Abzug der Briten?
Die Nachrichten klingen alarmierend: welt.de berichtet am umfassendsten, via Google gibt es auch noch jede Menge andere Quellen.
Unsere Lokalzeitungen sind zumindest online noch ohne Meinung, auf nw-news.de (Neue Westfälische) gibt es immerhin einen Satz dazu in einem Artikel über die hohe Beliebtheit unserer heimischen Kasernen bei den Briten: “Unterdessen wird in Großbritannien ein Abzug der Rheinarmee erwogen.”. Ah, ja. Danke.
Sollten also die konservativen Tories im Mai die Wahl gewinnen (was momentan auch wahrscheinlich ist), will der vermutlich kommende britische Verteidigungsminister Dr. Liam Fox die britischen Truppen aus Deutschland abziehen. Nicht etwa vorrangig zurück auf die Insel. Die Soldaten sollen lieber direkt und ohne Umweg in den Krieg nach Afghanistan geschickt werden.
Nun, die meisten Soldaten, die wir hier so im Taxi haben, sind sowieso nur auf der “Durchreise”. In Paderborn-Sennelager ist eine der modernsten (vor einiger Zeit noch für Millionen auf den neuesten Stand gebracht) Simulationsanlagen zum Training der Kampfeinsätze.
Mit anderen Worten: Die Jungs schaukeln hier nicht nur die Genitalien, sondern verbessern schlicht auch Ihre Überlebenschancen im Kriegseinsatz. Und ein gutes Training dürfte auch dabei helfen, die Opfer auf der “Gegenseite” niedrig zu halten. Dumpfes Geballer kann man natürlich auch ohne vernünftige Schulung…
Ich halte diese Meldungen für reines Wahlkampfgepolter. Es ergibt einfach wenig Sinn, einerseits einen Krieg und eine Wahl gewinnen zu wollen und andererseits die Wähler und ihre Kinder als Kanonenfutter zu verheizen.
Es wird sicher noch viel Wasser die Themse (oder auch die Pader, da natürlich etwas weniger) runterlaufen, bis der hiesige Standort tatsächlich aufgegeben wird. Solange Großbritanien noch Krieg führt, mache ich mir keine gesteigerten Sorgen.
Würde es allerdings so kommen, wäre dafür nur ein Wort sinnvoll:
Katastrophe!
Die britische Army ist einer der größten Arbeitgeber der Region, gerüchteweise der drittgrößte. Und indirekt sind noch viel mehr Arbeitsplätze in Gefahr. Natürlich an erster Stelle (wir sind hier ja im Taxi-Blog!) die Taxifahrer. Vermutlich wären ohne Briten in Paderborn die Hälfte der Kollegen akut bedroht.
Aber auch Hotels, Gaststätten, Supermärkte, Döner- und Burgerläden, Bowlingbahnen, Glasereien … würden einen Großteil ihrer Kundschaft verlieren. Ganze Wohngebiete wären entvölkert.
In vielen anderen Städten würde man versuchen, die Auswirkungen zumindest abzumildern. Aber Paderborns Politik-Laiendarsteller der CDU-Seilschaften sind schon bei einfachen Bauprojekten überfordert. Freibad, Eisbahn, Stadion, Müllverbrennungsanlage, diverse Brückensanierungen, Bahnhofstraße, $WeitereBeispiele.
Kurz, die können nichts und selbst das nur bruchstückhaft. Wenn die Briten als Wirtschaftsfaktor wegfallen, wird es sehr, sehr dunkel hier…
24. November 2009 um 07:16 (Quote)
Hallo,
die Engländer werden immer zusammen mit den Amis, ihre Demokratie mit Waffengewalt durchsetzen, mach Dir also keine Sorgen…
Ausserdem, mit Krieg kann man Geld verdienen.
Gruß Arne
24. November 2009 um 09:04 (Quote)
“Glasereien” *g*
Schön!
24. November 2009 um 09:09 (Quote)
Naja, ganz so schlimm wird es nicht werden. Die Tories wollen keinen kompletten Abzug, sondern andere Natomitglieder sollen die Standorte der Briten übernehmen (man muss doch aufpassen, dass Deutschland nicht den 3. Weltkrieg anfängt *g*)
“New Nato member states from eastern and central Europe, particularly Poland, should take over Britain’s commitments in Germany, he added.”
http://www.guardian.co.uk/uk/2009/nov/20/tori...
24. November 2009 um 09:20 (Quote)
Ich denke die Stützpunkte der USA und Briten sind in Deutschland nicht nur aus dem Grund der Ausbildung für Auslandseinsätze sondern auch zur Überwachung unseres Landes. Wir wissen ja alle das wir bereist 2 von 2 Weltkriege begonnen haben, da wird uns wohl kaum noch jemand blind vertraun auch wenn jetzt eh ganz andere Zeiten gekommen sind. Also keine Angst so blöd sind die nicht das sie eine hochmoderne Kaserne schließen, gerade in Deutschland werden die so etwas erhalten wollen.
24. November 2009 um 10:18 (Quote)
In Osnabrück sind die doch auch komplett abgezogen. Vielleicht geht das ja so weiter…
24. November 2009 um 10:24 (Quote)
Wenn die Briten in Paderborn wirklich abgezogen werden dann möchte ich kein Hausbesitzer bzw. Vermieter sein weil dann der komplette Wohnungsmarkt in Pb zusammenbricht.
Du schreibst das die die Kasernen zu teil mit Millionen auf den neusten Stand gebracht haben, ich meine aber das davon der großteil aus deutschen Kassen kommt. Die Kasernen und die meisten Häuser (auf jeden Fall die älteren davon) die von den Britischen Soldaten plus Familien genutz werden gehören ja eigentlich dem Bundesanstalt für Inmobilienaufgaben und werden den Britischen Streitkräften günstig vermietet oder kostenlos zur Verfügung gestellt.
Naja Deutschland hat halt zumindest für die Amis einen großen Vorteil das es eine perfekte Zwischenstation für ihre einsätze sind sei es der Irak oder Afghanistan liegt quasi in der mitte von denen gesehen.
Naja das größte Problem wenn die Thomys weggehen ist eigentlich nicht die Probleme die du beschrieben hast sondern WAS passiert oder WER nimmt die mädels mit nach hause die im Moment ihre abnehmer im Savoys finden oO
24. November 2009 um 11:06 (Quote)
Hier in Osnabrück wurde die ehemals größte Garnison außerhalb Großbritanniens anfang dieses Jahres aufgelöst. Die ganzen negativen Begleiterscheinungen werden nach und nach sichtbar.
Die lokale Wirtschaft leidet drunter (von wegen Umsatz wurde nur im NAAFI gemacht), die Arbeitsplätze der Zivilangestellten haben sich zum größten Teil in Luft aufgelöst, sehr viele der Unterkünfte für Verheiratete mit Familie sind noch nicht verkauft und fallen dem Vandalismus zum Opfer, bzw. verkommen größere Wohnblöcke zu Ghettos.
Davon ab fehlt natürlich auch etwas mit den Briten, was weit über ein halbes Jahrhundert zum Stadtbild gehörte. Egal wie abfällig sich hin und wieder manch einer über sie geäußert haben mag – unsere britischen Freunde fehlen hier definitiv…
24. November 2009 um 11:21 (Quote)
Hm hier wäre es wohl ähnlich wen die Amis abziehen würden. Sind ja hier in der Umgebung einige große Kasernen.
Aber die bauen fleißig weiter für die nächsten 4000 Soldier
Also zur Not, komm hier her, dann kannste Amis rumfahren
24. November 2009 um 12:17 (Quote)
Ich sehe es so, wie du, Torsten oder Parkrocker…. Der Abzug wäre wirtschaflich gesehen eine Katastrophe. Besonders hier bei mir in Herford, denen es eh schon nicht so besonders gut geht.
24. November 2009 um 12:40 (Quote)
Hier ist auch alles voller Amis im weiteren Umfeld. KL, HD, MA, die Städte bzw Stadtteile leben von denen, ich will gar nicht wissen, wie es ohne die Amis aussähe.
Also bevor du arbeitslos wirst, kommst du hier runter (oder zu DeserTStorm, wobei der ja auch hier in der Gegend wohnen könnte)
24. November 2009 um 14:54 (Quote)
Vermutlich wären ohne Briten in Paderborn die Hälfte der Kollegen akut bedroht. << Du nicht? Obwohl, du wirst wahrscheinlich eine hohe Stammkundenquote haben.
24. November 2009 um 17:37 (Quote)
Ja ja! Da wird immer auf die Soldaten geschimpft, und wenn sie dann gehen sollen, ist’s auch nicht recht!
@ Alf: Naaahaa?! Hat da jemand im Geschichtsunterricht nicht richtig aufgepasst?
24. November 2009 um 17:53 (Quote)
In der “Berliner Zeitung” stand das auch gestern. Ganz logisch klang das nicht, was die Tories da erzählten; es klang nur wie verlautbart, um die politischen Gegner zu provozieren. Allerdings sind in Berlin die (westl.) Alliierten bereits im Sommer 1994 abgezogen.
Wenn man selbst nicht betroffen ist, kann man gar nicht einschätzen, was so ein Abzug “auf dem flachen Lande” so zu bedeuten hat. Andererseits: Der 2. WK ist über 60 Jahre vorbei; mit welcher konkreten Rechtfertigung sollte das immer so weitergehen?
Daß in Asien von westl. Armeen (seit Jahren) Krieg geführt wird, halte ich persönlich für einen Riesenskandal. Zumal es keinerlei nachvollziehbare Begründung für einen solchen Angriffskrieg gibt. Insofern mutet Ihre Bemerkung, solange der Krieg andauert, sei alles o.k., etwas seltsam an; aber ich vermute, sie ist lediglich der Situation in Paderborn und der Sorge über die Zukunft geschuldet.
24. November 2009 um 18:05 (Quote)
Anfang 90. Der Eiserne Vorhang ist weg. Die Amis ziehen aus Bremerhaven ab.
Wirtschaftlich gesehen auch eine mittlere Katastrophe. Bremerhaven ging/geht es da eh nicht gut. Da haben die Amis mit ihren Abzug eine merkliche Lücke hinterlassen, von der sich die Stadt durch neue Ideen erst langsam erholt hat.
Die Szenemeile und Dissen wurden nach dem Abzug deutlich leerer.
Die Wohnungen hingegen waren heißbegehrt, da gute Lage.
Kulturell wurde es etwas ärmer, da die Amis hier auch sehr viel wert auf Verständigung zwischen Deutschen und ihnen gelegt haben und bei vielen Veranstaltungen selbst aktiv dabei waren. (Persönlich erinnere ich mich da sehr an den sommerlichen Jahrmarkt bei dem sie gegenüber vom eigentlichen Festgelände auch zig Buden hatten, die gefühlt beliebter waren als die einheimischen). Dazu natürlich der fehlende private Umgang mit ihnen.
Taxen und Amis. Hat man deutlich gemerkt, als sie plötzlich weg waren. Die Zahl der Taxen hat sich hier meines Wissen seitdem halbiert. Was natürlich auch an der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage liegt. Aber die Amis haben da trotz allem ein sehr grosses Loch gelassen.
Mir persönlichen fehlen die Jungs dann einfach auch ein wenig. Gar nicht mal nur des Geldes wegen.
(Und bei manchen Schlägereien wünsch ich mir ein bissen die MP zurück)
24. November 2009 um 20:25 (Quote)
Werden wir jetzt alle sterben?
24. November 2009 um 22:05 (Quote)
unsere russischen “freunde” sind auch schon lange weg;
wird langsam zeit, dass alle besatzungstruppen (sic!) abrücken.
exterritoriale gelände auf unserem staatsgebiet, gefangenentransporte (nein: verschlepptentransporte), grossflächige geländeverseuchungen, wer braucht das?
die dran verdienen offensichtlich. kollaborateure also.
and now: diss me and feed my troll
24. November 2009 um 23:24 (Quote)
Ahm, Kollaborateure sind in meinem Sprachverständnis Leute, die aus eigenem Profitdenken mit einem Feind zusammenarbeiten. Ich möchte da auch mal glatt behaupten, die Meisten setzen den Begriff mit eben jenen Leuten gleich, die während des WWII mit den Deutschen zusammengearbeitet haben.
Ich mag mir da jetzt kein Urteil bilden, wie es mit den Russen in Ostdeutschland war. Hier im Westen zumindest wurden die Alliierten nach kurzer Zeit schon als Befreier vom NS-Regime akzeptiert und wurden allgemein als befreundete Staaten und Völker angenommen.
Und auch wenn mir nicht alles passt, was vor allem Amiland in jüngster Zeit politisch so veranstaltet hat, sehe ich sie ganz bestimmt nicht als Feind an, sondern insgesamt als Freunde.
Von daher finde ich den Begriff Kollaborateure reichlich vermessen.
25. November 2009 um 03:05 (Quote)
@Vito: Für einige Mädels im Savoy könnte ich mich ja eventuell opfern.
@jemand: Ich halte mich für eine Untermenge der Menge “Kollegen”. Natürlich muß auch ich darum bangen, daß im Falle eines Abzuges mein Job (in der jetzigen, für mich perfekten Form zumindest) in Gefahr ist.
@MaxiMegalon: Meine Meinung zu den Kriegen “unserer” Briten hab ich schon häufiger kundgetan, da liegen wir nicht ganz weit auseinander. Und natürlich habe ich mich hier nur auf wirtschaftliche und (deutlich versteckter) menschliche Belange beschränkt.
Kurz noch zu den “großflächigen Geländeverseuchungen”: Der Truppenübungsplatz Senne wird von den NATO-Ländern gern und ausgiebig für Panzer- und Artillerieübungen verwendet.
Und merkwürdigerweise ist es ein sehr gern und in großer Zahl genutztes Refugium für viele heimische Tierarten. Und sonderlich verseucht sieht es nicht aus, wenn im Morgengrauen eine dreistellige Anzahl Wild vor mir im Scheinwerferlicht auftaucht. Die Kombination Naturschutzgebiet und schwere Waffen scheint also einigermaßen zu funktionieren.
25. November 2009 um 06:30 (Quote)
Der Penny Markt gegenüber der Kaserne , da wirds dann mau aussehen , sehr mau :\
25. November 2009 um 15:00 (Quote)
Oh man dann bricht ja im Bad Lippspring Zum Strothebach auch das geschäft ein.
25. November 2009 um 21:31 (Quote)
Na ja – wenn hier schon alle so begeistert über die wirtschftlichen Vorteile sind, wird man auch Unfallärzte und Autowerkstätten nicht vergessen dürfen.
Dass vor einigen Jahren ein Offizier – war es nicht sogar der Chef? – der Militärpolizei von Taxifahrern(!) dabei beobachtet wurde, wie er über Autos gelaufen ist; dass man, wenn man den falschen Briten im falschen Augenblick getroffen hat, noch Glück hatte, wenn es ambulant zu behandeln war; dass bei alledem nie zu erfahren war, was die britische Militärgerichtsbarkeit dagegen für angemessen hält – schon erstaunlich.
25. November 2009 um 23:19 (Quote)
Die Probleme resultieren ja eigentlich nicht aus dem Abzug alleine. Die Probleme resultieren aus der Naivität und dem Scheuklappenblick in Politik und Wirtschaft über Jahrzehnte hinweg.
Da feiern wir 20 Jahre Mauerfall und Dt. Einheit, aber in den 20 Jahren schafft es niemand mal planungstechnisch langfristig zu denken und Alternativen auf zu tun.
“Wie lange macht es noch Sinn das die ‘Westmächte’ hier noch bleiben und was kommt dann?” – Diese Frage hat sich doch niemand gestellt.
In Lippstadt wurde die Schließung der Bundeswehr-Kaserne in Lipperbruch über Jahre vor sich her geschoben. Immer wieder ein Aufatmen in den Medien/Politik/Wirtschaft wenn Bonn/Berlin es wieder verschob. Jetzt ist die Bude ein paar Jahre dicht und man weiß abschließend immer noch nicht was man mit dem Gelände macht. Ein Investor nach dem anderen kommt in Finanzierungsnot.
26. November 2009 um 22:09 (Quote)
Na ja, ein paar Überlegungen für danach gibt es schon, z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Senne#Zukunft