Flowiges

Eigentlich war das Wochenende schon am Mittwoch gelaufen. Geplant war, daß ich Halloween-Freitag fahren sollte und dafür den schwachen Samstag frei bekomme. Aber ich hab mich von Cheffe überreden lassen, die gute Freitagsschicht einem Kollegen zu überlassen. Hab ich mich hinterher sehr drüber geärgert, besagter Kollege ist nämlich der einzige in der Truppe, der selbst in solchen Fragen komplett kompromißlos ist. Jeder andere hätte die Schicht mehr verdient gehabt.

Nunja, die Schicht hat ihm nicht sonderlich Glück gebracht. Während er gemütlich am Bahnhof stand (was ich wohl kaum getan hätte), setzt ein “Kollege” so rabiat zurück, daß unser Taxi mit auslaufender Kühlflüssigkeit nicht mehr fahrtüchtig war. Er konnte nur noch in den viel zu frühen Feierabend gehen. Eine gewisse Schadenfreude konnte ich mir nicht verkneifen, als ich von der Geschichte gehört habe.

Gestern Abend bin ich dann also rausgefahren, hab mich mit Kaffee versorgt und komme am Bahnhof vorbei. Grade mal vier Kollegen am Stand. Um kurz nach 18 Uhr ist sowas sehr verlockend. Und fast jedes Mal ärgere ich mich hinterher, daß ich mich zum Anstellen verleiten lasse.

Wie erwartet rücke ich nur extrem langsam vor. Kaum bin ich auf Platz 2, da wird es hektisch am Funk. Eine Fahrt nach der anderen wird durchgegeben und ich hänge blöd am Bahnhof fest. Immerhin hab ich die Hoffnung auf eine weite Fahrt. Das hält aufrecht.

Meine Fahrgäste kommen und wollen zur um die Ecke gelegenen Kaserne. Super, eine Stunde warten und grademal gute 5 Euro auf der Uhr.

Und dann kam der “Flow”. An der Kaserne springen mir direkt ein paar Soldaten ins Auto, ab in die Innenstadt. Am Irish Pub angekommen (wohlbemerkt, es ist kurz nach 19 Uhr!) steigen direkt die nächsten Fahrgäste ein. Wieder zurück zur Kaserne, der Kutscher kennt den Weg.

Dort warten schon vier Briten auf mich: “Sparkasse, then Harem!”

Das war dann der endgültige Wendepunkt, meine gute Laune hab ich seitdem nicht mehr verloren. Und wenns einmal läuft… Ich werd in Vororten frei und kriege sofort die passenden Rückfahrten, nur angenehme Fahrgäste, teilweise bombastische Trinkgelder. Rekordhalter war ein Brite, der (mit Ankündigung und bei vollem Bewusstsein) schnuckelige 18 Euro auf den Fahrpreis drauflegte. Nur, weil ich zufällig grad dort freiwurde, wo er schon einige Zeit auf ein Taxi gewartet hat. :D

Manchmal funktioniert das mit dem Karma-Ausgleich eben doch. Oder wie meine Mutter immer sagte:

“Keine gute Tat bleibt ungesühnt!”

PS: Wer mit der Überschrift nichts anfangen kann, klickt mal hier!

PPS: Ratet mal, welche Zahlen auf dem Kennzeichen des Unfallverursachers standen! Eifrige Leser kennen die einzige Firma in Paderborn, die ich wirklich zutiefst verachte… In der Nacht haben die “Kollegen” auch gleich noch einen zweiten Wagen plattgemacht. Nach den Berichten der Kollegen sah der Mietwagen nicht wirklich gut aus, vorne fehlten ein paar entscheidende Zentimeter.

Auch gut, wenn die Behörden deren Treiben bisher keinen Einhalt gebieten können, erledigen die sich halt selbst. ;)

11 Antworten zu “Flowiges”

  1. chris sagt:

    22? :P

  2. Doc Cooper sagt:

    Werde mit meinem Raumfahrzeug eine gefakte Notlandung hinlegen, damit sie mich 130 Kilomter nach Hause bringen können, da kommt ganz schön was auf die Uhr und der Flow wird auch nicht unterbrochen… so und schon bin ich unterwegs…

  3. hanz sagt:

    Lese hier seit Jahren gerne mit, aber nur als Tipp, mit solchen Aussagen hier wäre ich vorsichtig, dürfte manchem Kollegen oder Deinem Chefm wer auch immer hier mitliest und wem ws stecken könnte, nicht schmecken:

    <>

  4. hanz sagt:

    ups, zu schnell, folgenden text meinte ich, der deinem chef nicht schmecen könnte:

    Nunja, die Schicht hat ihm nicht sonderlich Glück gebracht. Während er gemütlich am Bahnhof stand (was ich wohl kaum getan hätte), setzt ein “Kollege” so rabiat zurück, daß unser Taxi mit auslaufender Kühlflüssigkeit nicht mehr fahrtüchtig war. Er konnte nur noch in den viel zu frühen Feierabend gehen. Eine gewisse Schadenfreude konnte ich mir nicht verkneifen, als ich von der Geschichte gehört habe.

  5. Torsten Bentrup sagt:

    @chris: Richtich! :D

    @hanz: Den Schaden bei uns (incl. Verdienstausfall) dürfte die gegnerische Haftpflicht bezahlen und der Fahrer hat die leichte Schadenfreude nach seiner Schichtverschieberei einfach verdient. Ich seh da kein Problem (im übrigen hab ich hier auch früher schonmal über einen ziemlich ärgerlichen Vorfall durch ihn berichtet, das ist also keine neue Sache).

    Davon abgesehen: Das Blog kannte meine jetztiger Arbeitgeber schon lange, bevor ich bei ihm anfing, er liest immer noch regelmäßig mit. Und es hat ihn nicht daran gehindert, mir auf telefonische Bewerbung sofort einen unbefristeten Vollzeitvertrag zu geben (sowas ist auch in unserer Branche sehr selten geworden). So schlecht kann er meine “Nebenbeschäftigung” nicht finden.

  6. Maniac sagt:

    Was mir letztens noch so durch den Kopf ging und ich gar nicht weiß, obs in den FAQs drin steht:

    Wie werden eigentlich die Zentralfahrten an die Taxen verteilt? Geht das per Funk raus und wer zuerst “hier” schreit, darf fahren? Oder wer am nähesten dran ist (was ja im Zweifel fraglich ist)? Oder weiß die Zentrale immer bescheid, wer wo ist und teilt direkt zu?

  7. Andi sagt:

    Per Funkvermittlung war es früher bei uns so:
    Zentrale fragt den am nahe gelegensten Stand ab. Wenn dort keiner ist ging das Spiel weiter mit den beiden nächsten Ständen. War an den Ständen kein Taxi, hieß es: Wer übernimmt Adresse XY. Wer dann dort am nähesten dran war, hat die Tour bekommen. Was natürlich nicht immer nachprüfbar war. Sprich, man konnte dort auch schummeln mit seinem eigenen Standort. Wurde man dabei erwischt, gab es aber eine Strafe usw.
    Inzwischen haben wir bei uns hier Vermittlung per Computer/GPS. Da übernimmt der Compi die ganze obige Prozedur. Nur dass man sich selbst nicht mehr über Funk meldet. Man loggt sich einfach am jeweiligen Stand ein. Oder drückt auf einen Knopf, wenn der Compi den Auftrag freigibt. Welcher dann dank GPS sieht, wer am nähesten zur jeweiligen Adresse ist.

  8. Torsten Bentrup sagt:

    @Maniac: Andi hat schon zwei Varianten erklärt. In Paderborn haben wir keine Gemeinschaftszentrale, sondern rd. 15 Unternehmen, die die Funkvermittlung auch unterschiedlich handhaben.

    Unsere Variante (und wohl auch bei allen größeren Unternehmen hier so üblich): Der Wagen, der am schnellsten den Auftrag ausführen kann, sollte die Fahrt bekommen. Wenn der Startpunkt der Fahrt in den Vororten liegt, versucht man zusätzlich noch die verfahrenen Kilometer zu optimieren.

    Wenn beispielsweise jemand in Sennelager abgeholt werden soll und jemand ist besetzt in die Richtung, bekommt er die Fahrt, auch wenn ein freier Kollege eventuell ein paar Minuten schneller beim Kunden sein könnte.

    Wir haben noch keinen Datenfunk, also fragt der Zentralist einfach durch:

    “Wer ist im/Nähe Riemeke/Ükern/Stadtheide/…?”

    Melden sich mehrere Fahrer, wird nochmal näher der Standort oder Zielort (bei besetzten Fahrzeugen) abgefragt und dann entscheidet entweder der Zentralist oder die Fahrer einigen sich untereinander.

    Wenn ein Wagen vom Taxistand losgeschickt wird, ist üblicherweise das letzte Taxi der Firma dran. Schließlich möchte man ja den Mitwerbern keinen Vorteil verschaffen, indem man von den vorderen, aussichtsreichen Standplätzen jemand losschickt.

    Eine Besonderheit gibt es noch am Wochenende oder “Sonderterminen” (Silvester, große Partys, …). Fast jedes Taxiunternehmen hier hat noch Funkmietwagen zur Abfederung solcher Spitzenlasten.

    Da diese Mietwagen weder am Taxistand noch auf der Straße Fahrgäste aufnehmen dürfen (es sei denn, es ist eine 22 im Kennzeichen, für die gelten die Gesetze offensichtlich nicht), werden sie am Funk bevorzugt vermittelt.

    Ein Mieter ohne Auftrag muß zurück zur Zentrale fahren und dort warten, diese unnützen Kilometer kann man damit vermeiden. Ausserdem sorgt es für Chancengleichheit unter den Kollegen, ein Ausgleich für die fehlenden “Winker-Fahrten”.

  9. Maniac sagt:

    Danke für die Aufklärung, sehr interessant!

    Eine weitere Frage habe ich noch, wo ich aber nicht weiß, ob ihr die beantworten könnt…

    Wir haben eine Nachbarin, die für ein Mietwagen-Unternehmen fährt. Aber alle Nase lang steht sie hinten bei uns auf dem Stellplatz und macht dort “Pause” bzw. wartet auf neue Fahrten oder so.
    Das ist natürlich tierisch nervig, weil sie ständig mit ihrem Wagen auf dem Stellplatz rum rangiert und dann auch noch den Wagen mit offener Tür und Funk auf Maximallautstärke stehen lässt (also offensichtlich in Bereitschaft ist), während sie auf der Terasse / in der Wohnung sitzt.
    Ist das eigentlich rechtens? Ich meine, ihre Privatwohnung ist ja nicht wirklich die Zentrale…
    Allerdings weiß ich natürlich nicht, wie das bei dem Unternehmen speziell geregelt ist und ob das Unternehmen überhaupt davon weiß, dass sie zu Hause wartet oder ob die denken sie steht irgendwo / an der Zentrale. Zumindest dürften die nicht begeistert sein, wenn die wüßten, dass der Wagen dort auch bei Regen mit offener Tür steht (sonst hört sie von der Wohnung aus den Funk ja nicht)…

    Wie gesagt, ist vermutlich ne spezielle Angelegenheit, von daher weiß ich nicht ob ihr das beantworten könnt, aber vielleicht gibs ja ne generelle Regelung oder so…

  10. Torsten Bentrup sagt:

    @Maniac: In der Praxis wird auch nicht wirklich konsequent zum Betriebssitz zurückgekehrt… Die üblen Kollegen lungern in Sichtweite der Kneipen- und Discos rum und nehmen illegal Fahrgäste auf, die netten stellen sich an dunkle Stellen ohne Laufkundschaft. Unnütze Rumfahrerei treibt ja auch die Kosten hoch und versaut die Umwelt.

    In Eurem Fall scheint die Fahrerin also zumindest den Taxen gegenüber fair zu sein.

    Das Ihr damit so stark belästigt werdet ist natürlich nicht in Ordnung. Ich würde (falls möglich) die Fahrerin bitten, die Ruhestörungen zu unterlassen. Wenn das nicht hilft, mal die Firma anrufen und darum bitten. Und im unwahrscheinlichem Fall, daß auch das nichts nützt, müssten dann halt mal die Ordnungshüter ein Machtwort sprechen.

    Nebenbei gesagt: Wenn man sein Fahrzeug verlassen will, kann man heutzutage auch recht günstig per Handy wieder zur Arbeit gerufen werden (wenn die Firma/Zentrale da mitspielt). In unserer Branche gibt es oft recht lange Wartezeiten, da kann ich durchaus verstehen, wenn man nicht unnütz im Wagen sitzen möchte. Aber wie gesagt: Rücksichtnahme auf die Nachbarn sollte dabei drin sein.

  11. Maniac sagt:

    @Torsten: Danke für die Info.

    Ok, dann scheint es soweit nicht umbedingt “unrechtens” zu sein. Die Geschichte, dass sie den Funk so laut stellt und manchmal nach einem Funkspruch zum Auto “sprintet” weckt bei mir aber eher den Eindruck, dass die Zentrale zumindest nichts davon weiß, dass sie das Auto verlässt und drinnen gemütlich Pause macht. Aber gut, das soll ja prinzipiell auch nicht mein Problem sein.

    Die Fahrerin ansprechen wäre der richtige Weg, klar…
    Ist in diesem Falle nur nicht ganz so einfach, weil die (ganze Familie) teilweise ein wenig merkbefreit ist und sich auch sonst nicht grad sozial verhält und wir bei einigen Dingen etwas uneins sind (aber das ist natürlich noch ein anderes Thema).
    Von daher habe ich bisher davon abgesehen, mich auf solche Diskussionen einzulassen und daher halt eher überlegt, ob man den (nicht feinen) Weg “hintenrum” nimmt und mal bei der Zentrale nachfragt, ob sowas in Ordnung ist.
    Da ich aber prinzipiell eigentlich eher kein Arschloch bin und halt nicht noch mehr “Streit” sähen will, habe ich auch davon bisher abgesehen.

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