Apropos Trinkgeld
(UPDATE: Die junge Dame hat sich inzwischen sehr nett entschuldigt und ein paar Sachen erklärt. War wohl wirklich nur ein schlechter Tag und wird nicht mehr vorkommen. Herzlichen Dank!)
Ich sags ja immer wieder: Trinkgeld ist ein Bonus, kein Anrecht. Und als Taxifahrer hat man üblicherweise nicht das geringste Problem, bei zumindest durchschnittlicher Leistung auch großzügig aufzurunden in Gaststätten. Wirklich nicht, das ist für uns auch so ein bißchen eine Frage der Ehre.
Die letzten Wochen bin ich mit einer meiner Lieblingskolleginnen gerne mal ein paar Stündchen (um die Uhrzeit sind die Alternativen ziemlich rar) zum “Bonny’s Diner” gefahren. Rund um die Uhr essen und trinken, nicht ganz billig aber passt schon.
Die letzten Male hatten wir auch Glück mit der Bedienung, die nette Lady hat auch dementsprechend ihre 3-5 Euro Trinkgeld bekommen. Wie gesagt: Ehrensache für Leute, die auch in Trinkgeldberufen arbeiten.
Vorhin hatten wir dann das “Vergnügen” mit einer für uns neuen Dame. Bestimmt ein nettes Mädel, aber sie hat es tatsächlich für mich (und meine Begleitung) das erste Mal in den letzten Jahren geschafft, daß das Trinkgeld komplett ausgefallen ist.
Wir reden hier von einer Rechnung in Höhe von 28,95 Euro, da wäre bei akzeptabler Bedienung 30 Euro Pflicht, 32-34 Euro Kür gewesen. Unsere bisherige Standard-Bedienung hätte vermutlich auch 35,- bekommen.
Aber sie hat es wirklich bei jeder Bestellung geschafft uns das Gefühl “Geht doch endlich, ihr stört!” zu geben. Mit Blicken, Gesten und durchaus auch mit den entsprechend kurzsilbigen Bestellbestätigungen.
Der Fairness halber muß ich dazusagen: Wir saßen im Außenbereich, wir sind halt beides Raucher. Da muß man halt mal (bei den derzeitigen Temperaturen nicht so wirklich ein Problem) 20 Meter aus dem Restaurant rausgehen, um uns unsere Bestellungen zu bringen.
Theoretisch, und bisher hat das auch immer bestens geklappt, schaut eine Mitarbeiterin alle 20-30 Minuten mal kurz vorbei und fragt nach den Wünschen. Diesmal sind wir jedes Mal reingerannt und haben an der Theke bestellt, um nicht zu verdursten.
Als wir dann irgendwann um die Rechnung gebettelt haben, war eigentlich schon klar: Trinkgeld wird minimal.
Und dann kommt die Gute nach draußen und drückt uns mit der Rechnung noch den Spruch rein:
“Ist ganz schön frisch hier draußen. Im T-Shirt noch mehr!”
Passiv-Aggressiver Spruch, übersetzt nichts anderes als “Unverschämtheit, daß ihr mich hier rausjagt, ich hab nur ein T-Shirt an und keiner hat mich lieb!”
Sie hat dann auch exakt 28,95 Euro bekommen.
Und wenn wir das nächste Mal von ihr bedient werden, werde ich mein T-Shirt mit dem Aufdruck “I’m blogging this!” nicht mehr unterm Pulli verstecken.
18. August 2009 um 07:35 Siggi(Quote)
Dazu müßte die Gute das aber auch verstehen
18. August 2009 um 07:59 Nietnagel(Quote)
Das mit der Trinkgeldehre geht mir genauso. Ich hab mich früher über Trinkgeld gefreut und deshalb geb ich auch reichlich, wenn der Service stimmt. Ich mach das aber immer so, dass ich demjengen dann sage warum ich ihm kein Trinkgeld gebe. Dann muss ich auch wirklich schon richtig sauer sein. Anhand der Reaktion danach hab ich mich auch meistens gefreut, kein Trinkgeld gegeben zu haben.
18. August 2009 um 09:20 Badratgeber(Quote)
Ich geb meistens Trinkgeld wenn ich voll und ganz zufrieden war. Wobei es auch schon einmal vorgekommen ist das ich 2€ Trinkgeld gegeben habe und es danach sofort berreut habe. Deswegen werd ich auch immer sparsamer mit dem Trinkgeld und gebe es jetzt nur noch wenn ich mich total wohl dabei fühle, weil leztendlich ist es ja mein geld und Trinkgeldpflicht besteht ja nicht.
18. August 2009 um 12:07 Kirchendiener(Quote)
Es ist seltsam – erst nachdem ich selbst Trinkgeld empfange, gebe ich auch mehr, da ich nun erst weiß, was es bedeutet, welches zu geben. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich meist großzügiger bin als meine Mitspeisenden, die das eher als Höflichkeit auslegen, überhaupt was zu geben…
18. August 2009 um 13:12 F_A(Quote)
Wenn es als höflich gilt, überhaupt was zu geben, müßte jeder immer geben. Unhöflich will man doch selbst der unverschämtesten Bedienung gegenüber nicht sein.
18. August 2009 um 14:26 Mexxwell(Quote)
Wie, Du hast nen T-Shirt mit “I’m blogging this!” ?
Bekomme ich eins mit “I tell it Torsten!” ???
18. August 2009 um 16:18 DeserTStorM(Quote)
Boah so ein T-Shirt will ich auch!
18. August 2009 um 17:44 ednong(Quote)
T-Shirt kann man sich bestimmt selbst machen — aber vielleicht sollte ich mal schnell ‘nen T-Shirt-Shop eröffnen
Ich hoffe, du hast ihr die 28,95 aus Cent zusammengezählt, damit sie auch richtig was in ihrer Geldbörse hat …
18. August 2009 um 19:03 BongoJoe(Quote)
Ich finde die Bedienung bei Bonney’s ist sehr launenabhängig. Mal hat man n guten Tag mal n schlechten. Was ich viel interessanter finde, ist, das die Servicekräfte einfachste standarts nicht können. Teller über 2-3 Leute drüber heben, in Privatkleidung bedienen (was nunmal auffält, wenn man sonst diese gelben lappen anhat) und sone scherze.
18. August 2009 um 20:10 sys(Quote)
Also ich habe kein Problem damit, jemand kein Trinkgeld zu geben, wenn der Service entsprechend schlecht war. Wurde da schon von anderen beneided, die sich dies nicht zutrauen. Bin gerne bereit auch mehr als die 10% zu geben wenn ich zufrieden bin, im Gegenzug halt garnix wenn es absolut nicht passt….
18. August 2009 um 21:34 Takton(Quote)
erinnert mich an mein Onkel, vor einiger Zeit beim essen gewesen. War nicht so wirklich toll, schon passend bezahlt. Er Hier ist ihr Tringeld und gibt ihm 1 cent
18. August 2009 um 22:56 Torsten Bentrup(Quote)
Ich bin wirklich höchst urlaubsreif und hab den Namen im Bericht gelöscht, war schlicht überflüssig.
@Kirchendiener: Das ist ein echter Punkt. Man weiß ja selbst, daß ein einfaches Aufrunden sicher nett ist, aber auch nicht sonderlich positiv auffällt. Und mir tun bei so langen Abenden auch 2-4 Euro nicht mehr weh, da freu ich mich für den x-fachen Wert darüber, daß ich jemand für seine gute Arbeit eine Freude machen konnte.
@Mexxwell: Hmm, da mußt Du den Fuzz mal fragen. Hat er mir zu Beginn des Blogs geschenkt und endlich passt es richtig!
Eines meiner Lieblingsshirts zur Zeit, schwarz mit dezenter weißer Schrift auf der Brust. Werd ich Dir sicher demnächst am Taxistand mal vorführen können.
19. August 2009 um 01:27 topas(Quote)
Mit dem Trinkgeld hatte ich mal einen Taxifahrer verwirrt. Es war eine Fahrt vom Flughafen Niederrhein nach Weeze. Da wir frisch vom Flieger kamen kamen doch schon 3-4 Leute auf den Taxistand zugelaufen. Ohne unser zutun hat der Taxifahrer sich mit seinen Kollegen abgestimmt und einen anderen Kunden und mich zusammen in ein Taxi verfrachtet (statt zwei Fahrten draus zu machen). Als wir am Ziel ankamen standen kanpp 13EUR auf dem Taxmeter. Krame zuerst einen 10- und einen 5-EUR-Schein raus und wühle dann noch im Münzgeld. In dem Moment, als der Taxifahrer meinte “ich kann auch rausgeben” hatte ich die 2EUR-Münze und drückte ihm dann die 17EUR in die Hand
Waren jetzt auch nur 4EUR Trinkgeld – aber anders ausgedrückt 30%
19. August 2009 um 10:06 Christian A.(Quote)
@topas: Kenn ich auch, macht Spaß sowas zu tun, oder?
Seitdem ich selber mal in der tringeldempfangenden Zunft (Pizzaausfahrer) gearbeitet habe, gebe ich ziemlich grundsätzlich Trinkgeld. Einmal allerdings hat ein Taxifahrer von mir gute 100% Trinkgeld bekommen, als ich mein Flugticket in Riga im Hotel zurückgelassen habe und das erst am Rigaer Flughafen bemerkte. Der Taxifahrer hat mich (unter Nichtberücksichtigung des Tempolimits) zum Hotel zurückgebracht, dort konnte ich das Ticket aus dem Müll der Putzfrau fischen und dann gings zurück. Ich hab ihm mein restliches lettisches Geld gegeben, was auf diese 200% rauskam (umso besser – brauchte ich nicht mehr zu wechseln
22. August 2009 um 15:37 Ly(Quote)
vor ner kleinen Weile auf Samos, eine kleine schöne griechische Insel. Es war der letzte Abend, und ich ließ mich vom Taxi den Berg rauf zum Hotel bringen.
Macht nen 5er fix, das wußte ich aus dem Hotel von Gästen, die machen auf der kleinen Insel gar nicht erst die Uhr an.
“Hi, zum Galaxy, ich weiß ist ne scheiß-kurze Tour, aber einmal im Urlaub Taxifahren ist ein Muss für mich, wir sind Kollegen.”
Kamen dann ins kleine Gespräch.
Er sei länger im Gewerbe als ich, sagte er.
“Wieviel denn?”
” 5 Jahre.”
“5 Jahre mehr? Das gibt dann auch 5 Euro Tipp.”
Wollte ich eh geben, aber so hatten wir nen netten Schmunzler.
War ein lieber Kerl, sehr angenehm.