Verhandlungssachen
Unglaublich. Die folgenden Ereignisse trugen sich innerhalb eines Zeitraums von nur 10 Minuten heute Nacht am Taxistand “Westerntor” zu…
Ich stehe auf Position 3, die Beifahrertür wird aufgerissen:
“Fährst Du mich nach Neuhaus, 10 Minuten warten und dann weiter nach Borchen?”
“Warum nicht, wenn Du gern mit mir fahren möchtest. Der Kollege vorne wäre allerdings dran…”
“Für 20,– Euro?”
“Hmm, im besten Fall kämen da 30,– raus, im dümmsten sinds schnell 40-45 Euro. Nö, das geht mal nicht…”
Der Kollege direkt vor mir hat die Fahrt dann gemacht. Könnte leichte Erklärungsprobleme bei seinem Chef gegeben haben…
Direkt danach die nächste Anfrage, “Personalfahrt” eines Kellners. Für den “üblichen Preis” wollte er fahren. Eigentlich kein Problem. Nur sollte es einen rund 2 Km weiten Umweg geben und wir waren sowieso schon über einen Kilometer vom üblichen Startpunkt für seinen Festpreis entfernt. Im Endeffekt wäre er dann zum halben Normalpreis gefahren.
Die 3 Kilometer mehr wollte ich dann gern mit 2 Euro vergütet bekommen. Nö, wollte er nicht…
Das dritte Festpreisangebot war dann (wieder keine fünf Minuten später) endlich akzeptabel. Für 20,– Euro hab ich dann eine Fahrt gemacht, die eigentlich 22,90 gekostet hätte. Damit kann ich arbeiten und mein Chef leben!
19. Januar 2006 um 08:39 Budenzauberin(Quote)
Das dritte Angebot war doch nur eine Trotzreaktion von Dir.
19. Januar 2006 um 08:44 Torsten Bentrup(Quote)
TROTZ der Tatsache, daß ich ungern Kunden über Preise entscheiden lasse, habe ich die REAKTION “Okay, können wir machen” gezeigt oder was?
19. Januar 2006 um 10:22 Ben(Quote)
Was ist an einer “Personalfahrt” anders?
19. Januar 2006 um 10:43 Starkiller(Quote)
Ich weiss auch gar nicht wo das herkommt, das manche meinen im Taxi um den Preis pfeilschen zu können, entweder ich habe für die Fahrt das entsprechende Kleingeld oder nicht. Ich schmeiss ja im Supermarkt auch nicht für 50€ Waren in meinen Wagen und sage dann an der Kasse: “und das alles nehme ich ihnen für 40€ ab”.
Ich wünsche viele Kunden die noch bereit sind den normalen Fahrpreis zu bezahlen!
19. Januar 2006 um 10:58 eco(Quote)
Hmm, also wenn ich voll wie russicher Kohlenschipper mitten in der Nacht aus der Disco zum Taxi krabbel, und weiß, es könnte zahlungstechnisch eng werden, frage ich auch ob des mit meiner verfügbaren Kohle geht. Wenn ja, is gut, wenn nein, soll er mich halt so weit wie möglich fahren. Normalerweise komm ich schon weit genug um den Rest zu laufen.
19. Januar 2006 um 12:05 Michael A. Bloch(Quote)
@Starkiller
Der Unterschied dabei ist aber, dass ich im Supermarkt schon auf den Cent genau weiss, was das Zeug kostet _bevor_ ich zahlen muß. Im Taxi werden mir nur ca. Preise genannt (25-30 EUR) und ich habe es noch _nie_ erlebt, dass dann eine Fahrt, die mit 25-30 EUR angesagt wurde 25 Eur gekostet hat, sondern immer 30 Eur. Deshalb frage ich bei einer solchen Antwort des Taxifahrers gleich vor dem Einsteigen, ob wir Festbetrag 25 Eur machen können. Denn dann gibt es am Ende der Fahrt kein böses Erwachen.
19. Januar 2006 um 13:24 Erik(Quote)
Im Supermarkt wäre das auch super. Du sagst: “Ich brauche Mehl, Eier, Brot, Butter, Joghurt und Obst. Und ein wenig Käse und 125 Gramm von der Salami.” Der Angestellte am Eingang sagt: “Okay, das macht 10-15 EURO!” Und am Ende kostet es dann 15 EURO.
19. Januar 2006 um 18:09 Torsten Bentrup(Quote)
@Ben: “Personalfahrt”: Mitarbeiter der örtlichen Gastronomie, die uns auch für ihre Gäste regelmäßig anrufen, haben in der Regel Festpreise für den eigenen Heimweg nach Dienstschluß.
@Starkiller: Kann ich Dir sagen… Früher (ohne Sitzkontakte und so) haben Taxifahrer gerne von sich aus Festpreise vereinbart und die Uhr ausgelassen. Das Geld ging dann blöderweise nicht in die Kasse sondern in die eigene Tasche. Das sowas heute nicht mehr geht ist den Kunden dann schwer wieder abzugewöhnen.
@eco: Genauso sollte es sein. Und wenn nicht die Sitzkontakte einen Strich durch die Rechnung machen, sind bei solchen Fahrten eben die letzten paar hundert Meter auch noch drin…
@Michael & Erik: Ähem, es gibt auch Taxifahrer, die ernsthaft versuchen, den zu erwartenden Preis einzuschätzen. Bitte nicht die “Masche” verallgemeinern.
Und nach nem Festpreis zu fragen (grade dann, wenn es schon eine weitere Fahrt ist) ist natürlich legitim. Es sollte halt nicht erwartet werden, daß eine 40-Euro-Fahrt für 25,– angeboten wird.
19. Januar 2006 um 18:40 Alex(Quote)
Genau. Und das schlimmste sind dann die Kollegen, die tatsächlich zu so einem Dumping-Preis fahren und so die Preise für die gesamte Branche nach unten ziehen…
19. Januar 2006 um 22:49 taxiblogger(Frankfurt)(Quote)
Abgesehen davon, daß es verboten ist, weil innerhalb des Pflichtfahrgebietes Tarifpflicht herrscht – oder ist das bei Euch anders?
19. Januar 2006 um 23:31 Torsten Bentrup(Quote)
@Alex: Leider, oft sind das dann Aushilfen, die eh nur kurzfristig nen “Nebenjob” machen. Wie das Verhältnis zu den Kunden auf lange Sicht aussieht ist denen leider oft egal.
@taxiblogger: Doch, auch hier gilt die Tarifpflicht. Aber das alte Problem: Mache ichs nicht, machts ein anderer. Solange also alles im Rahmen bleibt, spielt man gelegentlich auch mit…
20. Januar 2006 um 02:39 chrischan(Quote)
moin meine devise : nimm was du kriegen kannst.
mein geilstes erlebnis der woche: einsteiger in der innenstadt von celle.
60 € to hannover city? JO GET IN am ende sagte er, ok give me a reseat
for 80, und gab mir 180€ … hab 2min verdattert dagesessen und bin im schneetreiben nach celle zurück,soviel zum thema festpreis!
20. Januar 2006 um 23:24 Tom(Quote)
Dazu ein aktuelles Erlebnis, aber andersherum:
Am letzten Montag fahre ich mit dem Taxi nachts nach Hause, der Taxifahrer jammert mich voll, wie schlecht doch alles läuft und dass die aktuelle Veranstaltung der einzige Lichtblick gerade wäre. Bei mir angekommen, sagt er dann “10 Euro”, mein Blick fällt auf das Taxameter, welches nicht eingeschaltet ist! “10 Euro, die Strecke kenne ich genau,” meint der Taxifahrer nochmal. Da ich nicht so hundertprozentig nüchtern bin (allerdings auch nicht breit!) und die 10 Euro _so ungefähr_ hinkommen, gebe ich ihm 11 Euro (ja, ich bin zu großzügig) und lasse es dabei beruhen.
Aber mal ehrlich: Einen Festpreis muss der Fahrer doch wohl VORHER ansagen und nicht, wenn man da ist. Wie verhält man sich denn da richtig?
21. Januar 2006 um 11:36 Torsten Bentrup(Quote)
@Tom: Die “Jammerei” ist irgendwie verständlich in der Branche, nervt mich allerdings auch… Gelegentlich erwische ich mich auch dabei, allerdings nur, wenn ich ehrlich auf die Frage antworte: “Na, wie gehen denn die Geschäfte?”.
Zum Festpreis: Das war grundsätzlich nicht okay. Wenn das nicht Dein “Stammtaxifahrer” war, ist das eine ziemliche Dummheit gewesen… Allerdings: Wenn der Preis in Ordnung war… Warum Stress machen? Lohnt nicht den Aufwand und könnte eventuell mal zu ärgerlichen Folgen führen, wenn Du mal dringend wieder ein Taxi brauchst…
Das “Trinkgeld” hätte ich mir allerdings verkniffen. Das war nämlich mit Sicherheit schon mit drin. Von den 10,– Euro sieht sein Chef zu 99% keinen Cent.
Anders sieht das aus, wenn ein Festpreis wirklich vereinbart ist und sogar mit der Zentrale abgeklärt wurde: “Kann ich für X Euro nach $Stadt fahren?”. Dann wäre ein Trinkgeld mal ne richtig nette Geste!
21. Januar 2006 um 15:44 Tom(Quote)
Danke für die Info, Torsten. Klar, daran hatte ich gar nicht gedacht: Wenn die Uhr aus ist, wird die Fahrt auch nicht elektronisch erfasst. Einen Stammtaxifahrer habe ich gar nicht, ich habe mir halt eines der zig dutzend Taxen beim Sechs-Tage-Rennen gegriffen.
Weil es halt ungefähr hinkam (meiner Meinung nach vielleicht 1 Euro zuviel), habe ich halt nicht diskutiert und bezahlt. Über den Euro Trinkgeld ärgere ich mich allerdings schon irgendwie. Kein Wunder, dass weniger Taxi gefahren wird, wenn solche Sachen abgezogen werden…