Flaschen, Lebensmüde und Vollidioten
Der dezente Hinweis in der Überschrift sagt eigentlich schon alles: das ist ein Frustposting und die Feststellung, daß letzte Nacht offensichtlich alle Spacken rund um Paderborn Ausgang hatten…
(Seeeehr lang, bitte bei Bedarf weiterklicken)
Die erste Scheißfahrt begann nicht nur harmlos, sondern sogar ganz nett. Ein Paar mit zwei kleinen Kindern. Ein bischen irritiert war ich zwar, als bei Fahrtantritt der Kofferraum mit leeren Bierkisten beladen wurde. Aber egal.
Ärgerlich wurde es dann, als am Ziel leider nicht genug Geld aufzutreiben war. Stattdessen kam er mit noch mehr Pfandflaschen an und wollte sie in Zahlung geben. Kann man machen, aber da man schlecht mit vollem Kofferraum und Fahrgästen durch die Stadt sausen kann, muß das Zeug schleunigst zur nächsten Tankstelle. Die dafür nötigen Kilometer würde ich einfach berechnen und gut ist.
Gut wars leider überhaupt nicht, die Flaschen reichten so grade eben für den normalen Fahrpreis, nicht für den Umweg zur Rückgabe. Was blieb mir also anderes übrig, um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln. Richtig, ich hab die Flaschen während der kurzen Hochbetriebsphase zur Tanke gebracht. Nein, sogar zu zwei Tanken, es waren auch Bügelflaschen dabei, die nur an der Aral-Bahnhofstraße angenommen wurden.
Nachdem ich dem Kassierer etwa 5 Minuten erklärt habe, das Bügelflaschen nicht mit 8 Ct. bepfandet sind und eine fast volle Kiste (mit ebensolcher) wohl kaum nur 1,irgendwas Euro wert sein können, konnte ich dann auch wieder produktiv arbeiten.
In der Marienstraße sprangen mir dann vier Jungs vors Auto.
“Wir müssen nach $Nachbarort, nimmst Du auch fünf Leute mit?”
Naja, ich wollte ein Auge zudrücken. Zu der Zeit war absoluter Taximangel und schweinekalt war es auch noch. Die vier nahmen also Platz. Uhr an und losgefahren.
“Da vorne sind unsere Kumpel, da müssen wir dann noch kurz halten!”
Moment, 4 + 2 ist deutlich mehr als 5. Mit nem Kombi wäre es ja kein Problem, blöderweise hatte ich letzte Nacht eine Limousine unterm Hintern.
“Kein Problem, wir gehen in den Kofferraum!”
Sprachs und war schon am Heck zu fummeln. Geht ja mal gar nicht!
Kurze Diskussion, wir einigten uns auf ein Ende der Fahrt, sie wollten lieber auf einen Bulli oder Kombi warten.
“Dann hätte ich gerne noch 3 Euro von Euch!”
Oh, ich hätte besser den Fahrpreis nicht nennen sollen. Drei fingen an zu diskutieren. Könne doch nicht sein, daß 100 Meter und ein bischen labern solch eine Unsumme Geld kostet. Der vierte bat mich sehr “charmant” auszusteigen, damit er mir “erklären kann”, was er von meiner unverschämten Forderung hält. Einer blieb vernünftig, schmiss mir das Geld auf den Sitz und sorgte für eine zügige Räumung des Taxis. Immerhin.
Zu dem Zeitpunkt war ich schon runde 5 Minuten mit den Jungs beschäftigt.
Die nächste Fahrt war dann wie aus dem Lehrbuch für Taxifahrer. Eine Situation, auf die sich jeder Fahrer mal gedanklich vorbereiten sollte.
Er war angeschickert, aber noch klar sprechend und freundlich, auf dem Weg zum Taxi lief er auch noch einigermaßen sicher.
Knapp zwei Kilometer vorm genannten Zielort, wir waren grade aus Paderborn raus und fuhren auf einen stillgelegten Bahnübergang zu.
“Halt mal da vorne, ich geh den Rest über die Schienen. Ist näher und ich will noch den Kopf klarbekommen.”
Scheiß Situation bei -3 Grad Aussentemperatur. Ab wann darf und ab wann muß man jemanden daran hindern, sich einer potenziell lebensgefährlichen Situation auszusetzen? Wann kippt sowas von “Freiheitsberaubung” zur “unterlassenen Hilfeleistung”?
Aufs Geldsparen kam es ihm übrigens nicht an, sonst hätte er kaum zwei Euro Trinkgeld gegeben.
Während ich kassierte, hab ich ihm ins Gewissen geredet. Daß ich mir Sorgen mache, daß es wirklich keine gute Idee ist. Er bedankte sich für meine Versuche und stieg aus. Meine Buchführung hab ich extrem langsam erledigt und währenddessen den Fahrgast beobachtet. Bevor ich weiterfuhr, wollte ich sichergehen, daß er wirklich einen sicheren Eindruck macht.
Keine fünf Meter hat er geschafft. Dann kam er ins Wanken, setzte sich auf seinen Hintern, guckte mich verdutzt an und legte sich ins gefrorene Gras.
Ich half ihm hoch und hab ihn dann mit sanfter Gewalt wieder zum Taxi bugsiert. Er wollte partout immer noch zu Fuß gehen, war völlig uneinsichtig.
Überzeugen konnte ich ihn erst mit der Kombination aus “Ich kann Dich nicht allein lassen, ich bin für Dich verantwortlich!”, “Steig jetzt ein oder ich rufe die Polizei!” und “Du musst nichts bezahlen, das geht auf meine Rechnung!” überzeugen.
Auf den letzten Metern teilte er mir dann noch mit, daß er ja nur mir zuliebe wieder eingestiegen ist und der ganze Aufwand überhaupt nicht nötig sei. Is klaar!
Es war ein gutes Gefühl, als er dann hinter seiner Haustür verschwunden ist… Und die Katastrophenfahrten sind jetzt hoffentlich bis mindestens Neujahr erledigt. Bitte!
26. Dezember 2008 um 08:29 Norbert(Quote)
Also deswegen bist du bei beiden Tanken gewesen…Ich hatte mich schon gewundert, warum man gleich zu zwei Tanken geht^^
Mein Beileid für diese Nacht bei mir liefs aber auch nicht unbedingt besser;)
Ich teile dann die Hoffnung, dass es das fürs erste war:D
26. Dezember 2008 um 11:33 jemand(Quote)
@Norbert
Verfolgst du Torsten?
26. Dezember 2008 um 14:12 TaxiIngo(Quote)
@Norbert
Verfolgst du Torsten?
Dann hätte Norbert ja beim letzten geblogten Fahrgast ja als Zeuge aussagen können oder zumindest mit anpacken können um ihn wieder aufzuhelfen
26. Dezember 2008 um 14:29 Maik(Quote)
Sind solche zusammenhängenden Feiertage eigentlich besonders schlimm oder hält sich das die Waage mit normalen Wochenenden?
26. Dezember 2008 um 15:33 Andi(Quote)
@Maik
Nach meiner Erfahrung kann man das nicht an bestimmte Tage im Jahr festmachen. Ich hatte gestern eine prächtige Kasse, feine Trinkgelder und durchgehend ruhige bis äusserst angenehme Gäste, die alle auf Uhr mitgefahren sind und mit denen ich teilweise richtig rumalbern konnte.
Es gibt dann aber eben auch immer mal wieder Tage, an denen man meinen könnte, alles Pech der Erde hätte sich auf den eigenen Schultern breit gemacht. Vorhersehbar sind sie aber leider eben nicht.
@Torsten
Siehe es doch einfach so. Du hast nun den beschissenen Quartalstag hinter Dir gebracht. Jetzt wird es wieder angenehmer für die nächste Zeit.
26. Dezember 2008 um 15:50 ZentralenFunk(Quote)
Blöd ist es dann auch wenn man in der Zentrale sitzt und nur bekloppte anrufen:
- “Ich will ein Taxi zu dieser RIESENPARTY, und nur auf meinen Namen reserviert!” KLAR: Ist ja Weihnachten! Da will ja eh keiner mit Taxi nach Hause fahren…
26. Dezember 2008 um 16:10 Norbert(Quote)
@ Jemand: Jau, ich hab auch in meiner Schicht nix besseres zu tun^^
Ne mal im Ernst, ich hatte grad anner freien Tanke meine Pause absolviert und die Aral Tanke liegt vonner freien Tanke in Richtung Innenstadt nunmal auf dem Weg. Ich weiß auch gar net, warum ich Torsten anner Aral noch gesehen hat, da er eigentlich wesentlich früher als ich weggefahren ist.
@ Torsten: Beware of Nobbie, ich werde dich bis in die tiefsten Tiefen der Nacht verfolgen *muhahaha*
26. Dezember 2008 um 17:21 Torsten Bentrup(Quote)
@Maik: Vermutlich ist die absolute Anzahl der “komischen” Menschen immer gleich. An manchen Tagen sammeln sich nur alle bei einer Firma oder bei einem Fahrer… Wenn sowas passiert, findet man natürlich prima eine gute Erklärung dafür: Vollmond, das lange Wochenende, Monatsanfang, Monatsende…
@Norbert: Die lange Diskussion über die Pfandhöhe… Der Aral-Kassierer war leider extrem überfordert.
27. Dezember 2008 um 02:17 Andi(Quote)
Scheint wohl einigen das Geld ausgegangen zu sein. Bei mir wollte vorhin doch auch einer mit Pfandflaschen bezahlen.
Aber gottlob meinte er das dann nur als Scherz.
27. Dezember 2008 um 07:14 BRV-Christian(Quote)
Aus gegebenem Anlass von heute Nacht mal eine Frage an euch:
) und der Kunde möchte “nur eben um die Ecke”?
Wie handhabt ihr das, wenn ihr seit Stunden in der einzigen Taxireihe vor der einzigen offenen Disko im Pflichtfahrgebiet steht (ja, ich weis, Paderborn ist ein bischen größer, aber bei uns gibts nunmal Nachts nicht so viel
Bei uns hat es sich so eingebürgert, das der Kunde nett gebeten wird, doch bitte für solche Touren das letzte Taxi der Reihe zu nehmen.
Heute wurde ein Fahrgast von einem Fahrer der Konkurenz nach eigenen Worten “aus dem Taxi geworfen”. Er will jetzt Anzeige erstatten weil wegen Beförderungspflicht und so.
Ich hab ihn dann nachher gefahren, war mir heute scheiß egal, war eh nichts los.
Ich wollt ihm auch erklären, warum wir das normalerweise so handhaben. Leider wollte der Kunde mir überhaupt nicht zuhören. Ich weis natürlich auch nicht, was der Fahrer jetzt wirklich gesagt hat.
Aber wie ist das so bei euch? Bittet ihr den Kunden auch, ein hinteres Taxi zu nehmen, wenn ihr schon Stunden an erster Stelle ansteht und die Fahrt unter 2km sein soll?
27. Dezember 2008 um 07:27 TaxiIngo(Quote)
Wenn man höflich fragt ,kann mann auch eine freundliche Antwort bekommen.
Ich versuche die Fahrgäste auch nach hinten zu schicken ,außer es steht eine bestimmte Firma da.
27. Dezember 2008 um 12:23 Andi(Quote)
Bei uns wird die Tour auf Gedeih und Verderb ausgeführt. Ist dann einfach Pech.
Aber Bremerhaven ist ja auch eine “Großstadt” und da gibt es immer mehrere Stände zum Anfahren, wo man noch Fahrgäste bekommen kann.
27. Dezember 2008 um 19:46 ker0zene(Quote)
Tja, die guten sind halt alle weg …
28. Dezember 2008 um 04:47 Luke(Quote)
Ist auf jeden Fall schön zu wissen, dass sich manch ein Taxifahrer so sehr um seine Fahrgäste sorgt wie du und sie dann sogar auf eigene Kosten nach Hause fahren würde.
28. Dezember 2008 um 18:18 Sash(Quote)
@BRV-Christian:
Rauswurf finde ich dagegen dann doch inakzeptabel!
Ich fahr grundsätzlich jeden überallhin. Kollegen halten das oft anders, aber was soll’s. Wenn man das nett klärt, finde ich das auch ok, jemanden zu bitten, einen Kollegen weiter hinten zu fragen, so ist es nicht.
Aber ich fahre ja auch in Berlin – da hat man ja Auswahl, wo man danach hält. Und dann kann das ja auch Auftakt zu einer guten Serie sein
@Torsten:
Das war wohl wirklich eine Scheiß-Nacht! Finde es aber immer wieder erstaunlich, zu lesen, dass du selbst da die Ruhe bewahrst und so verantwortungsbewusst bleibst.
30. Dezember 2008 um 06:30 Andreas(Quote)
Taxifrust aus Kundensicht :
Vor einigen Tagen wollten wir zu viert den Schwerpunkt des Geschehens aus meiner Wohnung in eine stadtbekannte Rockkaschemme verlagern.
Anruf bei der Zentrale -> Wagen kommt -> dauert aber mindestens 20 Minuten.
NoProb, aufgelegt, alle noch ne Pilsette aufgemacht oder eine neue Mische gebaut. (dauert ja noch)
Ding-Dong, Taxi ist da -> die Reste des teuren Alkohols durfte ich am nächstren Morgen dann wegkippen, war doof.
30. Dezember 2008 um 07:13 Torsten Bentrup(Quote)
@Norbert: Als “Hüter” meines Ex-Dienstwagens (neben Sonja, Christian und Uwe) darfst Du gerne hinter mir her “stalken”. Vielleicht klappts ja Silvester vor Mitternacht mal mit nem gemeinsamem Kaffee. So langsam möchte ich Dich ja auch mal im “Real Life” kennenlernen.
@ker0zene: Du hast ja so recht… Ich glaub, die einzig nette weibliche Kassiererin ist inzwischen auch weg. Aber nach der Kaffee-Geschichte bin ich jetzt das erste Mal wieder dort gewesen… Damals, als Du noch die Herrschaft über Kaffee und Donuts hattest, war alles besser!
@Luke: Profan gesagt, ich hab keinen Bock auf Gerichtsverhandlung und Knast. Realistisch betrachtet, ist es wirklich jeder Mensch wert, nicht jämmerliche zu erfrieren.
Jeder, der in der Situation nicht ähnlich gehandelt hätte, ist ein Arschloch. Kurz und gut, das war dermaßen eindeutig. Da hätte sich auch niemand vor Gericht rausreden können.
@BRV-Christian: Ich bin da konsequent, fahren und freundlich sein. Bei 15 Unternehmen ohne Gemeinschaftszentrale wäre ein nach-hinten-schicken auch kaum stressfrei möglich. Statt sich über die zusätzliche Fahrt zu freuen, würde der hinten stehende Kollege sich wahrscheinlich bitter bei mir beschweren.
Davon abgesehen (und aus reiner Fahrersicht) finde ich es gut, wenn ein vorrangiger Kollege auf Fahrten verzichtet und mir die Fahrt gibt. Wäre theoretisch eine “Win-Win-Situtation”. Klappt halt leider hier nicht.
Würde ich als Fahrgast und “Insider” am voll besetzten Stand eine Kurzstrecke fahren wollen, würde ich den ersten fragen, ob ich lieber hinten einsteigen soll oder ob er mich fahren will. Als Fahrer bin ich oft froh über irgendeine Fahrt um einfach vom Stand wegzukommen, meist würde ich die Fahrt machen aber kurz vor Ankunft des lang erwarteten ICEs wäre ein Weiterschicken eine echte Option.
Aber natürlich hat der Fahrgast immer die freie Fahrzeug-/Fahrerwahl, wenn er mit dem ersten in der Reihe 100 Meter weit fahren will, mach ich das ohne Diskussion. Netterweise sind grad die Ultrakurzfahrten diejenigen mit den besten Trinkgeldern. Ich fahr doch gerne eine 2,80-Fahrt, wenn ich dafür fast immer einen 5er bekomme.
Ich hoffe, ich komme die nächsten Tage dazu, die beiden üblen Geschichten über böswillig uneinsichtige Kunden zu schreiben…
@Andreas: Da wurde wohl der Fahrer unerwartet um die Ecke frei… Aber passend kommt man als Taxifahrer eh nie an. Mit dem Hinweis “Ups, der Zentralist sprach von 20 Minuten, wir brauchen noch 5 Minuten. Sorry!” hätte der Fahrer (wenn er zu den Guten gehört) Euch problemlos austrinken und -rauchen lassen.
Doof ists natürlich trotzdem, aber alternativ noch eine Fahrt zwischendurch mit ungewissem Ziel machen? Dann wartet Ihr eventuell eine halbe Stunde und seid stinkig. Dann doch lieber freundlich anklingeln und hoffen, daß die Fahrgäste positiv überrascht sind.
30. Dezember 2008 um 22:16 Norbert(Quote)
Hey Torsten, das Interesse liegt auch ganz meinerseits;)
Leider fahr ich morgen Mietwagen und hab keinen Funk, könnte dir meine Handynummer geben oder wir treffen uns über/mit Sonja^^, die hat ja dann Funk:D