wg. Wahlcomputer nochmal
Wer immer noch nicht die Online-Petition gegen Wahlcomputer in Deutschland unterschrieben hat, sollte sich heute mal intensiv die Nachrichten ansehen.
Den Radio-Berichten der heutigen Nacht zufolge, ist stellenweise wieder heftig Chaos bei den US-Repräsentantenhaus- und Senatswahlen ausgebrochen. Gerichtliche Verfügungen wg. defekter Geräte, falsch zugeordnete Stimmen, verlängerte Öffnungszeiten… Der Demokratie-GAU.
Kurz nochmal die Argumente gegen die Wahlcomputer:
Sie können relativ einfach manipuliert werden. Wer sagt, daß die Hersteller kein Wunsch-Wahlergebnis haben?
Sie können, selbst durch Wände hindurch, ausgelesen werden (via Monitorbild).
Eine Nachzählung bei technischen Problemen und Manipulationsverdacht oder einfach nur, weil das Ergebnis sowohl wichtig als auch knapp ausgefallen ist, ist unmöglich.
Und natürlich: Warum? Es gibt keinen echten Vorteil dadurch.
Interessante Links:
Die Seite des Berliner CCC zum Thema: berlin.ccc.de/index.php/Anti-Wahlcomputer-Petition
Spiegel-Online zur US-Wahl: www.spiegel.de/politik
Einige Info-Links: im alten Beitrag, insbesondere auch in den Kommentaren
Und der aktuelle Link zur Petition: bundestag/view_petition.asp?PetitionID=321
(Hinweis: Die Online-Petition hat jetzt eine neue Adresse. Die alten Stimmen sind nicht verloren und beide Listen werden addiert. Der Grund ist in der verbuggten Software zu suchen. Offensichtlich funktioniert das Anzeigen der Unterzeichnernamen nicht mehr, wenn mehr als ungefähr 20.000 Unterschriften eingegangen sind. Sehr peinlich für die Napier-Universität in Edinburgh, die für die technische Abwicklung für Bundestag-Petionen zuständig ist. Fragt mich nicht…)
8. November 2006 um 08:53 Kurt(Quote)
Wir haben doch längst Wahlcomputer in Deutschland, wieso soll man dann gegen deren Einführung protestieren? Oder sind demnächst neue Geräte geplant?
8. November 2006 um 09:50 Marcel(Quote)
Es geht darum, daß Wahlcomputer in jedem Fall einfach zu manipulieren sind.
8. November 2006 um 09:51 Erik(Quote)
Glückwunsch, du hast also nicht mal die Petition gelesen, hier der erste Satz für dich:
Der Petent fordert die ersatzlose Streichung des § 35 Bundeswahlgesetz (Stimmabgabe mit Wahlgeräten).
8. November 2006 um 09:59 just be.(Quote)
Die, die bisher benutzt wurden, sind ja quasi nur “Pilotversuche”, hier geht es um ein völliges Abschaffen aller “Wahlgeräte”.
(eine gute Übersicht wo bisher schon mit Wahlgeräten gewählt wurde gibt es hier: https://berlin.ccc.de/index.php/Wahlcomputer:...)
8. November 2006 um 10:43 Kurt(Quote)
@ Erik:
Ich habe die Petition tatsächlich nicht gelesen. Der Beitrag war aber so formuliert, als ginge es um eine bevorstehende Einführung.
Ich habe bei zwei Wahlen als Wahlhelfer im Wahllokal gesessen, wo nur Computer eingesetzt wurden. Wenn dort alles streng nach Vorschrift läuft, kann man die Chips im Computer nicht manipulieren (höchstens von außen per Funk). Praktisch ist es schon, weil man schon ein paar Sekunden nach Schließung des Lokals die Ergebnisliste wie ein Kassenbon ausdrucken kann. Wahlbüros mit Stimmzetteln sitzen noch Stunden später beim Zählen.
Das größere Problem, was ich aber festgestellt habe, ist, dass ältere Leute mit den Geräten nicht umgehen können, obwohl man nur einen einzigen Knopf drücken muss. Andere Wähler denken, dass die Leute im Wahlbüro auf ihrem Computer-Steuergerät sehen können, welche Partei gedrückt wird. Der ein oder andere Wahlberechtigte bleibt deshalb vielleicht zu Hause.
8. November 2006 um 11:00 Werbwolf(Quote)
Einen Vorteil den man durch Wahlcomputer hätte:
Man könnte einen kleinen Test zum Thema Politik- und Demokratieverständnis vorschalten und wer druchknallt kann direkt wieder heim gehen und seine Stimme wird nicht gezählt…
Ich weiß das wäre ja undemokratisch und damit böse böse böse, aber ganz ehrlich?
Ich find es nicht beruhigend zu wissen dass Menschen, deren oblatendünnes Eis ihres halben Zweidrittelwissens (dank an Sarah Kuttner für diesen Begriff) nur durch die Kühle der Bildzeitung zustandekommt, darüber mitentscheiden dürfen wie mein Leben regiert wird…
LG Der Werbwolf
8. November 2006 um 11:01 pikas(Quote)
Eine “Online-Petition gegen Wahlcomputer” wirkt ja beim ersten Nachdenken schon etwas paradox…
So ‘n bisschen wie “Grillfest gegen Massentierhaltung”. Aber natürlich ist jedes Mittel recht, diesem Blödsinn Einhalt zu gebieten. Schlagt sie mit ihren eigenen Waffen!
8. November 2006 um 11:59 Matthias 'moeffju' Bauer(Quote)
Schnellere Auszählung ist ja mal sowas von gar kein Argument, ehrlich. Wir haben über den ganzen Wahltag hinweg Hochrechnungen, die schon recht exakt sind. Da jedes Wahllokal seine Stimmen selbst zählt (nachverfolgbar), sind die Ergebnisse auch in wenigen Stunden fertig. Ich möchte doch meinen, dass man ein paar Stunden auf Wahlergebnisse warten kann, statt sie durch einen komplett intransparenten Bondrucker instantan erzeugen zu lassen…
8. November 2006 um 12:13 Stefan(Quote)
gibts einen grund, warum die petition plötzlich nur 345 unterstützer hat? noch vor kurzem waren das ca. 60000
8. November 2006 um 12:49 Woodfighter(Quote)
@stefan:
Zitat aus dem Artikel, den du gerade kommentiertest: “(Hinweis: Die Online-Petition hat jetzt eine neue Adresse. Die alten Stimmen sind nicht verloren und beide Listen werden addiert. Der Grund ist in der verbuggten Software zu suchen. Offensichtlich funktioniert das Anzeigen der Unterzeichnernamen nicht mehr, wenn mehr als ungefähr 20.000 Unterschriften eingegangen sind. Sehr peinlich für die Napier-Universität in Edinburgh, die für die technische Abwicklung für Bundestag-Petionen zuständig ist. Fragt mich nicht…)”
8. November 2006 um 12:52 Kurt(Quote)
@Matthias:
“Schnellere Auszählung” ist auch kein Argument, sondern nur ein Vorteil. Es geht dabei auch nur um die endgültige Auszählung am Wahlabend für das amtliche vorläufige Wahlergebnis. Für die ersten Hochrechnungen am Abend um 18 Uhr spielt es keine Rolle, ob elektronisch oder mit Stimmzetteln gewählt wurde. Diese Zahlen stammen von Befragungen vor dem Wahllokal und von Zwischenauszählungen in ausgewählten Wahllokalen.
Ich finde die Wahl mit Zettel und Ankreuzen auch besser, aber wer das Ergebnis fälschen will, der kann das bei dieser Methode schneller und einfacher als bei Speicherchips im Computer.
8. November 2006 um 14:12 Andy(Quote)
Wie sagte der CEO von Diebold (dem Hersteller dieser Automaten) noch gleich? “…ich würde alles tun, damit Bush gewinnt!” Soviel dazu.
8. November 2006 um 14:14 Andy(Quote)
Zur Ergänzung: http://de.wikipedia.org/wiki/Diebold
8. November 2006 um 15:30 eco(Quote)
http://x06.org/de/log-detail/archive/2006/08/...
Viel mir grad wieder mal ein
Böse Zungen behaupten ja auch GWB hat nach der Wahl vor zwei Jahren dem Chef von Diebold ein paar Kisten Champagner zukommen lassen…
8. November 2006 um 15:43 Andreas(Quote)
Kurt:
Klar, wenn im Wahllokal alles nach Vorschrift läuft, kann man die Software da nicht manipulieren. Das würde ja auch irgendwie auffallen, wenn man plötzlich die Maschine aufschraubt.
Das Problem ist ja auch eher, daß jemand *vor* der Wahl am Wahlcomputer herumgespielt haben könnte. Die Sicherungsmaßnahmen dagegen sind unzureichend, und wie wir in Cottbus gesehen haben, werden sogar die ignoriert.
8. November 2006 um 16:14 Kurt(Quote)
Man bedenke, dass es ja auch immer noch Befürworter einer Wahl per Internet gibt, damit die Leute bequem von zu Hause aus ihre Stimme abgeben können, anstatt sich sonntags bis 18 Uhr aus dem Bett zu quälen.
Nun mag es zwar technisch immer irgendwie möglich sein, etwas zu manipulieren. Ganz zu schweigen davon, dass der Leiter des Wahllokals am Abend meist alleine zum Wahlamt fährt, um die Tasche mit den Zetteln oder dem Chip abzugeben – wer weiß, ob er da nichts austauscht?
Die einzige Möglichkeit zur Manipulation wäre, dass die “Klicks” der Wähler nicht der richtigen Partei zugeordnet werden. Dies wird aber vor Öffnung des Wahllokals testweise geprüft. Alle anderen Sachen, wie z.B. insgesamt mehr abgegebene Stimmen als tatsächlich Wähler da waren usw. (und damit andere Prozentwerte), sind ausgeschlossen.
Ich bin gegenüber dieser Technik zwar auch misstrauisch, glaube aber, dass die Sicherungsmaßnahmen hierzulande deutlich schärfer sind.
8. November 2006 um 17:27 Andreas(Quote)
Kurt,
vielleicht solltest du den Prüfbericht von Wij vertrouwen stemcomputers niet und CCC mal ausführlich lesen. Der entwickelte Patch erkennt Testwahlen, und manipuliert nur dann, wenn eine echte Wahl vorliegt. Und er verschiebt tatsächlich Stimmen zwischen den Parteien, das heißt, die Anzahl der Wähler ändert sich nicht. Ergo: die Manipulation bleibt unentdeckt.
Was die Sicherungsmaßnahmen angeht: noch vor wenigen Monaten hat das Bundesinnenministerium behauptet, man könne die Software nicht manipulieren, weil man dazu ja den Quellcode benötigen würde. Wir haben gezeigt, daß das Blödsinn ist. Dann stellten sich die offiziellen Stellen auf den Standpunkt, es könne ja nichts passieren, weil auf die Geräte ja so gut aufgepaßt wird. Wir haben dann in Cottbus beobachtet, wie die Wahlcomputer nach der Anlieferung eine Stunde lang unbewacht in den Wahllokalen herumstanden. Tut mir leid, aber glauben kann ich diesen Strukturen nichts mehr.
Und zum Thema “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser” empfehle ich noch einen Ausflug nach:
http://www.bpb.de/themen/WF23G9,0,0,Protest_g...
und eine kleine Überlegung, was wohl passiert wäre. hätte die DDR schon Wahlcomputer gehabt.
Und daß Internetwahlen noch schlimmer wären, müssen wir glaube ich nicht diskutieren.
8. November 2006 um 18:15 jonas(Quote)
für die die zu faul zum wahllokal zu gehn sind gibts ja auchnoch die briefwahl.
obwohl da müsste man zum briefkasten, aber dafür gibts ja das auto oder auch das taxi
bin aufjedenfall dafür
8. November 2006 um 19:56 Matthias 'moeffju' Bauer(Quote)
@Kurt:
Wenn ich Zweifel an der Papierwahl habe, zähle ich die Zettel einfach nochmal. Wenn ich Zweifel an der Computerwahl habe, schau ich einfach nochmal in die Datei, und hoffe, dass die keiner verändert hat.
Massenhaft Stimmzettel zu fälschen ist deutlich mehr logistischer Aufwand als ein paar Bytes in einer Datei zu ändern… vor allem kann man durch Manipulation an den Wahlcomputern sehr leicht sehr großflächige Manipulationen erreichen, nach dem Motto “jede dritte Stimme für A geht stattdessen an B”. So große Effekte durch Manipulation von Stimmzetteln erreichen zu wollen, halte ich für völlig unrealistisch.
Computer können nie inhärent “sicher” sein, außer du baust alle Teile selbst und programmierst direkt in Opcodes. Davon sind Diebold und Nedap weit, weit entfernt.
8. November 2006 um
[...] Es gibt Neuigkeiten zur Petition gegen Wahlcomputer und zwar gibt es technische Probleme bei der ersten Petition und deswegen wurde eine Ersatzpetition erstellt. Die Stimmen aus beiden werden zusammengezählt. Weiter Infos befinden sich hier und hier. Also falls hier irgendwer noch nicht abgestimmt hat, dann sollte er sich erst durch die beiden Links informieren. ccc netstuff petition wahlcomputer [...]
8. November 2006 um 21:06 Matthias 'moeffju' Bauer(Quote)
Interessant zum Thema ist auch http://www.heise.de/newsticker/meldung/80742
8. November 2006 um 21:48 Michi(Quote)
Wieso sollte jemand ausgerechnet in Cottbus Wahlergebnisse manipulieren wollen?
Bei der Wahl per Knopfdruck am Wahlcomputer kann man natürlich effizienter “Einfluß ausüben”. Fragt sich nur, welche Organisation oder Partei die höchste Motivation dazu hätte. Und angesichts der ellenlangen Listen der zur Wahl stehenden Kandidaten bei einer Bundestagswahl: da verliert doch eigentlich auch schon das Manipulationsprogramm den Überblick. So lange Omis in die Wahlkabine gehen und nach minutenlangem Rumrascheln plötzlich laut rufen, wo denn Helmut Kohl steht (Bundestagswahl 2005!!), mache ich mir eher Sorgen um die Wähler, nicht um einen Wahlcomputer.
9. November 2006 um 09:34 just be.(Quote)
Michi schreibt: Wieso sollte jemand ausgerechnet in Cottbus Wahlergebnisse manipulieren wollen?
Nun, prinzipiell kann man natürlich davon ausgehen, dass niemand eine Wahl manipulieren will, auch ich glaube wirklich gerne daran!
Nur, ich fühle mich halt deutlich wohler wenn ich weiß dass niemand die Wahl (bedeutend) fälschen kann. Du nicht?
Na, und Sorgen um den Wähler… die stehen auf einem anderen Blatt, genauso wie der Sinn und Unsinn dieser Art, also unserer Umsetzung der “Demokratie” – aber darum geht es nicht. Es geht imho, neben den nackten Tatsachen über die schon ausgiebig gesprochen wurde, auch darum, dass keiner, wirklich keiner ein Interesse oder überhaupt haltbare Argumente für Wahlcomputer hat – außer natürlich der herstellenden Industrie. Und es ist traurig, dass die Politik, die ja eigentlich die Meinung der Menschen (also der Bürger, die diese ja genau zu diesem Zweck gewählt haben) vertreten sollte, da wiedermal auf der anderen Seite steht… mal sehen, wie es jetzt weitergeht, ich bin jedenfalls gespannt!
9. November 2006 um
[...] melden!RSS-Service:Beiträge Kommentare Powered by KAYWA 09. November 2006″Mit Dieblod Wahlmaschinen wäre das nicht passiert” [ Wahlcomputer ] Von be . um 09:15 Quelle Via Taxi-Blog (übrigens ein sehhr unterhaltsames,großartiges Blog), Eintrag – kommentar nr 13) Trackbacks( Die Trackback URL für diesen Beitrag ist:http://be.suedblog.de/trackback/p61.html ) Bis jetzt keine Trackbacks zu diesem Beitrag KommentareBis jetzt keine Kommentare zu diesem Beitrag [...]
10. November 2006 um 08:43 klugscheisser(Quote)
wahlcomputer ist eh nur betrug auf staatliche anordnung. das ist wie ein wahlbüro auf dem main-tower und als wahlurne fungiert der regenwassereinlauf