Von Moral und so
Nein, hier wird jetzt nicht die Geschichte der letzten Tage stehen, wie ein einzelner Leser beim sehen der Überschrift wohl grad befürchtet hat.
Es geht um die sog. Besorgungsfahrten. Da werden von Kunden die Taxen zum Einkaufen geschickt, meist geht es um die typischen Suchtmittel, Alkohol und Tabak. Gelegentlich wirds auch ausgefallener: Kondome, Blumensträuße oder auch komplette Wocheneinkäufe. Machen wir alles, wird auch gut bezahlt. Und ob ich die Kiste Bier in Flaschen oder in Menschen durch die Gegend fahre ist mir letztendlich auch völlig Wurst.
Alles halt kein großes Ding. Nur häufen sich in letzter Zeit die Fahrten, bei denen ich wirklich mit meinem Gewissen kämpfen muß. Einfamilienhäuser, in denen seit Wochen nicht gelüftet wurde. Menschen, die dort völlig verwahrlost zur Tür kommen. Zitternde Hände beim Geld rüberreichen…
Kurz: Menschen, die definitiv schon abhängig von der Droge sind, die wir ihnen auch noch frei Haus liefern. Und da fragt sich mein kleines Gutmenschenherz dann immer wieder: Darf man das?
Oder anders: Was könnte man tun? Zum einen finden Süchtige sicher immer einen Weg, um an ihren Stoff zu kommen. Notfalls schleppt man sich auch volltrunken zur nächsten Tankstelle. Oder wählt einfach nächstes Mal eine andere Taxinummer, in Paderborn gibt es immerhin 17 verschiedene Unternehmen. Die alte Rechtfertigung: “Wenn ich es nicht mache, macht es ein anderer (und verdient dann das Geld).”
Natürlich kann man eh niemand dazu bringen, mit “schlechten Gewohnheiten” aufzuhören, sowas muß immer im freien Willen entschieden und durchgezogen werden. Ansonsten ist die Rückfallquote extrem hoch. Und als kleiner, doofer Taxifahrer hab ich schon erst recht kein Recht darauf, mich in das Leben anderer Menschen einzumischen.
Aber ich fühl mich trotzdem scheiße dabei…
Eines der übelsten Erlebnisse der letzten Monate, es sollte eine Flasche Vodka und ein paar Dosen Bier geliefert werden. Als ich dort ankomme, werde ich schon vor der Haustür des Mehrfamilienhauses abgefangen, eine junge Frau kommt auf mich zu, nimmt die Tragetasche und meint:
“Psst, hier sind 50 Euro. Könntest Du mir noch eine Flasche Vodka bringen?”
“Ähem, da ist schon eine Flasche drin!”
“Ich meine: noch eine!”
Als ich nach der zweiten Besorgung wieder in mein Taxi steige, fährt grade ein Mitbewerber vor. Der Fahrer steigt aus mit einer verdächtig klirrenden Tragetasche. Drei Flaschen Vodka, unauffällig aufgeteilt auf verschiedene Fahrer und Fahrten, dazu etliche Dosen Bier.
In diesem Fall wohl eine eher einmalige Geschichte und ich hoffe, sie hat die Flaschen nicht alle noch geleert. Aber es gibt halt auch die Adressen, die man alle paar Tage anfährt. Ein paar auch mehrmals täglich. Es gibt ja auch reiche Alkoholiker…
24. Juli 2009 um 04:38 André(Quote)
Ich finde, solche Geschichten/Schicksale können einen manchmal echt fertig machen. Nicht nur die Hilflosigkeit, mit der man hier konfrontiert wird, sondern auch noch die “Helfersmoral”.
Das ist nicht einfach.
Wenn bei der freiwilligen Feuerwehr ein schlimmer Einsatz passiert, gibt es anschließend einen “Seelsorger”, der bei der Bewältigung hilft. Ohne das zu sehr aufzubauschen – ich könnte mir manchmal vorstellen, dass euch so jemand in solchen Situationen auch helfen könnte.
Wie gehst du da denn nun mit um?
Lokalen Seelsorger anrufen und hoffen, dass dieser helfen kann?
Ignorieren und übers Geld freue?
Oder gehst du gar aktiv auf die Menschen zu?
24. Juli 2009 um 06:00 Torsten Bentrup(Quote)
Bisher hab ich immer den feigen Weg gewählt, ignorieren und nicht ganz so sehr über das Geld freuen…
Aber ich frage mich halt mehr und mehr, ob und wenn ja: Wie kann ich diesen Menschen helfen. Wollen die überhaupt Hilfe und kann ich überhaupt helfen?
24. Juli 2009 um 06:22 michiausp(Quote)
Diesen Menschen kannst Du nicht helfen !
Ich habe jahrelang einen Freund bei seinen Tabletten- und Saufeskapaden begleitet. Station A im WZPP mindestens zwanzig mal angefahren, um ihn zur Entgiftung zu bringen, diverse längere Therapieangebote begleitet und am Ende musste ich feststellen, daß Selbsthilfe nur durch “keine andere Unterstützung” in´s Rollen kommt.
24. Juli 2009 um 07:59 Klaus(Quote)
Ja, Deine moralischen Bedenken kann ich gut nachvollziehen. Aber direkt helfen wollen macht auch nicht viel Sinn. Vielleicht mal den ein oder anderen Euro an eine Suchtpräventions-Organisation spenden? Die wissen eher, welche Hilfe da sinnvoll sein könnte.
Aber, zum Dealer muss man sich ja auch nicht machen lassen. Ich persönlich lehne “solche” Einkaufsfahrten grundsätzlich ab.
24. Juli 2009 um 08:08 foolala(Quote)
Sofern der Mensch keine Gefahr für andere und nicht unmittelbar für sich selbst darstellt, wird auch ein Sozialnotdienst oder ähnliches nicht einspringen. Denn letztendlich muss der Wunsch vom “Kunden” selbst kommen etwas zu ändern.
Natürlich ist es ein Einkommen von den wir hier reden, sollte dein Gewissen jedoch wirklich so stark schreien, würde ich bei der nächsten Lieferung deine Meinung sagen, Ware abliefern und zukünftige Aufträge von diesen Kunden nicht annehmen.
Soll sich derjenige doch selber zu Grund richten und nicht noch andere damit runterziehen. Mich würde aber ebenfalls sehr interessieren ob es hier nicht eine Stelle gibt bei der man solche Fälle melden kann/soll.
24. Juli 2009 um 09:06 DeserTStorM(Quote)
Naja wie du schon sagst, letztendlich kannst du nichts dagegen machen. Selbst wenn du jemanden nicht mehr den benötigten Alkohol lieferst, wird er nicht aufhören ihn zu trinken. Es gibt genug andere die es machen, und denen scheißegal ist was mit der Person ist, solange die Kohle stimmt.
Aber vielleicht hättest du ja, wenns wirklich derbe Fälle sind, die Möglichkeit das Ordnungsamt o.ä. mal darauf hinzuweisen? Vielleicht kann solchen Menschen dann so etwas geholfen werden.
24. Juli 2009 um 09:35 humpaaa(Quote)
Lieferst Du eigentlich auch Kuchen? Der von Dienstag war nämlich lecker…
24. Juli 2009 um 10:00 Vincent(Quote)
Ich selber bin Pizzafahrer und kenne das auch nur zu gut. WIr haben da unsere Stammkunden, die regelmäßig nichts anderes als ein paar Flaschen Wein / Bier bestellen.
Was ich daran wirklich so erstaunlich finde, ist wieviel Geld die Leute dafür ausgeben. Ich weiß nun nicht was eure Taxi-Lieferung kostet, aber die gibt’s ja nicht umsonst und unsere Ladenpreise sind definitiv deutlich über Supermarktpreis.
Und ich rede hier nicht nur von den reichen Alkoholikern und denen, die einfach zu fertig sind um das Haus noch zu verlassen. Sondern gerade von den Leuten, die eben mal auf’s Geld gucken müssen, wenn sie Essen kaufen und eben lieber die Discounter-Spaghetti nehmen als die von Barilla. Aber dann bestellen sie zwei Flaschen Wein für 15,60€ (und das ist kein besonders guter).
Aber vermutlich kann man das als nicht-Betroffener auch einfach nicht nachvollziehen, ist ja eben doch bei vielen Krankheiten so.
24. Juli 2009 um 10:08 Aro(Quote)
Diese Erfahrung habe ich auch ein paarmal gemacht (www.berlinstreet.de/284). Mittlerweile nehme ich solche Aufträge aber auch nicht mehr an, auch wenn ich dem Menschen nicht helfen kann, so will ich an seiner Sucht doch nicht noch verdienen.
Wie Klaus schon schrieb, man muss ja nicht zum Dealer werden.
24. Juli 2009 um 11:11 Martin(Quote)
Da muss ich mal das “dagegen-schild” heben. Von wegen, “Da kann man nichts machen” und “Wenn ich nicht fahre machts ein anderer”. Haha…
Das sind billige, faule Ausreden, die der Rechtfertigung der persönlichen Bereicherung dienen, um sich den Auftrag nicht entgehen zu lassen zu müssen.
Einer zum Nachdenken: Warum sollte ich auf meiner Toilette blaues Licht installieren? Wenn ich das mache, gehen die Fixer woanders hin.
Na, machts Klick?
Leute, sprecht euch ab, sprecht mit den anderen Zentralen und seit zumindest ein bißchen Weltverbesserer. Und fahrt solche Adressen nicht mehr an.
Torsten, wie fühlst Du Dich wohl, wenn sich nachts zufällig einer aus einer Flasche Wodka, die Du gebracht hast, den finalen Schluck gönnt und nicht mehr aufsteht?
Ich würde das nicht erleben wollen!
Und entschuldige bitte meine agressive Schreibweise, mich macht das wütend. Ich hab schon die Hälfte wieder gelöscht…
24. Juli 2009 um 11:12 Hans Wurst(Quote)
Wie Sie schon richtig bemerkt haben: Menschen mit derartigen Problemen werden ALLES tun, um an ihre Suchtmittel zu kommen.
Ich würde das deshalb so sehen: Lieber mit dem Taxi liefern, sonst kommen sie vielleicht noch auf die Idee, selbst mit dem Auto zu fahren …
Wenn die Einsicht, abhängig zu sein, nicht irgendwann von selbst kommt, kann man leider nicht viel helfen. Spenden Sie doch das Trinkgeld an die Anonymen Alkoholiker. Ist zwar auch keine echte Hilfe für die konkreten Personen, beruhigt aber vielleicht ein wenig Ihr Gewissen und anderen Betroffenen, die ihre missliche Lage erkannt haben, kann geholfen werden.
24. Juli 2009 um 11:20 Andi(Quote)
Helfen kannst Du solchen Leuten aktiv nicht. Höchstens einfach mal melden bei entsprechenden Ämtern (Sozi etc.) falls die Verwahrlosung zu schwerwiegend ist. Aber die können solchen Betroffenen im Endeffekt auch nicht helfen. Jedenfalls nicht, was direkt Ihre Sucht betrifft. Ansonsten ist die beste Hilfe bei Suchtkranken gar keine Hilfe. Die meisten kommen nämlich erst ins Grübeln, wenn sie richtig in der Gosse liegen, keine finanziellen Möglichkeiten mehr haben. Solange das Suchtmittel vorhanden ist/bleibt, fühlen sich Süchtige noch recht “wohl” und verdrängen ihr Problem. So war es bei mir jedenfalls. Hilfe war anfangs immer vorhanden, ich habe sie nur zu gerne in Anspruch genommen und auch ausgenutzt. Ein Umdenken kam erst nach der Einstellung der Hilfe durch Familie/Freunde, einhergend mit dem Verlust der Wohnung usw. Wo dann nur noch die beiden Möglichkeiten waren: Weitermachen und noch höchstens ein paar Jahre oder endlich was dagegen machen. Der Wunsch muss dabei aber eben immer vom Betroffenen selbst kommen. Ansonsten sind zu 99 % alle Versuche von aussen vergebene Mühe.
In Deinem Fall bleibt da denn eigentlich auch nur übrig: Wenn Dich das zu sehr belastet, solche Fahrten einfach ablehnen.
24. Juli 2009 um 12:11 Kampfschmuser(Quote)
Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen, da ich ähnlich in dieser Hinsicht ticke.
(Leider) aber, wenn du diese Adresse nicht mehr anfährst, tut es ein anderer. Nicht alle sind unter einen Hut zu bringen. Zweitens ist die Gefahr, dass der Alki sich ins Auto setzt und sich selber seinen Stoff besorgt. So ist keinem geholfen. Dann ist es schon besser, wenn er sich nur selber schadet.
Ich kenne einen Alki seit rund 20 Jahren. Er wurde “trocken” mit 28. Kein Alkohol rund 12 Jahre. Prima Kerl mit gutgehendem Betrieb und mit Familie inkl. 4 Kindern. Dann kam er mit 40 per Zufall an Koks. Hier mal ein Näschen, da mal ein Näschen. Halbes Jahr später kam dann der Alkohol (Vodka) hinzu. Das Ende vom Lied: Familie weg, Betrieb weg, alles weg. Nur noch Hartz4 und eine versiffte Sozialwohnung. Der Lappen ist seit einer Trunkenheitsfahrt mit Unfall auch weg. Sowie etliche Anzeigen wegen Körperverletzung, da er im Suffzustand äußerst aggressiv ist.
Ich habe vieles versucht, aber am Ende war nur noch die Erkenntnis, dass ihm nicht zu helfen ist.
24. Juli 2009 um 12:49 Seismo(Quote)
Auch wenn meine Aussagen hier jetzt sicher auf wenig Gegenliebe stossen werden möchte ich mich dazu äussern. Ich kann euer Mitleid mit Alkoholikern ehrlich gesagt nicht ganz verstehen. Wurde denn irgendeiner von denen dazu gezwungen den Alkohol zu trinken? Die haben sich ALLE selbst in diese Situation gebracht. Klar muss man denjenigen helfen die wieder aus ihrer Sucht herauswollen. Dafür gibt es Stellen an die sie sich wenden können und wo ihnen auch geholfen wird. Aber wenn die Leute keine Hilfe wollen, warum sie ihnen aufzwingen? Noch gibt es so etwas wie einen freien Menschenwillen. Und wenn dieser freie Wille keinen Entzug möchte dann ist das von uns Aussenstehenden zu akzeptieren. Auch wenn es uns oft nicht gefällt.
Ich verstehe euch natürlich wenn ihr denjenigen keinen Alkohol bringt, ihr müsst euch aber bewusst sein dass Süchtige immer einen Weg finden an ihr Suchtmittel zu kommen. Wenns nicht mehr per Taxi kommt dann muss man sich eben selbst ins Geschäft bewegen. Somit ist diese (verständliche) Handlungsweise der Taxilenker auch wieder sinnlos. Ich selbst mache auch überhaupt keine Besorgungen und komme somit nicht in die Verlegenheit irgendjemandes Sucht zu unterstützen, bei mir ist der Grund für die Ablehnung dieser Fahrten aber ein anderer. Ich will nicht im Vorhinein für irgendwelche Waren bezahlen und dann vielleicht auf den Sachen sitzen bleiben wenn sie aus welchem Grund auch immer nicht passen.
24. Juli 2009 um 13:11 Klaus(Quote)
@Seismo
Es dreht sich auch darum, Morgens noch in den Spiegel sehen zu können. Wenn, wie weiter oben schon mal erwähnt, ICH derjenige gewesen bin, der den “finalen Schluck” vorbeigebracht hat, hätte ich damit schon meine Probleme. Da nützt es mir nichts, dass es ohne mich ein anderer gewesen wäre. ICH BIN es gewesen.
Und irgendwelche Theorien über Suchtkrankheiten zu erstellen (Dein Zitat: Die haben sich ALLE selbst in diese Situation gebracht.) fühle ich mich nicht berufen. Ich bin TAXIFAHRER.
24. Juli 2009 um 14:24 acid(Quote)
Der Kuchen von Dienstag war wirklich lecker, sprang der Torsten da auch rum @humpaaa?
Aber zum Thema:
@Seismo
Die Gründe für eine Sucht sind viel zu vielfältig um da zu pauschalisieren und das geht meiner Meinung nach auch keinen anderen Menschen was an, wie der Süchtige dort hin gekommen ist.
@Torsten
Ich kann gut verstehen, dass dich solche Fahrten belasten. Aus eigener bitterer Erfahrung weiß ich aber, dass du da nicht helfen kannst. Der Süchtige muss sich selbst helfen und es gibt leider nicht viele, die sich aus einer Sucht wieder heraus arbeiten. Das beste wird es wohl wirklich sein, solche Fahrten nicht zu tun.
24. Juli 2009 um 15:11 bard jun.(Quote)
@ Thorsten…du bist Taxler und kein Sozialarbeiter!!
PS Viel Spass
beim Libori
24. Juli 2009 um 15:17 Seismo(Quote)
@ Klaus: Darum hab ich ja geschrieben ich verstehe alle die den Süchtigen keinen Nachschub bringen. Zu den sogenannten Theorien: ich bin auch Taxifahrer, aber ich bin auch Rettungssanitäter und Mensch und traue mir zu dass ich mir ein Urteil bilde. (das traue ich auch jedem anderen Taxifahrer zu) Und ja, ich bin der Meinung dass zumindest die Alkoholkranken sich selbst in diese Lage gebracht haben. Schliesslich wird niemand gezwungen Alkohol zu trinken. Ich habe auch Alkoholiker in der Familie gehabt und natürlich versucht diesen zu helfen, was aber nicht heisst dass ich nicht sagen kann dass sie zu einem sehr grossen Teil selbst schuld an ihrer Situation waren.
@ Acid: Ich frage die Leute ja nicht nach dem Grund ihrer Sucht. Das ist mir auch vollkommen egal. Ich mache mir aber auch keine Vorwürfe wenn jemand an seiner Sucht zugrunde geht. Es gibt genügend Einrichtungen für Süchtige die bei einem Entzug helfen wenn sie es nur wollen. Und genau das ist der Punkt. Viele wollen gar keinen Entzug bzw. kommen erst dann drauf dass sie einen Entzug wollen wenn sie grad volltrunken sind.
24. Juli 2009 um 15:46 cyberjoker(Quote)
Was ist Dein Job? -Autofahren.
Also denk nicht drüber nach, helfen kannste sowieso nicht.
Kohle nehmen und weiterfahren. Sonst verdient das Geld jemand anderes.
Unter der 17 Taxi-Unternehmen ist mindestens eines, denen Geld über Gewissen geht.
Bier- und Wodkaflaschen kotzen Dir jedenfalls nicht den Wagen voll!
24. Juli 2009 um
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24. Juli 2009 um 17:11 Torsten Bentrup(Quote)
Die ganzen Kommentare muß ich jetzt erstmal sacken lassen. Ironischerweise mach ich das heute abend mit ein paar Freunden und Cocktails und Bieren. Aber die lass ich mir dann doch lieber von Kellnern bringen…
@Martin: Deine “aggressive Schreibweise” ist kein Problem. Wenn ich nicht ähnliche Gedanken hätte, würde dieser Eintrag nicht existieren.
@Kuchenfreunde: Könnte es auch der Mittwoch gewesen sein? Ja, da saß ich auch dabei. Ich war derjenige, der rechts vom “Geburtstagskind” saß.
24. Juli 2009 um 18:01 Kurt(Quote)
Entweder man entscheidet als Taxiunternehmen, grundsätzlich keinen Alkohol zu liefern (egal zu wem), oder man liefert und fängt erst dann an, Fragen zu stellen, wenn der Empfänger beim Eintreffen besoffen vor dem Haus liegt.
Ich kann das Gerede im Sinne von “Man muss diesen armen Menschen helfen” inzwischen nicht mehr hören. Alkoholabhängigkeit ist nicht ansteckend, jeder kann sich also selbst dazu entscheiden, soviel Freiheit herrscht in diesem Land. Das einzige, das den Rest der Gesellschaft dabei stören sollte, sind zwei Punkte:
1. Warum können es sich solche Gestalten leisten, sich von einem Taxi beliefern zu lassen?
2. Warum muss ich mit meinen Steuern deren irgendwann unerlässliche Krankenhausbehandlung bezahlen?
24. Juli 2009 um 18:06 Ly(Quote)
ob alle am alkoholismus selbst schuld sind, @ seismo, würde ich nicht wagen zu sagen, da, so zumindest meine schwester, krankenschwester und heute sozialarbeiterin, die mit alkoholikern arbeitete, mir erzählte, es bestehe teils auch eine körperliche disposition von alkohol abhängig zu werden. also nicht “nur” alk als betäubungsmittel als fehlgeschalteter.
anders kann ich mir auch kaum erklären warum manche von der droge drauf kommen und andere nicht. wenn ich mir für mich überlege was ich in meinem leben schon getrunken habe, und eben nicht abhängig wurde, während andere mit ähnlichem level, zb als junger mensch, oder in der musikszene, in schwierigkeiten gerieten, kommt mir dies durchaus schlüssig vor.
ich mache auch keine einkaufsfahrten mehr. allerdings vorangig wegen auslegen von geld, und der gefahr des drauf sitzen bleibens, zweitrangig wegen der teilweise erheblichen schlepperei, die ich nicht immer super hinbekomme, speziell wegen einem kunden, der sich seine gesamte getränkebatterie, cola, wasser, bier, mixgetränke kästenweise bringen lässt regelmässig.
grundsätzlich kann ich bei einer alkoholeinkaufsfahrt nicht wissen, ob die zwei oder drei flaschen wein für plötzlich eingefallene gäste sind, und damit für einen netten abend zu 5., oder eben für einen alki. selbst bei hartem stoff wie vodka kann ich nicht sicher sein, bei korn schon eher, aber bei uns kann ich nicht erst eine fahrt annehmen und dann gucken was soll ich kaufen, das ist eben der nachteil bei Fahrtenvergabesystemen per GPS, ich muss annehmen, oder ich bin vorab durch grundsätzliches, ne, mach ich gar nicht, für diese fahrten von der automatischen Fahrtenvergabe ausgeschlossen.
ich kann einkaufsfahrten also nur in der Gänze für mich ablehnen, oder ich muss alle ausführen.
an die nieren jedoch gingen mir die krassen fälle, als ich es noch machte, immer. jedoch gehört das für mich zum leben. das hat auch seine schattenseiten, wozu eben auch alkoholiker gehören. Da war für mich Fahrt ist Fahrt die Sache, und manchen Alki habe ich persönlich zur Tanke zum kaufen gefahren und wieder zurück, diese Fahrten habe ich naturelment immer noch.
mir ist dabei wichtig denjenigen wenigstens mit Respekt zu behandeln wie jeden anderen auch, mitleid ist sicher fehl am platz, aber nicht, wie das manche kollegen gerne sehen, als das größte Übel. Daneben benehmen tuns sich eher nicht. Dafür, so meine Erfahrung, ist ihnen ihr eigener Zustand oft viel zu peinlich.
24. Juli 2009 um 18:08 Ly(Quote)
Erster Absatz Ende fehlt ein Wort: [...] Problemlösungsversuch. [...]
24. Juli 2009 um 18:16 Ly(Quote)
@ Kurt:
Frage 1: weil sie ihr gesamtes Geld in Alk investieren und sonst nix mehr ausser nudeln für 29 cent, die drei tage satt machen, im härtefall.
Frage 2:
du investierst die Steuern im Härtefall für den Mindestsatz der Krankenversicherung über Hartz oder, eher wahrscheinlich, sozialgeld oder Grundsicherung, weil die Leute nicht mehr arbeitsfähig sind.
Also nicht für die sehr viel teurere krankenhaus behandlung.
In D hat immer noch jeder Mensch in Notlage aus welchen Gründen auch immer und ohne Ansehen der Person das Recht auf Krankenversicherung und der Staat und die Gesellschaft gar die Pflicht, für die Krankenversicherung zu zahlen.
Die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten also auch die Solidargemeinschaft der Steuerzahler muss es als Gesellschaft dieses Landes aushalten, das aus Steuergeldern eine Krankenversicherung finanziert wird, ohne Ansehen der Person und ohne den Grund der Notlage in Frage zu stellen.
Hier bleibt zu wünschen das niemand in eine Notlage aus welchen Gründen auch immer gerät. Oder?
24. Juli 2009 um 18:29 Ly(Quote)
by the way muss es die Gesellschaft auch aushalten, wenn einer nicht krankenversichert ist aus welchen gründen auch immer und im KKH landet warum auch immer. Eine Menge Menschen, insbesondere Selbständige, sind in D nicht krankenversichert weil sie es sich nicht, bzw nicht mehr, leisten können. Zur Not, und hier ergo die Notlage, zb bei Beinbruch oder Blinddarm, muss, weil die wirtschaftliche Lage sich so darstellt, auch hier der Staat und Steuerzahler herhalten. Ohne Ansehen der Person.
24. Juli 2009 um 18:46 Paul-(Quote)
Das Taxifahrer auch einen Lieferdienst machen ist mir neu. Bei uns in der umgebung habe ich sowas noch nicht gehört. Aber kann ja schon gut sein, das es sowas in einer großen Stadt gibt. Aber bei uns in Mitteldeutschland? Am Kopf kratz und wundern.
24. Juli 2009 um
[...] von stefanprass am 24. Juli 2009 Der Torsten hat in seinem Taxi-Blog sich Gedanken über eine Situation gemacht, die jeder Taxifahrer schon mal gemacht haben dürfte. Mir selber gehen diese Touren immer [...]
24. Juli 2009 um 19:16 Kurt(Quote)
@ Ly:
- Über welche Wege Steuergelder für die ärztliche Behandlung dieser Leute ausgegeben werden, spielt ja keine Rolle. Diese Personen sind sehr häufig über das für sie zuständige Sozialamt krankenversichert. Sie zahlen kein Geld ein, haben häufig genug noch nie welches eingezahlt, stehen aber mit dieser Art der Versicherung in der Hierarchie der Patienten zwischen Privatpatienten und gesetzlich Krankenversicherten. Es muss und soll jeder so gut wie möglich medizinisch behandelt werden. Es gibt aber immer mehr Ungleichgewichte in diesem System.
- Jetzt bitte keine Relativierung: Was hat denn ein – aus welchen Gründen auch immer – nicht krankenversicherter Selbständiger (Es besteht inzwischen übrigens Krankenversicherungspflicht) mit einem Versoffenen zu tun?
Ich will ja nicht das Solidaritätsprinzip (fürchterliches Wort!) der Sozialversicherung anzweifeln. Jeder darf nach eigenem Gutdünken glücklich werden. Ich finde ja schon als Nichtraucher die Maßnahmen zum Nichtraucherschutz übertrieben. Man wird aber nicht nach fünf durchzechten Nächten zum Alkoholiker, sondern weil man sein Leben nicht im Griff hat. In der Regel schon vor Ausbruch der Krankheit nicht.
Übergewicht hat man ja auch nur wegen der Drüsen…..
24. Juli 2009 um 19:38 .(Quote)
Taxi and more.. ein Hamburger mit Pommes bitte
24. Juli 2009 um 20:04 Ly(Quote)
(Wort auf Lys Wunsch gelöscht, TB)
solidaritätsprinzip gilt auch für die gesellschaft und ist ein grundlegender bestandteil, welcher zunehmend in vergessenheit gerät.
der versoffene und der selbständige nichtversicherte können beide fälle sein, die über sozialgeld ( sozialhilfe ist abgeschafft seit jahren ) bzw hartz, also aus steuergeldern, notfalls kkh kosten bezahlt bekommen. und das ist völlig in ordnung.
im gegensatz zu dir enthalte ich mich einer wertung der person, der gründe, des ansehens der person. punkt.
justizia soll nicht ohne grund blind sein, also verbundene augen haben, da der mensch im allgemeinen dies nicht leisten kann.
letztlich entscheiden die gesetze, richtlinien und praxis.
nicht der einzelne bürger mit seiner persönlichen meinung von gerechtigkeit, wie mit versoffenenen, sowieso arbeitscheuen subjekten und sonstigen zu verfahren ist.
mit verlaub: gott seis gedankt.
ende, nun gehts ab ins wochenende
24. Juli 2009 um 20:08 Ly(Quote)
@ torsten, nehm bitte das erste wort mit punkt punkt punkt raus. das hatte ich im affekt geschrieben und sollte gar nicht mehr drin sein, hatte es vergessen zu löschen. danke und weg, guiness ruft
24. Juli 2009 um 20:10 Ly(Quote)
PS: krankenversicherungspflicht ist gut, ich kenne immer noch leute ohne.
24. Juli 2009 um 20:22 Andi(Quote)
@ Seismo
Kennst Du eigentlich die Beweggründe von Kinderschändern? Von Spielsüchtigen? Von Boderlinern? Ich jedenfalls nicht (bis auf Borderline). Und deshalb wirst Du von mir keine Vorwürfe hören über die Gründe für deren Vorgehen. Ich kann es nämlich nicht, weil ich davon nicht betroffen bin. Und deshalb bekomme ich einen riesen Hals, wenn ich solche Sätze höre wie: Selbst schuld, soll doch einfach aufhören zu saufen. Meinst Du eigentlich, dass sich irgendwer freiwillig um den Verstand und Gesundheit säuft? Um es mal ohne viel ärztlichen Kram auszudrücken. Der Betroffene kann nichts für seine Sucht. Da spielen mehrere Faktoren in der Psychologie und Organismus mit. Oder ganz einfach ausgedrückt. Der gesunde Menschenverstand sagt einem: Zuviel Alkohohl, muss mal kürzer treten. Diese Kontrollmöglichkeit setzt aber bei einem Suchtkranken aus. Er verliert sämtliche Rationalität.
Ich weiß aber auch aus eigener Erfahrung, dass Nichtbetroffene das nicht nachvollziehen können. Die Leute in meinem Umkreis haben sich aber zumindest darüber informiert. Und denken jetzt ganz anders über Suchtkrankheiten. Sie können es zumindest inzwischen nachvollziehen, warum ein Mensch in eine Sucht abdriftet. Empfehle ich Dir auch mal. Dann würdest Du nicht solchen Schwachsinn wie freien Menschenwillen in Verbindung mit Suchtkrankheiten schreiben. Weil, gerne noch einmal, der bei Suchtkranken aussetzt.
24. Juli 2009 um 20:41 Kurt(Quote)
@ Ly:
Meine Güte, man kann den Sachverhalt auch so verdrehen, dass wir uns jetzt alle mitschuldig fühlen müssen mit dem Alkoholismus in dieser Gesellschaft.
Ich darf an den Ausgangspunkt meiner Kommentare erinnern. Ein Taxifahrer erzählt von Gewissensbissen, weil er Alkoholiker mit Alkohohl versorgt. Dieses “Problem” ließe sich ganz einfach lösen: Man gibt ihm einfach keinen Alkohol. Und weil man vorher nicht wissen kann, wem man nachher die Bestellung in die Hand drückt, stellt man diesen Dienst ganz ein. So gut, so einfach. So lange man aber Geld mit diesem Service verdient und auf dieses aus gutem Grund nicht verzichten will, sollte man auch keine Fragen dieser Art in den Raum werfen. Und schon gar nicht – wie vorgeschlagen – das Trinkgeld einer solchen Fahrt den Anonymen Alkoholikern spenden. Klingt nämlich wie Ablasshandel.
Wenn Ihr einem Alkoholiker helfen wollt, dann sorgt dafür, dass er von der Sucht befreit wird. Mitgefühl haben eher die Angehörigen verdient. Macht Alkoholiker nicht zu Opfern dieser Gesellschaft. Denn eigentlich ist DAS die wahre Demütigung. Ich habe niemals gefordert, ihnen medizinische Hilfe zu verweigern. Ich darf aber an die immensen Kosten erinnern, die die Gesellschaft zu tragen hat.
Und übrigens: Das so genannte Solidaritätsprinzip gerät keinesfalls in Vergessenheit. Im Gegenteil. Und gerade das ist die Krux: Probleme aller Art immer häufiger auf die Gesellschaft zu verteilen und so die Verantwortung von den Verursachern abzuziehen.
24. Juli 2009 um 21:26 Ly(Quote)
Häh?
@Kurt (nicht Klaus, auf Anfrage korrigiert, TB)
Ich habe keinesfalls irgendeinen sachverhalt so verdreht das sich irgendwer geschweige denn alle schuldig fühlen muss.
das ist deine subektive Interpretation, Klaus.
keinesfalls auch habe ich unterstellt du wolltest das keine medinzinische hilfe mehr geleistet wird.
Jedoch deine argumentation, von wegen, darüber sollte gesellschaft sich aufregen, untermauert mit so ein netten unbelegten, und im übrigen sehr sehr leicht zu wiederlegenden dingen, wie das die sozialgeldempfämger welche alkis sind und die ja nie was einzahlen in kassen und auch seltenst haben, dass diese zwischen privatpatienten und kassenpatienten in der hirarchie stehen, das schürt sozialneid. altbekannte strategien, um andere in mißkredit und an den rand zu drücken durch die öffentliche meinung, hier aber, wie häufig völlig überflüssig weil die leute sind schon am ende.
und das ist die verfahrensweise die du durchblicken lässt.
ich kann mit fug und recht sagen das ein sozialgeldempfänger in der hirarchie der patienten ganz hinten steht. die herren dotore mögen die nämlich ebenso wenig in der regel wie du. denen kann man ganz gewiss keine zusatzleistungen verkaufen, dem normalen kassenpatienten schon noch.
von gesamtgesellschaftsschuld sprach ich auch nicht. wie käme ich dazu.
es hat schon immer alkoholismus gegeben, zu allen zeiten der menschheitsgeschichte und durch alle
soziale und finanzielle schichten, es steht immer eine jeweilig eigene geschichte dahinter, was übrigens deine idee vom alki der nie beiträge und steuern abführt ad absurdum führt. du haust mit deinem argument was du da anführst in die neudeutsche unterschichtendebatte rein, und das hat da jedoch nix zu suchen.
Wenn du nur den alkoholismus derer siehst die sich auf dem amt ihr geld abholen, dann hast du wenig davon gesehen. sehr wenig.
aber das man selbst als manager oder sonstwas da landen kann, das, mit verlaub gesagt, kann der anfang der rettung sein.
es gibt fast wirklich nur diese eine Lösung für die die richtig drauf sind: ganz unten ankommen ganz unten. kaum geld und alles am end. dann macht es hoffentlich irgendwann klick.
Hermann hesse sieht das in seinem Buch Glasperlenspiel ähnlich, wenn auch anders. um seelisch zu gesunden müsse mancher mal seines sämtlichen vermögens verlustig gehen. aber das ist nur eine randbemerkung
24. Juli 2009 um 21:39 Ly(Quote)
ach ja, ehs vergessen wird, die immensen kosten durch alkoholismus für die gesellschaft.
was soll das bitte.
alkoholismus ist eine anerkannte erkrankung.
so wie andere das gesundheitssystem belastende erkrankungen auch.
wer ist was wie wo schuld? scheiß drauf. für viele erkrankungen kannst du das komplette heutige weltsystem schuldig sprechen.
stress? herzinfarkt? scheiße, hätt er doch besser auf sich achtgegeben.
wo willst du anfangen wo aufhören. wie was wer urteilt hier, wertet?
offen gesagt mir gehen deine wertungen auf den keks, aber du überliest das und interpretierst in der gegend rum.
sachlage ist sachlage und sachlage ist was gesetz ist, in D praxis ist, gesundheitspolitisch anerkannt ist, und wie die diversen schwerlich auf unterschicht zu pauschalierenden realitäten der erkrankung aussehen.
sonst nix, alles andere ist meinungsmache weiß der himmel woher.
25. Juli 2009 um 00:34 Jan(Quote)
ich weiß nicht, würde es solchen Leuten helfen, ihnen einfach kommentarlos zu jeder Lieferung eine Visitenkarte mit Telefonnummern von Suchtberatungsstellen dazuzustecken? Vielleicht fällt ihnen in einem nüchternen Moment ja ein, dass sie da raus wollen.
25. Juli 2009 um 01:24 Fincut(Quote)
So lange Du nicht in Vorkasse gehen musst, sehe ich da kein Problem. Du bist ein Dienstleister, nicht der Vater aller Menschen. Jeder hat ein Recht darauf, sich zu zerstören.
Und wer bravt zahlt, der soll auch seine Scheiße bekommen. Warum tangiert Dich das? Sind doch nur fremde Menschen und keine Katzen oder Plumploris!
25. Juli 2009 um 01:50 PzGren(Quote)
@Martin
Bei wem soll es klick machen und warum?
Dein Beispiel: Warum sollte ich auf meiner Toilette blaues Licht installieren? Wenn ich das mache, gehen die Fixer woanders hin.
Leute, die aufm Klo fixen sind abhängig. Nur weil es kein Klo mehr gibt, hören die nicht auf zu fixen. Die können hinter den Busch gehen, zu einem Drop-in oder in zerfallenen Häusern chillen.
Das selbe gilt beim Taxi-Alki. Der ist schon süchtig und wird es auch weiterhin bleiben, egal ob ein Taxi liefert oder nicht. Das Suchtproblem muss ER selbst lösen. Sein Umkreis kann ihm helfen, den Entschluss zu fassen in Therapie zu gehen (siehe auch http://en.wikipedia.org/wiki/Intervention_%28...) – aber der Entschluss muss von ihm kommen.
Nur weil du einem Alki alle Taxis, Lieferdienste, Tankstellen und Supermärkte verbietet, wird der lange noch nicht clean. Sehr gut belegt übrigens im amerikanischen Knast, da produzieren die Alkis Knastfusel – und du musst mal überlegen, welche Resourcen die da (nicht) haben…
Ob man als Taxifahrer solche Leute weiter beliefern sollte, hängt von der Moral ab. Jesus findet es bestimmt nicht cool. Es ehrlich verdientes Geld und IMHO macht der Zigarettenverkäufer nichts anderes. Es kommt halt krasser rüber, weil man die Menschen high oder auf turkey sieht. Nikotinsüchtige können das besser managen.
(sprachs, nahm sein Bier und ging, um zu rauchen – for realzies)
25. Juli 2009 um 07:17 Torsten Bentrup(Quote)
@Jan: Das finde ich allerdings eine geile Idee, Karte mit Telefonnummer (einfacher gehts nicht, sich bei Bedarf Hilfe einzufordern) der Suchtberatung. Das werde ich definitiv umsetzen! Zumal ich mir die Telefonnummer sogar problemlos merken kann: Mein Geburtstag plus 08, 22508 in Paderborn!
Danke für den Tip!
@Fincut: Das ist das Blöde an meiner Psyche. “Fremde Menschen” sind für mich eben auch Menschen und Menschen (meinetwegen auch Lebewesen jeder Art, ich erschlage nicht mal Mücken, wenn es andere Wege gibt, mit ihnen auszukommen) tu ich nicht ohne Grund etwas an wenn ich es verhindern kann.
Gutmensch halt, kannste nix machen.
@Sozialfallkommentare: Ich hab bewusst von den Menschen gesprochen, die nach außen die Fassade (Einfamilienhaus, gute Wohngegend) aufrecht erhalten. Es scheint mir, als wenn die Droge Alkohol inzwischen genau dort ein echtes Problem geworden ist. Die “asozialen Penner” gab es immer schon, die gibt es auch heute noch. Aber die holen sich ihre Droge selbst beim Discounter und beauftragen nicht uns damit.
Und grad Sucht ist ein so vielschichtiges Thema. Ich kann kaum glauben, daß es Menschen gibt, die bewusst die Entscheidung “Ich werd jetzt mal Alkoholsüchtig!” treffen.
Persönlich hab ich in den letzten Jahren einen langen Zeitraum (mehrere Jahre!) gehabt, in denen ich keinen Tag ohne Alkohol und Kiffen verbracht habe. Glücklicherweise habe ich offensichtlich keine Disposition, um körperlich abhängig zu werden. Würde man mich heute testen, wäre ich clean. Ich hab beide “Angewohnheiten” von einem Tag auf den anderen (nach der Erkenntnis, wie doof diese Angewohnheiten sind) aufgegeben und keinerlei Entzugserscheinungen gehabt.
Aber mir ist trotzdem klar, daß viele andere bei ähnlichem Mißbrauch längst körperlich abhängig geworden wären und eben nicht so einfach hätten aufhören können. Ich hab genetisch Glück gehabt, nicht mehr. Mein Vater war genauso, Quartals- und Wochenendsäufer, aber im Job (hoffentlich) die ganze Woche über nüchtern, er war LKW-Fahrer.
Deshalb fühle ich mich eben nicht wie einige Kommentatoren als “überlegen”, weil ich nicht in die Drogensucht (welcher Droge auch immer) abgerutscht bin. Das Leben hält soviele Tiefschläge für uns bereit (siehe aktueller Eintrag), daß weniger stabile Menschen (und so einer war ich noch vor ein paar Monaten) eben den “betäubenden Weg” nehmen.
Niemand nützt es, wenn man sich für überlegen hält und die Möglichkeit, selbst einmal in die Sucht zu schlittern weit von sich weißt. Kann klappen, aber das haben die allermeisten Süchtigen eben auch von einiger Zeit gedacht.
25. Juli 2009 um 13:15 Ly(Quote)
@ Martin, und auch PzGreen
das blaue Licht, das Martin, wie ich vermute als Busblogger aus Koblenzer öffentlichen Klos kennt, ( Martin, richtig? dein Headerbild weist zb auf den Klo am Deutschen Eck, den ausser Touristen auch Bus- als auch Taxifahrer nutzen
)
das blaue licht vertreibt fixer da, weil diese bei diesem Licht die Venen nicht sehen können, ist schon klar, und PzGreen hat völlig recht, Süchtige aus den augen aus dem sinn, heißt nicht problem sucht gelöst.
Allerdings, folgt man den Erläuterungen der Klofrauen bei uns, ist es so, dass dadurch verhindert wird, das diese das sehr häufig liegengebliebene Besteck wegräumen müssen, und auch Kunden damit nicht in Kontakt kommen, es geht vorrangig um Gesundheitsschutz, was diesen öffentlich genutzten Raum angeht.
Sinnvoll wäre eine art Schutzraum für die in Ko nicht sehr zahlreichen Age-Abhängigen, incl. Spritzenautomat. Aber wer weiß, vieleicht gibt es sowas gar irgendwo ganz unauffällig schon. Vertreibungspolitik jedenfalls hat sich noch nie als sehr sinnvoll erwiesen. Durch meinen früheren leider vor vier Jahren verstorbenen Hausartz ist mir bekannt, das wir auch Methadon-Programme haben.
Grade was das Thema angeht:
Torsten, du schreibst:
Es gibt nichts was es nicht gibt. Ganz besonders bei sehr jungen Menschen.
So ist mir bekannt, dass durch die seinerzeitige Antidrogenkampagnen mit coolen Sprüchen und vielsagenden Bildchen, ich meine hier die End-Siebziger, eine Klassenkameradin von mir, sie erzählte es mir jüngst, so “angefixt” war dass sie unbedingt alles probieren wollte. Alles. Auch Nadelzeug. Aber sie bekam nix. Ihr Glück, heute ist sie Richterin. Eine gute, denk ich
Aber wenn man die Kinners heute beim Komasaufen sieht, wissen sie was sie tun? Sie wollen sich auf jeden fall abschießen es ist hipp voll wegzudrehen.
25. Juli 2009 um 13:16 TorstenW(Quote)
@ Ly
Ich stimmt vollkommen mit Dir überein!
@ TB
Nochmals meine Glückwünsche
@ Kurt
Mein Eindruck von Dir: absolut egoistisches A…loch!!!
Sorry Torsten, aber das mußte ich jetzt mal loswerden!
25. Juli 2009 um 13:39 Ly(Quote)
@ TorstenW
ob Kurt das ist was du schreibst ist nicht gesichert
M.E. ist es vieleicht nur so, das ein Teil medialer Mainstream weitergeben wurde. Schließlich sind wir alle nicht ganz frei von den Informationsquellen die wir haben.
Und vieleicht regt die Diskussion ja zum Nachdenken an?
In Geldwert denken jedenfalls ist nicht immer hilfreich.
In diesem Geldwert, im übrigen, auch wenn sie es sichern und verwalten müssen, denken auch nicht unbedingt immer die sozialarbeiter und Pädagogen und Sachbearbeiter der angesprochenen Ämter.
Hinter deren Arbeit steht sehr viel mehr dahinter.
25. Juli 2009 um 14:37 Kurt(Quote)
@ TorstenW, Ly:
Nein, ich bin kein “egoistisches A…loch”. Spontan beleidige ich einfach mal zurück und nenne Dich ungesehen einen Hirnamput…. mit zu kurzem Schwa….
Kann mir mal bitte jemand jenseits seiner Erfahrungen mit Klofrauen und Leuten, die er mal gesehen hat, als sie über jemanden berichtet haben, der einem zugehört hat, während er über das Thema erzählt hat, erklären, wer hier egoistisch handelt:
- Derjenige, der jedem das Recht zubilligt, sich täglich volllaufen zu lassen? Der aber auch verlangt, dass gegen dieses Verhalten ein gesellschaftlicher Druck aufgebaut wird, um es erst gar nicht zum bitteren Ende kommen zu lassen? Oder
- derjenige, der Verständnis und Toleranz einfordert für eine meist lange, schleichende Entwicklung, die irgendwann in Alkoholabhängigkeit endet? Und jede persönliche Verantwortung für das eigene Schicksal zurückweist und damit einen erwachsenen Menschen zum hilflosen Wesen degradiert? (Ich meine damit nicht den bereits Süchtigen.)
So, und damit soll es gut sein. Vielleicht sollte ich noch kurz erwähnen, vor welchen persönlichen privaten Erfahrungen ich diese Kommentare geschrieben habe, habe aber keine Lust. Der ein oder andere Süchtige hat aber vermutlich mir sein Leben zu verdanken. Prost!
25. Juli 2009 um 15:03 Ly(Quote)
@ Kurt
ich hab keinen Schwa.. ich hab ne Mö..
Keine Ahnung ob daran etwas zu Kurz geraten ist.
@ Kurt, ich kann dir im Mom nicht folgen, da ich mich weder in der einen, noch der andren zur Auswahl gestellten Alternative wiederfinde.
Davon ab ist sicher niemand gewillt dir persönliche Leistungen in Abrede zu stellen. warum auch.
Aber darum ging es nicht.
Es ging allein um die geld geld geld argumentation und sonst nix.
25. Juli 2009 um 15:05 Kurt(Quote)
@ Ly:
Du hast es immer noch nicht verstanden.
25. Juli 2009 um 15:48 Ly(Quote)
das kann ich gleichermaßen zurückgeben.
du gehst auf keinen geschilderten sachverhalt ein.
ich kann dir aber sagen, das ich geneigt bin TorstenW zuzustimmen.
der gesellschaftliche Druck ist hoch genug, und schüren von sozialneid ist mir zuwider, zutiefst zuwider.
das was du das schilderst als taktik für die gesellschaftliche sichtweise ist menschenverachtend, ganz egal was du im persönlichen Umfeld leistest.
Ist es nicht merkwürdig das die Profis die pädagogen die suchthelfer nicht generell mit solcherweise druck arbeiten?
Ganz sicher mit regeln, sanktionen, belohnungen, klaren strukturen, und, wichtig, auffangen will einer hilfe.
Aber sicher nicht mit sozialer Ächtung!
Sich bewußt sein sozial geächtet zu sein, kann auch den reflex auslösen sich grad mal zu verabschieden, ein prozess, durch den sowieso viele durchmüssen!
es hat nichts mit übermässiger Toleranz zu tun, suchtkranken lebensraum zu geben, und suchtkranken mit einem mindestmaß an respekt zu begegnen.
ich persönlich weigere mich sie als müll zu bezeichnen, und ich sage nicht das ich sie alle übermässig liebe.
Ein mangel an Selbstwert und selbstvertrauen, selbstwahrnehmung und selbstkörperwahrnehmung ist durchaus gegeben, wenn auch nicht unbedingt offensichtlich, und wo der steigt, steigt auch die Chance aktiv sein leben in der eigenen Hand zu haben. DAS betrifft auch das vorfeld der Suchterkrankung. Von Entmündigung des erwachsenen menschen also degradierung zum hilflosen wesen kann gar keine rede sein, im gegenteil kann nur die Rede davon sein dem Menschen möglichst viel selbstkontrolle zu geben.
Das stellt allerdings nicht die körperliche Disposition in Frage von alkohol draufkommen zu können, und wäre entgegen jeglicher erkenntnislage.
zur möglichst viel selbstkontrolle und eigenverantwortung des probanden gehört allerdings auch, jemanden, der sich einfach nicht halten lässt oder zurückhalten lassen WILL, auch laufen zu lassen, und das muss ausgehalten werden, das dies jemand tut.
Jedoch, diese im Grunde doch vielfältigen Fälle Geldwert den leuten vor augen führen zu wollen, sorry, nein.
wer hier was versteht oder nicht, das ist eine gute frage.
25. Juli 2009 um 15:59 Ly(Quote)
und nicht das es wieder heißt ich würde die gesellschaft verantwortlich machen:
ich schrieb:
“Sich bewußt sein sozial geächtet zu sein, kann auch den reflex auslösen sich grad mal zu verabschieden, ein prozess, durch den sowieso viele durchmüssen!”
Die gesellschaft und die menschen sind wie sie sind und immer waren und immer sein werden. basta.
es ist immer, IMMER, eine persönliche Leistung sich davon zu verabschieden was “die Leute” denken und machen.
DAS ist absolute Selbstverantwortung seine diesbezüglichen Entscheidungen zu treffen, und wieder das Gegenteil von hilfloser mensch, was du da schriebst.
Die Druckerhöhung die du da vor Augen hast, die ist kontraproduktiv.
ich weiß schoooon was du da für ein “schlichtes Bild” von meiner oder anderer Leute Argumentation hier vor augen hast, nur, sorry, das passt so nicht.
25. Juli 2009 um 18:29 Klaus(Quote)
@Ly
Lass doch den Kurt weiter in seinem Saft schmoren. Der kapiert das eh nicht.
Und dass Du mich mit ihm verwechselt hast…Aua, das tut weh.
@Torsten
Ist bei Dir in den Kommentaren immer soviel los? Oder hast Du da ein Reizthema losgetreten?
25. Juli 2009 um 19:03 Ly(Quote)
@ Klaus:
verwechslung, nein nein, so war das nicht, wirklich nicht ! auf die Knie fall
ich lass ja jetzt auch gut sein, bin halt doch noch optimist irgendwo irgendwann irgendwie
( Hölderlin, der Wicht: http://www.youtube.com/watch?v=N1mPNBAx5rw und ende jetzt )
26. Juli 2009 um 06:37 Andi(Quote)
Zum Thema Druck noch einmal was von einem (Ex)Betroffenen.
1. Sitzung in der Therapie.
Terrorpeut: Und warum sind Sie hier?
Ich: Weil ich mein Alkoholproblem loswerden muss.
T.: Müssen Sie? Ich kann und werde Sie da nicht zu zwingen. Wenn Sie mögen, können Sie jederzeit ins Dorf gehen und sich eine Palette Bier kaufen.
I: *Grübel* ….. aha
26. Juli 2009 um 07:17 TorstenW(Quote)
@ Ly
Danke
@ Kurt
So what, selbst wenn er zu kurz wäre, hätte es für Dich doch keine Konsequenzen. Ich kann nur Dein Geschwafel nicht mehr ertragen!
@ Andi
So muß es auch sein, der Therapeut kann Dir nicht helfen, wenn Du nicht WILLST! Trotzdem dickes GZ, daß Du offensichtlich den Absprung geschafft hast!
26. Juli 2009 um 07:22 TorstenW(Quote)
@ Kurt zum zweiten
allerdings wehre ich mich gegen den Vorwurf, hirnamputiert zu sein… Diesen Eindruck vermittelst Du m. E. sehr viel eher als ich… Nur sollte man niemals alle über einen Kamm scheren, wer kennt denn alle Hintergründe, warum irgendjemand in irgendeine Sucht fällt?
Du machst es Dir m. E. wirklich sehr einfach, diese Menschen (!) in eine Ecke zu drängen und dann im Regen stehen zu lassen. Bist Du evtl. selbst ein (Ex-)Betroffener? Dann (und NUR dann!!!) gestehe ich Dir teilweise das Recht zu urteilen zu!!!
26. Juli 2009 um 12:06 Ly(Quote)
@ TorstenW
lieber zu kurz als zu groß
und: sind wir nicht alle ein bisschen bluna?
@ Andi: ( zu druck )
X. Gespräch beim Therapeuten
Me: ich muss meine Wohnung auffräumen..
Thr: müssen Sie?
Me: ja.
Thr: wer sagt das, ich nicht.
Me: aber ich
Thr: wieso, sind Sie General beim Bund?
Me: äh, aber..
Thr: sie dürfen tun was sie wollen. sie dürfen wenn sie wollen auch die Wohnung aufräumen.
Me: *grübel* … ah.
Entscheidungsfreiheit ist was schönes.
26. Juli 2009 um 17:46 Seismo(Quote)
@Andi: Habe ich vielleicht irgendetwas über Kinderschänder geschrieben? Gehts noch?
Bei den Spielsüchtigen gebe ich dir allerdings recht. Da gilt exakt dasselbe wie für Alkoholkranke. Niemand dieser Leute wird gezwungen das Geld im Kasino oder bei Automaten zu verprassen. Ich selbst bin in meinem Leben noch niemals auch nur auf die Idee gekommen um Geld zu spielen. (von einem Rubbellos alle heiligen Zeiten mal abgesehen)
Sorry, deine Argumente klingen ja ganz nett in den Ohren der Alkoholabhängigen. Ich habe ziemlich exakt dieselben schon hundert mal gehört. Komischerweise hört man dies aber eigentlich immer nur von den Betroffenen die sich selbst als so arm darstellen. Die behandelnden Ärzte sind da nicht unbedingt so einer Meinung über die von dir angeführten Gründe.
Und wenn du meinst der freie Menschenwille setzt aus, dann frage ich mich schon ob diese Menschen vielleicht von Geburt aus süchtig gewesen sind? Bevor man in eine Sucht nach irgendetwas abdriftet muss man das Ganze erst mal kennenlernen. Wenn man sich einfach zusammenreisst und nicht mehr als man verträgt trinkt wird man auch nicht süchtig. Na gut, ich gebe zu ich trinke auch manchmal zu viel. Nur muss man dann eben so weit sein den Konsum wieder für längere Zeit einzuschränken bzw. komplett zu unterbinden. Dann kommts auch zu keiner Sucht.
Und da du ja schon die Spielkranken angesprochen hast bin ich der Meinung dass da eine Spielsucht recht schnell entsteht. Da hast du sicher nicht ganz unrecht. Allerdings gilt auch hier: wer nicht anfängt wird auch nicht süchtig.
Zu den Borderlinern werde ich mich nicht äussern da diese Krankheit mit den anderen beiden nicht vergleichbar ist.
27. Juli 2009 um 18:27 Andi(Quote)
@ Seismo
Es geht sogar sehr gut.
Hast Du Dir den Zusammenhang eigentlich durchgelesen? Das war nur ein Beispiel, etwas zum Verständnis zu schreiben. Nächstes Beispiel vielleicht: In den USA hat heute ein Selbstmörder sich totgefahren. Ist dabei aber nicht gegen einen Baum gefahren, sondern in ein entgegenkommendes Auto und hat dabei unschuldige Menschen getötet. Für mich rational nicht nachzuvollziehen, weil ich noch nie in der Situation war. Verurteile ich den Selbstmörder dafür? Nö. Weil bei dem, bei einem Kinderschänder und bei einem Süchtigen das rationale Denken aussetzt.
Und das ist genetisch vorgegeben, jedenfalls bei Suchtgefährdeten. Manche haben einen Hang dazu (der eine mehr, der andere weniger). Manche haben diese Gefahr gar nicht in ihren Erbanlagen. Und wenn Dir irgendein Hausarzt darüber etwas anderes erzählt, kann er gerne mal in eine Suchtklinik gehen und sich eines besseren belehren lassen. Ich jedenfalls habe von einem Arzt noch nicht so etwas unqualifiziertes gehört.
Dass Süchtige sich denn auch freiwillig in ihre Sucht begeben sollen (wie Du es mir da so schön in den Mund legst) habe ich dann auch nicht geschrieben. Ich habe nämlich vom Gegenteil geschrieben.
Ob Du das nun nachvollziehen kannst oder überhaupt möchtest.
Und btw. Borderline kann sehr wohl etwas mit Alkoholismus zu tun haben. Wie viele andere Dinge auch. Alkoholismus ist dann auch ein sehr weites Thema. Es gibt da keinen typischen Krankheitsverlauf, wie z.B. bei Krebs. Von daher sollte man da mit Pauschalisierungen eben auch sehr vorsichtig sein.
1. August 2009 um 00:52 College Dropout(Quote)
Die zentrale Frage, die ich mir stellen würde, wäre:
Versuche ich den Bedarf an Rauschgift zu erzeugen oder bediene ich nur die Nachfrage?
Die KassiererInnen bei Aldi und Co drehen den Leuten ja nicht den Alkohol an, genau so wie bei einer Besorgungsfahrt nicht gefragt wird „Darf’s denn noch eine Flasche водка sein?“.
Hoch kommt’s mir nur, sobald man Werbung macht. Da das meiste Rauschgift in Deutschland verboten ist, haben Dealer die Möglichkeit Kinder und Jugendliche direkt anzusprechen. Und da Werbung für Rauschgift nicht verboten ist, kann zum Beispiel für Jägermeister mit lustigen animierten Tieren geworben werden, die ganz klar auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet sind.
Und was macht unsere nutzlose Drogenbeauftragte dagegen? Sie bringt noch mehr Drogen in die Fernsehwerbung. Absolut lächerlich. Was denkt sich ein durchschnittlicher Jugendlicher, wenn er eine Fernsehwerbung sieht in der irgendein Besoffener bekotzt und bewusstlos in der Ecke liegt? Der denkt „Wenn ich mich total betrinke, aber nicht bekotzt in der Ecke liege, dann bin ich ein harter Kerl und kann viel aushalten“.
Liegt vielleicht auch daran, dass nur die nutzlosesten der nutzlosen Politiker Drogenbeauftragte werden. Tiefere Kenntnisse werden nicht erwartet – im Gegenteil. Kenntnisse über Drogen sorgen dafür, dass du den Job als Drogenbeauftragte mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht kriegst. Denn jede Seite an Wissen, die man sich anliest, wäre Gift für den Status Quo. Woher soll man das Wissen auch nehmen, wenn man es nicht selber anliest? Schließlich gibt es weder schulische, noch berufliche oder gar universitäre Bildungsangebote zum Thema Drogen. Und das obwohl jeder in diesem Land, der ein gewisses Alter erreicht Drogen konsumiert; viele sogar täglich.
Entschuldigt mich, ich gehe jetzt ins Bad und hau mir einen Nagel ins Knie. Das ist angenehmer, als über Deutschland nachzudenken.
1. August 2009 um 22:39 Loco(Quote)
@Seismo: Du redest, wie du’s verstehst.
Hast du noch nie ein Glas Bier oder Wein getrunken, oder eine Zigarette angesteckt – und zwar nicht des Geschmacks wegen, sondern um erst mal runterzukommen von einer Aufregung, einem Schock?
Eine mir sehr liebe Verwandte ist seit Jahren in der Suchtberatung und -prävention aktiv – und selbst Alkoholikerin. Trocken. Wie ist sie in die Sucht gekommen?
Durch Schlafstörungen. Der Arzt hat gesagt, “ich verschreib Ihnen nichts, das führt zu leicht in die Abhängigkeit – trinken Sie lieber abends noch ein Glas Wein, das hilft zum Schlafen.” Tja…
Andere eben zünden sich mit zitternden Fingern ne Kippe an, um wieder zur Ruhe zu kommen, andere beruhigen sich mit einem Bier. Und irgendwann hilft das eine Bier nicht mehr, es werden zwei. Und drei. Und dann gießt man einen rein. Und irgendwann läßt man das Bier weg. Und so fort.
Und keiner hat’s gewollt, keiner hat’s kommen sehen…
Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet – denn mit welcherlei Maß ihr meßt, daran werdet auch ihr gemessen werden…
2. August 2009 um 10:09 Ly(Quote)
@ loco,
ich glaub du mißverstehst seismo, ihr habt eher den gleichen konsens.
seismo schreibt eben ja gegen das richten.
grüße
2. August 2009 um 10:11 Ly(Quote)
shit, ich habs ja voll mit den namen hier in dem thread.
TORSTEN… Hilfe…
zur klärung: ich las irgendwie statt seismo andi, bzw dachte schon wieder gegen ihn.. ach was solls, ich nehm den letzten beitrag zurück!
büdde nich hauen loco
große Güte, muss wohl noch nen kaffee trinken und richtig wach werden
16. August 2009 um 18:40 Robert Klemme(Quote)
Ich weiß nicht, in wie weit Ihr Taxifahrer zur Verschwiegenheit verpflichtet seid. Falls das rechtens ist, solche Informationen weiter zu geben, kämen z.B. die hier in Betracht – insbesondere, wenn es dort Kinder gibt:
http://www.paderborn.de/microsite/jugendamt/d...
Die Polizei wird wahrscheinlich nix machen, aber vielleicht können sie ja einen Hinweis geben, an wen man sich am besten wendet. Möglicheriweise haben sie ja auch Tipps, wie man sich als Taxifahrer in der Situation am besten verhält.
Wenn Du mal nach “Suchtprävention Paderborn” suchst, findest Du auch einige Treffer, z.B. http://www.paderborn.de/microsite/jugendamt/e...
Ich denke allerdings, dass es schwierig ist, da von außen etwas zu machen. Unsere Gesetze sind (zum Glück!) so, dass man in den privaten Bereich der Menschen nicht so ohne weiteres eingreifen kann.
7. Februar 2010 um 22:01 Christian(Quote)
Ohne mir die ganzen Kommentare jetzt durchgelesen zu haben (sind mir für den Moment einfach zu viel
):
Ich seh gerade in der Flimmerkiste was mit Alkoholtestkäufern. Es ist nunmal ja strafbar Alkohol an Jugendliche zu verkaufen. Soll wohl bis zu 300€ Strafe für angesetzt sein.
Wie ist das denn, wenn ein Jugendlicher per Taxi ne Flasche hochprozentigen ordert? Mach ich mich da strafbar, wenn ich ihm die liefere?
Kann mir das jemand sagen?
10. Februar 2010 um 16:05 Andi(Quote)
Nach meiner Auffassung baut die Strafe nur auf ein anderes Gesetz auf. Nämlich dass Jugendliche unter 18 nix hochprozentiges und unter 16 z.B. kein Bier trinken dürfen. Der Staat hat das ganz einfach verboten.
Durch den Verkauf verstösst man eben gegen dieses Gesetz, weil der Verkäufer davon ausgehen kann/muss, dass die Teenies den Alk selber trinken.
Dasselbe dürfte dann auch für Taxifahrer etc. gelten.
Mal so nach meiner Rechtsauffassung, aber ich bin kein Jurist.
Und mal ganz davon ab. Schon wegen meines gesunden Menschenverstandes müssten die weiterhin ihre Cola pur trinken.
10. Februar 2010 um 16:09 Andi(Quote)
Hups, welch blödsinniger Satz da oben.
… bis 18 z.B. nur Bier trinken dürfen. Unter 16 gar keinen Alkohol natürlich.
9. März 2010 um 13:53 Andy(Quote)
Hallo Liebe Fahrer und Schreiber.
Dieser Bericht trifft es nur zu gut. Nur frage ich mich, wo die Moral von den Taxiunternehmen und den Fahrern bleibt… und ob man wirklich nichts dagegen machen kann!?!
Meine Mutter ist so eine Alkoholikerin, zu fertig noch irgendetwas zu schaffen. Dann “ertappe” ich einen Fahrer, der ihr den Alk bringt und will ihn ansprechen darf ich mich noch aggressivst anbrüllen und beschimpfen lassen. Dann ruft man das Taxiunternehmen an, beschwert sich und nix passiert. Denn der betreffende Fahrer erzählt seine Lügengeschichte und gut ists. Das Taxiunternehmen das liefert sagt erst zu, ihr nichts mehr zu bringen und am nächsten Tag stehen wieder drei Flaschen Cognac hier. Jeden zweiten Tag kommt der Notarzt wegen ihr, jeden zweiten Tag das Ordnungsamt, die Nachbarn werden terrorisiert wenn man kein Taxi kommen kann … Tag & Nacht. Meine Freundin und ich werden terrorisiert. Das kanns doch nicht sein. Was ist das für eine Moral? Was ist das für ein sch*** Verhalten?
Ich danke denjenigen hier, die moralische Bedenken äußern und denjenigen die in so einem Fall keine Alkohol etc liefern. Ihr verdient meinen Respekt. Allerdings halte ich auch diejenigen die dennoch liefern würden gleichwertig mit denen, die ihre Frau lieber krankenhausreif schlagen weils ihnen Spaß macht.
Vielleicht bekommt man ja hier Gehör und ein wenig Verständnis von der Branche für denjenigen Sohn, der als Co-Abhängiger ohnmächtig zuschauen muss, wie geldgierige und moralisch verwerfliche Unternehmen das Leben dieser Menschen und Familien zur Hölle machen!
9. März 2010 um 17:08 Torsten Bentrup(Quote)
Ich habe Andy mal per Mail angefragt, ob ich den Kommentar und meine Anmerkungen dazu auf die Startseite bringen darf.
11. März 2010 um
[...] mache ich es mir mal ganz einfach und hole den Kommentar von Andy auf den alten Eintrag “Von Moral und so” nach vorne. In meinem Eintrag ging es um Besorgungsfahrten mit Suchtmitteln, per Taxi wird halt [...]