Montage sind ruhig, normalerweise

Naja, die letzten Wochen seit Libori (selbst während meiner Abwesenheit) waren die Montage das, was man hierzulande als “Totentanz” bezeichnet. Nix los, keiner braucht ein Taxi. Man wartet einfach nur darauf, daß die Schicht endlich zuende geht.

Aber der August ist seit ein paar Stunden vorbei. Hartz4-Empfänger haben Geld bekommen, die Briten ebenso. Und dementsprechend verlief dieser Montag alles andere als ruhig…

Eine ältere, volltrunken Frau zu ihrem ebenfalls volltrunkenen Freund gebracht, er mußte bezahlen. Als ich das nächste Mal an der Adresse vorbeifuhr, standen Notarzt und Krankenwagen davor.

Ein junger Brite erzählte mir davon, daß sein 18-jähriger Bruder gestern in Afghanistan erschossen wurde. Ende der Woche muß er selbst wieder dorthin… Seine Strategie konnte ich gut verstehen: Alkohol und Sex. Zwei Dinge, die er die nächsten Monate nicht mehr hat, vielleicht nie mehr.

An der Buszentralstation mußte ich mit meiner betrunkenen Fahrgästin mit Vollgas abfahren, weil eine “Freundin” von Ihr fäusteschwingen und sehr alkoholisiert auf uns zurannte. Eifersucht bei erhöhter Gewaltbereitschaft…

Ein (richtig, Ihr habt es bestimmt schon geahnt) sehr betrunkener Fahrgast outete sich als “Bodygard des Königs von Mallorca” und stimmt mitsamt seinen nicht minder betrunkenen Freunden dessen größten Ballermann-Hit an. Laut und falsch in jedem einzelnen Ton. Mir dröhnen immer noch die Ohren.

Und das waren nur die krassesten Fälle. Sowas verteilt sich normalerweise auf den ganzen Monat und nicht auf den ganzen Montag.

Gut für die Umsätze… Gar nicht gut fürs Gemüt.

Aber gut, daß ich heute abend schon wieder frei habe!

9 Antworten zu “Montage sind ruhig, normalerweise”

  1. Andi sagt:

    Letzter Tag im Monat ist halt auch Hartz4-Feiertag. Das muss dann schnell feucht befeiert werden. Und spätestens nach 2 Wochen ist der Monat (finanziell) wieder vorbei.
    Übel wird es für einen nur, wenn man einen der Tage erwischt, wo man sie gehäuft im Taxi hat. Dazu dann noch ein paar andere Heuler. Da ist man dann nur noch froh, wenn der Tag vorbei ist und hofft auf den nächsten für die Nerven ruhigeren Tag.

    PS. Bevor die Keule kommt. Ich meinte damit nur die spezielle Hartz4-Klientel. Mir ist durchaus bewusst, dass das Gros dieser Leistungsempfänger es schwierig genug hat, von knapp 300 € im Monat zu leben und sich das Geld dementsprechend einzuteilen. War ja selbst mal betroffen davon.

    Geniess Deinen freien Tag. Nach solchen Tagen macht er ja noch mehr Spass.

  2. Torsten Bentrup sagt:

    Einen hab ich übrigens noch vergessen… Rund 80-jähriger, sehr betrunkener Mann, der dringend nach Hause mußte, ihm war $WichtigesMedikament ausgegangen. Die Straße wusste er noch, die Hausnummer konnte er mir auch noch nennen. Aber das dazugehörige Haus wollte er partout nicht als seine Wohnstätte erkennen.

    Zu Hartz4: Ich finde es einfach menschenverachtend, wie diese “Sozialleistung” verteilt und kontrolliert wird. Und das auch, wenn es halt auch die wenigen, beschriebenen Fälle gibt. Deshalb bin ich auch Fan des bedingungslosem Grundeinkommens ( http://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_... ), auch weil ich davon überzeugt bin, daß nur die allerwenigstens Menschen sich bei solchen Bedingungen aus dem Arbeitsleben zurückziehen.

    Es würde eine Umorientierung geben, man wird nur noch aus Spaß (auch ehrenamtlich) arbeiten oder um eine deutliche Steigerung des Einkommens zu erreichen. Damit würden wohl die heute so schlecht bezahlten und nur aus der Not ergriffenen Berufe deutlich besser bezahlt werden. Sonst findet man eben niemand mehr für die “Drecksarbeiten”.

    Schade nur, daß ausgerechnet diejenigen, die eine solche umfassende Neuorientierung beschließen müßten, ein großes Interesse am Status Quo haben. Ängstliche Menschen lassen sich leichter regieren. Arbeitslosigkeit, Armut, Terror sind zu gute Druckmittel, als das man leichtfertig etwas dagegen tun würde…

  3. Veit sagt:

    Psst Torsten:

    Hartz 4! Das hat weder was mit dem wunderschönen Harz noch mit “Harzen” zu tun :)

  4. Razool sagt:

    hihi…wollts grad sagen…..als harzer gruselt es mich immer, wenn wir damit in verbindung gebracht werden ;)

  5. DeserTStorM sagt:

    Ach das hat nicht mit dem Harz zu tun? :-P

    Und ich habe auch ein fehlendes D entdeckt. Mensch, da hats ihn aber wirklich mitgenommen was :-)

    Es gibt wirklich Leute, die von Ihrem Hartz 4 Geld Taxi fahren statt zu laufen? Scheint ja doch ausreichend viel zu sein wie mir scheint…

    Ich bin echt überrascht.

  6. BRV-Christian sagt:

    Nicht unbedingt.
    Diese Leute können dann oft nicht mit Geld umgehen. Wenn was auf dem Konto ist, dann muss es auch weg, könnte ja anfangen zu brennen…
    Dafür ist dann, wie Andi schon schrieb, nach 2 Wochen der Monat geldmäßig zuende. Wie diese Leute den Rest des Monats rumkriegen, weis ich nicht. Vermutlich mit viel hunger.
    Bei einigen wäre eine wöchentliche Auszahlung sicherlich sinnvoller.

  7. Torsten Bentrup sagt:

    @Harz/Hartz: Echt ehrlich, das wusste ich. Und ich wusste auch, daß das ein “Standart”-Fehler ist. Und dann gleich zweimal, ich bin erschüttert. Danke für die Hinweise!

    @DeserTStorM: Ganz, ganz selten hat man auch die “normalen” Hartz4-Empfänger im Taxi. Das sind dann entweder Notfälle oder sie machen vielleicht einmal im Monat den Großfamilieneinkauf so, daß auf dem Rückweg vom Discounter der Kofferraum des Taxis komplett ausgefüllt ist. Dann lieber einmal ein paar Euro fürs Taxi als ständig im naheliegendem, aber teurerem Laden einkaufen.

    Der Großteil kann und muß rechnen. Aber wie BRV-Christian schon sagte, manche feiern eben lieber 1-2 Wochen und leben danach von der Tafel. Und nächsten Monat gehts von vorne los.

  8. Ly sagt:

    sogar einmal die Woche ein großer Einkauf, den man mangels eigenen Auto mit dem Taxi für zb nen fünfer bis nen Zehner heimbringt rechnet sich.

    Statt das man fast täglich geht, was fast immer zuviel an Ausgaben mit sich bringt. Wer kennt das nicht das man zuviel kauft.. da hilft ein straffer wöchentlicher Einkaufs-Plan samt Taxiheimfahrt beim Geldsparen eher.

    Machen viele die nicht viel Geld haben. Auch viele Alte Menschen. Klassischer Weise Freitags und Samstags Tags, die Nachtschichtler sehen die nur eher weniger ;)

  9. Neue Westfälische - Blogspot sagt:

    [...] Fahrgäste und bemerkte merkwürdige Verhaltensweisen, aber erfuhr auch tragische Geschichten (Link): Ein junger Brite erzählte mir davon, daß sein 18-jähriger Bruder gestern in Afghanistan [...]

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