Die schlimmste Nachtschicht des Jahres!

Ich hab ja zum Glück dieses Jahr nichts zu tun mit der Silvesterschicht. Aber ich kenn den Mist ja noch aus den letzten Jahren…

Vor Mitternacht passiert so gut wie nichts. Langeweile pur, weil jeder per Fahrgemeinschaft oder so ähnlich zur Party kommt.

Dann ist es Mitternacht und der Stress geht los. Bis um 1.00 Uhr hat sich die Wartezeit für die Kunden auf mindestens eine halbe, eher eine volle Stunde summiert. Die meisten (Konkurrenz)-Zentralen legen den Hörer daneben, was die Sache für die Unternehmen, die noch kundenfreundlich erreichbar sind noch verschärft. Spätestens ab 2.00 Uhr klingelt das Telefon dann im Minutentakt, die Wartezeiten verlängern sich auf 2-3 Stunden.

Die Konsequenz für uns Fahrer: Extrem angepisste Kunden! Was wiederrum dazu führt, daß die Trinkgelder extrem mies ausfallen. Natürlich (und zum Glück) gibt es ein paar Ausnahmen.

Diejenigen, die so lange auf uns warten, haben dann fantastische Tipps wie: “Da müsst Ihr mal mehr Autos auf die Straße schicken!”.

Ach, wie blöd von uns. Da stehen doch tatsächlich noch dutzendweise Taxen rum an der Zentrale… Wenn wir nur gewusst hätten, daß Silvester erhöhter Kundenandrang ist!? Mensch, warum sagt ihr uns das denn nicht schon ein paar Tage vorher!

Ernsthaft: Natürlich ist heut Nacht alles unterwegs, was Räder und einen einigermaßen zurechnungsfähigen Fahrer hat. Mehr geht nicht. Sorry!

Ein weiteres Ärgernis an Silvester sind die “Multi-Besteller”. Einfach alle erreichbaren Zentralen anrufen. Wer zuerst kommt, kriegt die Fahrt. Diejenigen, die später anfahren kriegen nen “Hals”. Super! Zu späterer Stunden gehen so gerne auch mal 20-30% der bestellten Fahrten in die Wicken. Das erhöht massiv die Wartezeiten für die anderen Kunden und den Frustlevel der Fahrer. Thanks, Assholes! Wenigstens absagen sollte drin sein. Alternativ einfach nur eine Zentrale ordern oder wenigstens beim Gastgeber für jedes vergeblich vorfahrende Taxi die “Anfahrt” hinterlegen. In Paderborn kostet das Wegschicken eines bestellten Taxis 5,– Euro, den doppelten Grundtarif (ist in der örtlichen Taxiordnung geregelt, wird also je nach Landkreis/Stadt variieren).

Ein eher kurzfristiges Ärgernis sind heute übrigens die Volldeppen, die der Meinung sind, Knallkörper müsse man unter vorbeifahrende Taxen schmeißen.

Bleibt als Fazit: extrem unentspannte Fahrgäste, kaum Trinkgelder, Megastress zwischen 1.00 und 5.30, Umsätze wie an nem guten Samstag (weil sich da auch vor Mitternacht was tut), Sprengstoff in Kinderhänden, …

Also, wenns nach mir geht: Nie wieder!

PS: Wer heut Nacht trotzdem fährt muß allerdings kein Masochist sein. Vielleicht hat sein Chef auch einfach angedeutet, daß in Zukunft die guten Schichten bevorzugt an die Fahrer vergeben werden, die auch dann da sind, wenns keinen Spaß macht.

15 Antworten zu “Die schlimmste Nachtschicht des Jahres!”

  1. dwdb sagt:

    Yoahr, so wars bei uns auch, absolut keine Chance nen Taxi zu bekommen. Und das selbst um 5Uhr nicht. Naja, hatten Glück, ist noch nen Nachtexpress gefahren (um 5Uhr oO) also noch gut nach hause gekommen.

    Busfahrer hat dann das Trinkgeld bekommen, noch nen schönen abend gewünscht und nun glücklich zuhause. :)

    :: dwdb

  2. Budenzauberin sagt:

    Fast OT:

    Lieber Torsten, ich wünsche Dir für 2006 viele spannende, interessante und nur hin & wieder mal langweilige Fahrgäste. Und natürlich das Übliche: Gesundheit und so. ;-)
    Und einen Platz in Deinem Terminkalender für weitere Paderblogger-Treffen!
    Lieben Gruß

  3. Tina sagt:

    Noch “lustiger” ist es auf dem Land, wo es gefühlte 3 Taxis gibt. Da muß man im Juli reservieren.
    Wünsche einen guten Start ins neue Jahr!

  4. Alex sagt:

    Da war ich mit dem Sprinter in der Nacht noch gut dran. Kein lästiger Funk mit minütlichem “Wo bist du? – Wann bist du da? – Wo wirst du frei? – Meld dich dann…”
    Sondern ab 19.00 Uhr losstarten, die Feierwilligen wegbringen und ab Mitternacht einladen und fahren (und wenn ich mal Lust habe, auch mal ‘ne Zentralfahrt machen ;-) ) Aber um 7.00 Uhr morgens waren dann die meisten “Straßenstreuner” zu Hause. (Obwohl: ein Kollege hat am 01.01.2006 um 21 Uhr den letzten Feierwütigen nach Hause gefahren…)

  5. Thorsten sagt:

    In FFM morgens um 3 Uhr nach 5-10 Minuten ein Taxi gekriegt und günstige 56 Euro gezahlt :)

    Allerdings war das Taxiunternehmen aus Oberursel dagegen richtig bescheiden und hat selbst die ältesten und kaputtesten Hütten als Fahruntersatz zur Verfügung gestellt, die wohl nicht durch den TÜV gekommen wären :/

  6. Yvonne sagt:

    Am Freitag vorbestellt, leider waren schon alle Taxis zwischen 2 und 4 weg… Also sind wir um 5 gefahren und stellten fest, dass auch Taxifahrer nicht alle Straßen kennen ;)
    Übrigens, wieviel Trinkgeld gibt man eigentlich?

  7. Flo sagt:

    Wir hatten nachdem uns unsere Gäste so um 3Uhr verlassen haben noch das dringende Bedürfnis, in die Innenstadt von Stuttgart rein zu fahren. Wir sind einfach mal auf gut Glück zur Hauptstrasse vorgelaufen und haben dann sogar nach 10 min ein vorbeifahrendes Taxi heranwinken können. Sind bei 14,30 eigentlich 70 Cent genug Trinkgeld? Bin schon seit mindestens 10 Jahren nicht mehr mit nem Taxi gefahren.

  8. taxiblog.de » Blog Archive » Trinkgeld? sagt:

    [...] Im Beitrag “Die schlimmste Nachtschicht des Jahres!” kam mal wieder die Frage nach dem angemessenen Trinkgeld auf… [...]

  9. Carsten sagt:

    Ein frohes neues Jahr allen Lesern und vielen Dank an meine Kunden in
    “Der bessten Nachtschicht des Jahres”.
    Fahre seit drei Jahren jede Silvesternacht und es hat sich jedesmal gelohnt. Die meisten haben Verständnis das es nach Mitternacht etwas länger dauert und sind froh wenn sie endlich ein Taxi bekommen, was einigemale bis zu 5 Euro Trinkgeld brachte. Bei vielen fröhlich feiernden Menschen und nur wenige Volltrunkenen, hält man auch bis morgens um 8.00 Uhr durch um alle nach Hause zufahren. Ein Glücksfall ist auch das wir in Rostock nur eine Zentrale haben.

  10. The Big Easy sagt:

    Mmmh, sehr merkwürdig und ich kann deine Ausführungen so gar nicht nachvollziehen.

    Also wenn man in Kassel fährt, dann lohnt sich eine Silvesterschicht schon und wenn man gut ist, schaft man locker das doppelte einer sehr guten Samstagnachtschicht.

    Hier gibt es genug Kollegen, die gerne mal eine solche Schicht des Umsatzes wegen übernehmen.

    Und man ist doch als Fahrer lieber am Fahren und wird dadurch Nachts wachgehalten, als einsam im Auto, am Halteplatz auf den nächsten Auftrag zu warten und dann in einem Wach/Schlazustand zu sein, der auch auch Verkehrstechnisch nicht so wirklich toll ist.

    Du bist eigentlich der erste Taxifahrer, den ich kenne (und ich kenne viele) der die Silversternachtschicht in dieser Art sieht. Und dabei denke ich nicht, dass es einen größeren Unterschied bei Silvester zwischen Kassel und Paderborn gibt.

  11. Torsten Bentrup sagt:

    @Carsten + The Big Easy: Schön, daß es woanders auch anders laufen kann. Vielleicht ist der Unterschied, daß ich für eine Zentrale fahre, die sehr gut zu tun hat (im Vergleich zu andern TAXI-Unternehmen). Da sind einfach die Wochenendschichten fast immer so gut, daß kaum mehr Umsatz zu machen ist… Mehr Stress und unzufriedene Fahrgäste leider schon.

    Nur eine Zentrale zu haben ist allerdings an solchen Tagen ein absoluter Volltreffer. Hier ist alles so zersplittert, daß zuviel Leerfahrten/-kilometer anfallen. Das nimmt schon ein wenig Potenzial.

  12. der Nachtfalke sagt:

    Gut, daß ihr im Westfälischen nicht wißt, was Karneval ist!
    DAS ist wirklich Stress!!! Weil sämtliche Fahrgäste vom 14jährigen Mädchen bis zum 80jährigen Alzheimerer ausnahmslos strunzbesoffen und aggressiv sind. Und zwar fünf Tage lang!!!

  13. seit1984 sagt:

    Ja toll – natürlich müssen die Funkaufträge der Zentrale gefahren werden. Fehltouren im übrigen auch.

    Aber wenn die Verantwortlichen einer Mittelstadtzentrale so dämlich sind, am Sylvester zwischen 1.00 – 4.00h die Vermittlung aufrecht erhalten zu wollen und die Fahrer die Touren auch noch annehmen, dann ist keine Hilfe mehr möglich.

    Also – Funk aus und fahren und fahren und fahren. Und jede Menge dankbare und guten Tip gebende Fahrgäste an ihr Ziel bringen.

  14. Torsten Bentrup sagt:

    @seit1984: Ich finde es wichtig, daß die Stammkunden des ganzen Jahres auch an Hochlasttagen bevorzugt bedient werden. Das geht natürlich auf die Umsätze an diesen Tagen… Aber aufs Jahr gerechnet lohnt es sich.

  15. ch33p sagt:


    Gut, daß ihr im Westfälischen nicht wißt, was Karneval ist!
    DAS ist wirklich Stress!!! Weil sämtliche Fahrgäste vom 14jährigen Mädchen bis zum 80jährigen Alzheimerer ausnahmslos strunzbesoffen und aggressiv sind. Und zwar fünf Tage lang!!! ”
    najaaaaa ich weiß nicht ob man das jetzt so verallgemeinern kann. der alkoholpegel ist zwar hoch, aber andererseits geben die die noch nciht völlig hacke sind dafür bestimmt mehr trinkgeld und sind doppelt gut drauf.

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