Kleines Klinik-Konglomerat

Sodele, heute gibt es dann den letzten Teil der “Klinik-Serie”. Wenden wir uns zuerst der Verwaltung zu.

Daß ich dort beim Abholen des UMTS-Sticks fürs Internet als Taxiblogger erkannt wurde, hab ich ja schon erzählt. Wir haben uns dann auch gleich ein paar Minuten über einige alte Blog-Storys unterhalten, sehr sympathischer Mensch.

Das bestätigte sich dann auch, als ich den Stick nach zwei Kalendertagen wieder zurückgegeben habe.

“Tja, war leider sinnlos. Keine Hardware… Bei einem Notebook hat sich das Display verabschiedet, das andere hatte nur Linux und ist damit nicht so auf die Schnelle zur Zusammenarbeit zu bewegen. Kurz, ich hab den Stick noch nichtmal aus der Verpackung geholt.”

Blöd gelaufen, die acht Euro für zwei Tage hätte ich mir sparen können, wenn ich nicht so voreilig den Stick geholt hätte. Aber verschmerzbar. Mit der Antwort des Klinikmitarbeiters hatte ich nicht gerechnet:

“Oh, Sie haben es also gar nicht benutzt? Na, dann buche ich das einfach mal aus, kein Problem!”

Das nenn ich doch mal Kundenfreundlich! Herzlichen Dank!

Am Entlassungstag beim “auschecken” hatte ich dann allerdings nicht ganz so viel Glück, dafür aber einen netten Dialog. Die 120 Euro für zwölf Tage Aufenthalt wollte man dann doch gerne von mir haben. Fand ich jetzt nicht so nett, immerhin hab ich vier Tage lang nichtmal was zu essen oder trinken bekommen! :D

Während er also meine Papiere fertig machte, hab ich einfach mal ganz dummdreist gefragt:

“Sagen Sie mal: Überall in der Klinik findet man Schilder, die auf ein striktes Handyverbot hinweisen, weil das so gefährlich für die Medizintechnik ist. Wieso verleihen Sie denn dann diese Internet-Sticks, die genau die gleiche Technik benutzen?”

“Hmm, das kann ich Ihnen auch nicht sagen…”

Ich zeige so grinsend auf die Preistafel: Wenn man am Bett ein Telefon anmelden möchte, kostet das einen Euro pro Tag und 10 Cent pro “Einheit”:

“Ich habe da so einen vagen Verdacht!”

Er grinst zurück und meint:

“Den Verdacht habe ich auch…”

Okay, ein Mobiltelefon zehn Zentimeter neben lebenserhaltenden Geräten könnte eventuell wirklich keine gute Idee sein. Davon abgesehen ist meine Vermutung wohl wirklich nur noch der einzige Grund für das Verbot (meint auch SpOn mit Verweis auf eine US-Studie).

Dann bleibt eigentlich nur noch eine klitzekleine Klinikgeschichte übrig:

Ich war ein Schweinegrippeverdachtsfall! Echt ehrlich!

Eines Nachts kamen zwei Schwestern, übrigens ohne jede Schutzkleidung, ins Zimmer und meinten:

“So, Herr Bentrup, sie bekommen jetzt erstmal eine Einzel-Suite!”

Ich war grade aufgewacht, es war kurz nach der OP und hab nicht weiter nachgefragt, als man mich auf ein Einzelzimmer schob. Ohne Erklärung.

Am nächsten Morgen kam dann eine in Plastik eingepackte Ärztin und meinte:

“Sie wundern sich bestimmt. Tja, Ihr Bettnachbar hatte Besuch von einer Person, die unter dem Verdacht steht, mit der Schweinegrippe infiziert zu sein. Sehr unwahrscheinlich, daß Sie auch angesteckt wurden, aber wir gehen da lieber auf Nummer sicher.”

Die Putzfrau wenig später hatte auch eine Menge Schutzausrüstung, die Schwester mit dem Frühstück nicht. Konnte also nicht so schlimm sein, wenn man offensichtlich nichtmal alle Mitarbeiter der Station informiert hat.

Ein paar Stunden später war der Spuk auch schon vorbei, der Verdacht hatte sich nicht bestätigt. Und ich durfte erneut meinen Telefonprovider reich machen und all meinen Besuchern der letzten Tage die Entwarnung weiterreichen.

Naja, war aber schon die bessere Alternative! :D

12 Antworten zu “Kleines Klinik-Konglomerat”

  1. Maniac sagt:

    Ich hab auch schon in vielen Kliniken gesehen und erlebt, dass auch die Patienten selbst ihr Handy heimlich an hatten.
    Es ist glaube ich auch noch kein Flugzeug (nachweislich) durch ein eingeschaltetes Handy abgestürzt, oder?

    Dennoch ist dieses Verbot vermutlich nicht unsinnig… stell Dir vor, Dein Bettnachbar(in) hängt den ganzen Tag am Handy und ist am Quasseln und das Ding klingelt ständig. Ich glaub die Erholung (was im Krankenhaus offenbar eh schon nur begrenzt möglich ist) wäre damit komplett zerstört.

    Und wie erreicht man möglichst wirksam die Einhaltung von Verboten? Genau, den Leuten Angst machen, dass sie potentiell den Patienten auf der Intensivstation über ihnen auf dem Gewissen haben könnte. ;)

  2. Nirven sagt:

    Maniac trifft den Punkt.

    Es geht weniger um die Technik der Krankenhäuser, die größtenteils unempfindlich ist gegenüber der Handystrahlung, als um Ruhe. Techniker und Ärzte zum Beispiel laufen in Kliniken oft mit Mobiltelefonen rum, und ein WLAN-Netz strahlt auch.

    Aber das ewige telefonieren, wenn Handies für alle erlaubt wären, würde die Patienten (und Personal) erheblich stören.

    Womit ich nicht sagen will, dass dein Verdacht nicht auch zutrifft. Aber es geht zu mindestens nicht nur ums Geld ;)

  3. Bernd Wachter sagt:

    Ohne darauf einzugehen dass das Mobiltelefonverbot evtl. komplett ueberfluessig ist kann es durchaus technische Gruende geben wieso GSM-Telefone verboten, UMTS aber erlaubt ist : Anderer Frequenzbereich, und vor allem deutlich geringere Sendeleistung (max. 0.25 Watt gegenueber bis zu 2 Watt bei GSM). Sehr schoen sieht man das z.B. beim `Uebersprechen’ bei GSM-Telefonen in Audio-Equipment. Bei UMTS-Telefonen passiert sowas nicht.

  4. Alex sagt:

    Meine Schwester arbeitet im OP. Hab sie mal danach gefragt, und sie sagte, das es genau diese zwei Gründe gäbe:
    1. Das Krankenhaus verdient an den Einheiten, die die Patienten vertelefonieren sonst nicht.
    2. Man kann störende Vieltelefonierer einfacher durch ein Verbot als durch eine Bitte überzeugen.
    Die Strahlung kann, wie einige Vorposter schon angemerkt haben, tatsächlich nichts damit zu tun haben, da DECT Telefone, Handys und WLAN fürs Stationspersonal schon lange Zeit Standard sind.

  5. lejupp sagt:

    @Bernd Wachter

    Das mit der Leistung hört man öfters, stimmt aber nicht. GSM-Telefone senden zwar tatsächlich mit einer Spitzenleistung von 2W (900MHz) bzw. 1W (1800MHz), das aber nur für die Dauer von einem aus acht Timeslots. Die Mittlere Leistung liegt deshalb bei maximal 0,25 bzw. 0,124W, genau wie bei UMTS.

    Daß Du bei UMTS keine Störungen in anderem Audio-Equipment hörst liegt nicht an geringerer Leistung, sondern daran, daß UMTS-Telefone während eines Gesprächs permanent senden während ein GSM-Telefon etwa 200 mal pro Sekunde seinen Sender für 1/2000s einschaltet. Jedes einschalten des Senders erzeugt im Radio und anderen Geräten einen Knacks, bei GSM knackt es halt 200 mal pro Sekunde, bei UMTS nur einmal beim Gesprächsaufbau.

    Gruß,
    LeJupp

  6. nico sagt:

    ein freund von mir arbeitet auch in einem krankenhaus, bei denen ist die handy benutzung ganz normal (also den pflegern), kümmert keinen ob mans benutzt oder nicht

    auf der intensiv wird eher daraf geachtet, auch von pflegern aber auf normalen stationen interessierts nicht

    ob jetzt viel telefonierer mim eigenen handy oder dem telefon im zimmer telefonieren ist eigentlich auch egal, wenn man sich anrufen lässt kostet es ja so oder so nix

  7. Terröhre sagt:

    Eine Frage zu den 120 EUR…

    Ich war vor ein paar Tagen auch im Krankenhaus und hatte im Hinterkopf, dass das “nun” (ich war Jahrzehnte nicht mehr dort, genau genommen seit der Geburt) 10 EUR pro Tag kosten würde. Allerdings wollte bei der Entlassung keiner etwas von mir. Ist das nun Bundesland-abhängig oder kommt da nun per Post zwingend noch eine Rechnung für mich (60 EUR dann)?

  8. tja sagt:

    omg du warst ein verdachtsfall. Wenn ich sowas schon höre. Scheiss Mediengepusche. Jährlich sterben zig tausend menschen an normaler grippe und es intressiert keinen. Übrigens kehr mal vor deiner tür anstatt andre immer nur schlecht zu reden. So prall bist du sicher auch nicht!

  9. Andre Heinrichs sagt:

    Also, als ich letztes Jahr die Neurochirurgie am hiesigen Uni-Klinikum nutzen durfte, gab es in Sachen Handy die Ansage, dass das erlaubt sei, nur direkt in der Intensivstation / OP-Trakt nicht. Dafür gab es da aber auch keine teuren Klinik-Telefone.

    @Terröhre: Bei mir kam dann eine Weile nach der Entlassung ein Brief mit Überweisungsträger an. Das Geld wird die Klinik sich nicht entgehen lassen.

  10. Nietnagel sagt:

    Es gibt mittlerweile auch Krankenhäuser, wo das Handyverbot aufgehoben wurde. Uniklinik Frankfurt zum Beispiel.

  11. Marco sagt:

    Ich arbeite zwar nur in einer Reha-Klinik, bei uns sind Handys aber generell erlaubt. Und wir sind auch billiger was das telefonieren angeht: 20 Cent pro Tag und 10 Cent pro Einheit, wenn man angerufen wird bleibts also bei den 20 Cent/Tag. :D

  12. Matthias sagt:

    1. Die Krankenschwestern waren schon bestimmt zwangsgeimpft oder wollten sogar einfach mal 2 Wochen frei haben, und sei es mit Grippe.

    2. Die Handys stören vielleicht nicht die Herzschrittmacher, aber zumindest zu meiner Zivizeit im OP wussten wir immer, wann jemand mit eingeschaltetem Handy vor unserem abgeschirmten Infokasten (“Dispatcher-Raum”) vorbeilief. Da machte die Funkanlage tödölömm, tödölömm… ^^

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