Weihnachtsgeschichte

Kinder, ihr werdet es nicht glauben. Ich habe den Weihnachtsmann im Taxi gehabt!

Also ganz sicher bin ich mir nicht, aber alle Indizien deuteten darauf hin. Der Bart war zwar wesentlich kürzer als auf den traditionellen Abbildungen, aber das trägt man wohl heute so. Die Rentiere waren wohl etwas ruppig zu ihm, hörte sich nach Streik an. Jedenfalls klagte er gelegentlich über Rippenschmerzen. Unter uns, ich kann es nach dieser Fahrt auch verstehen. Santa hat wohl ein ziemliches Alkoholproblem und ist auch sonst eher ruppig im Umgang mit seinen Fahrern…

Eingestiegen ist er auf der Bahnhofsstraße, dann zu ihm: Tüten einpacken. Und dann ging die Geschenkeverteilerei los. Nach rund 40 Kilometern “Anfahrt” suchten wir gemeinsam drei verschiedene Adressen, legten eine der Tüten vor die Tür und sind weitergefahren. Anschließend ging es dann wieder zurück und er hat ohne mit der Wimper zu zucken die 130,– Euro bezahlt. Soweit klingts mal klasse. Und da die 2-Stunden-Tour auch noch in eine Zeit fiel, in der in Paderborn kaum Taxinachfrage war, klingt es sogar phantasisch.

War es aber irgendwie nicht. Die traurige Geschichte gibt es nach dem -weiterklicken-

Der Hintergrund für die feine Fahrt war leider eher tragisch. Mein Fahrgast ist in seiner Familie das “schwarze Schaf”. Alle haben es irgendwie “zu was gebracht”. Den Autos vor den angefahrenen Adressen bestätigten diese Aussage deutlich.

Dieses Jahr vor Weihnachten ist dann wohl ziemlich gestritten worden, es gab kein Familienfest wie die Jahre zuvor. Zumindest nicht für “Santa”.

Nachdem er sich die halbe Nacht Mut angetrunken hat, wollte er dann die längst gekauften Geschenke (insbesondere für die Nichten und Neffen) unbedingt noch loswerden. Soweit eine schöne Idee (ausser der Sauferei)…

Für mich wars leider eine ziemlich unangenehme Fahrt. Er gehörte leider zu den unangenehmen Menschen, die Freundlichkeit mit Freundschaft verwechseln. Alle paar Minuten mußte ich mich gegen Grapschereien erwehren, ständig versuchte er mir die Hand zu geben, rüttelte an meinem Arm, versuchte mir den Arm auf die Schulter zu legen. Dazu ein extremes Kurzzeitgedächtnis, unter 10mal erklären hat er nichts verstanden.

Definitiv also niemand, den man in diesem Zustand neben sich sitzen haben möchte. Aber das zusätzliche Weihnachtsgeld tröstet doch sehr effektiv. :D

12 Antworten zu “Weihnachtsgeschichte”

  1. Flo sagt:

    Hm, und so was zum “Fest der Liebe und Versöhnung” :(

    Na ja, die Familie wird schon ihren Grund gehabt haben, ihn auszuladen. Aber so was gehört sich meiner Meinung nach einfach nicht.
    Ein feiner Zug von ihm, dass er dennoch die bereits gekauften Geschenke “abgeliefert” hat …

    Erholsame Feiertage Dir :)

    Flo
    (eher Leser als Schreiber … ;) )

  2. sC sagt:

    hmm irgendwie tut er mir ja schon leid!
    ich will ganz ehrlich nicht vom weihnachtsfest meiner familie ausgeschlossen werden :-(
    tja so isses halt

    sC

  3. eve sagt:

    Ich drücke dich einfach mal nur so, ohne große Worte…
    Frohe Weihnachten.

  4. architket4you.eu sagt:

    Man kann halt nicht alles haben. Ne gute Tour und noch einen tollen Fahrgast.
    Aber bist halt jung und brauchst das Geld ;-) )

  5. architekt4you.eu sagt:

    Sorry Email und HP leider falsch angegeben. Soll ja alles seine Richtigkeit haben !

  6. jo sagt:

    Was mich gerade zu einer absurden Frage bringt: Sind betrunkene Fahrgäste überhaupt “geschäftsfähig”?

  7. Bastian sagt:

    Jo, man muss vorerst davon ausgehen dass sie es sind.
    Sie könnten es aber bestreiten und das Geld zurückfordern, dann muss es auch zurückgegeben qwerden.

  8. hugo sagt:

    @Bastian: Muß der Fahrgast dann auch zum Ausgangsort zurückgebracht werden?

  9. Hartmut sagt:

    Der arme Kerl! Allerdings hat er als Weihnachtsmann es ja auch “zu was gebracht”. Ihn kennt immerhin jedes Kind!

  10. Torsten Bentrup sagt:

    @jo: Davon muß wohl erstmal ausgegangen werden. Wären sie es nicht, könnte die komplette Nachtschicht dichtmachen.

    Juristisch (ohne das ich irgendwelche über lawblog.de-lesen hinausgehende Kenntnisse hätte) könnte es teilweise interessant werden. Bei Fahrten nach hause würde ich sagen, daß es da keine Angriffspunkte gibt. Aber wenn der heftigst betrunkene Fahrgast ins Bordell fahren möchte? Müßte man mal ausprozessieren… ;)

  11. Webdesign Berlin sagt:

    Also häte ich den Weihnachtsmann im Auto würde ich zumindest versuchen meine Geschenkeliste vielleicht doch noch in letzter Minute zu beeinflussen… :) “Ach Herr Weihnachtsman, mein Auto ist schon soooo alt”

  12. » Kommentar zu Weihnachtsgeschichte von Webdesign Berlin Webdesign Blogschleuder sagt:

    [...] Original post by unbekannt [...]

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