Besorgs mir
“Bring mal eine Flasche Vodka zur $StraßeMitVorwiegendRusslanddeutschenBewohnern. Brauchst nicht klingeln, der Kunde sieht Dich vom Balkon.”
Hmm, irgendwie sieht er mich dann doch nicht. Ich höre zwar Stimmen, aber niemand steht am Balkon oder reagiert auf meine Rufe. Zumindest nicht, bevor ich nicht richtig laut werde. Nicht schön, so mitten in der Nacht, aber das soll mal sein Problem sein.
Nach fünf Minuten kommt er dann auch auf den Balkon:
“Wasn?”
“Ihr Vodka!”
“Habsch nich bestellt. Moment, ich komm runter!”
Als er an die Haustür torkelt, will ich eigentlich nur gerne die Flasche gegen 22,60 Euro tauschen.
“Habisch zwar nich bestellt, aber nehm ich trotzdem. Hier, 20 Euro, das reicht.”
Er ist etwas irritiert, als ich die Hand mit der Flasche wieder zurückziehe.
“Sorry, reicht leider nicht.”
“Aber ich hab die doch gar nicht bestellt!”
“Sie wollen die Flasche aber doch haben, oder?”
Natürlich wollte er, schließlich hat er ja auch bestellt. Es war nicht seine erste Bestellung (nichtmal die erste in der Nacht) und seine Marke wird auch ausreichend selten verlangt, um jede Verwechslung auszuschließen.
Und weil das alles so war, bezahlte er schließlich auch den Rest.
Passend zum Thema:
Wollt Ihr mal hautnah miterleben, wie verbreitet Alkoholmißbrauch wirklich ist?
Stellt Euch mal so in den frühen Morgenstunden in eine Tankstelle und trinkt dort einen Kaffee. Und beobachtet dann mal unauffällig, was dort neben Bild und Zigaretten am häufigsten über den Ladentisch geht.
Es gibt einen Grund, warum die Flachmänner immer direkt an der Kasse plaziert sind…
1. Oktober 2007 um 07:47 Adanos(Quote)
Ich habe das mal in Köln erlebt, in einem Stadtteil davon, um genauer zu sein. Habe dort auf ein paar Freunde gewartet und da ich Durst auf Kaffee hatte, habe ich mich in einen kleinen Kiosk gesetzt. Es war gegen Mitternacht und erstaunte mich, wie viele Personen hineinkamen, harten Alkohol kauften und wieder verschwanden. Innerhalb der kurzen Zeit, die ich da saüß, ungefähr 30 Minuten, kamen einige sogar mehrmals.
1. Oktober 2007 um 07:56 Der Kantinenblogger(Quote)
Erst neulich erlebt. Typ vor mir an der Supermarktkasse kauft 2 Sechsämtertropfen und 10 Eier, direkt nach dem Bezahlen – noch vor mir in der Reihe stehend – dreht er den Flachmann auf und kippt den Schnaps runter. Die andere Buddel hat er mit den Eiern eingesteckt. Als ich den Supermarkt verlassen habe, trank er gerade die andere Flasche aus. Es war übrigens kurz vor 9 Uhr morgens. Arme Sau.
1. Oktober 2007 um 08:27 Chris(Quote)
Das stimmt leider. In meiner Kassiererzeit an der Tanke gingen die Flachmänner auch schon immer früh um 09.00 Uhr übern Tresen. Kurz beiseite getreten zur Kaffeemaschine, Flasche gekipptp und weiter ins Auto und davongefahren. ..
1. Oktober 2007 um 09:21 ker0zene.de(Quote)
Der Alkoholismus ist in der Tat ein ganz trostloser Aspekt des Tankstellenlebens. Das wird bei mir irgendwann auch noch mal Thema eines Eintrages sein, sind meist doch recht deprimierende Einsichten.
Die Platzierung der harten Alkoholika in Kassennähe bzw. hinter dem Tresen dient allerdings vorranging der Diebstahlsvorbeugung und dazu, das Kinder und Jugendlich das Zeug nicht in die Hände bekommen (vgl. Zigaretten). Bei uns befinden sich die Flachmänner auch nicht an der Haupt-, sondern an der Nebenkasse.
@ Chris: Diese Beobachtung kann ich nicht teilen. Kaum eine Tankstelle dürfte eine Schanklizenz besitzen, wer da darüber hinweg sieht, wenn im Laden Alkohol getrunken wird, der gefährdet leichtsinnig seinen Arbeitsplatz bzw. riskiert empfindliche Strafen. Das wird auch recht rigide gehandhabt, zumindest in den Stationen, in die ich Einblick habe.
1. Oktober 2007 um 11:10 der_simon(Quote)
Ach die Tankenzeit.
Sonntags gab es immer einen dessen erste Bestellung Bild/Express, ein Frikadellenbrötchen und zwei Tuborg und ein Jägermeisterflachmann war.
Bis zum Schichtwechsel kam er dann meiste halbstündlich und noch zwei Tuborgdosen und einen Flachmann zu holen.
Alle sind gegen Rauchen… Eine Bewusstseinserweiterung wäre da angebracht.
Der Simon
1. Oktober 2007 um 12:20 butscher(Quote)
@simon
applaus!!!
1. Oktober 2007 um 12:29 Torsten Bentrup(Quote)
@ker0zene: Ich bin mir sehr sicher, daß selbst bei Euren Markenkollegen schonmal Alkohol direkt verzehrt wurde, ohne das das unterbunden wurde. Es scheint sich nicht bei allen Angestellten rumgesprochen zu haben, wie übel das ausgehen kann.
Vor einigen Jahren hab ich übrigens selbst in einer Tankstelle mal ein Bier getrunken. Die währenddessen tankenden Polizisten haben das freundlicherweise ignoriert. Damals kannte ich aber auch tatsächlich das Problem noch nicht.
1. Oktober 2007 um 13:11 PaB(Quote)
Woher soll man das auch wissen – bei rund 50.000 Gesetzen, Vorschriften, Durchführungsverordnungen etc. blickt doch eh kein Mensch mehr durch.
Hin und wieder quasselt mal ein Politiker in irgendwelchen Sonntagsreden von Bürokratieabbau – und das Gegenteil passiert. Ständig neue Regelungen und Gesetze. Ein Paradies für blutleere Technokraten in den Verwaltungen.
Der Bürger wird immer mehr gegängelt, auf ein Einheitsmaß zurückgestutzt, die persönliche Freiheit immer mehr zur Farce
1. Oktober 2007 um 13:46 trillian(Quote)
Seit ein paar Monaten stehe ich ab und an hinter der Theke einer Kneipe und wundere mich jeden Tag aufs Neue, wie viel einige Leute getrunken haben und dennoch ins Auto steigen… *kopfschüttel*
Und ich habe noch nie so viele Leute tagsüber mit Bierflaschen durch die Gegend gehen sehen wie hier in MG.
1. Oktober 2007 um 14:31 jonas(Quote)
hab mal inventur in spermärkten gemacht. Öfters wars so das ich gerade dabei war die Schnapsflaschen zu zählen als der laden aufgemacht hat. Was meint ihr was die ersten kunden gekauft haben, bestimmt keine brötchen.
taten mir schon abunzu leid die leute.
1. Oktober 2007 um 14:36 ker0zene(Quote)
@ Torsten: Natürlich kommt es mal vor, das jemand das frisch gekaufte Bier gleich aufreißt und ansetzt. Dann gibt es von uns den entsprechenden Hinweis, was meist in ermüdende Diskussionen a’la “Verkaufen tut ihrs, aber trinken darf ich es nicht!” ausläuft. Wir sind da dann recht strikt, kein Alkohol im Gebäude, streng genommen noch nicht mal auf dem Gelände. Erst gestern hatte ich das Vergnügen, einen Tippelbruder freundlich des Geländes zu verweisen, der sich vor der (sonntags geschlossenen) Waschanlage zum trinken niedergelassen hatte.
Es ist klar, das – wie gegen alle Regeln – auch mal dagegen verstoßen wird, prinzipiell sind wir da aber strikt, auch wegen der Vorgaben von Pächter und letztendlich des Konzerns. Eine Tankstelle, die diese Praxis zu lax handhabt kann heutzutage schnell derben Ärger bekommen, auch auf der Schiene Verkauf von Alkohol/Tabakwaren an Jugendliche. Da wird zumindest in unserem Bereich nicht wenig kontrolliert (mag an der Nähe zur Kulte liegen).
@ Simon: Der implizierten Ausweitung von Verboten und Regelungen auch auf Alkohol widerspreche ich, auch wenn das vermutlich langfristig auf die Agenda kommt. Nur Verbote sind aber keine Lösung, auch wenn Politiker das nie kapieren werden. Speziell die Menschen, die ihren einzigen Lebensinhalt nur noch aus Alk ziehen haben darin keine Hilfe, es wird sie auch in nichts bremsen. Die Ansatzpunkte sind da viel differenzierter und eher zu suchen, das ist blos leider zu teuer und läßt sich nicht in markige Worte verpacken.
@ PaB: Ist ja in dem Sinne keine Verordnung bzw. kein Gesetz, sondern simples Recht – wer Alkohol ausschenken will, braucht eine entsprechende Konzession. Die hat kaum eine Tankstelle, wie übrigens auch genau so wenig der Supermarkt, in dem man sein Bier kauft. Bei der Tankstelle reibt es sich dann halt daran, das wir ein paar Bistrotische für den Kaffee oder das Brötchen haben, was mitunter als Einladung mißverstanden wird, dort auch sein Bier zu trinken.
1. Oktober 2007 um 18:16 Fincut(Quote)
Als Schüler habe ich am WE Nachtschichten in Tankstellen geschoben. Und ja, jeden Morgen um 5 Uhr kam eine frisch aufgewachte Dame im Nachthemd und kaufte ihren Likör. Allerdings hatte ich auch ein paar Taxifahrer, die mehrmals in der Nacht kamen, um einen kleinen Wodka zu kippen. Es gibt sehr, sehr viele Menschen mit Alkoholproblemen.
1. Oktober 2007 um 19:46 Andy(Quote)
Während meines Ferialsjobs als Briefträger hab’ isch auch erschreckend viele Menschen getroffen, die jeden Tag um 9.00 Uhr schon mit einer Fahne herumgeschwankt sind.
Es war auch nicht sonderlich schön, die Pensionsgelder ausbezahlen zu müssen. Und zwar in die zittrigen Hände eines 30-Jährigen, der nur darauf gewartet hat bis man kommt, um endlich wieder Bier kaufen zu können.
1. Oktober 2007 um 20:09 k.h.t.z.(Quote)
Wobei das “Alkohol-am-Morgen”-Phänomen nicht nur auf Tankstellen zutrifft. Das passiert eigentlich überall, wo Läden recht früh aufmachen. Besonders auch an großen Bahnhöfen. Wenn ich morgens zur Arbeit fahre und mir am Kiosk ne Zeitung kaufe, stehen immer irgendwelche Leute dort, die sich früh um 5 schon die ersten zwei Jägermeister reinjagen.
2. Oktober 2007 um 07:53 noch ein Markus(Quote)
ich kenne das von Grossmärkten bzw Versteigerungen wo morgens früh gearbeitet wird. nach dem Einkauf um 6 – 7 Uhr erstmal frühstücken und ein Korn………
heute nicht mehr so extrem wie noch vor 10 Jahren, gibts aber immer noch.
2. Oktober 2007 um 13:32 butscher(Quote)
@kerOzene
natuerlich hast du recht,eine alkoholkonzession ist kein gesetz.aber ich haette trotzdem nix gegen ein paar regeln(gesetze,vorschriften,wie auch immer)einzuwenden.sicher kann man nicht alles einfach freigeben,aber wenn man sieht was fuer hindernisse fuer die simpelsten sachen einem der staat in den weg legt darf man sich nicht ueber die vielen arbeitslosen wundern.meinetwegen koennte sich jeder in die fußgaengerzone stellen und verhoeckern was er will.dann wuerden diese betonwuesten wieder etwas bunter.
2. Oktober 2007 um 17:44 PaB(Quote)
@kerOzene
@butscher
Ich beziehe mich in meinem Beitrag auch nicht so sehr auf die für den Ausschank erforderliche Konzession (übrigens geregelt im Gaststättengesetz), sondern eher auf die Überregulierung und Bürokratisierung unserer Gesellschaft; tendenziell, wenn auch nicht ganz so radikal, stimme ich butscher schon zu.
Hier mal ein paar Vergehen von bei einer Kontrolle auffällig gewordenen Taxifahrern:
Das Taxi-Dachzeichen wurde mit Birnen betrieben, die zusammen ordnungswidrig mehr als 30 Watt verbrauchen.
Der Stadtplan war schon 4 Jahre alt, aber das Taxi hat NAVI.
Am Innenspiegel hing ein Christuskreuz, religiöse Meinungsäusserungen sind verboten.
Die AU-Plakette wurde von der Werkstatt versehentlich für zwei, anstatt für ein Jahr angebracht. Diese Regelung gilt nur für Taxen.
Das Haltbarkeitsdatum des Verbandskastens war um vier Monate überschritten.
Die GEZ-Anmeldung wurde nicht mitgeführt.
Die Taxiordnung war die vorletzte Version.
Auf einer Leerfahrt im Autobahntunnel zum Flughafen wurde das Taxi-Dachzeichen nicht ausgeschaltet.
Ein Taxifahrer hatte das Portrait seines Pudels als Bild auf dem Fahrerausweis aufgeklebt.
Quelle und mehr davon: http://www.taxi-verkehr.de/
2. Oktober 2007 um 20:27 Hen Nessy(Quote)
also ich bin unerträglich, wenn ich noch keinen schluck gefrühstückt hab
3. Oktober 2007 um 00:56 gonkulator(Quote)
LoL was für versoffene Schweine.
Lasst sie sich die Birne wegsaufen, dann fallen sie uns nicht mehr zur Last! ^_:_^