…krass!
Irgendwie hab ich es nach all den Jahren immer noch nicht geschafft, emotionslos eine Situation wie diese zu erleben.
Eben noch die beiden Mitzwanziger aus dem Puff zum teuersten Hotel Paderborns gefahren. Der Abend hat sicherliche einen locker vierstelligen Euro-Betrag gekostet. Egal, man ist ja hier “fürs Business”, das meiste geht eh auf Spesen…
Und dann läuft am Westerntor die Frau von Mülleimer zu Mülleimer und sucht nach Pfandflaschen…
Eine Stunde später sitzt eine andere junge Dame im Taxi (am Stand) und wärmt sich ein bischen auf, bevor sie zur Alkoholentgiftung in die Klinik will. Mehr als eine warme Heizung und eine Flasche Mineralwasser kann und will ich ihr nicht anbieten. Hoffentlich hält sie den Entzug durch… Sie ist übrigens 25 und ihr halbes Leben alkoholabhängig.
Je später die Nacht, desto krasser werden die Unterschiede zwischen “denen da oben” und “denen da unten”. Ich bin irgendwo dazwischen und fühle mich (trotzdem?) nicht wohl dabei…
29. November 2005 um 08:17 Budenzauberin(Quote)
Sei froh drum, daß Du das nicht emotionslos (er)lebst!
29. November 2005 um 08:36 ela(Quote)
Budenzauberin hat recht, wenn man einfach nur hinsieht ohne zu fühlen wäre das schlimmer…
so wirst du immer mal helfen wenn du kannst, wie die warme heizung und das wasser, das ist mehr als die frau von anderen erwarten konnte…
29. November 2005 um 09:13 Erik(Quote)
Mmmmh…
29. November 2005 um 09:32 Fabian(Quote)
Und die Alkoholikerin wurde damals dazu gezwungen, mit dem Trinken anzufangen? Och, die Arme.
29. November 2005 um 09:48 Torsten(Quote)
Tja, Fabian, als ich so alt war wie Du (Du bist noch unter 20, oder?) war mir auch noch nicht klar, wie viele verschiedene Grautöne es gibt. Nicht alles ist schwarz oder weiß.
Ich habe keine Ahnung, wie es dieser Frau passiert ist, daß aus der Macht-doch-jeder-Gesellschaftsdroge ein Suchtproblem geworden ist. Aber es gibt definitiv genügend Möglichkeiten, wie sowas ohne die bewusste Entscheidung: “Heute werd ich Alkoholiker!” passiert.
Die Argumentation “selber schuld” passt leider immer seltener…
29. November 2005 um 10:15 Fabian(Quote)
Nein, ich bin nicht unter 20, ich bin genau 20.
Meine Tante war lange Zeit drogensüchtig und hat sich auch mit HIV angesteckt. Sie ist erst Mitte Vierzig und körperlich und geistig ein Wrack. Sie ist absolut selber schuld, das weiss sie und das weiss ich. Ich freue mich trotzdem, wenn sie auf Besuch kommt. Ich verurteile sie nicht wegen ihrer Vergangenheit. Sie war eigentlich immer gut zu mir…
Dennoch: ich empfinde kein Mitleid für solche Menschen. Die meisten von ihnen reiten sich selbst in die Scheisse. Mag sein, dass andere Leute Mitleid haben, aber das verbessert die Welt nicht. Macht aktiv etwas gegen das Leid der Leute oder spart euch das Mitleid!
29. November 2005 um 10:54 Budenzauberin(Quote)
Fabian, dann wünsche ich Dir, daß Du nie, hörst Du: NIE ein Kondom vergisst, nie arbeitslos wirst, nie unglücklich verliebt bist und immer ein verdamt gutes soziales Netz unter Dir und um Dich herum hast, welches Dich stest auffängt, wenn doch mal einer der genannten Punkte passiert!
Wer kein Mitleid mit jemandem haben kann/will, ist nur zu faul für aktive Hilfe.
29. November 2005 um 11:14 Tina(Quote)
Fabian, du bist ganz schoen naiv fuer deine 20 Jahre.
Nicht jeder Alkoholiker ist wie George Best, der zu saufen angefangen hat, weil er zuviel Geld hatte. Manchmal stecken da ziemliche schlimme Tragoedien dahinter. Vielleicht wurde die junge Frau missbraucht? Das kommt leider viel zu oft vor. Und da habe ich dann schon Mitleid.
Neulich sah ich hier auf der strasse einen Jungen, der war vielleicht 9 und hat in den Muelltonnen gewuehlt. Meinst du er hat sich das ausgesucht?
29. November 2005 um 11:26 Fabian(Quote)
Ich bin nicht naiv. Ich schrieb: “die meisten”. Längst nicht alle. Niemand zwingt die Leute, Drogen zu nehmen, ungeschützten Sex zu haben oder einfach keinen Finger zu rühren, um im Leben erfolgreich zu sein (was ja schon in der Schule beginnt). Andere wiederum werden in eine elende Situation hineingeboren und haben nicht mal die Chance, etwas daran zu ändern. Das ist mir klar.
Ich verschliesse nicht meine Augen vor dem Elend. Ich gucke eigentlich immer hin und mache meine Gedanken dazu. Aber oftmals ist es mir völlig egal, lässt mich absolut kalt. Ich würde nie auf die Idee kommen, etwas für Hilfswerke zu spenden.
Andererseits engagiere ich mich sehr für die Kinder hier in der Region und merke, wie glücklich es mich macht, wenn ich als Dank für meine freiwillige Arbeit zufriedene Gesichter und lachende Augen sehe. Es ist eine schlimme Sache mit mir, ich passe in kein Raster
29. November 2005 um 12:01 Tobias (Scholtysacks BLOG)(Quote)
@fabian: oh mann, da werd’ ich echt aggressiv, wenn ich sowas lese…
genau das ist doch das problem! selbst wenn jemand vielleicht nicht vollkommen unschuldig an der situation ist, in die er/sie da geraten ist (obwohl es sicherlich oft so ist) kann man ihm/ihr doch trotzdem helfen, oder? und wenn es nur kleinigkeiten sind (z.b. heizung, flasche wasser…) oder ist das dann verboten und man muss die leute verrecken lassen?
jeder macht mal fehler in seinem leben, ich hoffe für dich, dass du nie welche machst. oder nein: ich hoffe gerade, dass du mal einen fehler machst, vielleicht lernst auch du dann mal, was es bedeutet allein gelassen zu werden und dir sprüche anhören zu müssen wie “selbst schuld!”.
kleiner tipp: am donnerstag ist weltaidstag: lass dir bis dahin am besten noch ein t-shirt mit der aufschrift “selbst schuld” drucken, dann musst du es nicht immer sagen, wenn dich jemand auf der straße um eine spende bittet.
genug dampf abgelassen.
29. November 2005 um 12:35 Fabian(Quote)
Die Idee mit dem T-Shirt gefällt mir
Es geht ja nicht darum, dass ich meinen Freunden keine Fehler verzeihen würde. Aber das Leben wildfremder Leute interessiert mich einfach nicht, da will ich mich nicht einmischen. Und schliesslich kommt noch dazu, dass ich an Darwins Theorie glaube. Der menschliche Genpool reinigt sich von selbst…
29. November 2005 um 13:33 FriedChicken(Quote)
Oh mann,
wo kommst du denn her?
Ich bin auch in deinem Alter und hab nicht diese krasse “selbst schuld” einstellung.
Ist es nicht so, dass man aus seinen Fehlern lernt? Und manchmal fehlt einfach das Umfeld, dass einen vor gravierenden Fehlern bewahrt.
Hast du ein Glück, wenn du so behütet aufwächst und deine Eltern deine Fehler für dich gemacht haben.
ich mach dann lieber meine Fehler selbst und lern draus und werd nicht zum abgestumpften emotionslosen Nichts, dass die Welt da draußen gar nicht mehr wahrnimmt …
29. November 2005 um 13:57 Fabian(Quote)
Na, wenigstens bin ich nicht so einer, der das Gefühl hat, jemanden verbal angreifen und beleidigen zu müssen, nur weil er nicht die gleiche Einstellung hat. Was “alle” denken, muss ja richtig sein, gelle? Ja ja…
Ich habe selbst schon Fehler gemacht, die mich bis heute nerven. Aber ich habs aus eigener Kraft geschafft, mich wieder zu erholen. Als emotionslos würde ich mich nicht bezeichnen, dafür kenne ich mich selbst zu gut, aber in manchen Situationen trifft das sicherlich zu. Vor allem, wenn ich selbst persönliche Niederlagen einstecken musste, hatte ich danach immer wieder Phasen der Gleichgültigkeit. Das ist möglicherweise so eine Art Selbstschutz vor der bösen Welt da draussen. Das Schicksal fremder Leute kann mir doch egal sein, solange ich ihre Situation wenigstens nicht verschlechtere. Auf meine Freunde hingegen passe ich gut auf, die bedeuten mir alles.
29. November 2005 um 14:09 FriedChicken(Quote)
Sag nur, du fühlst dich von dem Post beleidigt? Finds ja noch sehr moderat geschrieben, für den Dampf der sich nach dem Lesen erst mal aufgestaut hat.
Ich kanns einfach nicht verstehen, wie man mit so einer Einstellung glücklich werden kann. Wenn das jeder machen würde, in was für einer Welt würden wir denn dann leben.
Mir sind meine Freunde auch wichtig, aber trotzdem praktizier ich noch Nächstenliebe. Und wenn da jemand ankommt, der Hilfe braucht, dann versuch ich das in meinen Möglichkeiten stehende zu machen.
Geht doch beides ohen Probleme unter einen Hut …
29. November 2005 um 14:28 Tina(Quote)
@Fabian: Ich bin vielleicht auch nicht gerade supersozial. Spenden tu ich nicht gerade jeden Tag. Aber diese furchtbar radikale Einstellung, dass mich das Leben wildfremder Leute mal ueberhaupt gar nichts angeht, finde ich dann doch etwas hart. Hast du denn gar kein Mitleid? Und was wenn dir etwas passiert? Du wirst auf einmal krank, die Krankenkasse zahlt nicht und du bist auf Spenden wildfremde Menschen angewiesen? Was machst du dann? Wirst du dann immer noch die gleiche Eintellung haben?
29. November 2005 um 14:38 Fabian(Quote)
Wenn ich das Schicksal einer Person wirklich mitkriege, dann lässt es mich selten kalt. Ich bin auch ein prima Trostspender für Freunde, denen es nicht gut geht.
Aber ich sehe mich einfach nicht dazu veranlasst, wildfremden Leuten zu helfen. Ich hatte in meiner Jugend mal eine Zeit, in der ich nicht nein sagen konnte. Ich war die Hilfsbereitschaft in Person. Tja, das wurde ausgenutzt und hat in mir mittelfristig wohl etwas zerstört. Zumindest bin ich jetzt viel misstrauischer geworden. Aber so, wie ihr reagiert, wirkt es für mich plötzlich so, als hätte ich meine Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, total verloren. Nun ja: ich hoffs nicht!
Interessant, wie sich das Thema hier entwickelt hat. Hast ja schon fast therapeutischen Charakter für mich
29. November 2005 um 14:57 Fabian(Quote)
Ach, Tina, von dir habe ich gerade folgenden Kommentar gelesen:
“Es tut mir auch leid, dass so viele Soldaten ihr Leben lassen muessen, aber ich habe nur wenig Mitleid. Man meldet sich heutzutage freiwillig, gezwungen wird niemand. Und man kann doch nicht erwarten, dass man saemtliche Privilegien der Armee geniesst, ohne etwas dafuer zu tun.”
Ach, du hast nur wenig Mitleid? Sind die Soldaten selbst schuld? Weisst du denn nicht, dass die Rekrutierungsoffiziere der U.S. Army vorzugsweise in den ärmsten Regionen der USA auf Rekrutensuche gehen, wo die Jugendlichen sonst keine Perspektiven haben? Hihi, das ist fast schon ironisch. Ausgerechnet du hast mich als naiv bezeichnet.
29. November 2005 um 15:24 Andreas(Quote)
Hallo,
wer Erfahrungen mit Süchtigen hat, weiss das Mitleid und helfen und kaschieren halt gerade kontraproduktiv sind. Der Süchtige kann dann immer noch sagen, “es geht doch gut, klappt doch alles”.
Daraus entwickelt sich dann eine gewisse Härte Dritten gegenüber. Denn nur wer spürt wie tief er in der Sch.. sitzt, ändert auch was, wenn überhaupt.
Insofern vom Mainstream abweichende Meinungen nicht zu schnell verurteilen.
29. November 2005 um 15:51 Tina(Quote)
@Fabian: In gewisser Weise hast du Recht. Ich weiss auch, dass viele Jugendliche in den USA keine andere Moeglichkeit haben, als zur Armee zu gehen, wenn sie eine Karriere moechten. ob ich jetzt fuer Soldaten Mitleid empfinde oder nicht, darum geht es hier nicht. Es geht um Alkoholiker und kranke Menschen.
Naiv finde ich aber die Ansicht, dass jeder so ein gutes soziales Netz hat und immer jemanden findet, der ihm wieder auf die Beine hilft, so wie es bei dir der Fall ist. Nicht jeder hat das Glueck und hat solche Freunde. Und alleine mit einer schwierigen Situation zurecht zu kommen ist dann fast unmoeglich.
29. November 2005 um 16:17 phil(Quote)
@fabian
du bist einer der leute, wenn es denen mal schlecht geht, die am lautesten um mitleid und hilfe schreien…
29. November 2005 um 16:29 Fabian(Quote)
@phil: Echt wahr? Hmmm… bist du das, Mama? Oder woher willst du das so genau wissen?
Ich will nicht ausschliessen, dass ich um Hilfe schreien würde. Für etwas hat man ja Familie und Freunde. Aber ich bin in meinem noch jungen Leben schon öfters in miesen Situationen gewesen, aus denen ich mit etwas Unterstützung schnell wieder rausgekommen wäre. Na ja, ich habe meine Probleme meist einzelkämpferisch gelöst, was mich meiner Meinung nach stärker gemacht hat.
Ich freue mich auch nicht gerade, wenn es jemandem schlecht geht. Aber ich bin nicht immer gleich stark betroffen. Manchmal berührt mich etwas sehr und beschäftigt mich über Tage und Wochen hinweg. Aber wie gesagt, wenn sich jemand aus Eigeninitiative in die Scheisse geritten hat und in Kauf genommen hat, dass er seine Freunde vergrault, dann werde ich ihm nicht helfen. Wenn hingegen ein guter Freund Probleme hat und damit zu mir gelangt, werde ich alles tun, um ihm zu helfen…
@Tina: Stimmt, ich habe glücklicherweise ein gutes soziales Netz, das mir viel Rückhalt gibt. Da muss man aber immer auch etwas zurückgeben, sonst bricht es irgendwann zusammen. Meiner naiven Ansicht nach sind die meisten Leute selbst schuld, dass sie kein soziales Netz mehr haben, das sie auffängt. Aber wer weiss das schon genau?
29. November 2005 um 17:55 ela(Quote)
Fabian
Nein niemand wird gezwungen zu trinken, doch die Gesellschaft toleriert es wenn man täglich trinkt, und dann geht es nicht mehr ohne und du hängst in dem teufelskreis…
es freut mich für dich das dein Netz dich hält und auffängt wenn etwas passiert…
trotzdem ist es auch gut zu wissen das es menschen gibt die dem *fremden* helfen weil der eben kein Netz mehr hat….
29. November 2005 um 22:48 fritz(Quote)
dazu fällt mir spontan ein:”streets of london . . . . . !”
29. November 2005 um 22:55 fritz(Quote)
@ thorsten : ich glaub das kann man auch nicht so “wegstecken” ! so “abgebrüht” sind nur wenige; ich nicht . . . . !
30. November 2005 um 00:45 fym(Quote)
Ich mag es bei dem Thema immer unheimlich gerne, diese festgelegten “Das darfst du sagen und das nicht. Das ist nicht korrekt.”-Schemata zu lesen. Mal außer Acht gelassen, ob es “Fabian” ernst damit ist oder er nur trollen wollte: Wenn Leute bei einem solchen Thema als guter Samarita auftreten, dann ist das doch auch ein wenig realitätsfremd, oder?
Mitgefühl, ein bisschen helfen und ansonsten kein abgebrühter, gefühlsloser, Klotz sein, das halte auch ich für selbstverständlich. Aber bei den Aussagen mancher Leute zu der Thematik (jetzt nicht speziell hier, sondern eher allg.) müsste man häufig meinen, sie tragen den gesamten Weltschmerz jeder Zeit mit sich herum. Verdrängen, Ignorieren und Abkapseln sind auf ideeler Ebene sicherlich verteufelnswert und schlimme Reaktionen auf die Leute, die es leider nicht so gut haben – aber sie sind doch genau das, was uns als Menschen (leider?) funktionieren lässt. Ein jeder schiebt eben jenes Mitgefühl oder entsprechende Gedanken, nach relativ kurzer Zeit, weit nach hinten im Kopf. Ganz einfach, weil es wohl anders in dieser Welt nicht geht. Dieses als richtige Einstellung aufgefasste Idealismus-Gewäsch, würde bei einer richtigen Umsetzung einzelner Leute doch dafür sorgen, dass sich eben jene über kurz oder lang, ob der Ungerechtigkeit, Gewalt und Trauer in der Welt, den Strick nehmen müssten.
Welche Intention “Fabian” auch gemocht haben mag und auch wenn man dem (hoffentlich) selbstverständlich widerspricht und es anders sieht: Es ist mMn wenigstens eine ehrliche Aussage. Sicherlich überspitzt und härter als nötig, aber eben doch irgendwo ehrlich.
30. November 2005 um 00:54 taxiblogger (Frankfurt)(Quote)
Folgende Beobachtung habe ich, der fast 13 Jahre im Berliner Problembezirk Krezberg-Friedrichshain gelebt hat, nun in Frankfurt gemacht: Wenn ich am Halteplatz im gutbürgerlichen Nordend stehe, sehe ich erheblich mehr Menschen vorbeilaufen, die in Papierkörbe gucken und Pfandflaschen aus Glascontainern herausfischen, als in Berlin …
30. November 2005 um 11:28 Fabian(Quote)
@fym: Danke
Ich hatte nicht die Absicht zu trollen. Ich bin nun mal ein Querdenker und vertrete in vielerlei Hinsicht eine andere Meinung als der “Mainstream”. Aber ich hab mich nicht an meinen Standpunkt angekettet, ich lasse mich gerne mit guten Argumenten überzeugen, dass ich falsch liege. An solchen Diskussionen wie dieser hier habe ich wirklich meinen Spass. Leider passiert es mir manchmal, dass ich provoziere oder mich provozieren lasse.
Jedenfalls bin ich nun endlich überzeugt, dass ich ein Blog eröffnen sollte. Zeit zum Schreiben habe ich zur Genüge (ja ja, Azubis und ihre Arbeitsmoral), Diskussionsstoff habe ich für die nächsten dreissig Jahre im Hinterkopf… bleibt nur noch zu hoffen, dass die Leser dann wirklich über den Inhalt lachen können und nicht nur über meine mit Helvetismen gespickte Sprache.
30. November 2005 um 17:21 parichter(Quote)
Fabia, weiter oben hast Du geschrieben:
Andererseits engagiere ich mich sehr für die Kinder hier in der Region und merke, wie glücklich es mich macht, wenn ich als Dank für meine freiwillige Arbeit zufriedene Gesichter und lachende Augen sehe.
Auch wenn es nach Ferndiagnose aussieht: Hier scheint mir ein Grundproblem zu liegen. Ziel von Hilfsbereitschaft, in welcher Form auch immer, ist es, zu Helfen. Nicht, dass es Dich glücklich macht; nicht, das du einen Dank dafür bekommst; nicht, das Du lachende Augen siehst.
Mach mal was Gutes, ohne dafür eine Reaktion zu erwarten, ohne einen Lohn in irgendwelcher Form – glaub mir: Das macht Glücklich!
30. November 2005 um 18:41 Fabian(Quote)
Mal ganz ehrlich, das widerspricht doch der Natur des Menschen…? Es ist doch völlig normal, dass man sich, wenn man jemandem hilft, irgend eine Art von positiver Rückmeldung erhofft. Man hofft, dass man der anderen Person helfen kann und sie sich darüber freut. Und die meisten Menschen freuen sich, wenn sich jemand freut
Jede Handlung hat doch eine bestimmte Motivation, nicht? Sei es ein egoistisches Ziel, Mitleid, Sympathie…
Ich versteh nicht ganz, was du mir sagen willst. Natürlich hilft man, um zu helfen, und nur höchst selten hat man fiese Gedanken im Hinterkopf (z.Bsp. karrieregeile Leute, die dem Chef nur helfen, um sich einzuschleimen, obwohl sie ihn abgrundtief hassen).
2. Dezember 2005 um 12:05 CdV(Quote)
Fabians Ansichten sind ziemlich in Ordnung, finde ich. Sie sind selbstehrlich.
Man neigt oft dazu, das Unglück anderer zu entschuldigen mit den ‘Umständen’. Ich glaube, es ist oft eine Mischung aus äußeren Gegebenheiten und eigener Schuld am Elend. Letzteres wird zu häufig wegentschuldigt. Das entmündigt die betroffenen Menschen.
Wir werden doch dermaßen massiv mit schrecklichen und schrecklichsten Nachrichten beschossen – wenn man permanent mitfühlt, kann man psychisch nicht ‘überleben’. Man MUSS sich abgrenzen. Nur wenn man innerlich stabil bleibt, kann man anderen helfen. Alles Andere endet im Burn-Out (besonders verbreitet bei Sozialpädagogen z.B.) Oder ist irgendwie geheucheltes Gutmenschentum.
28. Dezember 2007 um 12:45 NLP Coach(Quote)
Emotionen sind etwas wunderbares, laß sie dir nicht nehmen.