Kaffee-Krise in Paderpukistan

Okay, “Lampukistan” klingt deutlich besser… ;)

Nichtsdestotrotz hat sich die Lage an der hiesigen Kaffee-Front deutlich zugespitzt. Bisher gab es zwei konkurrierende Tankstellen an der Bahnhofstraße, eine T-Tanke und eine von den Blauen.

(Bitte weiterklicken, weils mal wieder länger geworden ist)

An der T-Tanke war die Sache ganz einfach. Wenn die Nachtschicht um 22.00 Uhr kommt wird eine separate Kaffeemaschine angeschmissen und bis morgens nicht mehr ausgeschaltet. Die Tankstelle wurde (soweit ich weiß) noch nie nachts überfallen, obwohl sie (auch das eine große Ausnahme) fast nie den Nachtschalter benutzen. Irgendein Taxifahrer ist eigentlich immer da und wer will schon Zeugen bei einem Raubüberfall.

Zwei nette Nebeneffekte gibt es für den Pächter auch noch: Die meisten Kollegen tanken dort und bei Alkohol-Besorgungsfahrten ist die Tankstelle auch erste Wahl. Sowohl Sprit als auch die Shopartikel sind zudem noch deutlich günstiger als bei der Konkurrenz. Win-Win-Situation nennt das der BWLer wohl.

Jahre später, die Blauen haben groß umgebaut und wollten das Modell kopieren. Zu jeder Tages- und Nachtzeit bekam man frisch gebrühten Kaffee für kleines Geld. Wieviel man bezahlte war allerdings auf merkwürdige Weise sehr schwankend. Offiziell gab es den “Taxifahrerkaffee”, ein kleiner Becher für 1 Cent (der wohl eher für die Buchhaltung wichtig war) und “Busfahrerkaffee” für 65 Cent, das war dann der große Becher. Welchen Preis man für welche Grüße zahlen sollte, war allerdings kaum vorhersehbar, zumindest der große Becher hatte einige unterschiedliche Kurse zwischen 0 und 65 Cent.

Ich hab übrigens immer den Busfahrerkaffee genommen. Schon allein, weil ich den Preis absolut in Ordnung fand. Als “Schutzgebühr”, aber auch weil die tatsächlichen Kosten bei diesen Hightech-Vollautomaten sicher nicht sehr viel niedriger sind.

Vor einer Woche, mein Becher stand schon unter der Maschine und wurde befüllt, wurden dann plötzlich 80 Cent aufgerufen. Begründung: Es hätte soviele Taxifaher nur Kaffee dort geholt und nicht getankt. Ja, wirklich. Man beschwert sich über die Nichttanker. Bei der mit Abstand unattraktivsten Warengruppe, am Sprit wird so rund 1 Cent pro Liter vom Pächter verdient.

Eine normale Taxi-Schicht dürfte also einen Vorsteuergewinn von 10-20 Cent durch das reine Tanken erwirtschaften. Und Busfahrer tanken üblicherweise wohl an eigenen Säulen, da klappt die Logik erst recht nicht.

Aber was solls, soll jeder seine Prioritäten setzen, wo er will. Wäre es mein Laden, würde ich Taxifahrern einen kleinen Rabatt auf Shopartikel einräumen. Da wird das Geld verdient und neben den Besorgungen kaufen wir ja auch ab und zu für uns selbst ein.

Jetzt sind 80 Cent natürlich immer noch ein nettes Angebot. Ich war also gestern wieder am frühen Abend dort und bestellte meinen Maxibecher.

Sie füllt meinen Becher und nennt den Normalpreis.

“Ähem, ich wollte schon die Taxifahrervariante.”

“Ja, ist schon richtig so. Es gibt keine Rabatte mehr. Die Taxifahrer haben hier nicht getankt.”

Ah ja, auch gut. Irgendwie hätte ich es nur gerne vorher gewusst. Wenn ich mich gleich zweimal innerhalb weniger Tage getäuscht fühle, ist es halt sehr schwierig, weiterhin Sympathien für eine Tankstelle zu empfinden.

Nun, meine Kunden freuen sich seitdem, wenn ich Ihnen die deutlich günstigere T-Tanke empfehle. Die 20 Cent Mehrkosten fürs Taxi hat man bei der ersten Dose Bier schon eingespart.

Aber eine Tankstelle macht ja noch keine Krise. Auch an der TT gab es in den letzten Tagen gravierende Änderungen.

Den kostenlosen Kaffee gibt es nur noch für Vor-Ort-Trinker, der Becher zum Mitnehmen kostet jetzt unglaubliche 20 Cent! Ich bin erschüttert! Nee, Quatsch. Das ist mehr als okay, es erleichtert auch die Trinkgeldgabe. :D

Katastrophal wurde die Lage erst, als am Sonntag die Kaffeemaschine kaputt ging. Eine ganze Nachtschicht lang gab es gar keinen Taxikaffee! Immerhin läuft der Nachschub seit letzter Nacht wieder. Übergangsweise allerdings nur aus einer kleinen Haushaltsmaschine, 10 Minuten für drei Männerbecher… Die kaputte Maschine war eher die Café-Variante mit Zweikannensystem, da konnte schon Nachschub produziert werden, während die erste Kanne noch halbvoll war. Traumhaft.

Die “gute” Maschine ist übrigens (wie ich aus zuverlässiger Quelle erfuhr) umgehend nach dem Defekt zur Reparatur gebracht worden. Dafür und für alles andere hier auch mal öffentlich ein Riesenlob an die Pächter, Familie Hoffmann. Schön, daß es Euch gibt!

PS: Muß ich eigentlich noch erwähnen, daß an der T-Tanke die Mitarbeiter schon seit Jahren dort beschäftigt sind (und es keine Freundlichkeitsausfälle gibt) während bei den Blauen ständig neues Personal angelernt wird? Im aktuellen Personalbestand dort gibt es exakt eine nette Mitarbeiterin, die ist allerdings zugegebenermaßen ein echter Sonnenschein und Grund zum wiederkommen.

17 Antworten zu “Kaffee-Krise in Paderpukistan”

  1. hans sagt:

    Hallo,
    was ich nun nicht verstehe, ist dass die freie Tankstelle nicht immer die erste Anlaufstelle war, sondern die Blaue.

    Aber wirklich wichtig ist das auch nicht ;)

    Gruss,
    Hans.

  2. Torsten Bentrup sagt:

    Ganz einfach: Meine Nachtschicht beginnt früher als die an der T-Tanke, zwischen 18 und 22 Uhr waren die Blauen günstiger.

  3. TorstenW sagt:

    Jaja, sowas kenn ich auch… Hier bei uns ist letztes Jahr unter anderem deswegen ein Pächter einer großen Tankstelle (die gelben…) pleite gegangen. Erst gabs tagelang keinen Kaffee, dann sollte ein kleiner Becher auf einmal statt vorher 60 Cent direkt 1,50 € kosten.

    Das hat ihn fast das komplette Nachtgeschäft gekostet, denn nichtmal 200 m weiter gibt es ne JET-Tanke, dort kostet der Taxi-Kaffee nach wie vor 50 Cent, die “normale” Variante 80 Cent – und der schmeckt auch noch deutlich besser, als der Kaffee der Konkurrenz!

    Und wo die Kollegen ihren Kaffee kriegen, sogut wie alle Shop-Artikel auch billiger sind, dort tankt man natürlich auch… Und wie Du richtig schreibst, empfiehlt man natürlich auch den Kunden, zu dieser Tanke zu gehen bzw. fahren!

  4. Mario sagt:

    “…ein echter Sonnenschein…”

    Send Pix!

  5. computerfuzzi sagt:

    “Sympathie für eine Tankstelle” .. Nett :) .. Hoffentlich wird da mehr draus als nur kuscheln ;) ..

  6. Micha sagt:

    Gab es diesen Taxifahrertarif denn schon immer bei euch?
    Ich habe als Student ein Jahr lang einmal die Woche an einer Shell-Tanke gearbeitet, ebenfalls Nachtschicht. Bei uns (wie auch bei den anderen Tanken des gleichen Pächters) gab es nur den Standardkaffeetarif für alle.

  7. Mexxwell sagt:

    @Micha:
    Wie lange es den Taxikaffe-Tarif nun gibt weis ich nicht, aber am Bahnhof ist dieser schon länger gebräuchlich, z.B. vergünstigter Kaffe für Taxi- und Bus-Fahrer am Kiosk.

    @computerfuzzi:
    Mit ner Tankstelle kann man nicht kuscheln.

    Zu den Pächtern der T-Tanke kann man einfach nur erwähnen, dass die Hoffmanns echt nette Menschen sind, was sich auch auf ihre Mitarbeiter überträgt.

  8. tobsen sagt:

    warum nimmt man als taxifahrer nicht einfach eine thermoskanne voll kaffe mit zur nachtschicht!? Oo

  9. Kaffeetrinker sagt:

    @Tobsen: Also, meine Thermoskanne ist ganz toll, hält den Kaffee warm und was weiß ich nicht noch alles. Aber zur Hölle, man kann keine Gespräche mit ihr führen.

  10. Anke W. sagt:

    gabs beim restaurant zum goldenen m nicht auch taxifahrerkaffee?

  11. Stefan sagt:

    Wo ist denn die T-Tanke in Paderborn?

  12. Kein To sagt:

    Einfach mal versuchen von den Drogen runterzukommen.

  13. Mexxwell sagt:

    @Anke W.:
    Das war einmal.

    @Stefan:
    An der Bahnhofstraße .

    @Kein To:
    Kaffee ist für Nachtschicht-Taxifahrer ein Grundnahrungsmittel, und keine Droge.

  14. Tom (Purzelpfund.de) sagt:

    Na da bin ich doch mal froh, dass ich Kaffeelos glücklich bin und ohne den braunen Trunk nicht in ein Entzugsloch falle.

  15. Ecki sagt:

    Also auch ohne Kaffee-süchtig zu sein, genieße ich die Pausen an der T-Tanke, da man mal aus dem Taxi kommt, mit Kollegen quatschen kann und auch etwas zu essen bekommt!

    Lieber “Kaffeetrinker”, dass man mit seiner Thermoskanne nicht sprechen kann, hättest du ja auch mal eher sagen können, ich dachte meine sei beleidigt!!! :)

  16. Idriel sagt:

    Mal völlig OT (Trinke weder Kaffee noch habe Anspruch auf Taxifahrerkaffeetarif…):
    Danke für den Lacher des Tages wegen “Lampukistan”. Wie Antonia Rados mir eben Live berichten konnte, werden daraus innerhalb der nächsten Minuten immer wieder kleinere Kicherkonflikte entstehen, die Barodscheff als Rechtfertigung für einen Angriff auf kleinere Dörfer verwendet.

    Und nun zum Sport, wie immer mit Ulrike von der Groeben!……

  17. nightcab sagt:

    Kommentar zum *naechsten* Eintrag:

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    achja, sche*ss Proxy…

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