rief mein Chef an. Nachdem ich ihm die Lage erklärt habe, wurde er dann etwas lauter. Ich vermute mal, die Worte “Nur schriftlich!”, “Anwalt” und “Rechtsschutzversicherung” sind auch bis an des Polizisten Ohr gelangt.

Nunja, so richtig gebremst hat es ihn nicht. Sein nächster Vorwurf beruhte auf dem leuchtenden Dachschild.

“Ich glaube ihnen nicht, daß Sie bestellt sind. Sonst hätten Sie das Taxischild ja ausgeschaltet.”

Denkste. An einem Mittwoch wäre ich froh über jeden Abwinker auf dem Weg zur telefonisch bestellten Fahrt. Den würde ich nämlich einladen und die andere Fahrt über Funk weiterreichen. Umsatzmaximierung zum Wohle aller Kollegen.

“Hören Sie mal. Ich hab auch schon ein paarmal ein Taxi bestellt und die kamen immer mit ausgeschaltetem Schild!”

Ja, die Unternehmen kenne ich auch. Wenn der Vogel mal kaputt ist, wird er auch nicht repariert. DIE können den gar nicht einschalten. Und dann gibt es auch noch Firmen, bei denen das Schild ausschließlich durchs Taxameter gesteuert wird. Da kann man nichtmal manuell ausschalten. Kurz gesagt: Bullshit-Argument, von mir mit freundlichen Worten entkräftet.

Er stieg nochmal zu seinem älteren Kollegen ins Streifentaxi, kommt wieder raus und erklärt.

“Und sie parken in der Fußgängerzone. Sie stehen ja schließlich schon länger als 3 Minuten hier.”

Pfht, Kunststück. Seit 20 Minuten entkräfte ich hier einen konstruierten Vorwurf nach dem anderen. Und ich bin zugeparkt.

“Eigentlich kostet das 30 Euro. Sehen Sie zu, daß Sie schleunigst hier rausfahren. Gute Fahrt noch.”

Hab ich dann auch getan. Und natürlich meckert direkt beim Motorstart die “Glühlampen-Diagnose”, bekannter Serienfehler bei Daimler. Also nochmal kurz aussteigen und ein gezielter Schlag aufs Rücklicht, damit ich nicht den nächsten Strafzettel für fehlerhafte Beleuchtung bekomme.

Drückt mir mal die Daumen, daß das ein Einzelfall war. Wenn ich mir zukünftig irgendwelche Kleinscharmützel mit der Polizei liefern muß, würde das doch deutlich die Freude an der Arbeit schmälern.

PS: Ich kann mir übrigens nicht vorstellen, daß man mich “auf dem Kieker” hat. Mein Dienstwagen ist ziemlich auffällig, von der Modellreihe gibt es nur noch dieses eine Taxi. Deshalb (und natürlich, weil ich generell Rowdytum im Verkehr scheiße finde) halte ich mich fast vollständig an die Verkehrsregeln und bin ziemlich sicher noch nie polizeilich aufgefallen. Ein “den hab ich schon so oft bei verbotenen Dingen gesehen und nie was machen können, heute schnappe ich mir den Kerl” dürfte also ausgeschlossen sein.

PPS: Während der ganzen Aktion schlichen auch zwei Kollegen durch den “verbotenen” Teil der Fußgängerzone. Das erste wurde einfach ignoriert, der zweite Fahrer zur Rede gestellt und nach kurzer Ermahnung weitergeschickt.

In dem Moment hatte ich irgendwie Mitleid mit dem Beamten. Er machte einen ziemlich frustrierten Eindruck danach. Als wenn er nur noch nach einem Weg suchte, sein Gesicht nicht zu verlieren, nachdem er zuerst so resolut aufgetreten war.

19 Antworten zu “Wenn Polizisten schlechte Laune haben”

  1. PaB sagt:

    Tja, Kleingeister gibt es auch unter Polizeibeamten; der entscheidende Punkt war wohl Dein Satz “…da steht eindeutig ein Schild mit dem Hinweis -Taxi frei bis Rathausplatz-.”
    Da erkannte er, dass er einen Fehler gemacht hat, den er bedauerlicherweise nicht zugeben konnte: alles was danach kam, war der irrwitzige Versuch, “Recht zu haben”.
    Also vergiss die Sache. Der Typ kann einem allenfalls leid tun.

    Frage mich ohnehin manchmal, nach welchen Kriterien die ihre Anwärter für den Job aussuchen und was denen während ihrer Ausbildung beigebracht wird; schätze Pluspunkte sind: autoritäres Gehabe, Machoverhaltensweisen, bloss keine “Schwäche” zeigen (z.B. Fehler/Irrtum zugeben).

    Ganz andere Erfahrungen habe ich hingegen mit den Beamten gemacht, die eine Zeugenaussage aufnehmen, wenn man wieder mal eine Körperverletzung etc. beobachtet hat: DIE sind ausgesprochen freundlich und souverän.

  2. Mo sagt:

    Ich meine mich zu erinnern, dass es mal ein Urteil gab, dass nur der parkt, der sich so von seinem Auto entfernt, dass er nicht unmittelbar auf eine Situation an oder um sein Auto reagieren kann.
    Es ging im speziellen darum, dass ein Mann neben seinem Auto im Café saß …keine 3 Meter entfernt. Auch wenn das dreist ist, er bekam recht und die Sache wegen “Parken im Parkverbot” wurde abgeschlossen.

    Ich find aber grad die Seite nicht wo das steht *grummel*

    Grüße
    Mo

  3. Michael sagt:

    Hallo Torsten,
    Du hast es richtig erkannt, er hatte übersehen, daß Du da hinfahren darfst und kam aus dem Nummer schlecht raus, ohne an Gesicht zu verlieren. Je trockener/sachlicher Du dann mit ihm umgehst (ohne “Verbrecher-Kommentare), desto besser steht Ihr beide dann zum Schluß da. Und beim nächsten mal drückt er dann auch eher ein Auge zu wenn zum Beispiel das Rücklicht defekt ist.
    Der hatte vielleicht gerade Taxifahrer erlebt, die sich total daneben benommen haben und einen entsprechenden Hals …
    Eine Frage: gibts in Paderborn eine Feinstaubzone und bekommt Dein Auto eine Plakette?
    Viel Grüße
    Michael

  4. Torsten Bentrup sagt:

    @Michael: Die “Verbrecher-Kommentare” waren natürlich unter Ausschluß der Öffentlichkeit.

    Zum Feinstaub: Mein Daimler ist ein Benziner mit Autogasumrüstung und (hoffe ich mal…) geregeltem Katalysator, sollte also eine grüne Plakette bekommen. Aber bisher ist in Paderborn (zumindest mir) noch keine Einteilung in Zonen bekannt. Weiß jemand mehr?

  5. JoSchu sagt:

    War der Polizist oder sein Kollege denn gehbehindert? Oder was machen die mit dem Wagen in der Fußgängerzone? Laufen die auch unter “Taxi”?

  6. pit sagt:

    Wenn man als Kunde mit dem Taxifährt und angehalten wird, läuft das Taxameter dann eigentlich weiter??

  7. Don Pepone sagt:

    In unserer Stadt (irgendwo im Ruhrgebiet) haben sich solche Angriffe auf kleine Spatzen mit verchromten und blitzenden Kanonen schon seit langem als Status quo etabliert.
    Offensichtlich kommen die Einschläge des Kehraus mit dem eisernen Besen nun auch näher an Ostwestfalen heran. Wo soll das bloss alles enden? ;-)

  8. Bobby sagt:

    Müsste es doch eigentlich? Schließlich läufts an einer Baustelle, im Stau und an einer Ampel ja auch weiter.

  9. LeSmou sagt:

    was ich extrem lustig finde: Ich kann über Polizisten bisher nix schlechtes sagen. Über Taxifahrer schon ROFL
    was das parken angeht sind die Fragen beim TÜV eindeutig: derjenige parkt, wer länger als 3 Minuten hält und wer das Fahrzeug verlässt. Was ein Gericht im Einzelfall entscheidet ist da doch egal, solange es keinen Einfluss auf die Gesetzeslage hat.

  10. Michael sagt:

    Ja ja der Grün-Weiße Trachtenverein

    Die sollten lieber mal öfter in der Zentralstation und im PQ ( Paderquell-Gebiet) Streife Fahren da sind die besser aufgehoben.

  11. Callinator sagt:

    Seine alte hat ihn wohl nich rangelassen…

  12. PaB sagt:

    @pit:
    Ob die Taxiuhr weiterläuft hängt davon ab, ob der Fahrer sie stoppt. Falls er das nicht macht, musst Du im Falle einer Polizeikontrolle die auflaufende Wartezeit jedenfalls nicht bezahlen.

    Allerdings werden besetzte Taxen bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle immer durchgewunken; jedenfalls bei uns hier.

  13. Newty sagt:

    Herrje… Nix zu tun und keinen Bock. Erinnert mich an ne Sache von vor 2 Jahren. Ich parke mit 2 Freunden an einer Nebenstraße. Wir haben nix zu tun, die zwei Freunde trinken Rum. Kommt ein alter Golf Combi von vorne, blendet auf und sperrt mich ein. Eine Person in Lederjacke steigt aus. Ich zück das Handy, ruf 110 an, dass ich im Auto sitze, mich zwei Personen mit einem anderen KFZ eingekeilt haben und sich nun auf mich zubewegen. Bis zur Durchgabe der Straße bin ich gekommen, dann machtes *zonk* an meiner Scheibe und ein Dienstausweis der Polizei klebte an meiner dran. Leider fehlt einem in solchen Fällen die Coolness, das Fenster runterzukurbeln und das Handy weiterzugeben “Ihre Kollegen sind dran!” Wollten nur im Zivilfahrzeug ne allgemeine Verkehrskontrolle machen – von einem parkenden KFZ(geht das überhaupt?). Haben noch spontan alles, was man feststellen konnte, über Funk überprüft und sich über meinen fehlenden Personalausweis aufgeregt(Herrje, alle Daten für ne Abfrage stehen auch auf dem Führerschein). Dann durften noch die trinkenden Mitfahrer ihre Volljährigkeit beweisen. Ich durfte 3mal sagen, dass ich nix getrunken hab und einen Beamten anhauchen. Nach 25 Minuten war der Spuk vorbei und unsere Laune im Keller…

  14. Tom sagt:

    Naja, so ein Polizist ist auch nur ein Mensch, und auch die haben mal schlechte Tage – solange es am Ende “0:0″ ausgegangen ist…. ;)

  15. Kurt sagt:

    @ JoSchu:

    Polizisten sind immer im Einsatz, d.h. sie können parken, fahren und halten, wo sie wollen. Also auch im Halteverbot, auf Behindertenparkplätzen usw. Und zwar auch dann, wenn es keinen konkreten Fall gibt, für den es notwendig ist, an Ort und Stelle das Fahrzeug abzustellen.

    Ich habe mit Polizisten bislang bis auf eine Ausnahme nur gute Erfahrungen gemacht. Als Faustregel gilt wohl: Je größer die Stadt, desto hilfsbereiter sind sie, z.B. bei Wegbeschreibungen, wo sich welche schon als Lotsenfahrzeug angeboten haben. In kleineren Städten müssen sich die Streifenwagenbesatzungen ihre Einsätze wohl mehr oder weniger selbst suchen. Verkehrskontrollen stehen dann natürlich an erster Stelle. Und wenn der Beamte dann noch merkt, dass er falsch liegt (wie in diesem Fall), dann geht es richtig los. Also Augen zu und immer lächeln.

    Unabhängig davon: Es gibt ja auch diese Leute, die bei der kleinsten (berechtigten) Fahrzeugkontrolle gleich alle Namen, Dienstnummern und sonst was haben wollen und gleich mit: “Mein Anwalt wird das überprüfen” anfangen. Da würde ich als Polizist auch gleich noch weiter kontrollieren bis hin zur Anzahl der Sicherheitsnadeln im Verbandskasten.

  16. Razool sagt:

    *lach* also ich glaub ja an die aussage, dass ihn seine frau nich ran liess.

    und irgendwie spricht kurt mir aus der seele……….wenn wir in den harzstädtchen unterwegs sind, wird alles angehalten, was irgendwie nach kfz aussieht……oder eben die zeit an der tanke vertrödelt………da freut man sich richtig, wenn es nach mageburg geht und man endlich wieder was zu tun hat *lach*……..dass der kollege in deinem fall den großkotz hat raushängen lassen, find ich persönlich ziemlich arm und hat mit “dienst am bürger” nicht viel zu tun…….aber solche idioten gibt es leider in jeder PD…..uniform hin, uniform her…..die sind dann meist auch zivil ein arschloch^^

  17. efx sagt:

    @leSmou
    verlassen ist offenbar etwas anderes als aussteigen. Hier geht es um das Verbleiben in Sichtweite des FZ und die Möglichkeit, sofort zum Wagen zurückzukehren.
    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2007...

    Gruss,
    efx.

  18. Andre Landwehr sagt:

    Torsten sei froh, daß du in PB und nicht in H unterwegs bist. Es grassiert unter den Polizisten mal wieder der Weihnachtsvirus, die Stadtkasse ist leer und es wird abkassiert wo es nur geht, um die Bilanz am Jahresende hübscher zu gestalten. An den vierspurigen Ausfallstraßen werden regelrechte Straßensperren errichtet, wo rund um die Uhr 20 Polizisten stehen und jeden Wagen durchsuchen, der da vorbei fährt, egal ob Taxifahrer, Fahranfänger, Berufstätiger auf dem Arbeitsweg oder Oma auf dem Weg zum Einkaufen. Vielleicht ist ja der Verbandskasten abgelaufen oder ein Rücklicht kaputt, 30 Euro sind auch Geld und das läppert sich. Offenbar hat die Polizei ja ohnehin nichts besseres zu tun. Wie sich die junge Frau neulich kurz vor Mitternacht gefühlt hat, die mit ihrem Kleinwagen in eine dieser Kontrollen geraten war und um deren Wagen (war ja sonst nicht viel los) nun 20 bewaffnete Männer im Kreis herum standen, möchte ich mir lieber nicht ausmalen.

  19. butscher sagt:

    @torsten
    ein tip für die zukunft.wenn ein polizist deine papiere will,gib sie ihm einfach.die frage “was habe ich falsch gemacht?” ist völlig überflüssig.er darf deine papiere immer,jederzeit und auch ohne den geringsten grund kontrollieren.
    im allgemeinen machen die ja auch nur ihren job,aber zur willkür.ich bin schon mit den händen auf dem dach gelandet.ich war zur falschen zeit am falschen ort.die personenbeschreibung war aber südländischer typ,dunkle haare,1,70cm.ich bin 187cm,blond und blauäugig.nachdem man mich eine halbe std. schikaniert hatte durfte ich wieder gehen.entswchuldigung gab´s nicht und ich durfte zu fuß zurücklatschen.

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