Twilight Call


“Es gibt eine fünfte Dimension jenseits der menschlichen Erfahrung – eine Dimension, so gewaltig wie der Weltraum und so zeitlos wie die Ewigkeit. Es ist das Zwischenreich, wo Licht in Schatten übergeht, Wissenschaft auf Aberglaube trifft. Sie liegt zwischen den Fallgruben unserer Furcht und den lichten Gipfeln unseres Wissens. Dies ist die Dimension der Fantasie, das Reich der Dämmerung – die Twilight Zone.”

Genauso hab ich mich am Freitag gefühlt, als mir meine grad zugestiegenen, zufälligen Fahrgäste an der Kassler Straße eröffneten:

“Mensch, das klappt ja trotz Libori super mit Euch! Zehn Minuten hatse gesagt und Du bist wirklich nach 10 Minuten da!”

“Ähem, okay.”

Und dann per Funk zum Juniorchef und Zentralisten in der Nacht:

“Die Fahrgäste an der Kassler hab ich grad übernommen!”

“Hmm, da hatte ich keinen Anruf!”

Dann zu den Kunden gewandt:

“Seid Ihr sicher, daß Ihr angerufen habt? Und hast Du wirklich grad “Hat sie” gesagt? Unser Zentralist ist definitiv keine “sie”.”

“Blödsinn, ich hab doch eben mit einer Frau telefoniert! Hier, schau auf Handy! 05251/33333, Taxi Czernoch!”

Komisch, die Nummer stimmte. Allerdings war der Anruf definitiv in einer Phase, in der der Hörer daneben lag. Klingt merkwürdig, aber ist an Libori-Wochenenden nicht anders zu machen.

Da gibt es ein “Zeitfenster” von vielleicht 10 Minuten pro Stunde, in der Aufträge angenommen werden. Die restlichen 50 Minuten brauchen wir Fahrer, um die im 10-Sekunden-Takt eingehenden Bestellungen abzuarbeiten.

Es ist halt niemand damit geholfen, wenn er um 2 Uhr erfährt, daß 500 Fahrgäste vor ihm angerufen haben und er so gegen 8 Uhr mit seinem Wagen zu rechnen hat.

Die einzig sinnvolle Lösung an solchen Extremtagen ist also die “Lotterie”, wer es oft genug versucht und Glück hat, kriegt innerhalb vernünftiger Zeit sein Taxi. Die anderen stehen auf der Straße und hoffen auf einen freien Kollegen, der anhält. Das klappt auf lange Sicht auch!

Aber wie kamen die Fahrgäste auf die Idee, daß eine Frau ihre Bestellung aufgenommen hat?

Siehe Überschrift: Ich habe keine Ahnung! Die einzige sinnvolle Erklärung wäre, daß die Kunden die Meldung “Der Teilnehmer ist zur Zeit nicht erreichbar!” mißverstanden hat. Aber wie kam dann die Aussage “10 Minuten” zustande?

Eindeutig ein Fall aus der Twilight Zone, eine andere Erklärung fällt mir definitiv nicht ein…

13 Antworten zu “Twilight Call”

  1. Gerhard sagt:

    Vermutlich werdet ihr abgehört, und eine nette BND-Mitarbeiterin fühlte sich bemüßigt, ranzugehen, weil es so viel klingelte… =D

  2. Norbert sagt:

    Hmmm…vielleicht wurde das ganze auch ins Auto weitergeleitet (versehentlich), das würde am Freitag auch eine Frauenstimmer erklären oder nicht?

  3. DeserTStorM sagt:

    Hm cool 8-) Was man mit dir alles erlebt. Und vielleicht bestätigt dir später noch ein Kollege, das er ganz verwundert war, als du mit einem leeren Taxi an Libori durch die Gegend gefahren bist. Und du wirst behaupten, da waren Leute in deinem Taxi….

    Dann wirds gruselig!

  4. jemand sagt:
  5. Tobi sagt:

    Wahrscheinlich hat euer Zentralist eine äußerst weibliche Stimme^^

  6. B*e*e*e*d sagt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bielefeld-Versch...

    Jetzt sind sie auch in Paderborn :-)

  7. Badratgeber sagt:

    naja es kann ja schon mal passieren das man eine männliche stimme für weiblich hält. So unwarscheinlich ist das nicht unbedingt, aber warum dann die aussage 10min? ^^ War vllt Alkohol im spiel? xD

  8. Flora 36 sagt:

    koennte es nicht sein, dass der fahrgast ein gerade laufendes gespraech zwischen funker und fahrerin mitbekommen hat??? wenn der hoerer daneben liegt, waere das doch moeglich. wenn bei uns der funker a die fahrten durchgibt, hoere ich funker b auch beim telefonieren und bekomme schon vorher mit, welche fahrt gleich ansteht.

  9. frauenstimme sagt:

    @norbert: Diese Nummer bekommen nur VIP’s, z.B. Du!
    Dass heißt aber nicht, dass ich bei jeden Anruf annehme.
    Ist nämlich ganz schön anstrengend, zu fahren und gleichzeitig die Fahrten zu verteilen.

  10. Frank 72 sagt:

    Na das ist doch ganz klar! Da hat jemand dringend ein Taxi gebraucht und um nicht bestellt habenden Fahrgästen weichen zu müssen, behauptet, er habe es bestellt. Und der arme Torsten hat’s geglaubt und sich huhuuuu vor übersinnlichen Dingen gefürchtet.

    Guter Trick, den muss ich auch mal probieren ;-)

    Frank

  11. melissa münchen sagt:

    @ frank – das ist genau richtig :-)
    den trick wende ich auch immer an, wenn ich so schnell wie möglich ein taxi brauche :-)

  12. Simon sagt:

    Ja, das mit dem Kundenlotto haben wir leider auch jeden Samstag. Aber unsere Fahrgäste wissen daß Sie nur zwischen sieben und halb acht eine Chance haben für den restlichen Abend eine Fahrt zu bestellen… und danach nur auf gut Glück.

  13. Torsten Bentrup sagt:

    @DeserTStorM: Solange die Geister die Fahrt bezahlen, hab ich da nicht das geringste Problem mit!

    @Badratgeber: Alkohol? Zu Libori? Ich bitte Dich! :D

    @Flora 36: Nö, nur 10 Fahrzeuge und da reicht ein Zentralist.

    @Frank 72: Okay, mögliche Erklärung. Aber eigentlich sind Leute, die bereits im Taxi sitzen recht ehrlich, wenn man ihnen sagt, daß man sie nicht mehr rauswirft. Es gab also eigentlich keinen Grund mehr, um sich Geschichten auszudenken!

    @Simon: Dann macht Ihr ja quasi nur Linienverkehr. Respekt, klingt sehr entspannend für die Fahrer. Auch wenn Ihr natürlich “fiese Konkurrenz” für uns Taxifahrer seid, eine tolle Aktion für die örtliche Jugend!

Kommentar schreiben