Zehner und Gangsta
Zweiter Weihnachtsfeiertag, ich steh zusammen mit zwei Kollegen rauchend vorm “Resi”. Drei Teenager sprechen den Kollegen auf Platz Eins an:
“Ey, mach mal nen Angebot zur Elsener Straße!”
“Wir fahren alle nach Taxameter, da gibt es keine Angebote. Und erst recht schonmal nicht für eine Fahrt von 5-6 Euro.”
“Mach doch mal nen Festpreis!”
“Kein Problem. Zwanzig Euro Festpreis, fahr ich sofort für.”
Wir fanden den Vorschlag lustig, er sowas von überhaupt nicht. Sehr unentspannt, die Kinder heutzutage…
Gefahren ist er dann mit dem vierten Taxi.
Die dadurch veränderte Reihenfolge sorgte dann bei mir für das beste Trinkgeld der Nacht.
Nach einer kleinen Rundreise durch die Stadt standen 14,90 auf dem Taxameter. Meine Beifahrerin (nach eigenen Angaben selbständig mit 5-stelligem Monatseinkommen) ist grade mit ihrem Handy beschäftigt und reicht mir ohne hinzusehen einen 50-Euro-Schein.
Ich gebe passend zurück, sie steckt das Geld ein und will aussteigen.
“Häh, hab ich Dir jetzt gar kein Trinkgeld gegeben? Sorry, hier der Zehner ist für Dich, frohes Fest!”
Nein, es war kein 10-Cent-Stück.
28. Dezember 2008 um 10:06 MEckI(Quote)
Gehen ins Resi und jaulen wegen 6 € rum…
28. Dezember 2008 um 14:15 Teddy(Quote)
Na über sowas kann man sich doch freuen
28. Dezember 2008 um 14:21 Pop(Quote)
Was für eine blöde angeberin
28. Dezember 2008 um 14:43 Seismo(Quote)
Naja, soll sie doch angeben solange sie so ein gutes Trinkgeld gibt.
28. Dezember 2008 um 19:18 Flo(Quote)
Hey ich hab n Taxifahrer auch schonmal n Zehner Trinkgeld gegeben (als Student) weil er mir super aus der Patsche geholfen hat. Aber ansonsten liegt das Trinkgeld immer bei ~10% des Fahrpreises, wenn der Fahrer denn i.O. war.
Zum anderen Thema: Mir wäre es auch manchmal lieb wenn es Festpreise für die Strecken geben würde. Müsste doch heute per GPS & Navi machbar sein. Zielort eintippen und Preis sagen. Klar da ist die Zeit nicht berücksichtigt, aber liegt es denn bei mir als Kunde wenn der Fahrer kriecht? Ich fahr oft Taxi und manchmal denk ich mir – Mann rechts ist das Gaspedal und manchmal … naja … in der Mitte ist die Bremse Junge -> BREMS
.
Aber je nach Fahrstil – schnell anfahren, langsam anfahren, an Geschwindigkeitsbegrenzung halten, eher ein wenig vorsichtiger fahren, wird der Preis in PB immer sehr unterschiedlich hoch weil man auch erheblich mehr Ampeln erwischt. So schwankt mein Fahrpreis zur Arbeit zw. 5,30 € und 7,10 €. Das sind 1,80 € nur wg. Ampelstehereien. Dann doch lieber Pauschal 6,20 € und gut ist.
29. Dezember 2008 um 00:49 Marco(Quote)
Da steigen Leute zu dir ins Taxi, fahren für 15 Euro und erzählen dir dann gleich dass sie nen fünfstelliges Monatseinkommen haben? Oder war das nen Stammgast?
29. Dezember 2008 um 05:27 Ly(Quote)
@ Flo
Preise um die 6 – 10 euro dürften mit Sicherheit Fahrten im Stadtgebiet Paderborn haben. Für die Paderborner Taxen ist das Pflichtfahrgebiet.
Es gilt generell für alle Taxen: Im Pflichtfahrgebiet Tarifbindung.
Heißt: die Kollegen die dich fahren MÜSSEN auf Taxameter fahren.
Geben sie dir einen niedrigeren Festpreis begehen sie im eine Ordnungswidrigkeit.
Jetzt denk nicht das sei harmlos. Ich kenne Fälle wo Kollegen durch die schon angezeigt wurden wegen sowas bei der zuständigen Behörde. Sowas kann Ärger geben und Zuwiderhandlung teuer
Wo kein Kläger da kein Richter, ok. Aber verlangen ? Geht nicht.
Was die Standzeiten an der Ampel angeht: Bei uns sind die Uhren seit ein paar Jahren so gestellt, dass sie ab der 3. Minute erst auf Wartezeit schalten.
Auch dies regelt die Behörde.
Bei uns hat es was damit zu tun, schätze ich, das auf 58 Taxen 60 Funkmietwagen kommen etwa. die haben keine Wartezeit eingestellt. So fördert die jetzige Regelung eher unseren Umsatz als das er ihn behindert.
Es kommen jedoch immer wieder Kundenanwünsche man solle schneller fahren, schließlich fahre man ja mit Taxi auch auf Zeit, damit sind nu aber nicht die Ampeln gemeint
29. Dezember 2008 um 09:20 Andi(Quote)
Ich glaube Flo meinte eher, dass der Fahrgast mittels GPS schon vorher den genauen Preis kennt. Hätte der Kunde wie in seinem Fall natürlich eine bessere Übersicht.
Problem ist bloss. Es funktioniert nicht so einfach. Das System, welches einfach nur die Strecke berechnet, kennt ja nicht die momentanen Strassen- und Verkehrsverhältnisse. Ist grad wenig los, ist grad Rush-Hour. Ist es Tag oder Nacht, wo die meisten Ampeln ausgeschaltet sind und man in einem Rutsch durchfahren kann. Nicht wenige Kunden wollen zwischendurch noch an der Tanke etc. halten. Oder entscheiden sich für spontane Umwege.
Kleiner Tipp daher. Wenn man den Preis gerne vorher wissen möchten, einfach die Zentrale oder Fahrer fragen. Die kennen den jeweiligen Fahrpreis zumeist oder können zur Not mal über Funk bei den Kollegen nachfragen. Nicht auf den Cent genau, aber zumindest annähernd den Preis. Ist bei uns zumindest gängige Praxis. In der Stadt, vor allem, wenn es zu Dörfern gehen soll, wo man noch nie oder lange nicht mehr gewesen ist.
Kleiner Nachtrag noch zu Ly. Ganz abgesehen von dem Begehen einer Ordnungswidrigkeit bei Nichteinschaltung des Taxameters im Pflichtfahrgebiet mache ich aus einem anderen Grund schon nicht Festpreise in der Stadt. Wenn es alle täten, würde man sich die Preise kaputt machen, weil es leider immer genügend Fahrer gibt, die den anderen unterbieten. Schon oft genug gesehen, wie ein Fahrgast die Taxireihe abklappert, weil er gerne für Betrag x zu Ort y kommen möchte. Manchmal hat er dabei dann sogar noch Glück und findet einen Fahrer, der für einen Betrag fährt, der sich eigentlich gar nicht rechnet.
29. Dezember 2008 um 17:56 Ly(Quote)
bei uns lädt keiner festpreisfahren im stadtgebiet aus der reihe, also unter zeugen, wenn der kunde vorher abgewiesen wurde, weil sich bei uns keiner mit sowas erwischen lassen sollte. es sind immer die quasselnden (stamm)kunden, durch die sowas rauskommt. bei mir und vielen anderen geht sowas hier rein, da raus. bei anderen nicht. mehr sag ich nicht dazu
für ausserhalb halten sich die allermeisten an die prozentregel für die wirtschaftlichkeit. es gibt wirklich nur sehr wenige, aber bekannte, ausreißer, die aus der reihe laden dann, wenn der kunde vorher abgewiesen wurde, die unbedingt beliebt sind… die buschtrommel funktioniert bei uns übrigens perfekt.
neue lernen sehr schnell, was gut und nicht gut ist.
hat alles seine vor und nachteile.
gute fahrt
30. Dezember 2008 um 07:28 Ly(Quote)
hört sich schlimm an was ich da geschrieben habe. ne, aber es ist wirklich so. manchmal wünscht ich mir ein bisschen mehr kuschelklima bei uns, wie in alten Zeiten
da wurde zb neuen einfach erklärt, was und wie geht. statt direkt scharf geschossen, und ein einmal gemachter Fehler zementierte sich nicht gleich für Jahre.
wie gesagt, hat alles seine vor- und nachteile. Der Vorteil ist, es wird nicht so wild von hinten gefahren.
Andernorts, so erzählte mir bedauernd ein neuerer Fahrer, der in einer anderen Stadt den Funk mithören konnte, sei es sehr viel wärmer im Umgang.
diesmal nicht polemisch gemeint:
gute fahrt, gebt auf euch acht.
30. Dezember 2008 um 22:20 Norbert(Quote)
@ Ly: Ich kann vollkommen nachvollziehen, was du meinst. Ich bin so ein “Neuer” und genau so etwas ist mir letzten Sonntag passiert, also die anderen dachten es zumindest, dass ich unter Fahrpreis fahren würde, im Endeffekt war es aber nicht so. Ich werde bis heute noch böse angeguckt.
Naja, für die Show die mir geliefert wurde, kann ich damit leben, das war einfach zu geil:D
1. Januar 2009 um 18:12 michi(Quote)
Nach Flo’s Beitrag ist es mir klar. Der “Lobbyverband der Taxifahrer” sorgt dafür, dass so viele Ampeln in Paderborn stehen.
Also Allzeit gut Rot oder wie heißt der neue Leitstpruch 2009 für das Taxigewerbe.
4. Januar 2009 um 04:18 Nils(Quote)
Wow, dann ist ja dein Weihnachten im Taxi fast so gut verlaufen wie bei den Brommsklötens
http://www.frogged.de/weihnachten-mit-bromsek...
6. Januar 2009 um 23:31 Wolfgang(Quote)
Zum Trinkgeld:
Gesagt hat er leider nix, wahrscheinlich war er ob dieser Dreistigkeit nur noch sprachlos.
Immerhin ist es ihr noch eingefallen – ich bin da einmal voll ins Fettnäpfchen gesprungen, weil ich (wie nach vierwöchigem China-Aufenthalt gewohnt) bei der Heimfahrt vom Bahnhof nach ebendiesem Urlaub dem Taxifahrer völlig übernächtigt nur die 3,80 Euro auf der Uhr passend gezahlt habe…
Ich will lieber nicht wissen, was der über mich gedacht (und den Kollegen erzählt) hat.
7. Januar 2009 um 17:04 Phill(Quote)
Jaja das ist das schöne in China, da will keiner Trinkgeld. In Deutschland reicht es ja meistens nichteinmal wenn man aufrundet. Irgendwie bekomm ich im Büro auch kein Trinkgeld. Und der Busfahrer auch nicht. Komisch dass man immer schräg angeschaut wird wenn man das bezahlt was es kostet.
Ich weiß, uns gehts allen schlecht. Strompreis, Krankenversicherung und und und
12. Januar 2009 um 04:26 Torsten Bentrup(Quote)
@Phill: So ist das halt mit den gewachsenen kulturellen Unterschieden. Ich gebe übrigens auch an Tankstellen Trinkgeld, wenn ich zufrieden war. Zugegeben, nicht beim reinen Tanken oder bei graden Summen. Aber die 1,80 für den ersten Kaffee am Abend zahl ich gerne mit 2 Euro.
“Reichen” tut übrigens auch im Taxi ein passendes Bezahlen, Trinkgeld ist eine Option und eine Möglichkeit, sich für einen guten Service zu bedanken. War der Service schlecht, gibts halt nix.
Würden also nicht viele Fahrgäste grundsätzlich aufrunden, obwohl sie unzufrieden waren, würde sich vielleicht auch der dümmste anzunehmende Dienstleister ein paar Gedanken machen und alle wären zufrieden.