Studenten vs. Briten
Kommt Leute, gebt es zu! Ihr wolltet doch immer schon wissen, ob sich hier die Studenten oder die Briten schlechter im Taxi benehmen.
Vor ein paar Tagen konnte ich den direkten Vergleich anstellen. Jede Menge Briten unterwegs (frisch aus der Wüste zurück) und eine fette Uniparty (mit Studenten frisch aus den Semsterferien zurück).
An dem Abend lag die Auslastung meines Taxis bei etwa 45% Briten, 45% Studenten und 10% Sonstige.
1. Kategorie: Allgemeines und taxispezifisches Benehmen
Kurz gesagt, die Briten konnten sich fast alle bestens benehmen. Mehrfach gab es sogar interessante Gespräche. Einige entschuldigten sich dafür, kein (richtiges) Deutsch gelernt zu haben. Die Trinkgelder waren ungewöhnlich gut.
Bei den Studenten exakt das gleiche…
Es steht also 1 zu 1
2. Kategorie: Verkehrssicherheit
Beide Gruppen verhielten sich größtenteils völlig problemlos. Zwei “Vorfälle” gab es. Eine Gruppe Studenten war so aufgekratzt, daß während der Fahrt im Taxi rumgeturnt wurde. Ein böser Blick und ein paar ernste Worte reichten aus, um die Situation zu beruhigen.
Bei den Briten waren alle Fahrgäste ruhig. Gelegentlich mußte ich einen Schläfer nach rechts schieben, um schalten zu können. Auch harmlos. Lediglich die Gruppe Briten, die mich durch stoisches Auf-der-Straße-stehen bremsen wollten, zogen diese Gruppe nach unten.
Leichter Vorteil für die Studenten: 2 zu 1
3. Kategorie: Nervigkeit
Der gelegentlich durchkommende britische Humor war auch als fremdsprachler eindeutig erkennbar und damit auch für mich lustig. Das ist auch schonmal anders, manchmal kann ich nicht zwischen Witz, Provokation und Aggression unterscheiden. Liegt gelegentlich an mir, meist aber an grausamen Dialekten der Briten…
Bei den Studenten gab es nur eine Truppe, die etwas zu nerven begann. Grund war ein andauernder Disput über die optimale Fahrtroute. Nicht mit mir, sondern untereinander. Jeder wollte als erstes und möglichst billig nach hause.
Punkt für die Briten: 2 zu 2
4. Kategorie: Dummheit (unter Alkoholeinfluß)
Ein Student kam zu mir ans Fahrertürfenster, während ich als erster in der Warteschlange an der Uni stand. Während er schwankend seine Pizza zu bändigen versuchte, diskutierte er mit mir über den Preis für eine 3-km-Fahrt. Minuten später kam ein weiterer Kunde, stieg ein und ich verwies den Calzone-König an den Wagen hinter mir. Etwa zwei Stunden später sah ich ihn wieder. Offensichtlich hatte er versucht, zu Fuß nach hause zu kommen. Naja, zwei Kilometer hat er geschafft, leider in die falsche Richtung. Aber jetzt war er bereit, die Heimfahrt auch voll zu zahlen und wurde von mir heile an seiner Haustür abgesetzt.
Bei einer anderen Fahrt versuchten die Studis heftig mit ihrem Wissen über die örtliche Rotlichtszene zu protzen. Leider war in jedem Satz ein Fehler versteckt, die Jungs hatten schlicht keine Ahnung und überhaupt kein Problem damit, dieses auch lautstark zu beweisen.
Bei den Briten gab es tatsächlich keine auffallenden Dummheiten zu berichten. Nichtmal die umliegenden Bordelle wurden auffällig oft angefahren.
Und damit siegen tatsächlich unsere Soldaten in dieser speziellen Nacht mit 2 zu 3 über die Studenten.
Was mir diese Erkenntnis nützt?
Ganz einfach: gar nichts!
Die nächste Schicht sieht wieder ganz anders aus, wir haben es immer nur mit Einzelfällen zu tun. An manchen Tagen hat man nur Idioten im Wagen, an anderen erwischt man zufällig nur die netten Fahrgäste. Diese Nacht war generell sehr angenehm, die oben genannten “Vorfälle” waren alle reichlich harmlos.
Übrigens hatten die Briten vielleicht einen kleinen Vorteil. Es hat kürzlich in einer der Kasernen einen “Zwischenfall” gegeben. Mehrere Soldaten (u.a. auch weiblich) haben einen Kollegen brutal krankenhausreif geschlagen und getreten. Das Opfer erlitt wohl u.a. einen Schädelbruch und kämpft zur Zeit noch um sein Leben (Infos aus dritter, aber seriöser Hand. Eventuelle Fehler und Ungenauigkeiten bitte ich zu entschuldigen).
Wenn so etwas passiert, reagieren die britischen Offiziellen in der Regel mit Ausgangssperren für die bekannt aggressiven Soldaten. Man versucht, weitere negative Publicity zu vermeiden. Das wirkt sich auch sehr positiv auf unsere Arbeit aus.
18. November 2006 um 11:59 uli(Quote)
kleiner klugscheißerkommentar zu kategorie 3:
Jeder wollte als erstes und mit möglichst wenig Geldaufwand nach Hause.
oder
Jeder wollte als erstes und für möglichst wenig Geld nach Hause.
18. November 2006 um 14:09 er kam, sah und siegte(Quote)
1. Kategorie: Allgemeines und taxispezifisches Benehmen
Kurz gesagt, die Briten konnten sich fast alle bestens benehmen. Mehrfach gab es sogar interessante Gespräche. Einige entschuldigten sich dafür, kein (richtiges) Deutsch gelernt zu haben. Die Trinkgelder waren ungewöhnlich gut.
Bei den Studenten exakt das gleiche…
die studenten haben sich für ihr schlechtes deutsch entschuldigt? oder bezog sich der satz eher auf das trinkgeld?
18. November 2006 um 17:48 sarc(Quote)
Vor ein paar Tagen und dann gerade Semesterferien zu Ende? Ja ne, is klar. Als Student hatt man zwar viel Freizeit, aber so glücklich is man dann doch nicht.
Außer natürlich Du hast ne sehr interessante Definition von ein paar Tagen…
18. November 2006 um 18:13 Jason(Quote)
Das ist auch nicht ganz richtig, Studenten haben nicht unbedingt viel Freizeit, aber viel Planungsfreiheit. Und wenn man eben keine guten Noten haben will oder vieles schon kann / schnell lernt, kann man eben auch viel Freizeit haben
18. November 2006 um 20:37 Senderin(Quote)
Du musstest einen Fahrgast beiseite schieben, um schalten zu können? Das sind ja gemütliche Zustände in deinem Taxi.
19. November 2006 um 00:11 Matthias(Quote)
Das hängt sehr vom Fach ab.
Ich als Chemiestudent hab weder Freizeit noch Planungsfreiheit…
Geisteswissenschaften sind keine Wissenschaften.
19. November 2006 um 02:18 Balu(Quote)
Aus wissenschaftlicher Neugierde wuerde mich jetzt noch interessieren, wie sich das ganze bei britischen Studenten verhaelt.
19. November 2006 um 14:05 Jason(Quote)
Deswegen mag ich die Geisteswissenschaften (Mathematik, Linguistik, Geschichte,…), da geht es nicht um reines Stoff-reinprügeln wie in so manchem Naturwissenschaftlichen Fach. Und die Leute wissen was ein Tellerrand ist und wie man rüberguckt.
20. November 2006 um 15:26 Thomas(Quote)
merci für diesen erfahrungsbericht. sehr interessant.
21. November 2006 um 09:30 sternburg(Quote)
Noch n Klugscheißerkomentar:
Ich seh natürlich, wie es gemeint war. Außerdem muss man sich ja nur hier und da ein Stückchen aus deinem Blog ansehen, um deine grundsätzlich menschenfreundliche Gesinnung zu erkennen.
Nichtsdestotrotz:
(…) “Zwischenfall” (…) Das Opfer erlitt wohl u.a. einen Schädelbruch und kämpft zur Zeit noch um sein Leben. (..) Das wirkt sich auch sehr positiv auf unsere Arbeit aus.
Gratulation zum “auch” des Tages.
21. November 2006 um 09:41 Torsten Bentrup(Quote)
@uli: Danke, hab ich korrigiert.
@er kam, sah und siegte: Jupp, wir haben hier auch ausländische Studenten und natürlich betrunkene…
@sarc: Es kam mir so vor, als wäre die erste Semesterparty grade eben erst gewesen, so vor 1-2 Monaten…
@Senderin: Nur dann, wenn der Fahrgast zum kuscheln rüberkommt. Meist eine Folge der Kombination von Schwerkraft, Alkoholpegel und Müdigkeit.
@sternburg: Deswegen hab ich ja noch ein paar Füllworte an die Pünktchenstellen gesetzt. War durchaus sarkastisch gemeint.