Blau, aber keine Leuchten

11. Juni 2013

So langsam werde ich Stammkunde bei der Polizei. Durchaus zufrieden mit deren Leistungen, aber trotzdem wäre es mir definitiv lieber, wenn das mal langsam wieder aufhört.

Heute war es dann aber kein Unfall (auf den dritten der Reihe warte ich also immer noch…), sondern amoklaufende britische Soldaten.

Genaugenommen war es auch nur einer, die anderen waren bis zum Ende der Fahrt ganz friedlich.

Der eine hatte es dafür aber in sich. Die ersten drei Minuten der Fahrt schlief er noch friedlich.

Dann begann die Brüllerei. Er würde alle killen, insbesondere die “Nigger”. Und ausserdem sollen sich doch alle “geschlechtsverkehren”. Aussteigen wollte er auch mehrmals. Während der Fahrt riss er einige Male die Tür auf.

Kein Wort dazu von mir. Seine Kollegen taten auch alles, um ihn zu beruhigen.

Bis zur Dubelohstraße, die direkte Verbindung zwischen Kernstadt und Sennelager. Kurz vor den Fischteichen erhielt ich einen Schlag in den Nacken…

Nicht sonderlich heftig. Aber in so einem Fall ist die Fahrt definitiv beendet, bevor noch mehr passiert. Die Vollbremsung erfolgte noch im ersten Schreck direkt nach seiner Attacke.

Meine Weigerung, die Fahrt mit diesem Vollhonk weiter durchzuführen wurde dann blöderweise von den anderen Mitfahrern nicht sonderlich entspannt aufgenommen.

Sie entschlossen sich blöderweise, daß dann ja wohl die Fahrt kostenlos wäre. Die Türen wurden mit aller Kraft zugeschmettert und die Soldaten verschwanden im angrenzenden Wald.

Entgegen meiner sonst üblichen Personenbeschreibungsschwäche fiel es mir diesmal recht leicht. Kurze Hose und Beinprothese bei meinem Beifahrer war zumindest schon mal recht einprägsam. Und der sehr amerikanische Akzent des Aggro-Typens dürfte auch eher ungewöhnlich und auffällig sein.

Dementsprechend kam dann auch zwei Stunden später der Anruf der Polizei. Die Täter sind festgenommen, Protokol ist auch soweit geschrieben, man übergebe sie jetzt an die Militärpolizei.

Strike!

Versuchte Körperverletzung wird wohl eher nicht drin sein. Aber Betrug und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr (der Beamte hat sich extra nochmal schildern lassen, in welchem zeitlichen Ablauf Vollbremsung und Angriff standen) sind definitiv gegeben.

Und irgendwie hab ich nicht das geringste Fünkchen Mitleid… :D Waren übrigens auch nicht die üblichen jungen Burschen, eher so Mitte Zwanzig bis Mitte Dreißig. Da sollte man wissen, was man tut und was man mit einer solchen Aktion auf’s Spiel setzt.

Magnetaxi!

10. Juni 2013

Mein Dienstwagen scheint echt eine aussergewöhnlich intensive Anziehungskraft zu haben. Leider nicht nur für Fahrgäste… Sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer. Mist, sowas!

Gestern Abend also nach dem Radfahrer neulich die nächste “Feindberührung”.

Der Fahrer des schwarzen Dreiers stand an der Ampel zur Ausfahrt vom Taxi- und Kurzzeitparkplatzes, ich schräg hinter ihm, ich wollte auch raus um eine Zentralfahrt zu erledigen.

Ich seh seine Rückfahrscheinwerfer aufleuchten, hau auf die Hupe und es irritiert ihn leider kein Stück. Er fährt einfach weiter und drückt mir die Stoßstange ein. Naja, zumindest leicht, noch sehr viel Glück im Unglück. Selbst der Parkpiepser scheint noch einwandfrei zu funktionieren.

Beim Unfall mit der Beifahrertür und dem Radler hab ich noch geunkt. Und siehe da: Kaum hat es den ersten Schaden gegeben, dauert es nicht mehr lange und die Karre ist rundrum vermackelt. Broken-Windows-Theorie für Taxen sozusagen.

So sieht mein “Vier” jetzt also ganz neu aus:

Spannend war übrigens die Wartezeit auf die polizeiliche Unfallaufnahme. Der Bruder des Fahrers war in Windeseile am Unfallort und versuchte auch gleich noch die ganz dummdreiste Masche:

“So wie das aussieht. Ich meine, das sieht ja eher so aus, als wären sie meinem Bruder hinten drauf gefahren…”

Mein Hinweis auf die Überwachungskameras am Bahnhof und die durch mein Hupen allesamt aufgeschreckten anderen Taxifahrer am Bahnhof hat ihn dann aber sehr schnell von der Masche abgebracht. :D

Beim Eintreffen der Polizei war er dann auch ganz brav und hat als erster erzählt. Und sogar die volle Wahrheit. Mündliche Verwarnung (WTF!! Ich hab für exakt den gleichen Unfall mal ne Anzeige mit 2 Punkten bekommen. Grrrr!), Unfallprotokol mit passenden Eintragungen und alles ist gut.

Langjährige Leser kennen ja die Dreier-Regel. Sowas passiert immer dreimal in kurzer Zeit. Fahrrad und PKW hatten wir jetzt.

Ich bin gespannt, was mich als nächstes trifft.

Straßenbahn? Segelflieger? Containerschiff?

Artiges

15. Mai 2013

Sogar irgendwie Fanartiges. Auf jeden Fall fein gereimt. Und obwohl ich den Dichter persönlich kenne, lege ich grade jetzt sehr viel Wert darauf, daß ich niemals mit ihm oder auch nur in seiner Nähe am Steuer eines Fahrzeugs war. Indianerehrenwort!

Wer kurvet so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Torsten im Taxi, geschwind;

Er hat den Wagen wohl im Griff,

Er faßt ihn sicher, hält ruhig sein Asphalt-Schiff.

“Mein Kund, was birgst du so bang dein Gesicht?”

“Siehst, Fahrer, du die Leitplanke nicht?

Den Abgrund vor dem Stern und Reif?”

“Mein Kund’, es ist nur ein Nebelstreif.”

“Mein Fahrer, mein Fahrer, jetzt rast er heran!

Mein Schrittmacher hat’s letzte Klicken getan!”

Dem Torsten grauset’s, er fahret geschwind,

Hinten im Fond den ächzende Kund’,

Erreicht das Ziel mit Mühe und Not;

Im Auge des Kunden war das Trinkgeld längst tot.”

;)

Immer gute Fahrt wünscht

Micha

Und die Rennleitung meint?

3. Mai 2013

Natürlich besteht die Möglichkeit, daß die ganze Geschichte noch vor Gericht landet. Und da sind alle Menschen gleich. Gearscht.

Aber vorläufiges Endergebnis der Geschichte, geäussert durch den Polizeibeamten, der nach längerer Diskussion im Streifenwagen zu uns kam:

“Schuld sind sie eigentlich alle. Also, ausser dem Taxifahrer!”

Anders hätte ich mich allerdings auch ziemlich auf den Schlips getreten gefühlt…

Poleposition auf dem Unfallprotokoll und damit vor Ort von der Polizei festgestellter “Hauptschuldiger” war tatsächlich mein Beifahrer.

“Wir hätten jetzt auch den Radfahrer auf die Position setzen können. Für uns ist die Schuldhöhe ungefähr gleich. Aber wir haben halt nur einmal die Spalte und mussten uns entscheiden.”

Prinzipiell so naja, im aktuellen Fall eine Scheißentscheidung.

Der Radfahrer hat ne Privathaftpflicht, mein Fahrgast nicht… Ich bin kein Freund von Versicherungen. Aber die? Ist schlicht und ergreifend wirklich Pflicht. Wenn ein Worst-Case Dich bis ans Lebensende ruiniert und der Schutz ein paar Euro im Monat kostet, fällt die Entscheidung sehr leicht.

Naja, ändern kann man es jetzt auch nicht mehr. Und zum Glück liegt der Schaden auch eher im dreistelligen, vielleicht knapp vierstelligen Bereich. Nicht auszudenken, wenn dem Radler was passiert wäre…

Die oft geäusserte Meinung, daß ich oder mein Cheffe als Fahrzeughalter eine Schuld treffen… Unter vielen Umständen würde ich dem ja recht geben, zumindest für eine Teilschuld.

In diesem Fall hab ich allerdings alles richtig gemacht. Ich durfte an dieser Stelle halten. Mein Fahrgast durfte dort problemlos aussteigen.

Ich sehe eine gewisse Mithaftung auch nur in den Bereichen, in denen ich es mit vermindert zurechnungsfähigen Fahrgästen zu tun habe. Eine erhöhte Verantwortung habe ich für Kinder und betrunkene Fahrgäste.

Erwachsenen Menschen ohne bewustseinsverändernden Einfluß sind in meinen Augen schon für sich selbst und für ihre Taten verantwortlich.

Wie gesagt: Vor Gericht könnte es sich da anders darstellen. Richter sind nicht beeinflussbar. Meist nicht mal von einfachen, logischen Zusammenhängen.

Der “Radweg”

2. Mai 2013

Ich hab vorhin nochmal ein neues Bild der Unfallstelle gemacht.

So sieht der “Radweg” dort aus:

Die relativ neue Markierung einer “Radspur” gibt es seit kurzem häufiger in Paderborn. Sie endet allerdings exakt an der Bushaltestelleneinfahrt. Und beginnt wieder am Ende der Bushaltestelle.

Ich muß gestehen: Keine Ahnung, welche rechtliche Relevanz diese Abtrennung überhaupt hat. Da ich üblicherweise sowieso sehr rücksichtsvoll und mit großem Abstand Radler überhole, hab ich die eher so als Warnhinweis verstanden.

“Das war jetzt aber ziemlich uncool!”

1. Mai 2013

Gestern Abend hab ich noch beim Blick auf den Kilometerstand meines neuen Stammwagens gedacht:

“Yeah, 37.000 Kilometer und noch keiner hat ne Macke reingefahren!”

Nicht so typisch für ein Taxi. Enge Hofeinfahrten, schlechte Sicht nach Hinten (ist nen Kombi), hektischer Berufsverkehr. So einwandfrei bleibt das Blech meist nicht lange.

Sieben Stunden später war es dann soweit… :(

Mein Fahrgast wollte an einer Bushaltestelle an der Elsener Straße aussteigen, ich fahre ran. Er bezahlt (recht langsam, er hat das passende Kleingeld zusammengesucht). Und mehr als eine Minute nachdem ich dort rangefahren bin, öffnet er die Beifahrertür.

Meine nächste Wahrnehmung ist ein heftiges Scheppern und ich sehe aus den Augenwinkeln, wie jemand am Auto vorbeifliegt, mit dem Rücken am Wartehäuschen hängenbleibt und höre ein gepresstes:

“Das war jetzt aber ziemlich uncool!”

Glücklicherweise rappelt er sich sofort wieder auf und ist tatsächlich unverletzt!

Sein Fahrrad schien auch nichts abbekommen zu haben. “Lediglich” die Beifahrertür meines “Vier” ziert jetzt eine hässliche Ausbeulung. Stummer Zeuge einer hängengebliebenen Fahrradpedale… Zugegeben, auf dem Foto nur durch den leicht falschen Schatten zu erkennen, unteres Drittel der Beifahrertür. Sehr unauffällig. Aber bei nem Fastneuwagen auch sehr ärgerlich.

Blöd. Zumal ich mir nicht ansatzweise eine verbindliche Schuldzuweisung zutrauen würde. Und um zu klären, wer jetzt für den Schaden aufkommen darf, hab ich dann mal die Polizei rangeholt.

Beide potenziellen Verursacher waren sehr leicht angetrunken, vermutlich unterhalb 0,3 Promille. Die Beamten haben auch keine Alkoholtests gemacht, nicht einmal nachgefragt. Absolut unauffällig, ich hätte auch stocknüchtern akzeptiert, wenn nicht beide den Genuß einer kleinen Menge Bier zugegeben hätten.

Der Radfahrer war auf dem Bürgersteig und vorschriftsmäßig beleuchtet. Mein Fahrgast sagte aus, daß er in den Seitenspiegel geschaut hat, aber nichts gesehen hätte.

So, liebe Restleserschar: Jetzt spekuliert mal über die Einschätzung der Polizisten.

Wer hat deren Meinung nach die Hauptschuld, ist jemand unschuldig? Wer steht auf Platz 1 im Unfallbericht als voraussichtlich Schuldiger?

Ich denke mal, daß ich übermorgen dann mal den aktuellen Stand der Dinge posten werde. Und falls ich es erfahre, in ein paar Monaten, wie es dann letztendlich ausgegangen ist.

Vor-Urteile? Urteile? Verallgemeinerungen?

21. März 2013

Eunoia schrieb zum letzten Eintrag diesen Kommentar:

“Als Brite der schon mal von dir gefahren wurde, Torsten, entschuldige ich mich für meine Landsleute.

Es sind eben Squaddies – solche die zum Armee gingen weil sie sonst keine Arbeit fanden, dort lernten sie gewaltätig zu sein wenn sie vorher nicht waren.

Mit solche kann & sollte man nicht streiten, dafür sind die MPs da.”

Ganz herzlichen Dank!

Wenn solch eine Scheiße passiert, ist das auch immer wochenlang Gesprächsstoff im Taxi. Nicht, weil ich so gerne davon erzähle. Sondern weil kein Tag vergeht, ohne das man als Paderborner Taxifahrer nicht zu seiner Meinung zum geplanten Britenabzug gefragt wird. Und diese Fragen kommen grob geschätzt zur Hälfte von Deutschen und von Briten.

Die Briten, die diese Frage stellen, sind in der Regel welche aus der “Fraktion”, die ich mit Kußhand hier behalten würde. Menschen, die sich benehmen können.

Denen erkläre ich, daß die negativen Faktoren in meinen Augen inzwischen massiv überhand genommen haben. Gerne auch mit ein paar Bildern des verwüsteten Taxis, ein paar Erlebnissen der letzten Wochen und Monate.

Und ihnen geht es wie Eunoia. Sie schämen sich für die Squaddies. Das sind die Soldaten, die selbst von der Army nur den Verwendungszweck “Kanonenfutter” zugewiesen bekommen haben. Die sich für ein in deren Augen fürstliches Gehalt in sinnlosen Kriegen verheizen lassen…

Menschen, die ganz offensichtlich direkt nach der Geburt von ihren Eltern im Stich gelassen wurden. Die keine Bildung, keine Erziehung bekommen haben. Oder diese einfach konsequent mangels Gehirnleistung ignoriert haben.

Diese Untergruppe der “British Army” hat Kenntnisse: fressen, saufen, ficken, töten und verletzen. Alles darüber hinaus ist bestenfalls optional.

Und genau die hätte ich gerne betreut. Und zwar weit weg. Hinter hohen Mauern.

Weil diese Menschen einfach gefährlich sind. Und auch wenn die Straftaten der Briten in den Medien totgeschwiegen werden: Sie passieren. Und sie passieren leider nicht nur gelegentlich. Körperverletzungen, Fälle von sexuellem Mißbrauch, Sachbeschädigung, Diebstahl, Raub…

Alles in den Zeitungen und anderen Medien kein Thema. Aber jeder Paderborner kennt zumindest im Bekanntenkreis Opfer oder Zeugen, wenn er nicht sogar selbst betroffen war.

Nunja, Steuereinnahmen und Arbeitsplätze wiegen eben stärker als persönliche Schicksale.

Nebenbei: Wer z.B. in einen Autounfall verwickelt ist und Ansprüche gegen einen Army-Angehörigen daraus hat… Sofort Anwalt einschalten. Es gilt nicht das deutsche Recht. Und das bedeutet, daß extrem kurze Fristen für die Inanspruchnahme von Schadenersatz gelten.

Aber: Das sind nicht “die Briten”. Das sind nichtmal die “Briten in der Army in den unteren Dienstgraden, männlich und unter 20 Jahre alt”. Okay, grob geschätzt gehören 80% aus dieser Gruppe zu den “Problembriten”. Aber eben nicht alle. Längst nicht.

Und so sehr ich die 80% Arschlöcher in dieser Kategorie auch hasse: Ich versuche alles, um darüber nicht verbittert zu werden.

Bisher gelingt mir das.

Egal wer einsteigt. Er wird erstmal freundlich und offen von mir begrüßt. Typischerweise dauert es dann keine 30 Sekunden, bis ich weiß, womit ich es zu tun habe. Und davon hängt es ab, wie der Rest der Fahrt verläuft. Freundlich, ruhig, mit gegenseitigem Respekt. Oder in den unterschiedlichsten Eskalationsstufen…

Und eines ist sicher: Einer meiner nächsten Urlaube wird mich nach Großbritanien führen. Ich denke da an eine Rundreise durch die verschiedenen Länder. Und dort wird sich sicherlich das bestätigen, was ich inständig hoffe: Dort werden mir ganz viele überaus nette Menschen über den Weg laufen. So wie es auch in jedem anderen Land der Welt der Fall wäre.

Nur weil man uns hierhin die schlimmsten Menschen des Königreichs vor die Nase setzt, sind Rückschlüsse auf die ganze Nation noch lange nicht legitim.

PS: Das gleiche gilt übrigens für Studenten, Borchener, Höxteraner oder Taxifahrer. Nur weil ich gelegentlich die schlimmen Auswüchse von Gruppenmitgliedern beschreibe, hab ich nicht gleich ein schlechtes Bild von allen aus der Gruppe.

Okay, bei den Borchenern schwanke ich noch… :D