Saure-Gurken-Problem

Perfektes Timing von Mike eigentlich, ich wollte eh schon länger über das Thema schreiben.

Sein Kommentar zu meinen Telefonproblemen:

“Ist doch überall dasselbe ….

Man wird nur noch beschi****!”

Das Schlimme daran: Es stimmt. Natürlich nicht in der Absolutheit “nur noch”, aber die Chance ist in nahezu jeder Branche ziemlich hoch geworden.

“Da Käufer oft ein Gut nur schwer beurteilen können, werden sie im Durchschnitt weniger zahlen als sie zahlen würden, wenn es nur gute Güter gäbe – sie stellen sich darauf ein, eine „saure Gurke“ zu erwischen. So werden langsam die Anbieter mit hoher Qualität und hohem Preis verdrängt, weil niemand bei ihnen kauft. Es werden anteilig mehr „saure Gurken“. Die Beseitigung der sog. Informationsasymmetrie ist eine Lösung.”

Quelle: Wikipedia Saure-Gurken-Problem

Die Lösung lt. letztem Satz sieht der Autor in Gütesiegeln und anderen vertrauensbildenden Maßnahmen.

Auch in unserem Gewerbe gehen Taxizentralen in Großstädten einen ähnlichen Weg. “Service-Taxi” oder “Plus-Taxi” nennen sich diese Gütesiegel. Um z.B. in Köln als Service-Taxi geführt zu werden, muß man einen ganzen Forderungskatalog erfüllen: www.taxiruf.de.

Das Konzept funktioniert wohl, diese Fahrzeuge werden häufig ausdrücklich bestellt und bringen den zertifizierten Unternehmen durchaus Mehrumsätze.

Ich halte nicht viel davon. Das Problem sind die Bedingungen:

Fahrzeuge dürfen nicht älter als 5 Jahre sein
Gutes Raumangebot im Fahrzeug
Klimaanlage
Optisch und technisch einwandfreier Zustand
Kreditkarten-Akzeptanz
Ausführen von Rechnungsfahrten

Genauso wie die Anforderung “Hemd und Kravatte” keine angenehme Taxifahrt garantiert, sind z.B. unserer (und damit meine ich jetzt ausdrücklich das Unternehmen, für das ich fahre) Hauptzielgruppe die ganzen Dinge völlig egal. Nice to have, aber wenn eh bar gezahlt wird, ist Kreditkarten oder Rechnungsfahrtakzeptanz kein Entscheidungskriterium. Und nebenbei: Mein Dienstwagen ist 4-mal so alt wie “erlaubt”.

Viel wichtiger sind die schwer meßbaren Kriterien, wie sie unter “Service-Verhalten” aufgeführt sind.

Fahrgäste freundlich begrüßen
Türen aufhalten
Kofferraum be- und entladen
auf Wunsch beim Gepäcktransport behilflich sein
Rücksichtnahme auf das unterschiedlich intensive Gesprächsbedürfnis des Gastes
rücksichtsvolles Fahren

Dafür braucht man aber eigentlich keine Schulungen, sondern die richtigen Fahrer. Schließlich sind das alles Selbstverständlichkeiten für jeden, der seinen Job gut erledigen will.

Leider gibt es eine Regel im Gewerbe, die bisher immer eingetreten ist. Sobald ein Unternehmen größer wird, findet man nicht mehr genug gute Fahrer.

Einer der Gründe, warum ich mit meinem “kleinen” Arbeitgeber so zufrieden bin. Zwei Wagen, vier Fahrer incl. Cheffe und alle kommen bei den Kunden so sympathisch an, daß unsere Telefonnummer schon als “Geheimtip” weitergereicht wird.

Und das ist hundertmal mehr wert als jedes Service-Siegel.

29 Antworten zu “Saure-Gurken-Problem”

  1. Tiffy sagt:

    Bei gerade einmal zwei Fahrzeugen drängt sich mir die Frage auf: Kann der Chef wirklich davon leben oder müssen wir uns sorgen machen, er könnte auch mal verhungern?

    Fünf Jahre hört sich nach einer sehr kurzen Lebenszeit an, diese Forderung ist doch sicher gemacht worden, um den preisgünstigen Dacia Logan als Taxi populär zu machen.

  2. sir sagt:

    @sauregurken
    grad erst im netdigest gelesen:
    “Der Deutsche – eine arme Sau. Überall wird er heute abgezockt. Abzocke
    bei Internet-Geschäften, beim Jahresvertrag mit dem Fitness-Studio, beim
    Gebrauchtwagenkauf sowieso. Vor der Tür lauert der Mann von der GEZ, als
    Patient wird man über den Tisch gezogen [...]. Kein anderes Volk fühlt
    sich rund um die Uhr so grundsätzlich, systematisch und von innen heraus
    betrogen wie das deutsche.”

    (“Abzocke”. In: Hecht, Martin: Deutsche Unarten. Frankfurt am Main:
    Eichborn 2007, S. 24-26)

    msg-id:

  3. Mario sagt:

    Also mal ehrlich: Wenn ich die Wahl habe, zwischen einem Taxi, Baujahr 2003 und einem Baujahr 1988 dürfte für mich das Ergebnis der Wahl klar sein! Dein alter Schüttler mag ja toll und zuverlässig sein, aber ob die Sicherheitsmerkmale noch alle funktionieren? Naja…

  4. Torsten Bentrup sagt:

    @Das klappt tatsächlich nur, wenn man nicht alle 5 Jahre einen Neuwagen auf den Hof stellt und die Reparaturen möglichst selbst erledigt (wie mein Cheffe). Wenn dann noch Autogas getankt wird, reicht es sogar, um seine Fahrer ordentlich zu bezahlen. Du brauchst Dir keine Sorgen zu machen.

    Dacia Logan: Ürgs. Von drei Exemplaren, die hier als Luxusmietwagen laufen (lacht nicht, die nehmen tatsächlich 1,80 pro Kilometer, 20 % über dem teuersten Taxitarif hier) ist eines bereits “Geschichte”. Bei dem Unfall wurden alle 6 Fahrgäste verletzt, der Fahrer war der einzige ohne Verletzungen.

    @sir: Meine Überschrift hätte auch lauten können: “Wie aus schlechten Erfahrungen eine Erwartungshaltung erzeugt wird, die gute Anbieter unter Druck bringt (und letztendlich vom Markt entfernt).”

    @Mario: Eine durchaus legitime Wahl für die erste Fahrt. Wenn Du Pech hast, fährt Dich einer von den schlechten Fahrern. Irgendwann lernst Du einen Fahrer kennen, der Dir positiv auffällt. Und vermutlich ist es Dir dann egal, mit welchem Auto er vorfährt.

    Und sei es auch nur, weil der gute Fahrer so fährt, daß die Sicherheitseinrichtungen gar nicht erst getestet werden müssen. Lieber kein Unfall mit 0 Airbags als einen Innenstadtcrash mit 100 km/h und 20 Airbags.

  5. Sebastian sagt:

    Dass Du besser bist als die meisten Taxen, das nehme ich dir gerne ab. Auch für mich gehört Qualität, Freundlichkeit und allgemein guter Service einfach dazu, wenn ich mit Menschen arbeite (bin allerdings noch Student, so als Disclaimer).

    Aber: Dieses Taxi-Qualitätssiegel ist doch einfach nur der Versuch, Taxifahrer, für die selbige Qualität keine Selbstverständlichkeit ist, auf den Pfad der Tugend zu bringen.

    Es gibt sicher auch hunderte Einzelhändler, die dich nicht bescheissen, und bei Qualitätssiegeln sagen “Warum denn? Für mich ist Qualität eine Selbstverständlichkeit!”. Und dann bleiben sie auf ihren Produkten sitzen, weil keiner weiss, dass er für sein Geld dort wirklich Qualität kriegt, und alle kaufen weiter beim Discounter.

    tl;dr: Wenn Du Taxi-Qualitätssiegel nicht für nötig hältst, darfst Du dich auch nicht beschweren, wenn Du in anderen Branchen die Qualität nicht mehr findest. ;)

  6. Torsten Bentrup sagt:

    @Sebastian: Eigentlich ist meine Aussage, daß Qualitätssiegel keine Garantie für einen guten Gegenwert fürs Geld bieten. Genausowenig sind ungesiegelte Unternehmen pauschal schlecht.

    Schlecht finde ich den auch in unserer Branche zunehmenden Zwang, sich einer solchen Aktion anzuschließen.

    Wenn Unternehmen nicht mehr auf Lieferantenlisten stehen dürfen, weil Sie z.B. eine Zertifizierung nach ISO 9000 ( http://de.wikipedia.org/wiki/ISO_9000 ) für unnötig halten. Auch dann, wenn sie seit Jahrzehnten zuverlässig und qualitativ einwandfrei produzieren und liefern.

    Zurück zu Taxisiegeln. Du hast natürlich recht, daß es jede Menge Kollegen gibt, denen das Wohl des Kunden egal ist.

    In einem Markt wie Paderborn ist das noch in den Griff zu kriegen. Das größte Taxiunternehmen hat knapp über 20 Fahrzeuge, alle Unternehmen in Paderborn werden auch direkt von den Inhabern auch geführt. Da werden die schlimmsten Fahrer recht frühzeitig erkannt und aussortiert (bzw. landen dann irgendwann in einem Unternehmen, das eh wg. der bekannt schlechten Fahrer kaum angerufen wird).

    Bei großen Gemeinschaftszentralen, an denen Taxen von Dutzenden oder gar Hunderten Unternehmen vermittelt werden, führt kaum ein Weg um klar definierte Servicegrundsätze herum. Da ergibt auch ein offizielles Verfahren Sinn.

    Für mich ist der Königsweg die persönliche Empfehlung.

  7. trillian sagt:

    Wichtig bei einem Taxiruf ist mir, dass in der Zentrale jemand ans Telefon geht und nicht erst beim dritten Versuch und nach dem zwanzigsten Klingeln. Und ein nicht nach Schweiß miefender Fahrer, der auch den direkten Weg fährt.

  8. test sagt:

    in leipzig haben wir dsa gleiche problem. eine taxigenossenschaft schult ihre fahrer auf service und annehmlichkeiten und verlangt dafuer 150 €. abzocke, wenn man bedenkt, dass tueraufhalten usw. erstens eh gängier service ist und zweites sich schon aus reiner hoeflichkeit ergibt.

    wer so etwas grundsaetzlich nicht macht, hat im dienstleistungssektor nix verloren. und was interessiert mich wie alt das fahrzeug ist? hauptsache ich komm ans ziel :-)

  9. Sebastian sagt:

    @Torsten

    Gut, dann hatte ich dein Posting missverstanden; Ich dachte (warum auch immer) es ginge darum, dass Du einerseits Qualitätssiegel zwar gut fändet (wegen der häufigen Abzocke), aber selbst keins tragen willst.

    Was ISO 9000 angeht stimme ich dir zu: Ich bin Student der Softwaretechnik, wo auch viel Softwaremanagement gelehrt wird; Als wir mal zum Thema ISO 9000 kamen, hat unser Dozent gemeint, ISO 9000 hiesse hauptsächlich jede Menge Papier und null Verbesserung. Ein Softwareunternehmen kann komplett ISO 9000-zertifiziert sein und immer noch Müll liefern. Wir sollen uns lieber an althergebrachte Qualitäts-Standards halten. ;)

    Und das ist auch in der realen Welt relevant. Viele Softwarefirmen aus Indien sind ISO 9000-zertifiziert (sonst hätten sie auf dem westlichen Markt gar keine Chance), und liefern trotzdem Müll, wie ich aus erster Hand erfahren habe.

    Persönliche Empfehlung schlägt eh meist alles. Deshalb sind doch die Amazon-Kommentare so beliebt. :-D

  10. fonsing sagt:

    Du scheinst in Köln noch nicht Taxi gefahren zu sein, denn dann wüßtest Du wie dringend notwendig die Initiative eigentlich ist.

    Hier haben wir alles: kölscher Krat, der mit 80 mobiltelefonierend durch die Innenstadt brettert (Freisprecheinrichtung? Pah! Das Ding gehört ans Ohr!), Inder ohne Deutschkenntnisse, die beseelt lächelnd wider alle Einbahnstrassen fahren und hartnäckig entsprechende Hinweise ignorieren, Kollegen, die für ein Fahrt Friesenplatz-Hauptbahnhof (Luftlinie 400 m.) das Navi anschalten wollen und, und, und.
    Tür aufhalten, Koffer in den Kofferraum hieven, Kindersitz dabeihaben oder nachts bei der Ablieferung einer Dame warten, bis diese in der Haustür ist, ist sowieso Fehlanzeige. Aus Prinzip: Wo kumme mer denn dahin ….

    Auch sehr unschön: die drei unaufgeklärten Vergewaltigungen in Taxen in den letzten 3 Jahren. Das sich viele Fahrer nicht an Suche nach dem Täter beteiligt haben mit den Argument , der gehört nicht zu uns/ist sicher von auswärts/ war bestimmt nur als T-Fahrer verkleidet war leider auch irgendwie zu erwarten.

    Aus dem Grund habe ich letztens mal ein Servicetaxi bestellen wollen:
    Einziges Manko: Wartezeit > 1 Sunde ist die Regel. So wird das also nichts

    Gut also, dass man die Nummern seiner bevorzugten Fahrer im Handy hat. Denn zum Glück gibt’s auch die Korrekten und Netten. Leider sind die (zumindest hier in Köln) nicht in der Überzahl.

  11. phoenix sagt:

    Ich habe auch mal ein Taxi bestellt, wo es nach Zigaretten gestunken hat wie in der kleinsten Einraumkneipe (wunderbares Wort). Wenn ich es nicht so eilig gehabt hätte, wäre ich sofort wieder ausgestiegen und hätte ein neues Taxi bestellt.
    Nur so zum Thema: Höflichkeit/Kundenfreundlichkeit ist doch selbstverständlich.

  12. Ben sagt:

    Nennt man solche Gütesiegel in der freien Wirtschaft nicht “Marken”?

    Jeder weiß doch: ein no-name Produkt ist oft billig und Schrott, ein Markenhersteller kann sich zu viele Aussetzer nicht erlauben.

    Um ein Marken-/Qualitätssiegel-Taxi zu haben muss die Latte sehr hoch gelegt werden. wenn jeder (ohne Kravatte) rein käme, dann wär’s nichts besonderes mehr.

    Lasst es also den Markt selbst regulieren, er weiß was am besten für ihn ist ;)

  13. Lars K. sagt:

    t

  14. Polly Oliver sagt:

    Als ich in Stettin (Polen) studiert habe, sind wir oft Taxi gefahren, weil es einfach saubillig ist. Da ist es so, wenn man ein Taxi anruft, geht das per Handy nur, wenn die Nummer angezeigt wird. Ist das Taxi dann da und es steht keiner draußen, wird man angerufen. Das fand ich nicht schlecht, wenns kalt und nass ist muss man nicht draußen warten (wir haben im Studentenheim gewohnt, da ist nix mit Klingeln) und der Taxifahrer musste auch nicht so lange warten.
    Was allerdings den Zustand der Taxen angeht… Wenn man Anschnaller hatte, war das ein Glücksfall. Es ist auch schon passiert, dass das ganze Taxi nach Kotze gestunken hat (nicht von uns) oder der Fahrer bei Eis und Schnee mit fast 100 Km/h über Kopfsteinpflaster gebrettert ist…
    Und sie versuchen natürlich, die doofen Deutschen übers Ohr zu hauen. Man sollte schon vorher ungefähr wissen, was die Strecke kostet, sonst kommen sie einem mit absurdesten Preisvorstellungen…
    Ich hab schon mehrmals nen Fahrer ausgelacht, wenn er 30 Zloty (fast 9 €) für eine Strecke, die sonst 12 Zloty (3,5€) kostet, wollte.
    Aber eins war in Polen und ist auch hier in Budapest selbstverständlich. Wenn ich als Frau mit einer schweren Tasche komme wird sie mit immer aus der Hand genommen und in den Kopperraum getan und mir auch die Tür aufgehalten.

  15. xeder sagt:

    beruflich bedingt fahre ich recht häufig taxi, und das nicht nur in europa. worauf es mir ankommt:
    1) fahrer legt das gepack in den kofferraum
    2) taxi ist innen sehr gräumig
    3) taxi ist innen und aussen sehr sauber und stinkt nich
    4) taxameter ist vorhanden und wird auch eingeschaltet
    5) fahrer fährt keine umwege
    6) kreditkarten werden akzeptiert
    7) klimaanlage vorhanden

  16. Beifahrer sagt:

    @xeder

    “5) fahrer fährt keine umwege”

    Das ist ja immer ein Problem in fremden Städten, man weiß es einfach nie genau.

    In New York haben viele (alle?) Taxen einen Bildshirm, wo per GPS der aktuelle Aufenthaltspunkt angezeigt wird. Ist zwar als solches ganz nett aber ohne die projezierte Rute zu kennen, nützt auch das nicht wirklich viel.

    In der Regel ist es doch eher Glückssache, ob man an einen guten Fahrer gerät oder nicht – jedenfalls wenn man nicht zu Hause unterwegs ist.

  17. anonym sagt:

    Es ist ja durchaus richtig, daß die “weichen” Faktoren beim Taxi stimmen sollten. Ich war und bin recht häufig als Fahrgast mit dem Taxi unterwegs. Wenn der Fahrer nicht nur einfach höflich und nett ist, sondern man sich mit ihm sogar noch über ein beiderseitig interessierendes Thema unterhalten konnte, dann bleibt das im Gedächtnis. Andererseits “beeindruckt” aber auch, wenn man bereits beim Hinsetzen der Rückbank anmerkt, wie altersschwach der Wagen ist, oder man bei genauerem Hinsehen in den Türritzen den alten Dreck sieht. Insofern wäre also ideal, wenn beides stimmt: das Verhalten des Taxifahrers und das Equipment.
    Was in der Großstadt auch noch wichtig ist: Nicht nur gute Ortskenntnis, sondern auch aktuelle Informiertheit des Fahrers. Denn von Zeit zu Zeit – besonders wenn man es eilig hat und/oder oft dieselbe Strecke fährt – erlebt man es, daß einen der Taxifahrer geradewegs in einen Stau fährt (von der Baustelle wußte er überhaupt nichts), obwohl es bessere Wege gegeben hätte.

  18. Bust sagt:

    Ich hätte da noch einen Eintrag zum Plus-Taxi:
    - Umweltbewusstsein des Fahrers.

    Ich arbeite in einem Konzern mit ca 2500 Mitarbeitern wo auch sehr häufig internationale Besucher zu Gast sind, die dann per Taxi zum Hotel/Flughafen gebracht werden.
    Jeden Tag geh ich an den wartenden Taxen vorbei. Dabei ist mir letztens aufgefallen, dass alle drei Wagen, die da warteten den Motor laufen ließen, aber kein Fahrgast weit und breit zu sehen war.
    So hoch können die Spritpreise ja nicht sein – oder kriegt man bei stehendem Motor kein Geld? Ich denke mal, dass die die Taxameter beim warten auch laufen lassen, wenn die Fahrgäste zum abgesprochenen Zeitpunkt noch nicht da sind…

  19. BRV-Christian sagt:

    Also sobald mein Chef bei mir einen EC/Kreditkartenleser einbaut kündige ist.
    Warum? Ganz einfach: Dann wird das Trinkgeld reduziert auf nahe null, weil alle nurnoch den genauen Betrag per Karte zahlen.

  20. Kurt sagt:

    Ich weiß zwar nicht aus eigener Erfahrung, ob ein “Service-Taxi” besser ist als ein normales Taxi, aber gerade bzgl. der weichen Faktoren muss man sagen, dass es Werbung mit Selbstverständlichkeiten ist. Und Gütesiegel bei Produkten sind fast immer zweifelhaft, abgesehen von vielleicht Stiftung Warentest. Die meisten Leute haben nicht ansatzweise eine Ahnung, welche Kriterien bei der Bewertung verwendet werden, finden es aber trotzdem gut. Nicht selten steht eine Lobbyorganisation der Branche dahinter oder ein “unabhängiges” Institut, weshalb mich beim Einkauf diese Siegel nicht interessieren. Die beste Werbung für ein Produkt (und für den Wiederkauf) ist immer noch das Produkt selbst.

    Ansonsten kann ich “fonsing” oben nur Recht geben mit Köln. Wenn man Glück hat, findet man jemanden, der deutsch spricht (oder wenigstens kölsch). Ortskenntnis scheint auch nicht relevant zu sein für den Taxi-Schein (klar, dass man in einer großen Stadt nicht jede Straße kennen kann, aber zumindest die Gürtel und Lage der Stadtteile sollte man kennen) und Freundlichkeit eher hinderlich. Ein ordentliches Trinkgeld verleitet nur zu einem Grummeln statt einem Dankeschön und wenn man als Mann alleine nach 22 Uhr ins Taxi steigt, wird man schonmal gerne gefragt, ob man noch ins Pascha will.

  21. Patrick sagt:

    Also ich halte so ein Gütesiegel für sehr sinnvoll.

    Ich kenne eigentlich nur die Taxi-Situation in Kassel und in Bremen.
    In Kassel ist es so, dass es sehr viele Taxen gibt (immer min. 20 vor Bahnhof bei ggf 5 Fahrgästen/std.) sodass sie um zu überleben einen ziemlich hohen Preis nehmen. Die Wagen sind meistens alt und das merkt man ihnen auch an. Die wagen sind meist nicht supersauber innen und haben außen häufig einige Kratzer. Die Fahrer haben meist ein abgewetztes T-Shirt oder einen ebenso abgewetzten Pullover an, sind unrasiert und sehen generell ungepflegt aus. Daneben haben sich nun sog. Minicar (persohnenbeförderungsdienstleister) etabliert. der Preis beträgt nur 66ct/km, dafür sitze ich in einem sehr neuen wagen, der für die anzahl fahrgäste ausreichend Platz bietet aber häufig “nur” ein VW Touran oder MB B-Klasse ist. Dafür aber offensichtlich regelmäßig in der Waschanlage ist. Hier der unterschied: die fahrer sehen wesentlich gepflegter aus dafür lassen die deutschkenntnisse und die ortskenntniss meist etwas zu wünschen übrig.

    In Bremen gibt es Minicar nicht. Die Taxen sehen zu einem großteil noch beschissener aus als in Kassel.Ich komme hier häufig am Bahnhof vorbei und was dort manchmal steht verschlägt mir die sprache. neulich stand da einer mit einer C-klasse erstes Modell. Vorne die Stoßstange mit massiven breiten Kratzern drauf, mehr schwarz als gelb, notdürftig befestigt, sodass das teil an der seite herunterhing, hinten am kotflügel ne kleinere Beule, sah ungewaschen aus. Dann der Typ, ausgelatschte turnschuhe, darüber eine ausgewasche ehemal schwarze jeans, dareingesteckt ein ausgewaschenes ehemals schwarzes gemustertes T-Shirt (mit schweißflecken unterm arm) und darüber eine abgenutze lederweste, lehnt maximal unästhetisch den bierbauch rausgestreckt rauchen (bei offenem Autofenster) an seinem Taxi und guckt dumm in der gegend rum.

    Sorry aber da steige ich NICHT ein !!!!! und das färbt auf alle anderen Taxifahrer ab! Insbesondere weil es nicht nur der eine ist. Mit so einem Taxi fahre ich nicht! und wenn ich ein Taxirufe, dann weil ich zum zeipunkt x losfahren muss, damit ich zum zeitpunkt y an einem bestimmten ort. da kann ich nicht erst 3 verschiedene taxen kommen lassen und schauen wann denn endlich mal ein fahrer drin sitzt der die Grundzüge von Fahrzeug- und Körperhygiene versteht. Lieber lasse ich mich von verwandten fahren, laufe oder fahre halt bus/bahn.

    Also ich würde so ein Gütesiegel SEHR begrüßen!

  22. idriel sagt:

    “Rücksichtnahme auf das unterschiedlich intensive Gesprächsbedürfnis des Gastes”

    …das finde ich einen wichtigen Punkt. Bin z.B. mal spät abends in ein Taxi gestiegen und war eigentlich müde und hatte keine Lust mich zu Unterhalten.
    Der Fahrer fragte mich aber regelrecht aus. Leider bin ich dann zu höflich um Klartext zu reden, an meinen recht einsilbigen Antworten hätte man aber auch so erkennen können dass ich lieber meine Ruhe gehabt hätte :-/

  23. Dirk sagt:

    Also vielleicht ist das eine Paderborner Besonderheit. Aber mir würde es im Traum nicht einfallen, in eine kleine Mühle, 20 Jahre alt und ohne Klima einzusteigen. Und ich kenne auch niemanden, der das tun würde. Wenn ich sowas am Taxistand an erster Position stehen habe, steige ich eben in den zweiten oder dritten Wagen. Wenn ich ein Taxi bestelle, ordere ich ausdrücklich >Kleinwagen mit Klima. Ob der Taxifahrer freundlich ist, interessiert mich dagegen eher wenig, dass merkt er dann am Trinkgeld, aber das ist mir ja schnuppe. Ich möchte bequem von A nach B kommen, vorzugsweise in einem geräumigen, klimatisierten Wagen, in dem der Fahrer mich nicht zuquatscht. Von daher treffen die Kriterien des “Service-Taxi” für mich ins Schwarze.

  24. Torsten Bentrup sagt:

    @ben: Das Stichwort “Marken” ist tatsächlich ein verdammt gutes Stichwort. Ich kenne leider (oder Gottseidank) die Zustände in Großstädten mit Gemeinschaftszentralen nicht als Fahrer. Und bei uns auffem “platten Land” ist üblicherweise das einzelne Unternehmen die Marke. Da hat jeder seine Stammklientel, die einen sind unter Geschäftsleuten beliebt, andere hauptsächlich unter Kneipengänger, wieder andere sind stark bei Ärzten und Krankenhäusern.

    Und darunter gibt es dann die “Markenfahrer”, diejenigen, deren Handynummer regelmäßig im Telefonspeicher zufriedener Kunden landet.

    Wenn eine Großzentrale die Fahrzeuge von 1000 Unternehmern nach außen hin vertreten muß, kann es wahrscheinlich nur noch mit Gütesiegeln gehen. Die guten Fahrer haben das aber (wenn sie schon eine Weile dabei sind) oft gar nicht mehr nötig, weil Ihre “Marke” schon oft genug bei den Kunden bekannt ist.

    @xeder: Du bist eindeutig nicht meine Zielgruppe! ;)

    @Bust: Das verstehe ich allerdings auch nicht. Selbst zum Kassieren vor der Haustür mach ich den Motor in der Regel aus, im Stand läuft er nur, wenn ich im Winter die Heizung brauche.

    Zum Taxameter einstellen: Das wäre zwar nicht sehr nett, aber durchaus legal. Ein Terminauftrag beginnt halt zum entsprechendem Zeitpunkt. Mir wäre es schon deshalb zu blöd, weil ich die Diskussion darüber nicht mit dem Fahrgast führen möchte und es Schreibarbeit gibt, wenn der Kunde doch nicht auftaucht (und damit ein nicht bezahlter Betrag auf dem Taxameter erklärt werden muß).

    @Patrick: Für 66 Ct/km können die nicht nur neue Fahrzeuge sondern auch noch motivierte, gute Fahrer bezahlen. Wie soll das gehen? Je nach Optimierung der Leerfahrten (zwischen den Kunden) bleiben da 30-40 Cent pro Gesamtkilometer (incl. 19% Umsatzsteuer, da Mietwagen) bei rum. Sowas geht schlicht nicht legal und auf dauerhaften Geschäftsbetrieb ausgerichtet.

    Gibt es eine Website zu dem Unternehmen? Ich hab nur die Pressemitteilung gefunden, die tatsächlich den Preis (bei 2,50 Grundpreis) bestätigen. Unglaublich. Das kann nicht auf Dauer funktionieren.

    @idriel: Es dauert 1-3 Sätze, bis man hinreichend sicher das Gesprächsbedürfnis des Kunden eingeschätzt hat. Meist ist schon nach der Nennung der Zieladresse alles klar.

    Und solche eine Ausfragerei finde ich ohne entsprechende Ansage des Kunden eklig. Wenn jemand direkt erzählt, daß er grade aus dem Urlaub kommt, frage ich natürlich nach seinen Erfahrungen. Aber von mir aus frage ich da nicht nach.

    @Dirk: Zumindest in Paderborn bist Du da wirklich eine Ausnahme. Es kommt vor, daß Leute lieber hinter mir einsteigen. Deutlich häufiger gehen allerdings Fahrgäste an den neuen E-Klassen vor mir vorbei und freuen sich über das inzwischen sehr ungewöhnlich und selten gewordene Fahrzeug. Viele hatten selbst einen 124er oder kennen das Modell aus der Familie.

    Und dann gibt es noch manche Fahrgäste, die den Ehrgeiz haben, immer neue Kilometerrekorde zu sammeln. Die meisten haben bei mir einen neuen persönlichen Rekordträger gefunden.

  25. BRV-Christian sagt:

    Wie viel hat denn deiner mittlerweile gelaufen?
    Unser bester, ein 202 Kombi, also der Nachfolger von deinem, steht mittlerweile bei 730.000 km ;)
    Unser 124er dagegen hat “nur” um die 600.000 km und steht noch wesentlich besser da als der Kombi.

  26. Torsten Bentrup sagt:

    “Meiner” hat ungefähr das Doppelte runter… :D

  27. Patrick sagt:

    also ich finde jetzt auch keine website dazu. Allerdings gibt es da drei verschiedene Firmen (die mir jetzt so einfallen), die das schon seit ein paar jahren machen:
    Minicar24
    Minicar-Citycar
    Herkules-Taxi

    Preislich bewegen die sich alle im gleichen rahmen

  28. Jo Katterturm sagt:

    Ich hätte da noch einen Wunsch für die Liste:

    - Fahrer, die deutsch verstehen und sprechen. Es muss nicht akzentfrei sein, es ist mir auch egal, wenn sie über Funk eine andere Sprache verwenden. Nur sollten sie in der Lage sein, zu verstehen, was ich will und vice versa. Und zwar ohne viel Gefuchtel und versuchten Zeichnungen (skizzier mal einen Bahnhof, wenn du in Eile bist).

  29. B. T. sagt:

    Für alle, die sich fragen, wie ein Kilometerpreis von 66 Cent funktioniert: Auf Dauer gar nicht, und -man muss ja bei seinen Äußerungen vorsichtig sein- auch nicht legal. Allein im Raum Kassel liegen dem zuständigen Ordnungsamt rund 200 Verfahren wegen Verstößen gegen die Rückkehrpflicht von Mietwagen vor. Am “A7″, der größten Kasseler Disko, hat sich mittlerweile die kuriose Situation ergeben, dass quasi ein eigener Halteplatz für Mietwagen exisitiert, d. h. direkt neben dem Taxistand stellen sich regelmäßig bis zu fünf Mietwagen bereit und fischen den Taxen die Laufkundschaft ab. Die Stadt wird bei den Mietwagenunternehmen in Zonen eingeteilt, wo die Fahrer vorzugsweise in dunklen Nebenstraßen auf den nächsten Auftrag warten, anstatt entsprechend ihrer Verpflichtung zum Unternehmenssitz zurückzufahren. Daher gibt es bei dem massigen Auftragsaufkommen auch kaum Leerkilometer. Hinzu kommt, dass die meisten Minicar-Unternehmer noch ein Zweitgewerbe als Gebrauchtwagenhändler haben, so dass hier auch aus steuerlichen Gründen Verlustverrechnungen zwischen den Unternehmen stattfinden. Bei Fuhrparkänderungen werden meist gleich mehrere Fahrzeuge zu Flottenkonditinen eingekauft (z. T. bis zu 30 Fahrzeuge auf einmal!), um diese dann nach 6-12 Monaten als Gebrauchte zu vertickern. Dennoch haben in kürzester Zeit bereits 3 Minicarzentralen wieder dichtgemacht, bei der letzten hat dann Mercedes-Benz die geleasten Autos selbst vom Hof geholt. Da ich selbst als Taxifahrer im Landkreis Kassel fahre, habe ich noch den Riesenvorteil, dass ich bei überwiegend netter und treuer Stammkundschaft noch wirklich gute Umsätze einfahren kann – es kommt halt nicht nur auf den Preis an (sonst würde ja bei 1,40 EUR wohl keiner mehr mit uns fahren, wenn er dieselbe Leistung auch für 66 Cent bekäme). Aber man hört es immer wieder: “Wir fahren jetzt wieder mit euch, ihr seid zuverlässig, ortskundig und nett. Und außerdem warte ich bei Euch nicht ‘ne Stunde auf einen Wagen.” Also, scheint doch etwas dran zu sein, dass Service auch bei höheren Preisen, die bei nun einmal auch die Gemeinde mit vorgibt, honoriert wird.

Kommentar schreiben