Taxifahren in München

Die Dienste der dortigen Kollegen haben wir auch reichlich in Anspruch genommen. Fast 70 Euro hat es insgesamt gekostet, vier Fahrer hab ich kennenlernen dürfen.

Ich hab da ja so meine Vorurteile, empirisch bestätigt durch ziemlich unterirdische Erfahrungen in Frankfurt: Je größer die Stadt, desto anonymer der Fahrer und desto niedriger die Hemmschwelle, die Fahrgäste abzuzocken. Und Orts- und Deutschkenntnisse sind bei Großstadtfahrern auch tendenziell eher etwas schwächer ausgeprägt.

Und in München? Nix da! Alle Fahrer sprachen hervorragendes Hochdeutsch (in Bayern!) und waren perfekt ortskundig. Lediglich auf der Rückfahrt gab es einen Minischnitzer, der den Gesamteindruck geringfügig gedrückt hat. Trotz dezenten Hinweises meines ortskundigen (der wohnt schließlich dort) Mitfahrers wurde am Ende ein Umweg von rund einem Kilometer gefahren. Naja, sowas zieht man dann halt vom Trinkgeld ab und alle sind zufrieden! :D

Die Fahrweise war übrigens bei allen “getesten” Fahrern absolut okay. Keine eklatanten Regelverstöße, keine Hektik, sehr angenehm!

So ist München dann in meiner Ministichprobe von drei Fahrten ganz knapp am “perfekt” vorbeigeschrammt.

Am letzten Tag wollte ich dann noch eine vierte Fahrt machen. Es sollte vom Hauptbahnhof, Taxistand Arnulfstraße, zum Deutschen Museum gehen. Meine Telefon-Applikation sprach von 3,1 Kilometern per Auto. Kurz überschlagen und entschieden, daß ich bereit bin, dafür 10 Euro hinzulegen.

Aber ich bin ja vorsichtig und ortsunkundig, deshalb hab ich den Fahrer vorher gefragt, ob er damit hinkommt. Er war der Meinung, daß ich eher mit ein paar Euro mehr rechnen solle. Nahm ich ihm nicht übel, aber die Straßenbahn erschien mir dann doch das wirtschaftlichere Wahl zu sein.

Vielleicht lag er mit seiner Schätzung auch deutlich besser als ich, ich kenne ja nicht die eventuellen Baustellenumleitungen oder elend langen Ampelrotphasen. Und zu allem Überfluß: Grad mal auf dem Desktop-PC die Route berechnen lassen und GoogleMaps kommt jetzt auf 4,2 Kilometer.

PS: Über eine kurze Mail eines Münchener Kollegen würde ich mich freuen. Ich hab da eine kleine Frage, die ich ungern öffentlich stellen würde.

PPS: Natürlich wäre es wünschenswert, aber auch unrealistisch, wenn alle Kollegen dort so wie von mir erlebt wären. Natürlich gibt es auch die Ausnahmen, die von einigen Kommentatoren gestern schon angesprochn wurden. Bei grob geschätzt 5.000-10.000 Fahrern in München wird es immer schwarze Schafe geben. Da sollte man als Fahrgast auch nicht zögern, die Fahrt abzubrechen und das nächste Taxi zu nehmen. In krassen Fällen sollte man auch nicht vor einer Beschwerde bei der Taxizentrale oder gar einer Anzeige zurückschrecken.

15 Antworten zu “Taxifahren in München”

  1. Anapäst sagt:

    abgesehen von allem…
    mich würde interessieren wie du dich vom taxi verabschiedet hast als es deinen preisvorstelungen nich entsprach.

  2. Anapäst sagt:

    preißvorstellungen, hölle noch eins.

  3. Anapäst sagt:

    ach es wird nicht besser :(

  4. Torsten Bentrup sagt:

    Preisvorstellungen? ;)

    Normal freundlich halt. “Dann schau ich doch lieber mal nach der Straßenbahnhaltestelle. Tschüß!”

    Es schien ihm jetzt aber auch nichts auszumachen. Er war auf der Pole Position an einem gut laufendem Taxistand, die Wagen gingen im Minutentakt weg. Und vermutlich war meine Fahrtstrecke auch eher unterdurchschnittlich…

  5. nica sagt:

    Mach mal nen Test in Berlin… lol!

  6. Madame Unkreativ sagt:

    Tja… wenn die Hochdeutsch sprechen, SIND es Ausländer :-) Zumindest für bayerische Verhältnisse (wen interessiert schon, was nördlich der Donau ist?)
    Die meisten sprechen ziemlich böses Kauderwelsch, wenn sie glauben, Hochdeutsch zu sprechen. Das taugt bestenfalls dazu, sich kaputt zu lachen.
    PS: Vom Bahnhof zum dt. Museum kann man auch recht bequem laufen und sieht noch was von der Stadt ;)

  7. Fabian sagt:

    Auf der Strecke vom Taxistand Arnulfstraße bis zum Deutschen Museum sind derzeit 2 richtig furchtbare Baustellen, die die Fahrzeit richtig erhöhen, dazu noch die chronisch überlastete Kreuzung am Stachus mit ihrer dämlichen Schaltung für Rechtsabbieger und zudem mindestens 11 Ampeln auf der gesamten restlichen Strecke. Da wäre der Fahrpreis wohl tatsächlich deutlich über 10 € gegangen. Finde ich ja super, dass der Taxifahrer so ehrlich war und du so positiv von den Kraftdroschkenlenkern in meiner Heimatstadt redest. :)

  8. DeserTStorM sagt:

    Und haste dich zu erkennen gegeben? Wäre doch mal lustig wenn so ein Fahrer aus München wenn er bei dir ist, dich bewertet :-)

  9. Konzertheld sagt:

    vom Bahnhof zum Museum kann man auch laufen ;) sind tatsächlich etwa 4km… dauert natürlich etwas und man sollte n Stadtplan oder jemand Ortskundiges dabei haben, aber dann geht’s ganz gut. Taxi… tse :D

  10. Tiffy sagt:

    Toll, deine Berichte. dir hat München also sehr zugesagt? Vielleicht könntest Du auch noch einmal vom Deutschen Museum berichten, ist dort vieles modernisiert worden? Und Garmisch-Partenkirchen, ups, Wiki meint, die haben gar keine Stadtrechte, gefällt dir auch?

  11. Mapaed sagt:

    Moin moin,
    mein erster Gedanke bei “wie vom Hauptbahnhof zum Deutschen Museum kommen” war:
    Nehm die S-Bahn bis Isartor. Bis die 18er Trambahn bis zur Haltestelle “Deutsches Museum” gefahren ist (von wo es sowieso ca. 200 m bis zum Eingang des eigentlichen Museums ist) … da ist man die ca. 500 m vom S-Bahnhof bis zum Eingang Museum schneller gelaufen als ein “Oberflächengebundenes Verkehrsmittel” (aka Taxi/Auto) nach den Kriterien Schnelligkeit und Preis es schaffen kann.

    Okay, diese Info kommt vielleicht ein paar Tage zu spät … ;-)

    Freut mich aber sehr wenn und dass Du ein erlebnisreiches und sehr erfreuliches Wochenende in meiner Stadt/München hattest.

    Und trotzdem … mich würde die Paderborner Sicht auf das Einserl/Stüberl/P1 interessieren … ;-)

  12. Torsten Bentrup sagt:

    @nico: Ja, ich hab davon gehört. Und man hört wenig Gutes (alle Taxiblogger sind natürlich die wohltuenden Ausnahmen).

    @Madame Unkreativ: Es war für ostwestfälische Ohren schon eine deutlich “südländische” Sprachfärbung zu hören. Klang aber sehr sympathisch, vielleicht waren es doch keine echten “Eingeborenen”.

    @Fabian: Mit der Information kann ich mich Dir nur anschließen. Dann waren alle vier Fahrer sehr kundig und freundlich. 99% perfekten Job gemacht, das ist schon grandios in unserer Branche.

    @DeserTStorM: Nicht als Blogger, aber als Taxifahrer. Und ich fände es auch toll, wenn wirklich mal ein Kollege den “Torsten-Test” macht!

    @Konzertheld: Ich hatte 6 Stunden Zeit und noch keine Ahnung, wielange ich für das Deutsche Museum so brauche. Es fehlte also an Zeit und auch an Ortskunde.

    @Tiffy: Das war die kleine Schattenseite. Ein paar recht aktuelle Ausstellungen waren mit großen Sponsoring-Hinweisen versehen und dort wurde dann auch gerne mal anhand der Produkte des Sponsors irgendwas erklärt… Und einige der “Mitmach-Exponate” waren schlicht kaputt. Es scheint also ein bißchen das Geld zu fehlen. Empfehlenswert war es trotzdem!

    @Mapaed: Stimmt, die Info kommt zu spät. War aber nicht so schlimm, die Straßenbahnfahrt ging auch recht zügig.

    Tja, vielleicht wirds ja nächstes Mal was mit dem P1!

  13. Alf sagt:

    Ich hatte bisher in München auch nur gute Erfahrungen mit Taxen. Wobei das in anderen Ortschaften schon ganz anders aussah. Und nein in Paderborn bin ich noch nicht gefahren :-P

  14. Reinhold sagt:

    Da vernachlässigt man mal ein paar Wochen die Taxiblogger… und was passiert? Torsten kommt nach München. Sogar an meinem Lieblingsstand Bahnhof Nord warst du. Hätte ich das gewusst, hätte ich dich gerne gefahren.

  15. Andreas sagt:

    Wir sind neulich mit einem Taxi gefahren. Sonntag morgens um 1 Uhr. Nach ca. 10 Minuten Fahrt merkt meine Freundin, hinten sitzend, dass es unter ihr feucht wird. Sie fühlt, schaut, schnuppert – sitzt mitten in einer Kotzelache. Und der Fahrer meint daraufhin “ach ja, das müssen die vorherigen Fahrgäste gewesen sein”. Nichts von Reinigung, Rabatt oder so. Dann ist er auch noch einen 2km Umweg gefahren.

    Es gibt auch schwarze Schafe in München.

    Bei der Streckenführung sind übrigens nicht alle Taxifahrer so 100% fit hier in München, aber die meisten lassen sich dann auch auf die gewünschte Route ein.

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