Sprach- und sonstige Probleme
Paderborn ist ja jetzt nicht so die Touri-Metropole. Die meisten Nicht-Paderborner in der Stadt kommen naturgemäß aus anderen Teilen Deutschlands oder Großbritanien. Ein paar Holländer fallen gelegentlich auf, was die hier machen kann ich allerdings auch nicht sagen. Obwohl, wir haben ein paar Campingplätze und die Gegend ist nicht schlecht für Fahrradfahrer!
Englisch kann ich ganz gut, Deutsch versteh ich sogar bei übergroßer Trunkenheit. Also kommen Verständigungsprobleme extrem selten vor.
Und dann gibt es Nächte wie diese, die alte Dreierregel mußte ja mal wieder zuschlagen.
Zuerst steigt mir am Bahnhof ein Pole ins Taxi, der gerne Richtung Sauerland wollte. Die SMS mit der Adresse half schon sehr gut weiter, die Frage nach einem Festpreis konnte ich dann schriftlich beantworten. Zahlen auf Papier sind ja doch recht international.
Während der Fahrt hörte ich dann ziemlich oft das eine deutsche Wort, daß er perfekt beherrschte:
“Katastrophe!”
Immer begleitet von seinem Zeigefinger in Richtung Taxameter. Dabei war der Fahrpreis absolut fair. Zumindest für ihn, ich wusste leider bei der Vereinbarung nicht, daß die B480 hinter Wünnenberg wegen einer Baustelle gesperrt war. Die Umleitung verlängerte die Fahrt doch erheblich.
Stunden später steigt ein Mensch in meinen Wagen, der ebenfalls keiner Sprache mächtig war, die ich verstehen konnte. Italiener, zudem ohne Kenntnis der Zieladresse. Aber er wusste, wo er hin wollte und konnte mich dann mit Gesten leiten.
Zu guter Letzt (naja, gut war es überhaupt nicht) dann ein Brite mit sehr üblem Slang. Eher kein regionaler Dialekt, er schien mir schon Engländer zu sein und Schottisch oder gar Walisisch erkenne ich normalerweise. Einfach Straßenslang, sein ganzes Verhalten war ebenfalls danach.
Er stieg also ein und nannte als Fahrziel die Allanbrooke-Kaserne. Ich hab noch extra zweimal nachgefragt, weil er so unverständlich gesprochen hat und er hat es mehrfach bestätigt. Fünfhundert Meter vorm Ziel wollte er dann unbedingt noch zum “Goldenem M”. Ich wende also und will in die entsprechende Richtung und er flippt das erste Mal aus. Ob ich mich denn nicht auskennen würde und warum ich nicht gradeaus weiterfahren würde. Nun, vermutlich wäre in Rheda-Wiedenbrück der nächste Mc, wenn man die Neuhäuser Straße weiter gradeaus fährt…
Wenig später fiel ihm dann ein, daß er doch gar nicht zur Kaserne wollte. Ein britisches Wohngebiet war jetzt das neue Ziel. Also, für mich war es neu, er hat sich aufgeregt und lautstark behauptet, daß er genau diese Adresse von Anfang an genannt hätte.
Wenig später wurde mir dann die Sache zu heikel, jetzt wollte ich erst einmal Geld sehen, vorher geht es keinen Meter weiter. Er wühlte sich erfolglos durch alle Taschen und hatte einen neuen Grund, sich in ohrenbetäubender Lautstärke aufzuregen. Schließlich hätte er ja Geld gehabt, als er aus der Disco kam. Bleibt ja nur die Möglichkeit, daß ihn der Taxifahrer ganz offensichtlich unbemerkt ausgeraubt hat.
Meine heftig vorgetragene Bitte, jetzt mal schleunigst auszusteigen kam er dann glücklicherweise nach. Okay, nicht sofort. Aber als er erkannte, daß ich per Funk “Verstärkung” alarmierte, ging es plötzlich.
Das sind sie dann, die Nächte in denen ich mich einfach nur noch freue, wenn der Feierabend gekommen ist…
27. August 2010 um 08:32 Ralf E(Quote)
> Das sind sie dann, die Nächte in denen ich mich einfach nur noch freue,
> wenn der Feierabend gekommen ist…
… müsste man das bei dir nicht besser “Feiermorgen” nennen?
27. August 2010 um 09:13 Mad55(Quote)
@Ralf E:
Da “Morgen” im Sinne von “Gestern” immer nach dem Schlafen beginnt, egal was der Kalender bereits sagt, ist das Ende der Arbeitszeit auch immer “abends”.
27. August 2010 um 09:17 Nils(Quote)
Also hast Du von dem letzten Vogel dann keinen Cent gesehen? Wie läuft sowas dann abrechnungstechnisch? Das Taxameter lief ja…
Und wieviel musste der Pole letztendlich mehr zahlen, als Dein angegebenes Maximum war?
Verglichen mit den anderen beiden, vor allem dem letzten, war die Fahrt mit dem Italiener ja schon vermutlich vergleichsweise angenehm…
27. August 2010 um 09:18 Nils(Quote)
Noch ein Nachtrag: Was hat Dich dazu bewogen, den Briten einfach rauszuschmeißen und mit ihm nicht den nächsten Geldautomaten aufzusuchen? Hattest Du Angst vor ihm? Könnte das gut nachempfinden.
27. August 2010 um 09:19 Torsten Bentrup(Quote)
So isses. Mein Tag ist eigentlich genau wie der eines zu “normalen Zeiten” arbeitenden Menschen. Nur verschoben und bei 10+2 Stunden Arbeitszeit ist der Freizeitanteil kürzer. Aber ich steh passend zur Arbeit auf, “morgens” um 17 Uhr und alles an Freizeit findet nach 6 Uhr “abends” statt.
Ausserdem klingt Feiermorgen total doof!
27. August 2010 um 09:28 Torsten Bentrup(Quote)
@Nils: Sowas kommt extrem selten vor, wird aber einfach “abgeschrieben”. D.h. mit Erklärung auf dem Fahrtenzettel eingetragen. In dem Fall warteten noch andere Kunden, jede weitere Verzögerung wäre ärgerlich und vermutlich auch ergebnislos gewesen.
Aber Du hast den wichtigsten Grund schon genannt. Der war so dermaßen aggressiv, daß ich keine Sekunde länger als nötig auf engem Raum mit ihm zusammen sein wollte. Es passiert alle Jubeljahre mal, daß ich meine Kollegen mit einem “Notruf” behellige (in dem Fall kommt alle Fahrzeuge im Umkreis zügig ran und die Polizei wird auch gleich mit alarmiert), diesmal hab ich sozusagen “Voralarm” gegeben: Standort, Problembeschreibung und die Bitte, sich bereit zuhalten.
Der polnische Fahrgast hat genau den vereinbarten Festpreis bezahlt. Wenn die Verständigung auch nur ein wenig möglich gewesen wäre, hätte ich versucht, den Preis um zehn Euro nach oben zu korrigieren.
Die Umleitung war ja ein gutes Argument und ohne Festpreis wäre es sicher bei plus 20 Euro rausgekommen. War aber unmöglich. Aber auch so war es durchaus eine lohnende Tour.
27. August 2010 um 11:59 Andi(Quote)
Hi Torsten,
genau die richtige Entscheidung, rausschmeissen und weiter geht`s.
Ich habe mir immer den Spaß gegönnt, den Fahrgast wieder zurück auf Los zu fahren. Und natürlich per Funk mitzuteilen, dass dieser Fahrgast kein Geld dabei hat.
27. August 2010 um 14:44 Tichondrius(Quote)
Andi: Und in die Gegenrichtung fahren, wenns gerade passt?
27. August 2010 um 17:02 Richard(Quote)
@Andi & Tichondrius: Ist zwar eine witzige Idee, aber potentiell gefährlich, weil kaum ein Fahrgast davon begeistert sein wird. Und wenn es gegen seinen entschiedenen Willen passiert, dürfte das nicht zuletzt auch eine Freiheitsberaubung darstellen. Klar, als Reaktion auf seinen evtl. Betrug, aber tendenziell dürfte eine Freiheitsberaubung gegenüber einem Betrug die gravierendere Straftat sein. Also Vorsicht…
Was schon eher ginge wäre der Transport zur Polizei, falls er sich nicht ausweisen kann.
@Torsten: Kein leichter Job manchmal, den Du da hast! Klingt aber sehr vernünftig, wie Du gehandelt hast
27. August 2010 um 18:51 Christian(Quote)
Also bei Soldaten sollte es doch immer möglich sein die MP anzufragen, zumindest in Darmstadt (solange wir noch Amis hatten) war das eine absolut sichere Methode an das Geld zu kommen.
Vor allem, diese Art Kunden machen das nicht nur bei dir!
Und wenn die MP einen Kunden nach Geld fragt war bei uns in DA die Reihenfolge:
1.Taxifahrer fragen wie viel
2.Den Kunden unter Zuhilfenahme der Schlagstöcke befragen ob er Geld hat.
3. Bezahlen
Klappte bei mir zumindest immer!
Außerdem machen diese freundlichen Kunden das nie wieder!
Ansonsten fahren sie in Ungnaden wieder zurück ins Heimatland.
27. August 2010 um 23:37 Tiger(Quote)
Ja gut ch hätte ihn zu Kaserne bebracht und dann direkt dem herrn herbei geholt und dann geht das alles recht schnell nur diese leute darf man so nicht davon kommen lassen sonst macht das bald jder wenn sich das rumspricht und das Geld bekommst du dann IMMER wenn am nächsten tag kann man sich das abholen
habe das auch schon hinter mir so ist das nicht aber mit 3 Engländer aber wenn ich angst n dem beruf habe darf ich nicht weiter fahireni wel angst im verkehr nichts zu suchen hat
P.S. keine lust wegen Rechtschreibung sorry
Grüße Tiger
28. August 2010 um 12:57 Christian(Quote)
Zum Kommentar von Tiger passt die Überschrifft wie Arsch auf Eimer.
Wenn man “keine lust wegen Rechtschreibung” hat, sollte man es vielleicht ganz lassen, irgendwas zu schreiben…
B2T: Find die Einstellung von deinem Chef zu solchen Fahrten gut. Ich will gar nicht wissen, wie meiner reagieren würde, wenn ich ihm solch eine Geschichte erzähl um zu erklären, warum die fahrt nicht bezahlt wurde.
29. August 2010 um 07:47 Sash(Quote)
@Christian:
Puh, das klingt aber böse mit deinem Chef…
Also bei mir gibt es da nie Probleme. Irgendwer hat zwar mal gesagt, wir hätten einen Betrag von xy Euro, den wir als Fehlfahrt verbuchen können – aber da sowas ja nur selten vorkommt, denke ich nicht, dass da eine verbindliche Grenze existiert. Ich war zwar bisher nur einmal drüber, und da auch mit Anzeige und allem drum und dran, aber meine Chefs sagen immer:
“Was du nicht eingenommen hast, können wir nicht abrechnen. Punkt.”
Natürlich könnte jetzt jeder kommen und jeden Monat xy minus einen Euro als Fehlfahrt verbuchen, aber ich glaube, das Vertrauen zahlt sich aus. Im Übrigen hab ich am Anfang – als ich mich am Taxameter vertippt habe, nicht ausgeschaltet habe, etc., eigentlich jeden Monat gesagt:
“Hey, hier, 10,30 € waren Minus!”
…und dann haben sie eine Fahrt gesucht, die etwa dem Betrag entsprach (man kann bei der Software manuell nur ganze Fahrten löschen) und die gekickt. Und eben da ich damals so froh war, dass das so unbürokratisch nicht zu meinen Lasten ging, würde ich heute auch nie auf die Idee kommen, da einfach ein paar Euro anzugeben, um sie mehr zu haben…
29. August 2010 um 13:36 Ly(Quote)
@ Tiger : jeder Mensch hat Angst, selbst hartgesottene.
Sogar Soldaten im Einsatz, vieleicht für dich nicht glaubhaft aber wahr.
Sie ist ein guter Begleiter und ein Freund von dir, man muss sie kennen und handhaben und sich so nicht von ihr überrollen lassen.
Sie zu verleugnen kann dazu führen sie nicht wahrzunehmen,
doch ist ihr Job dich zu warnen vor Gefahren, so dass du angemessen reagieren kannst. Zb zeigt sie sich indem sie deine Nackenhaare kitzelt,
und nur wenn du das spürst also nicht verleugnest,
kann ihr Bruder Vorsicht aktiv werden. Der sagt dir dann, dass du dem voll agressiven Kunden zum aussteigen aufforderst, bevor du wegen ein paar Euro dir die Hucke blau schlagen lässt im engen Auto, oder, das du doch besser nicht mit dem Kunden in einen dunklen Waldweg einfährst.
Die Angst ist insofern ein guter Begleiter.
Nur wenn du sie generell verleugnest kann sie tun was sie will, und so könnte sie dich, erst unbemerkt, in brenzligen Situationen von hinten durch den Bauch raus und vorne in die Brust rein überfallen, dann hast du keine Kontrolle mehr und sie, und evtl auch dein Angreifer, tut mit dir was ihr grad in den Sinn kommt.
Bei uns sagen auch die ganz harten, die sogenannten echten Kerle unter den Kollegen, wer sagt dass er nie Angst hat im Job,
ist entweder dumm, oder sagt nicht die Wahrheit.
Oder, so sage ich, derjenige hat zuviele alte Western geschaut
29. August 2010 um 13:58 Ly(Quote)
Ps @ Tiger: es haben zu allen Zeiten schon Kunden versucht die Zeche zu prellen. Und zu allen Zeiten kamen und kommen sie ab und an damit durch.
Wenn du Torstens Blog liest findest du auch Beiträge wo genau dies nicht klappte. Auch so was spricht sich rum.
Das hält sich alles die Waage, es ist unwahrscheinlich dass nun vermehrt Kunden mit einer Mischung aus durchgeknallt und agro auflaufen um ohne Bezahlung davon zu kommen, das ist doch eher eine spezifische Persönlichkeitssache statt einer enormen schauspielerischen Leistung
2. September 2010 um
[...] Moooment! Da war doch letztens… Richtig! Der Brite, den ich vor die Tür gesetzt habe. [...]