Oder ein Kaninchen!
Ich hab ja in jedem der drei großen Taxiunternehmen vor Ort eine absolute Nachtschicht-Lieblingskollegin, mit der ich auch privat öfter was unternehme. Sehr praktisch bei gemeinsamen Aktivitäten, würden alle bei uns fahren wäre das kaum ohne Verrenkungen in der Personalplanung möglich.
Eine davon ist natürlich schon bei uns. Und die ist so ungefähr der liebste Mensch der Welt. Einfach durch und durch gut, jede Art von Lüge, Betrug oder so bereitet ihr schon fast körperliches Unbehagen.
Als Teenager wurde sie mal von der Mutter (geändert, TB) nach ihren Weihnachtswünschen gefragt, ihre Antwort war:
“Den Weltfrieden… Oder ein Kaninchen!”
Und eben diese Kollegin fuhr letzte Nacht auch. Eine Tour vom “Ox” ins Ükern-Viertel, die Kneipe “Monokel” sollte das Ziel des Briten sein.
Ich hörte sie am Funk:
“Mist, jetzt ist er mir abgehauen, ich fahr mal ein bißchen durchs Ükern und schau, ob ich ihn noch irgendwo sehe!”
Ich war nur ein paar hundert Meter entfernt:
“Mach keine Dummheiten! Ich bin sofort da, dann schauen wir gemeinsam!”
Sie gibt mir die Fluchtrichtung durch und eine kurze Beschreibung.
“Der müsste Dir entgegenkommen.”
Tat er nicht, aber in einer Seitengasse konnte ich ihn gehen sehen, leider entgegen der Einbahnstraße. Glücklicherweise aber schnurstracks zu meiner neuen Lieblingsdisco “Mango”. Als er dort grade verschwinden will komme ich mit quitschenden Reifen dort an. Während ich rausspringe, rufe ich schon den Türstehern zu:
“Festhalten, der Typ ist ohne zu bezahlen geflüchtet!”
Tja, die Jungs waren auf Zack und haben ihn aufgehalten. 10 Sekunden später war die Militärpolizei da, wenig später auch die deutschen Kollegen.
Da wird vermutlich nicht viel bei rumkommen aber es ist einfach auch wichtig, den Idioten zu zeigen, daß sie nicht immer mit sowas durchkommen. Es spricht sich hoffentlich auch in den Kasernen schnell rum!
Die Stunden vergingen, es war eher ruhig. So wie immer, wenn Feiertage dafür sorgen, daß die Partyleute sich auf mehrer Tage verteilen.
Draußen begann es langsam hell zu werden, ich bringe ein paar Soldaten zur Barker-Kaserne, kassiere, trage die Fahrt auf meinem Fahrtenzettel ein und will langsam wieder losrollen. Da kommt ein Brite mit Rucksack auf mich zu:
“Can you bring me to the airport? The airport in Dortmund?”
Hmm, kurz nachdenken. Eine 100-km-Tour, fast ausschließlich freie Autobahn. Zu einem Festpreis, der nichtmal 10 Prozent unterm Tarif liegt. Mit nem netten Fahrgast, der auch gerne laute Musik hört. Und ich bin auch noch genau passend zum Feierabend zurück!
Besser gehts nicht.
Und da schließt sich dann auch wieder der Bogen zur Kollegin. Einer ihrer Lieblingslebensweisheiten ist nämlich:
“Wenn man Gutes tut, bekommt man das irgendwann doppelt und dreifach zurück!”
Ich ergänze das gerne noch mit “…und sei es auch nur, weil man damit die Welt ein klitzekleines bißchen besser macht!” Ja, manchmal bin ich ein ekelhafter Idealist.
Das das Schicksal sich aber so direkt für meine “heldenhafte” Hilfe bedankt, ist dann doch eher ungewöhnlich. Könnte ich mich aber dran gewöhnen!
13. Juni 2009 um 10:23 Trixi(Quote)
Das ist doch mal eine richtig gute Geschichte, daß man manchmal diese Herrschaften, die meinen abhauen zu können, wieder an den Wickel kriegt.
Mir ist das ja bis jetzt zum Glück noch nicht passiert, daß mir welche direkt abhauen wollten.
Eher war’s dann mal ein Gezeter, weil das Geld dann am Schluß nicht gereicht hat und ich dann dem Geld „hinterherlaufen“ mußte, allerdings mit Schuldanerkenntnis.
Was eher mal bei mir passiert ist, daß ich Leute nach ein paar hundert Metern und ein paar Euro auf der Uhr rausschmeiße ohne daß ich sie zwinge zu zahlen … Lieber keine streßige Fahrt als den paar Kröten nachschielen
13. Juni 2009 um 13:26 krustyDC(Quote)
Karma…Ich empfehle dir dringend “my name ist Earl” zu schauen
13. Juni 2009 um 13:32 Aro(Quote)
10 Prozent unter Tarif? Ist das nicht ziemlich schlecht? Immerhin fährst Du ja leer wieder zurück. Ich muss jedenfalls pro Kilometer außerhalb 1,50 EUR nehmen, Befehl vom Chef.
13. Juni 2009 um 17:47 Torsten Bentrup(Quote)
@krustyDC: Kenn ich, liebe ich!
@Aro: Knappe 10 Prozent (Nachlaß, TB) sind bei uns 1,50 Euro
Letztendlich finde ich allerdings den Umsatz pro Stunde deutlich wichtiger als den Umsatz pro Kilometer. Die Kosten steigen deutlich langsamer als die Umsätze, d.h. wenn die Fixkosten erstmal eingefahren sind (was manchmal ganz schön schwer ist) wird danach mit jedem Kilometer gutes Geld verdient.
Du würdest Dich übrigens erschrecken, was manche kleinen Unternehmen hier für “Schweinepreise” bei Fernfahrten anbieten, das geht dann teilweise runter auf einen Euro, wenn der Chef selbst am Steuer sitzt.
13. Juni 2009 um 18:24 Aro(Quote)
Oh, dann nehmt Ihr pro Kilometer also 15 EUR? Ganz schön hohe Preise habt Ihr…
13. Juni 2009 um 19:42 Blogolade(Quote)
Torsten, Danke dass du wieder bloggst!
Ich habs scheinbar mal wieder ein paar Tage verschlafen, dafür habe ich gleich die Overdose bekommen.
13. Juni 2009 um 19:55 Stephan535(Quote)
So, jetzt alle Einträge seit dem 06.06 nachgelesen und ich weiß sofort wieder, warum ich hier so gerne mitlese! Klasse, danke!
13. Juni 2009 um 20:34 Ly(Quote)
krustyDC hats schon geschrieben, egal:
DAS ist Karma wies im Buche steht
Geil sowas.
@ Aro: bei euch in Berlin läuft das bissel anders als in der Regel in der “Provinz”. Die Leerkilometer zurück interessieren die Kunden nicht, sie wollen unter Uhrpreis fahren, ihr habt sie da echt besser erzogen
Preisverhandlungen für ausserhalb laufen auch bei uns gerne auf max – 10% raus, damit kann der Chef noch leben. Wer drunter will, wird, wenn alle kollegen mitspielen, nicht dafür gefahren. Je nach geschicktem Verhandeln freut sich unsereins, wenn er auf Uhr fährt.
14. Juni 2009 um 02:40 Konzertheld(Quote)
Hach is das schön wieder hier lesen zu können, war schon irgendwie schade, nach dem komplett durchlesen nicht live weiter machen zu können
Schön, dass dir ab und zu auch mal sowas positives passiert. Für mich ist das dann immer n Grund, doch weiterhin Optimist zu bleiben, auch wenn’s manchmal n bisschen weltfremd ist =)
14. Juni 2009 um 07:00 Torsten Bentrup(Quote)
@Aro: Verdammt, Du bist ja schlimmer als Cheffe mit seinem absichtlichen Mißverstehen! Ich schreibs gleich mal um!
@Konzertheld: Mir passiert tatsächlich fast ausschließlich positives oder zumindest neutrales. Es lässt sich nur leider selten in Blogform pressen, ohne das es langweilig, überheblich oder doof klingt.
Ein Beispiel, vorhin erlebt. Zwei sich äusserst verdächtig verhaltende Fahrgäste nach $Ausserhalb. Unterwegs haben sie sich in irgendeiner osteuropäischen Sprache unterhalten und hätten da problemlos zum Überfall oder zumindest Abhauen ohne zu zahlen verabreden können. Und am Ziel noch der Spruch: “Moment, ich muß grad noch Geld aus dem Haus holen!”.
Ich hab wirklich Angst gehabt, unterwegs unauffällig die Taxibörse von fast allen Scheinen (incl. P-Schein
) bereinigt und mein Handy auf “Videoaufnahme” laufen lassen. Bilder hätte es nicht gegeben, aber zumindest der Ton hätte im Falle eines Falles helfen können.
Und dann kommt der Geldholer wieder und bezahlt mit gutem Trinkgeld. Schön für mich, der Adrenalinpegel konnte wieder zurückgefahren werden. Aber wollt Ihr wirklich lesen: “Verdächtige Russen gefahren, nichts passiert. Alles toll!”?
14. Juni 2009 um 14:19 Aro(Quote)
Ach Mööönsch, so wars ja nicht gemeint…
17. Juni 2009 um 00:49 ednong(Quote)
Feiertag? Was gab es denn für einen Feiertag vor ein paar Tagen? Hab ich da gearbeitet, ohne zu merken, dass ich hätte gar nicht müssen?
Ja, ist wirklich schön, wieder was aktuelles lesen zu können. Danke dafür.
17. Juni 2009 um 10:44 M.One(Quote)
Fronleichnam wars.
Nicht überall ein Feiertag, aber natürlich in black PB.
18. Juni 2009 um 15:34 Pina(Quote)
es gibt schon diese “gute tat getan und belohnt worden..” tage…nur das positive fällt einem natürlich auch dann extrem auf, wenn einem schon etwas mieses passiert ist. Aber Optimismus sollte man immer beibehalten…
5. Oktober 2010 um
[...] hat sich meine Lieblingskollegin einfach mal bedanken wollen. Neben der Karte gab es ein paar geniale, selbstgenähte Taschen als [...]