Taxigewerbe liberalisieren!?
Konstantin kommentierte neulich mein Angebot, mal über die Liberalisierung des doch recht reglementierten Taximarktes zu schreiben so:
“Desweiteren würde ich mich natürlich freuen, wenn Du einen Artikel dazu schreibst, ich glaube aber kaum, dass Du genügend stichhaltige und nicht von einer Lobby kommende Argumente gegen einen “freien Markt” finden wirst.”
Nun, von der “Lobby” kommende Argumente kann ich nicht bieten. Wir haben das Problem, daß es keine einheitliche Lobby fürs Taxigewerbe gibt. Die “Interessensverbände” sind sich selbst so uneinig, da kommt nichts sinnvolles bei raus. Einig ist man sich, daß die Erträge der Unternehmen jetzt schon sehr eng kalkuliert sind.
Aber worum geht es eigentlich, wenn man von “freien Märkten” in unserem Job redet. Den meisten geht es in erster Linie um zwei Dinge: Abschaffung der Preisbindung und freier Zugang für Unternehmer zum Markt. Momentan dürfen wir ja die Preise im Pflichtfahrbereich weder nach unten noch nach oben ändern, jedes Taxiunternehmen verlangt den gleichen Preis für die gleiche Strecke. Und Taxilizenzen sind in den meisten Städten und Kreisen nur nach langjähriger Wartezeit oder für teures Geld von aufgebenden Unternehmern zu bekommen.
Die ersten ein bis zwei Jahre nach dem Fall dieser beiden Hürden werden chaotisch. In vielen Ballungsräumen wird sich die Zahl der Taxen verdoppeln. Die Großstadtunternehmen haben jetzt schon ein Problem, genügend qualifizierte Fahrer zu bekommen. Dummerweise vermehren sich die Kunden auch nicht von alleine, der mögliche Umsatz verteilt sich auf zu viele Taxen.
Wie kann man in einer solchen Situation ohne illegale Aktivitäten und ohne die Löhne fürs Fahrpersonal noch weiter Richtung Hartz4 zu drücken noch ein Unternehmen führen?
Eigentlich gar nicht. Die Überlebenden Unternehmen nach ein paar Jahren haben mit fast 100%iger Wahrscheinlichkeit irgendwo illegal oder zumindest moralisch verwerflich Geld gespart. Lohndumping, Schwarzarbeit, Sozialbetrug, Kundenbetrug, sicherheitsrelevante Reparaturen werden nicht mehr gemacht…
Für den Kunden könnte sich die Situation zumindest finanziell besser darstellen. Es werden schnell die ersten Unternehmen versuchen, mit Dumpingpreisen auf Kundenjagd zu gehen. Das passiert heute schon, bleibt aber meist noch in akzeptablem Rahmen.
Interessanter finde ich allerdings die andere Richtung. Mit welcher Begründung kann ich dann als Kunde noch die Ausnutzung von “Notsituationen” verhindern. Nachts in der Pampa mit dem Auto liegengeblieben? Dann kann der Taxifahrer problemlos ein paar hundert Euro für die Fahrt zur nächsten Tankstelle verlangen.
Und seien wir ehrlich. Ich würde am Neujahrsmorgen zwischen 2 Uhr und 5 Uhr auch den meistbietenden Fahrgast einsteigen lassen. Unter 5 Euro fahr ich lieber zum nächsten Sammelpunkt. Oder Libori, oder Zugstreik, oder Schneefall, oder, oder, oder.
Auf dem Lande wird es noch schwieriger. In vielen Gemeinden gibt es nichtmal regulierende Konkurrenz, alternativ können natürlich auch die beiden einzigen Konkurrenten sich wenigstens in einer Sache einig sein: höhere Preise.
Was soll die Oma denn machen, die einmal die Woche ihren Einkauf mit dem Taxi erledigt? Busse fahren dort nur morgens in die Stadt und abends zurück, die nächste Haltestelle ist für diese Kunden oftmals auch nicht mehr alleine zu erreichen. Ohne Preisbindung werden solche Fahrten teurer, und sei es nur, um die Wochenendfernfahrten zur Disco zu subventionieren. Diese Fahrgäste wissen nämlich ganz genau, daß es in der Stadt ein Überangebot von Taxen gibt, die kommen auch gerne zur Abholung und bieten gegen jede wirtschaftliche Vernunft Sonderpreise.
Eine völlige Liberalisierung lehne ich also ab, die Folgen wären verheerend. Es gäbe nur zwei mögliche Richtungen, die Kosten für die Kunden würden steigen oder die Qualität würde sich bei gleichen bis niedrigeren Kosten drastisch verschlechtern.
Das Taxigewerbe eignet sich für eine Liberalisierung aus mehren Gründen nicht.
Zum einen haben wir hier eine Grundversorgungsfunktion als Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs, ohne uns geht es in einigen Bereichen schlicht nicht. Da sind wir auch in sozialer Hinsicht gefordert. Grade die genannte Oma wird heute für bezahlbares Geld gefahren, oftmals nicht kostendeckend weil halt alles etwas länger dauert. Weder ein genervter Fahrer noch ein gieriger Chef kann für solche Fahrten Aufpreise verlangen.
Ein anderer wichtiger Punkt ist der hohe Anteil der Personalkosten. Wenn also die Preise für die Kunden auf weiter Front gesenkt werden sollen, kann der Unternehmer genau dort am besten sparen. Gute Fahrer werden sich das nicht gefallen lassen und irgendwann den Arbeitgeber und letztendlich den Beruf wechseln. Zurück bleiben die Unfähigen und diejenigen, die aus irgendwelchen Gründen keine Alternativen mehr haben. Mir wäre es lieber, die Unfähigen könnten aussortiert werden, weil es genug Fahrer gibt, die den Job mögen und davon leben können!
Ich gebe gerne zu, daß ich die Situation nicht objektiv sehe. Dazu mag ich den Beruf zu sehr und sehe jetzt schon genügend Verschlechterungen. Es geht natürlich auch um meine Zukunft. Ich würde gerne weiterhin von meiner Arbeit leben können und dabei die Möglichkeit haben, den Kunden bestmöglichen Service zu bieten.
Davon abgesehen halte ich eine Regulierung generell bei unersetzlichen Diensten für sehr sinnvoll. Dinge wie Müllabfuhr, öffentlicher Personenverkehr, Stromversorgung, Post, Internet/Telefon, … müssen reguliert werden, damit der “kleine Nachfrager” nicht auf der Strecke bleibt.
Bitte entschuldigt meine Gedankensprünge und unklare Formulierungen. Ich freu mich auf eine wilde Diskussion!
5. Dezember 2008 um 07:55 Hendi(Quote)
weiß einer ob es Länder gibt, in denen das Taxigewerbe nicht reguliert ist? Wäre ja mal interessant das dann zu vergleichen und zu sehen ob deine Horrorszenarien wirklich dort eingetreten sind.
5. Dezember 2008 um 08:00 boese(Quote)
Hallo,
das mit dem Preistreiben kann ich nur bestätigen.
In einem Gebiet mit liberalisierten Markt hat die Hinfahrt ca. 6€ (eigentlich auch schon zu viel, aber man ist ja Ausländer) gekostet.
Als es dann regnete und angeblich viel viel mehr Verkehr war hat die Rückfahrt fast 15€ gekostet, andere Taxifahrer haben noch mehr verlangt.
Viele Grüße
boese
5. Dezember 2008 um 08:42 guruz(Quote)
Ich habe nichts dazu zu sagen, stimme dir voll und ganz zu
5. Dezember 2008 um 09:11 Nevermore(Quote)
So viel zu einem halbwegs deregulierten Taximarkt – Minicabs in London.
http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A9...
5. Dezember 2008 um 10:11 Studentin(Quote)
Was soll die Oma denn machen, die einmal die Woche ihren Einkauf mit dem Taxi erledigt?
Bei meiner Oma ist es so, dass der Laden, den sie früher regelmäßig mit dem Taxi ansteuerte, mittlerweile Busfahrten organisiert. Der Bus fährt dort regelmäßig durch alle Vororte, wo man so schlecht rauskommt, durch und sammelt einkaufswillige Senioren ein und bringt sie zu dem Laden. Dort dürfen sie dann eine Weile nach Herzenslust einkaufen und werden anschließend mit dem Bus wieder zurückgebracht. Kostenlos übrigens.
Ja, ich weiß, das hat nix mit dem Thema zu tun, aber wenn du schon die Frage stellst, dachte ich mir, ich beantworte sie
5. Dezember 2008 um 10:49 tyler(Quote)
Schon klar, dass es da – vor allen Dingen in der ersten Zeit – einiges an üblen Wildwuchs geben wird.
Aber wie so oft wäre halt nicht alles schlecht daran.
Wenn die guten Fahrer mit sinkender Bezahlung nicht einverstanden sind: Warum müssen sie dann den Job wechseln?
Warum sich dann nicht selbständig machen?
Auch *das* wäre ja in einem nicht regulierten Taximarkt möglich.
Zu den Omaeinkäufen:
Oma A aus der Muttigasse fährt am Montag einkaufen
Oma B aus der Muttigasse fährt am Dienstag einkaufen
Oma C aus der Muttigasse fährt am Mittwoch einkaufen
In einem weniger regulierten Markt könnte man ja mal darüber nachdenken, wie man daraus ein lukratives Geschäft machen kann, z.b. indem man “Sammelomaeinkaufsfahrten” am Dienstag anbietet.
Die absolut starre Preisgestaltung halte ich auch für reichlich absurd.
Es ist einfach ein Unterschied, ob ich völlig terminunabhängig einfach nur *irgendwann* in die Stadt fahren will und ich mich danach richten könnte, wenn beim Taxifahrer sonst nix los ist oder ob ich am Bahnhof stehe und einen dringenden Termin wahrnehmen muss.
Im ersten Fall dürfte die Fahrt IMHO ruhig unterdurchschnittlich viel kosten, im zweiten überdurchschnittlich.
Okay: Das Ausnutzen von Notsituationen, um ein paar Hundert Euro für einen Kilometer zu verlangen, sollte man dann schon unterbinden.
…aber das gilt halt für andere relativ unreglementierte Branchen wie z.b. der berühmte Schlüsseldienst am Sonntag nachmittag auch.
Und nur weil etwas nicht reglementiert wird, heisst es ja nicht, dass es ausserhalb jeder Kontrolle ist.
Es würden sich in kürzester Zeit Verbraucherverbände darum kümmern, die schwarzen Schafe der Branche zu outen.
5. Dezember 2008 um 10:56 Stefan(Quote)
soviele schlechte argumente auf einem haufen.
ähnlichen unsinn hat man sich jahrelang über die liberalisierung der ladenöffnungszeiten anhören müssen.
5. Dezember 2008 um 11:22 anonym(Quote)
Schlimm, dass es immer noch Leute gibt, die diesen Neoliberalen Quatsch noch immer für den richtigen Weg halten.
Es gibt mittlerweile so viele Beispiele, die zeigen, dass deregulierte Märkte nicht zwangsläufig funktionieren. Ja es gibt Fällen in denen das funktioniert hat, nein das ist nicht die Regel.
Aber wer solche Gegenargumente bringt
> soviele schlechte argumente auf einem haufen.
dem kann man einfach nichts entgegenstellen.
5. Dezember 2008 um 12:01 Shortee(Quote)
Ich hoffe für dich als Taxifahrer und für uns als Kunden, dass alles so bleibt wie bisher.
Ich war letztens in Sofia/Bulgarien und dort ist man, wenn man nicht mit 50 Jahre alten Oberleitungsbussen fahren will, auf Taxis angewiesen. Klapprige, alte Autos und genervte, unfähige Fahrer die waghalsige Aktionen durchführen, sind dort Standard.
Kein sehr angenehmes Fahren, für das man als Tourist auch gleich mal den 3fachen Preis berappen soll.
5. Dezember 2008 um 12:02 Seismo(Quote)
Seid doch froh dass so viel reguliert ist bei euch. Bei uns in Linz (Ö) ist zwar der Tarif auch vorgegeben, aber nur innerhalb des Stadtgebiets. Alle Fahrten die ausserhalb des Stadtgebiets gehen gelten somit als Überlandfahrt und unterliegen nach der Verordnung der freien Preisvereinbarung. Allgemein wird zwar ein Richtsatz vorgegeben an den man sich halten kann (soll), aber der ist natürlich nicht bindend. Da hat man jedes Mal bei einer Überlandfahrt die Verhandlungen wieviel das jetzt kostet. Dies ist einerseits für den Fahrer teilweise extrem mühsam (wer verhandelt schon gerne mit total besoffenen?), andererseits für den Kunden auch unangenehm, da er eigentlich nie wirklich weiss was er beim Heimfahren zahlen muss.
Diese Verhandlerei öffnet natürlich auch den Preistreibern die Tore. Dabei sind vor allem die tollen Unternehmer zu erwähnen die selbst fahren und teilweise um die Hälfte des üblichen Preises fahren. Die rechnen dann einfach ihren eigenen Unternehmerlohn nicht mehr in den Fahrpreis ein. Da kann natürlich ein “normaler” Fahrer der natürlich seinen Umsatz abrechnen muss nicht mehr mithalten.
Ein anderes Problem sind die vielen Taxis. Mittlerweile haben wir in unserer Stadt (ca. 180.000 Einwohner) über 400 Zulassungen. Früher war das Gewerbe reguliert, und eine Konzession konnte nur geerbt oder von einem anderen Unternehmer gekauft werden. Nach EU-Beitritt wurde diese Regelung abgeschafft da sie nicht mit den EU-Wettbewerbsrichtlinien vereinbar wäre. Mit der derzeitigen Anzahl an Taxis stehen wir uns unter der Woche gegenseitig im Weg herum. Lediglich an den beiden Wochenendnachtdiensten kann es mal zu einer vernünftigen Auslastung kommen.
Alles in allem wäre ich manchmal recht froh wenn bei uns mehr reguliert wäre.
5. Dezember 2008 um 12:36 Shantyman(Quote)
Ich denke auch, dass eine vernünftige Regulierung in dem Bereich hilfreich ist, um Willkür zu vermeiden.
Andererseits: Regelt sich denn der Markt dann nicht von selbst? ICH als Kunde entscheide dann, in welches Auto ich steige, welchen Fahrer ich möchte und welchen Preis ich akzeptiere. Es werden sich letztlich dann die besten durchsetzen.
Ob das dann natürlich zu Lasten des Angestellten selbst geht, kann ich nicht überblicken, aber auch in anderen Dienstleistungsgewerben gibt es Angestellte, Preisdruck…
Mir kommt auch gerade die Diskussion über die Privatisierung der Post in den Sinn. Was würde passieren, wenn dort die Reglementierung weg fällt und der abseits gelegene Hof im Sauerland nur gegen Extra-Gebühr noch seine 2 Briefe in der Woche bekommt?
Wer mehr “Gedankenspiele” über Wirtschaft und Märkte erhalten möchte, dem empfehle ich das Buch “1 Billion Dollar” von Andreas Eschbach…
5. Dezember 2008 um 13:44 Andi(Quote)
@ Seismo
Überlandfahrten (Fahrten nach ausserhalb des Pflichtfahrgebietes) sind in D auf frei verhandelbar. Aber 95 % aller Fahrer in meiner Stadt halten sich daran, sich nicht unter wert zu verkaufen und machen auch dann noch Preise, die sich an die gefahrene Strecke auf Uhr orientieren.
Nervige Verhandlungen? Hab ich eigentlich nie. Fahrgast fragt: Was kostet? Antwort: Betrag X. Akzeptiert er den Preis dann nicht und fängt das große Schachern an, mach ich das Fenster einfach wieder hoch.
5. Dezember 2008 um 15:13 anonym(Quote)
Daß es in diesem Gewerbe keine rechte Lobby gibt, sieht man ja m. E. schon daran, daß es in Berlin zwei Branchenverbände gibt (die wohl beide zusammen die Mehrheit der Berliner Taxiunternehmen vertreten), die sich stark voneinander abheben. Immer dann, wenn aller paar Jahre über eine Fahrpreiserhöhung (die bei der Behörde beantragt werden muß) diskutiert wird, ist der eine Verein dafür und der andere dagegen.
Im übrigen finde ich die vorgetragenen Gedanken in diesem Texteintrag durchaus nachvollziehbar und vernünftig und auch gar nicht “besonders subjektiv”. Ich bin, als regelmäßiger Benutzer des ÖPNV und von Taxis, ebenfalls der Meinung, daß die soziale Komponente nicht zu kurz kommen sollte und ein vernünftiger Interessenausgleich zwischen Fahrer, Kunde, Taxiunternehmer sinnvoll ist. Wie überhaupt der Verkauf städtischen Eigentums ein gravierender Fehler war, der damals bereits gut erkennbar war. Ein Auto besaß und besitze ich aus mehreren Gründen nicht und benutze daher öfter Taxen, wobei das in der Großstadt weniger zwingend ist als in eher ländlichen Regionen (zu denen ich Paderborn hier mal der Sache wegen zählen will).
Vor etlichen Monaten (Anfang 2008?) gab es im Deutschlandfunk ein interessantes Feature über Taxifahrer in fünf Ländern (möglicherweise gibt es den Text noch auf der Homepage vom DLF); dort wurden die Bedingungen in fünf Städten verglichen, unter denen Taxifahrer arbeiten. Am stärksten reguliert war es in Finnland (Helsinki), wo der Taxifahrer quasi ein städtischer Angestellter mit Krawatte und festem Gehalt war (allerdings auch mehr in der Vergangenheit) – ein sicherer Job mit gutem Einkommen und guten Umgangsformen.
5. Dezember 2008 um 16:40 Gucky(Quote)
Das ist wie überall…
Wenn die gesetzlichen Regeln aufgelöst oder gelockert werden, “entgleist” das irgendwann.
Was war denn im Osten kurz nach der Wende ? Dort machte Hinz und Kunz ein Taxiunternehmen auf und keiner konnte mehr ehrlich davon leben.
Im Grunde stimme ich deinem Beitrag zu, sehe aber auch einen Regulierungsbedarf in anderer Hinsicht.
Ich bin z. B. einmal bei der Ortskundeprüfung durchgerauscht. Aber nicht, weil ich mich nicht auskannte, sondern weil ich die (ich glaube es waren dreißig) Fragen nicht in der vorgegebenen Zeit beantwortet habe.
Etwas später habe ich die Ortskundeprüfung in einem Nachbarkreis gemacht und habe auf Anhieb bestanden obwohl ich mich da zwar FAST so gut auskenne wie im Heimatkreis, aber eben nicht ganz so gut.
Da wundert es mich, wenn z. B. ausländische Mitbürger die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und sich so gut wie nicht in dem Ort auskennen, einen Personenbeförderungsschein haben.
Oder haben die vielleicht garkeinen ?
Und Unternehmer zu werden ist ohne ein solides Vermögen fast unmöglich.
Da wollen erstmal alle Geld von dir ohne daß man eine Mark (jetzt Euro) eingenommen hat. Und ob das funktioniert mit den Einnahmen steht auch noch in den Sternen. Denn der “Kuchen” wird mit einem neuen Unternehmer nicht größer, sondern wird nur anders verteilt und jeder will das größte Stück haben…
Die Idee mit dem städtischen Angestellten finde ich garnicht mal so schlecht !
5. Dezember 2008 um 18:28 anonymous(Quote)
>ICH als Kunde entscheide dann, in welches Auto ich steige, welchen Fahrer ich möchte und welchen Preis ich akzeptiere.
Und wenn du in eine fremde Stadt kommst, woher willst du wissen wieviel du zahlen musst? Muss mansich dann jedes mal, dass man in ein anderes Land fährt erstmal die Taxifahrerlöhne, Spritpreise und Entfernungen in der Stadt anschauen?
5. Dezember 2008 um 21:40 Aka(Quote)
Hallo Torsten, konsequenterweise sollte es dann auch vorgeschriebene Preise für das Brötchen beim Bäcker geben, denn alle deine Argumente gegen freien Wettbewerb treffen dafür auch zu. Und ich wette, dass du hier dagegen bist
6. Dezember 2008 um 01:11 Konstantin(Quote)
Das Argument der “Grundversorgung” (bspw. auf dem Land) habe ich nicht bedacht. Dieser Punkt ist wichtig, da gebe ich Torsten zu 100% absolut Recht. Wenn man hier nicht reguliert, ist die Gesamtwohlfahrt wohl nicht mehr zu gewährleisten.
Zu den Ausführungen “in einer Großstadt” kann man verschiedener Meinung sein, besonders im Hinblick auf “Dumping” und “Sicherheitsbestimmungen”. Das funktioniert auf anderen Märkten auch – Stichwort Konsolidierung. Allerdings kann ich Deine Argumentation, lieber Torsten, gut nachvollziehen. Das Problem ist wohl komplexer als ich dachte und bitte um noch etwas mehr Gedenkzeit für ein klares Statement von meiner Seite.
Ansonsten: Vielen Dank für den ausführlichen und tollen Beitrag! Hut ab!
6. Dezember 2008 um 02:20 MLR(Quote)
Ich denke Aka trifft es recht gut: Derartige Bedenken kann man gegen fast jeden freien Markt vorbringen. Und natürlich kommt es da zuweilen auch zu Auswüchsen. Andererseits hat auch der regulierte Markt so seine Haken – nicht zuletzt verursacht der Kosten. Dass aber solcherlei wettbewerbsbefreite Oasen in unserer heutigen doch sehr marktwirtschaftlichen Gesellschaft ein Anachronismus sind, lässt sich kaum bestreiten. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, sei einmal dahingestellt.
Aber im Prinzip ist mit den Mini-Car-Geschichten die Sache doch schon sehr entschärft. In Marburg sieht man kaum noch Taxen, bestellt werden auch meist nur verschiedenste Minicars. Teilweise fahren sogar die Taxen für die Minicar-Unternehmen. Diese halten sich auch herzlich wenig daran, dass sie an sich nicht wie Taxen Leute auf der Straße aufgabeln dürfen.
De facto ist der Markt hier zu großen Stücken offen – und funktioniert auch. Eigentlich sogar sehr gut und zu vertretbaren Preisen. Mag auch ein Stück daran liegen, dass die Preise nicht sowieso schon die Hälfte der (in einer Studentenstadt naturgemäß sehr jungen) Kundschaft abschrecken. Und natürlich darf man nicht erwarten im Benz chauffiert zu werden.
6. Dezember 2008 um 02:49 Tiffy(Quote)
Thorsten, gibt es eigentlich ein Land, von dem Du träumst, dort einmal Taxifahren zu dürfen? Also wegen angenehmerer Arbeitsbedingungen oder ein größeres Einkommen oder so.
6. Dezember 2008 um 09:47 dan(Quote)
Ich weiß nicht wie es nun wirklich in Sachen Taxigewerbe aussähe, aber zumindest in Sachen Bus- und Bahnverkehr bin ich ein erklärter Gegner des Konzessionsunwesens. Dass wir z. B. im ÖPNV häufig keine “Netzstruktur” sondern “Sternstrukturen” hin zum nächsten politischen Oberzentrum haben liegt nicht zuletzt daran dass das eben politisch so gelenkt ist und die Beförderungsfälle überhaupt nciht gefragt werden was sie wirklich wollen oder brauchen. Und das Konzessionsrecht verbietet dann unternehmerisch denkeneden Menschen solche Marktlücken aufzuspüren und zu nutzen. Oder anderes Beispiel: die Bahn. Warum haben wir denn in PB so eine beschissene Fernverkehrsanbindung, insbesondere nach Süden/Osten weg? Es könnte am mangelnden Wettbewerb liegen. Oder auch die Posse um den Flughafen-Schnellbus Bielefeld-Paderborn-Kassel. Wenn ich diese ganzen Dinge sehe dann wünsche ich mir immer wieder dass dieser Staat möglichst schnell und möglichst nachhaltig zusammenbrechen möge.
6. Dezember 2008 um 11:42 Nik(Quote)
@tyler
Kunden in Notsituationen sind oft nicht in der Lage, Angebote zu vergleichen und mit kühlem Kopf abzuwägen, ob ein Angebot fair oder Abzocke ist.
Wer überraschend krank wird, wird dankbar sein, daß die Notdienst-Apotheke den Preis für das u.U. lebenswichtige Medikament nicht nach der Dringlichkeit festsetzt.
Wer eine abenteuerlich hohe Rechnung für 2 Minuten Einsatz des Schlüsseldienstes bekommt, hätte gegen gewisse Regulierungen des Marktes auch wenig Einwände.
Das Beispiel eines frei verhandelbaren Preises für ein Taxi, daß Dich nachts aus der Pampa abholt, wurde ja schon genannt.
Deregulierung ist kein Zaubermittel, auch wenn viele Menschen das noch immer glauben mögen.
6. Dezember 2008 um 17:19 Nicolas(Quote)
Wer die Regulierung des Taxigewerbes für Quatsch hält, der soll einfach mal nach Prag fahren und sich dort als Tourist wie ein Hühnchen von Taxifahrern ausnehmen lassen. Und dann noch mal darüber nachdenken, ob die Regulierung und Überwachung vielleicht nicht doch sinnvoll ist…
6. Dezember 2008 um 19:14 Mokantin(Quote)
Wer in VWL augepasst hat, weiß, dass Regulierung und damit die Schaffung von Monopolen Geld kostet. Ob die mit der Regulierung gewonnene Sicherheit den Preis wert ist, muss jeder selbst entscheiden.
Interessant finde ich, dass Thorsten Telefon/ Internet als regulierungsbedürftig anführt. Tatsächlich hat die Deregulierung fast ausschließlich Vorteile gebracht, oder will jemand das Telekom-Monopol zurück?
Deregulierte Märkte – Taxis in Prag wie in Kairo – erfordern mehr Umsicht beider Vertragspartner. Der Unternehmer muss stärker nach Marktlücken und Kunden schauen, der Kunde muss aufpassen, dass er nicht übervorteilt wird. Daran kann man sich aber leicht gewöhnen.
Ich bin der Ansicht, dass ein deregulierter Markt innerhalb kurzer Zeit viel größer wäre als der derzeitige, also mehr Taxis unterwegs wären mit mehr Kunden, weil das Angebot und die Nachfrage näher beieinander wären. Daher bin ich für Abschaffung der KOnzessionierung.
6. Dezember 2008 um 19:22 ringlo(Quote)
Wer wissen will, wie ein deregulierter Personenbeförderungsmarkt funktionieren würde, der soll mal Sonntag früh einen Schlüsselnotdienst bestellen.
Mittwoch mittag am Hauptbahnhof mögen sich dann die 1-Euro-Taxis im Dacia Logan ja gegenseitig unterbieten, aber da kann ich für zwofuffzig auch die Strassenbahn nehmen.
-ringlo
7. Dezember 2008 um 06:35 myopF(Quote)
@Mokantin
Der TK Markt is imho zwar offen aber noch nicht komplett dereguliert dank RegTP. Wäre der Markt richtig dereguliert könnte die Telekom zB für die TAL verlangen was sie wollte. Aber das ist eher Ursache einer schlechten Privatisierung.
Ich bin dann doch eher Anhänger der sinnigen(!) Regulierung, aber mit relativ (möglichst poly/oligopol-artig) offenen Märkten.
Und im Taxigewerbe gibt es ja bereits Konkurrenz, ich sehe da also auch keine Monopolgefahr.
Somit überwiegen für mich hier die Vorteile der Regulierung.
So seh’ ich das jedenfalls.
7. Dezember 2008 um 15:47 TorstenW(Quote)
Hallo zusammen!
Also mal ganz ehrlich: bei uns im Kreis gibt es auch diverse Mietwagen-Unternehmen, die die Preise ganz erheblich drücken und sich auch nicht an die Rückkehr zum Betriebssitz nach jeder Fahrt, geschweige denn das Verbot für Freiaufnahmen halten.
Das mögen Gründe sein, aus denen ich als festangestellter Taxifahrer einen Brutto(!)-Stundenlohn von 4,80 € bekomme. Von meinem Lohn kann ich definitiv nicht leben, also zahlt mir die ARGE monatlich noch Geld dazu.
Falls das nicht schon reicht, verlangt mein Chef etliches an Stunden pro Nacht (i.d.R. 14 Stunden pro Schicht)… Soviel zur Deregulierung!
Wenn es nach mir ginge, müßten alle Mietwagen sofort von der Straße und ALLE Taxen nur noch nach Taxameter abrechnen – das passiert hier nämlich auch sehr selten! Ich will nämlich von meinem Beruf, der mir nach wie vor immer noch sehr viel Spaß macht, auch leben können!
7. Dezember 2008 um 20:15 Gucky(Quote)
Einem Mietwagen-Unternehmer, der unterhalb der Taxipreise fährt kann ich nur eine fröhliche Pleite wünschen…
Nicht weil ich was gegen Mietwagen hätte, sondern weil er irgendwann keine Kohle mehr hat um seine Rechnungen zu bezahlen !
Außerdem hat ein Taxi einige Vorteile, die ein Mietwagen nicht hat !
7. Dezember 2008 um 22:43 Mokantin(Quote)
Na, der Vergleich mit dem Schlüsseldienst hinkt gewaltig. Während Taxis je nach Verfügbarkeit und Preis sehr unterschiedlich nachgefragt würden, würde wohl keiner öfter den Schlüssel verlieren, wenn der Schlüsseldienst billiger wäre.
Thorstens Argument mit sinkenden Fahrerlöhnen nach Liberalisierung ist ebenfalls falsch. Offensichtlich werden die Löhne jetzt schon soweit wie möglich gedrückt. Nur dass jetzt der Profit daraus direkt an den Taxiunternehmer geht. Auf einem liberalisierten Markt hätte der Fahrgast auch etwas davon.
Dass die Qualität der Dienstleistung weiter absinken könnte, befürchte ich ebenfalls nicht. Eher im Gegenteil. In einem liberalisierten Markt besteht ein echtes Interesse, eine bessere Dienstleistung zu bieten als der Wettbewerb. Hier in Frankfurt bin ich derzeit jedenfalls froh, wenn ich kein Taxi benutzen muss.
8. Dezember 2008 um 09:19 Ly(Quote)
hi Thorsten,
unterschreibe deinen Artikel in vollem Umfang.
Erst die Tage unterhielt ich mich mit einem unserer Unternehmer über das Thema. Er meinte nur, schau nach Niederlande. Dort sind nachdem die Preise nicht mehr festgelegt wurden selbige explodiert.
Die meisten die sich eine liberalisierung wünschen erhoffen sich billigere Taxifahrten..
mit besten Wünschen
Ly
10. Dezember 2008 um 10:18 Moonwish(Quote)
So ein Beispiel aus meiner Taxifahrgast-Praxis…
Es gibt an der Ostseeküste nahe Stralsund das kleine Örtchen Parow, welches an und für sich nichts besonderes ist. Doch hier findet die Grundausbildung der Marine statt, also etwa 1500 Mann, die jeden Freitag ins Wochenende gehen nd die Sonntags Abends wieder dorthin wollen. Aber ich beziehe mich nur auf den Freitag. Dienstschluss ist für die Jungs in der Grundausbildung immer gegen 11:30. Direkt vorm Haupttor der Marinetchnikschule gibt es auch eine Bushaltestelle. Dort fährt der nächste Bus zum Bahnhof nach Stralsund um 13:50. Die Männers von der marine wollen aber nach Stralsund zum Hauptbahnhof, wofür der Bus nochmal ca. 60 Minuten braucht, also wäre man denn um ca. 15:00 Uhr am Bahnhof. So lange wollen (und können) diemeisten nicht warten, da viele der Jungs dort noch mehrere Stunden mit dem zug vor sich haben. Ich zum Beispiel hatte von Stralsund aus ca. 8 Stunden fahrt mit der Bahn, da ich aus Südhessen komme. Was macht man also? Genau! Taxi rufen. Damit dauert die fahrt zum Bahnhof runde 15 Minuten und man kann noch relativ entspannt in den Zug einsteigen, der um 12:30 fährt. Wenn nun der Taximarkt liberalisiert würde, könnte man als Taxiunternehmer auf die Idee kommen, anstelle der Vorher 9 Euro für die fahrt zum Bahnhof auf ein mal wesentlich mehr zu nehmen, genutzt würde das Taxi mangels alternative trotzdem noch, da man mit dem Wochenendgepäck ja nicht laufen will. Klar, für die Taxifahrer bzw. deren Chefs wäre das eine wilkommene Einnahmequelle, doch der gemeine Soldat, der eh nur knapp über 400 Euro bekommt (Ich rede von den Jungs mit der Schulterglatze, Offiziere fahren nicht mit dem Taxi, die haben ein Auto am Ort) wäre das eine Katastrophe.
Ich hoffe, der Sinn meines geschreibsels wird klar.
10. Dezember 2008 um 19:39 Herr Q.(Quote)
Die Finanzmärkte wurden nicht reguliert. Falls es den neoliberalen nicht Auffiel, wegen mangelnder Kontrolle brechen die gerade zusammem.
Danke Torsten für den Beitrag.
1. Februar 2009 um 20:42 Felix(Quote)
Grundsätzlich bin ich als Ökonom ein großen Anhänger freier Märkte. Beim Taxi allerdings hast du ganz Recht.
Ich kenne die Situation eines ziemlich deregulierten Taximarktes bzw. wäre in diesem Fall Rikschamarkt treffender, in Indien. Staatlich geeichte Taxameter gibt es zwar dort auch, und eigentlich dürften die Fahrer nicht mehr nehmen, jedoch ist der Preis trotzdem meist Verhandlungssache.
Jedenfalls ist es oft der Fall, dass die Fahrer bestimmte Stadtviertel nicht ansteuern wollen, weil es ihnen zu weit ist, oder zu nah, oder sie sich nicht auskennen, oder dort keine Fahrgäste für die Rückfahrt bekommen.
Hat man die Frage der grundsätzlichen Fahrbereitschaft geklärt, kann man beginnen um den Preis zu feilschen, wobei sich die Preisvorstellungen häufig so fern sind, dass man doch auf den Nächsten warten muss. Kurz: Das Verhandeln ist superlästig und kostet viel Zeit. Wenn ich in Deutschland ein Taxi bestelle weiß ich zumindest dass der Preis in einem gewissen Rahmen sein wird und mir nicht absolute Mondpreise verkauft werden, nur weil ich beim Bestellen der Taxe nicht verhandelt habe.
Außerdem möchte ich mich darauf verlassen können, dass der Fahrer ortskundig ist, was eine gewisse Zugangsregulierung (Test) voraussetzt. Und zu guter letzt der Sicherheitsaspekt der Zulassung, da man dem Fahrer ja doch ziemlich ausgeliefert ist und eher nicht des Nächtens betrunken entführt und ausgeraubt werden will.