Geht doch!
Manche Tage sind schon merkwürdig. Heute Nacht war eigentlich “Bahn-Tag”. Nur irgendwie nicht für mich. Immer dann, wenn ich auf einen der vorderen Plätze vorgerückt bin kam der Ruf der Zentrale: “Fahr mal eben nach $Irgendwohin! Ist grad kein anderer frei…”
Nun denn, mir ist es ja eigentlich auch egal. Fahrt ist Fahrt.
Mitternacht ging vorüber, die Kaffeepause ebenfalls. Auf gehts, noch ein Versuch. Bis kurz nach ein Uhr kommen noch zwei Züge. Als sechster Wagen in der Reihe hab ich also eine realistische Chance. Nach der ersten Lok bin ich dann auf Platz zwei angelangt. Gut schauts aus.
Es kommen auch tatsächlich zwei kofferbeladene Personen mit einigem Abstand voneinander aus dem Gebäude und steuern den Taxistand an. Yeah, die Lady ist meine!
Nö, wieder nix. Die beiden gehören wohl zusammen. Zumindest nehmen sie sich nur ein Taxi zusammen. Mist.
Und da kam auch schon der bekannte Funkspruch: “Torsten? Kannst Du mal grad ne Fahrt machen?”
Ich bat also um 5 Minuten Extra-Zeit in der Hoffnung, daß noch ein langsamerer Bahnfahrer den Weg zu mir findet…
Hmm, sehr vertrauenserweckend sah die Gestalt am Ausgang nicht aus. Recht unsicher auf den Beinen, hektischer Blick in alle Richtungen… Langsam schwankte er in meine Richtung, öffnete die Tür: “Nach Bad Pyrmont?”
“Ob ich sie dahin fahre? Oder möchten Sie den Preis wissen?”
“Ja!”
“Na klar fahr ich Sie dahin! Steigen Sie ein!”
Erstmal weg vom Bahnhof. In Bad Pyrmont war ich noch nie und ich wollte immer schonmal wissen, wo das entsprechende Mineralwasser herkommt!
Das Dumme daran, ich wusste leider auch nicht ansatzweise, wo das Städtchen liegt. Mist!
Aber wofür gibt es Landkarten. Bad Pyrmont war auch schnell gefunden. Nur die umliegenden Ortschaften brachten mich auch nicht weiter. Also flugs auf der Übersichtskarte nach den Nachbarsegmenten gesucht. Ratet mal, welche Seite als Einzige fehlte? RICHTIG!
Plan B: Die Lieblingstankstelle. Dort darf ich bestimmt mal kurz in den Plan schauen. Hah, noch besser. Zwei meiner Lieblingskollegen trinken dort grad nen Kaffee. Kurze Frage, kurze und noch dazu richtige Antwort. Danke Jungs!
Auf gehts!
Bei weiteren Fahrten kommt jetzt der peinliche Moment. Lt. Taxiordnung in Paderborn und auch aus gesundem Menschenverstand heraus mußte ich das Thema “Bezahlung” ansprechen. Sehr unangenehm, im Taxi wird üblicherweise ja am Ende der Fahrt bezahlt… Manch einer sieht in der Frage nach Vorkasse schon eine grobe Unverschämtheit.
Kaum zu glauben, auch das klappt reibungslos. Ein 50er wechselt provisorisch den Besitzer. Vollgas!
Die erste Hälfte der Fahrt verläuft dann auch bestens. Sehr netter Fahrgast, gute Gespräche… Dann schlägt das Wetter um. Es gibt genau zwei Sachen, die ich wettermäßig hasse: dichter Nebel und stellenweise Glatteis. Bingo, beides darf ich mir die nächsten zwei mal 30 Kilometer antun.
Und warum erzähle ich Euch das Ganze?
Eigentlich nur, damit ich das nette Foto zeigen kann! So sieht ein Mercedes-Stern aus, wenn man bei Minusgraden stundenlang durch dichten Nebel fährt. Die Antennen und das Dachschild waren übrigens auch gepanzert, aber nicht annähernd so fotogen.
Im übrigen bin ich extremst dafür, daß 2006 mehr Fahrten in dieser Größenordnung für mich abfallen. Aber sowas von!
Und ausserdem nehme ich meine Meinung über das Schicksal hiermit zurück.

2. Januar 2006 um 12:56 enno(Quote)
hehe,
ja nebel und eis kenne ich als auch berufskraftfahrer (wenn auch ganz anderer beriech) aus den letzen tagen gut. 2x a5 mit richtigem eis drauf nachts, dann der crash auf der a67 wlecher vor uns lag und mich etwa 3h gekostet hat. Jetzt muss vw nur noch das emblem so nett auf die motorhaube setzen wie mercedes den stern dann kann cih auch coole fotos machen.
2. Januar 2006 um 13:26 calcaneus(Quote)
ich frage mich immer wieder, warum sich taxifahrer noch in die situation geben, den weg nicht zu kennen, wenn man für 299.- gut funktionierende navigationssysteme erwerben kann?
2. Januar 2006 um 17:22 Torsten Bentrup(Quote)
@Calcaneus: Vermutlich, weil die meisten Taxifahrer dafür rund 50 Stunden arbeiten müssen und solche Situationen so selten sind, daß sie es sogar ins Blog schaffen.
Zumal tatsächlich (zumindest hier in Paderborn) ungefähr 99% aller Fahrgäste genau wissen, auf welchen Weg sie wohin wollen. Das ein Fahrgast das nicht weiß und das Ziel auch noch ausserhalb meines “Wissensgebiets” liegt passiert mir zumindest nur alle paar Jahre.
2. Januar 2006 um 18:16 Alex(Quote)
Genau so sieht das aus.
Und im “kleinen” Paderborn bin ich schneller um die Ecken gesaust, als andere das Ziel ins Navi gehackt haben…
Und wofür gibt es Karten (und freundliche Tankstellen-Mitarbeiter)?
11. Januar 2006 um
[...] Wie schrub ich vor ein paar Tagen in “Geht doch!” so schön in Bezug auf eine meiner bisher weitesten Fahrten: [...]
20. Januar 2006 um
[...] Ein Bild, das so ähnlich in der Personenbeförderung dieses Jahr schon einmal vorgekommen ist Aufgenommen hab ich es vor etwa zwei Wochen an der Haltestelle Fuchsberg in Schirgiswalde, die im Liniennetzplan zu Neuschirgiswalde gerechnet wird. Warum auch immer. [...]