Wie gefährlich ist Deutschland?
Oder: Wenn die Angst größer als die Gefahr ist…
Die Süddeutsche Zeitung zum Thema “Gefühlte Kriminalität”.
Einen Überblick über aktuellen “Kriminalitätstrends” gibt es ebenfalls bei der SZ: www.sueddeutsche.de
Oder: Wenn die Angst größer als die Gefahr ist…
Die Süddeutsche Zeitung zum Thema “Gefühlte Kriminalität”.
Einen Überblick über aktuellen “Kriminalitätstrends” gibt es ebenfalls bei der SZ: www.sueddeutsche.de
Der Beitrag wurde am Sonntag 26. November 2006 um 11:08 veröffentlicht und wurde unter Sonstwas abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.
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26. November 2006 um 11:36 Erik(Quote)
Ein relativ alter Hut. Die subjektive Wahrnehmung verklärt einem hier die Sicht auf die objektiven Zahlen. Dank Fernsehen, was Tag für Tag von schrecklichen Verbrechen berichtet, denkt man, es würde immer schlimmer werden.
Wird es aber nicht.
Der Satz aus dem zweiten Link beschreibt dieses Mißverhältnis ziemlich gut:
> Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, sei
> in Deutschland immer noch sieben mal größer, als durch eine beabsichtigte
> Straftat zu sterben.
26. November 2006 um 11:40 karl(Quote)
schöner artikel
“Die Gewerkschaft der Polizei arbeitet noch immer so: Sie betrachtet Angstpolitik als Standespolitik, mit der sie ihre (berechtigten!) Anliegen besser durchsetzen kann.”
Das gilt wohl teilweise auch für Innenminister und Terrorismus
26. November 2006 um 12:30 Jason(Quote)
teilweise? Beim Terrorismus geht es nur um FUD (Fear, uncertainty, doubt; etwa: Furcht, Unsicherheit, Zweifel). Auf beiden Seiten. Terroristen möchten Angst verbreiten um ihren Zielen näher zu kommen, Politiker um das Volk besser unter Kontrolle zu halten.
26. November 2006 um 12:41 Matthias(Quote)
Ähm hallo?
Mag sein, dass das im bundesdeutschen Durchschnitt der Fall ist, in Berlin, wo ich wohne, ist es jedenfalls nicht so.
Außerdem tauchen Pöbeleien, Beleidigungen, bedrohliches Gebärden etc. in keiner Kriminalitätsstatistik auf, aber wenn ich jedes Mal, wenn ich abends weggehe, *mindestens* einmal blöd angemacht werde von einer Gruppe halbstarker … was nützt mir dann eine Statistik? Was nützt mir eine Statistik wenn es mal dazu kommt? Soll ich dann sagen “Oh, schön dass ihr mich jetzt ausraubt, dann hab ich ja statistisch gesehen für die nächsten 15 Jahre Ruhe”? Ich geb zu, ich wurde noch kein einziges Mal ausgeraubt oder zusammengeschlagen. Weil ich in solchen Situationen einfach weggehe oder gar weggucke. Trotzdem nützt es mir nichts, wenn ich 3x die Woche in die Situation komme, wo es passieren könnte.
Und nein, man gewöhnt sich nicht daran.
In euren Gegenden will ich wohnen.
26. November 2006 um 14:14 karl(Quote)
>“Oh, schön dass ihr mich jetzt ausraubt, dann hab ich ja statistisch gesehen für die nächsten 15 Jahre Ruhe”
nicht mal das haste: die wahrscheinlichkeit zweimal überfallen zu werden ist ex ante niedriger als einmal überfallen zu werden. Wenn du dagegen schon einmal überfallen wurdest ist die wahrscheinlichkeit nochmal überfallen zu werden genauso hoch es vorher die wahrscheinlichkeit war, einmal überfallen zu werden…
Es sei denn in deinem viertel wohnt nur ein Verbrecher und der ist nach dem ersten Überfall so reich dass er in die Karibik zieht
Juhuuiiiiiiiu, Klugscheisser-Pensum für den Tag erfüllt
))
26. November 2006 um 16:21 Matthias(Quote)
Ach ne karl, ich danke dir für diesen hochqualifizierten Kommentar. Das hätte ich ohne dich gar nicht gewusst. Wie gut, dass ich den Statistik-Schwachsinn auch nicht in meinem Kommentar widerlegen wollte.
Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Titels “Held der Logik”. Du darfst jetzt an jede Häuserwand schreiben, dass Wale keine Fische sind und jeden dir erzählten Witz so lange analysieren, bis du keine Freunde mehr hast. Ach das ist schon…? Na ja, dann kauf dir einen Lolli.
26. November 2006 um 21:58 anonym(Quote)
die gefahr die durch den staat ausgeht empfinde ich als viel größer als durch die restliche kriminalität zusammen.
und das meine ich wirklich ernst!
27. November 2006 um 07:41 Matthias(Quote)
Ja das stimmt, die kapitalistisch-zionistische Weltverschwörung des Weltjudentums sollte nicht vergessen werden.
27. November 2006 um 08:05 Jason(Quote)
Matthias: Dieter Nuhr, Standardspruch.
27. November 2006 um 08:12 Jason(Quote)
Zum Thema: Ich gehe auch Nachts alleine durch dunkle Gegenden, war auch schon in Berlin Nachts alleine unterwegs. Und dabei begegnen einem schonmal andere Leute. Manchmal auch (be/an)getrunkene, die etwas aggressiver unterwegs sind. Aber ständige Angst habe ich dann nicht. Das macht einen nämlich nur verrückt, wenn man ständig überlegt, was passieren könnte und wie gefährlich doch alles ist, dann fühlt man sich schon halb ausgeraubt. Genau das ist was gefühlte “Gefühlte Kriminalität” ist. Und man macht nicht so’nen Mist wie jeden Vorbeigehenden eingehenden anstarren und auffällig ausweichen.
Wenn ich tatsächlich mal überfallen werden sollte, macht das nämlich keine Unterschied ob ich “vorbereitet” bin oder nicht. Dann schon wenigstens überrascht werden.
27. November 2006 um 11:07 Marc(Quote)
Auch wenn es in dem Film “Bowling for Columbine” nicht um Deutschland geht, und zentral auch nicht um Kriminalität, ist das Thema “Angst” doch ein wichtiger Punkt in dem Film und zeigt ganz gut auf, wie mit der Angst vor bestimmten Dingen Politik gemacht und Geld verdient wird.
Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte sich diesen bei Interesse mal ausleihen. Ich fand es sehr interessant und sehenswert.
Und das mit der Angst vor Terror und Kriminalität auch hier in Deutschland/Europa Bürgerrechte abgebaut werden, sollte sich Jede/r bewusst machen: Vorratsdatenspeicherung, Einsatz der Bundeswehr im Innern, Biometrische Pässe, Internetzensur, sinnlose Videoüberwachung, Lauschangriff, … um nur mal einige Stichworte zu nennen.
3. Dezember 2006 um 22:08 Ben(Quote)
Das Problem mit der Kriminalität ist, dass die Anzahl der Gewalttaten nun einmal definitiv zunimmt. Gleiches gilt für aggressives Gebahren, Pöbelei und ähnliche Dinge gerade in der U-Bahn. Meine persönlichen Erfahrungen stimmen hier mit der Statistik überein, und das sorgt für ein verdammt schlechtes Sicherheitsgefühl.
Es ist meiner Ansicht nach von der Politik absolut gewollt und absolut beabsichtigt, dass dies so ziemlich die einzige Stelle ist, an der die Gesetze vollkommen bewusst *nicht* verschärft werden. Der unterschwellige Terror der Jugendbanden wird genutzt, um die Leute in Angst zu halten, und mehr Internetüberwachung, Bespitzelung und Einschränkung der Bürgerrechte durchzusetzen. (Alles Dinge, die vielleicht dafür sorgen, dass die freie Presse Probleme bekommt, weil der Informantenschutz ausgehebelt wird, die aber nichts gegen die Straßenkriminalität tun.)
Wenn mir alle zwei Jahre mal meine Geldbörse geklaut würde, das wäre nervend, aber damit hätte ich kein großes Problem. Viel übler ist es, regelmäßig in der Umgebung von extrem aggressiven jungen Männern zu sein, denen man nur schlecht ausweichen kann, und die es unter dem Hinweis auf ihre “Ehre” jede Sekunde darauf anlegen könnten, dich anzugreifen oder zu demütigen. In Straßen- und U-Bahnen, Orten also, an denen man nicht ausweichen kann, wirkt dieses Bedrohungsgefühl nochmals zwanzigmal stärker.
4. Dezember 2006 um 09:40 Erik(Quote)
Auf welche Statistiken beziehst du dich?
4. Dezember 2006 um 12:18 Ben(Quote)
@Erik
Naja, ich beziehe mich unter anderem, auf die Zahlen aus dem oben im Posting verlinkten Artikel aus der SZ (Siehe Abschnitt “Gewalttaten”):
http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artike...
Aber so ist es leide schon seit Jahren. Die allgemeine Kriminalität geht zwar zurück, aber der öffentliche Raum wird im Gegenzug drastisch unsicherer. Ich denke, dass dies der Grund ist, warum sich die Leute unsicherer fühlen, und ich vermute, dass die Politik dass sehr, sehr gerne nur allzu billigend in Kauf nimmt.
Hier noch ein interessanter Link:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/archiv/23.1...
4. Dezember 2006 um 21:22 Erik(Quote)
Stimmt, die Gewalttaten nehmen zu.