Do as I want, don’t do as I say!

Naja, eigentlich geht der Elternspruch in den USA eher so: “Do as I say, don’t do as I do”. So hat es mir das wunderbare Blog “USA Erklärt” vor ein paar Monaten mal, nunja, erklärt halt.

Aber im Taxibereich stimmte die letzten beiden Schichten eher meine Version. Dienstag stieg eine Gruppe Fahrgäste in meinen Wagen und nannte als Fahrtziel ein vernuscheltes “Heiersstraße, Imbiss”. Zumindest hab ich es so verstanden, hab aber noch zweimal nachgefragt um sicher zu gehen.

Protest kam dann zum Glück recht zügig. Mein Beifahrer bestand darauf, “Haller Straße” gesagt zu haben. Okay, klingt ähnlich. Aber dort gibt es blöderweise keinen Imbiss. Und mit zwei Frauen dabei fährt man ja auch üblicherweise nicht in den dortigen Puff.

Gemeint hat er übrigens “Halberstädter Straße”. Bis ich die Leutchen dort absetzen konnte, durfte ich mir noch allerhand über meine angeblich nicht vorhandene Ortskunde, meinen Versuch, sie abzuzocken und die Unfähigkeit meines Navis anhören. Naja, ich bin bei sowas dickfellig und dem Navi war es egal. Das war schließlich noch nichtmal eingeschaltet…

Letzte Nacht begann meine Schicht gleich mit so einer Tour. Angesagt war eindeutig “Rathenaustraße” im Riemekeviertel. Kurz davor wurde sie leicht panisch und meinte was von “Stadtheide”, ganz andere Gegend. Nur gibt es die Straße dort leider nicht.

Nach kurzer Diskussion einigten wir uns drauf, daß sie mir den Weg zeigen wolle. Auf meinen Vorschlag “Dr.-Röhrig-Damm” reagierte sie immerhin leicht positiv. Die “Abkürzung” über die B1 konnte ich ihr dann noch ausreden und so haben wir uns von hinten der Stadtheide angenähert.

Letztendlich war es dann der “Rotheweg”. Bezahlt wurde unter üblem Gezeter und wüstesten Verwünschungen.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch der dritte ähnlich gelagerte Fall. Die alte Dreier-Regel halt, typischerweise ist danach erstmal eine Weile Ruhe.

Moooment! Da war doch letztens… Richtig! Der Brite, den ich vor die Tür gesetzt habe.

Dem Himmel sei Dank, es ist ausgestanden. Ab jetzt werden die Fahrgäste hoffentlich wieder sagen, wo sie hinwollen und ich werde sie weiterhin auf kürzestem Weg dorthin bringen. Puh!

12 Antworten zu “Do as I want, don’t do as I say!”

  1. Turtle sagt:

    Hmm, sowas aehnliches ist mir letztens in der U-Bahn passiert. Ein ortsunkundiger Tourist mit leidlichen Deutschkenntnissen (seine Muttersprache kann ich leider nicht) wollte hier in Nuernberg zu einem Stadteil Muggendorf und war der Meinung es sitzt schon in der richtigen Bahn. Waere er auch fast, wenn er nach Muggenhof gewollt haette (richtige Bahn, falsche Richtung). Allerdings haette es auch Mögeldorf sein können und das liegt am anderen Ende der Stadt und ist nicht per U-Bahn erreichbar (dafuer waere er aber in die richtige Richtung zwecks Umsteigemöglichkeit gefahren). Dummerweise wusste er nicht besser und meinte nur seine Bekannte haette ihm das so gesagt. Da konnte ich ihm dann auch nicht so richtig helfen.
    Ich finde man sollte seinen Gaesten eine Mail schreiben mit der richtigen Ortsbezeichnung. Dann haben sie auch eine Chance an der richtigen Stelle anzukommen.

    Aber warum man den Taxifahrer beschimpfen muss, wenn man eindeutig die falsche Ansage macht, erschliesst sich mir nicht.

  2. Torsten Bentrup sagt:

    In mindestens zwei der drei Fälle war Alkohol mit im Spiel, wahrscheinlich eher in allen Fällen. Da kommen manche Menschen auf komische Schuldzuweisungen und vergessen auch schon einmal Dinge, die sie vor 10 Sekunden gesagt haben. Nein, das ist keine Entschuldigung. Nicht einmal ansatzweise.

  3. Andere Frage: sagt:

    Hi, mal ne OT-Frage:
    Ich habe letztens im Radio gehört, dass man wenn man eine Festpreisfahrt vereinbart, also das Taxameter aus ist, als Fahrgast nicht mehr über das Unternehmen versichert ist. Der letzte Taxifahrer den ich das gefragt hat (btw. Kurzstrecke, wollte die Uhr nicht anmachen) sagte allerdings, dass ich immer übers Unternehmen versichert bin, ab dem Zeitpunkt wo ich ins Taxi steige (Ich habe extra gesagt, dass es mir jetzt gerade egal ist, ob der die Uhr an oder aus hatte). Wer hat denn da Recht?

  4. Ingmar sagt:

    Bei mir sind ja auch die Demenzkranken sehr beliebt, die immer fest und steif behaupten, nicht dort zu wohnen, wo man sie gerade hinbringt, sondern in der XY-Straße in Stadtteil Z. Kann man aber wesentlich besser ignorieren und sie vom Gegenteil überzeugen, als einen Sturzbetrunkenen. :)

  5. Andi sagt:

    @Ingmar

    Beim Lesen hab ich schon beim Wort Demenzkranke gleich an die Vollbesoffkies gedacht. Aber kommt ja auch bei Einigen aufs Gleiche hinaus ^^

  6. Tichondrius sagt:

    AF: Weisst du auch von einer Begründung dafür?

  7. DeserTStorM sagt:

    Hm sowas wirds wohl immer wieder geben.

    Ist es dir eigentlich schon mal passiert, dassl du wirklich Mist gebaut hast und wirklich falsch gefahren bist, weil du eine Straße verwechselt hast oder soetwas?

  8. Chris sagt:

    Dann freu dich schon mal auf Samstag…Da ist British Festival in Paderborn. Da werden mit Sicherheit auch einige “schwer verständliche” Gäste dabei sein :D

  9. Torsten Bentrup sagt:

    @Andere Frage: Ich kenne das Gerücht, kann mir aber nicht vorstellen, daß in so einem Fall der Fahrgast ein Problem hat und seinen Schaden nicht ersetzt bekommt.

    @DeserTStorM: Natürlich ist mir das auch schon passiert, mein Taxischein wird ja in ein paar Monaten schon volljährig. In dem Fall findet man aber auch immer eine Lösung, mit der beide Seiten leben können, d.h. der Kunde zahlt nur den Fahrpreis für den kürzesten Weg.

  10. Maik aus Wilhelmshaven sagt:

    Bei ausgeschaltetem Taxameter nicht versichert, wie soll das denn dann bei Fahrten funktionieren, die das Pflichtfahrgebiet verlassen?

    Und auch solche Fahrten fangen ja mal im Pflichtfahrgebiet an, oder enden dort, so daß man auch dort dann ohne “Uhr” fährt?

    Kann es mir einfach nicht vorstellen…

  11. Tiffy sagt:

    Dein Taxischein wird bereits volljährig? Dann bist Du ja schon ein richtig alter Hase. Gibt es denn noch eine Straße im Kreis Paderborn, die Du noch nicht kennst?

  12. Torsten Bentrup sagt:

    Ich habe heute morgen auch mal meinen Chef zum Thema “Kunden sind nicht versichert, wenn das Taxameter aus bleibt” interviewt. Er hat auch keinen Schimmer, wie sich die Versicherungen in einem solchen Fall gegenüber dem Fahrgast raushalten kann. Es gab zwar in über 60 Jahren Firmengeschichten noch keinen solchen Fall, aber es gibt eben logisch gesehen auch keinen Ansatzpunkt, bei dem die Haftpflichtversicherung leistungsfrei bleiben würde.

    @Tiffy: Klar gibt es die noch! Die einzelnen Unternehmen sind auch microregional stark unterschiedlich vertreten. Bei vernünftigen Unternehmen werden z.B. die Nachbarn bevorzugt dieses unterstützen und so ergibt es sich, daß manche Straßenzüge einfach immer mit diesen Unternehmen fahren.

    Und dann kommt noch der Zufall dazu. Aber vermutlich ist die Zahl der nicht sofort zuzuordnenden Straßen für mich in PB einstellig, im Kreis immerhin noch im zweistelligen Bereich. Bei manchen Dörfern im Kreis kennt man allerdings wirklich nur die Hauptstraßen, weil fast alle Fahrgäste dorthin schlicht an “der Kirche” aussteigen.

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