Für’n Groschen Glück

Ein wirklich netter Stammkunde. Er fährt selten, aber dann eigentlich immer die direkte, knapp zwei Kilometer lange Strecke nach Hause. Diesmal gab es eine kleine Planänderung.

“Wir müssen noch am $Imbiss vorbei. Ich hab eben dummerweise an der Theke erwähnt, daß ich jetzt Hunger auf $FastFood hätte und bevor ich reagieren konnte, haben es die Jungs für mich bestellt. Dabei hab ich das nichtmal ernst gemeint… Müssen wir grad noch abholen!”

Kein Problem, keine hundert Meter Umweg. Er holt das Bestellte, wir fahren weiter zu ihm nach Hause. Fünf Euro statt der üblichen EUR 4,30 stehen auf der Uhr.

Er kramt in seinem Portemonnaie:

“Scheiße, verdammt. Ich hab doch 50 Euro mitgenommen!”

“Was ist denn, reicht’s nicht mehr?”

“Mist, ich hab nur noch 4,90. Boah, ist mir das peinlich. Das Essen hab ich auch nicht mit eingerechnet…”

“Och Gott, ich dachte schon, es wäre was dramatisches. Den Groschen schenk ich Dir!”

“Das geht doch nicht, kann ich doch nicht machen. Mensch, Du brauchst doch auch das Geld!”

“Na komm, die 10 Cent werden mir sicher nicht am Brot fehlen. Sie zu, daß Du rauskommst, Essen wird kalt!”

“Das würdest Du wirklich machen? Wir können auch zur Bank fahren, ich will doch keine Schulden machen…”

“Raus! :D

Unzählige Dankesbekundigungen und die Ankündigung eines grandiosen, zukünftigen Trinkgeldes später ist er dann auch wirklich ausgestiegen.

Unglaublich, wie einfach man manche Menschen glücklich machen kann. Zehn Cent, die ich in den nächsten Wochen und Monaten sicher vielfach zurückbekomme, eine Riesenwerbung für meinen Arbeitgeber (und auch ein bischen für mich als Fahrer ;) ). Vermutlich erzählt er jetzt auch noch allen Freunden und Bekannten davon…

Übrigens, mehr so für rechtlich Interessierte: Wichtig ist der Satz “Den Groschen schenk ich Dir!”. Nicht “… geb ich Dir als Rabatt!” oder “… kriegst Du von meiner Firma!”. Taxipreise im Pflichtfahrgebiet sind fix, Rabatte sind nicht erlaubt. Deshalb muß das Geld aus meiner Tasche an ihn gehen, was er dann damit macht (z.B. sein Taxi bezahlen) ist dann nicht mehr mein Problem.

11 Antworten zu “Für’n Groschen Glück”

  1. Thorsten H. sagt:

    Nur weils mich jetzt mal interessiert:
    Was macht ein Taxifahrer heutzutage, wenn ein Kunde mal kein Geld hat? Also kein netter Stammkunde, sondern ein einfacher Gelegenheitsmitfahrer?
    Kommt doch bestimmt öfter vor, grad bei alkoholisierten Kunden, dass die keinen Überblick über ihre Finanzen mehr haben….Ruft man dann gleich den Freund und Helfer? Gibts da ne Art Standardvorgehensweise?

  2. Taximan224 sagt:

    Pfand kassieren oder Polizei holen. Kommt immer drauf an…

  3. Andi sagt:

    Und so oft kommt das auch nicht vor. Bei mir jedenfalls 1 x im Vierteljahr. Dann wird halt meistens die Polizei gerufen wegen Zahlungsproblemen.
    Die letzten haben sich bei mir übrigens ins Haus verdrückt. Dachten wohl, wegen 6 € mach ich mir nicht die Mühe. Tja, der Polizei haben die anschliessend nicht aufgemacht. Dafür aber eine Anzeige bekommen. Wird zwar mit Sicherheit eingestellt. Aber wegen 6 € bei der Polizei aktenkundig werden…. wer es braucht.

  4. Torsten Bentrup sagt:

    Es ist wirklich die ganz große Ausnahme, im Schnitt sinds vielleicht 10 Euro im Monat, die nicht gezahlt werden. Und das die Polizei dazukommen muß, ist noch deutlich seltener der Fall.

    Die Grundfrage ist: Will er nicht zahlen oder kann er (im Moment) nicht zahlen. Wer nicht will, wird in der Regel von der Polizei darüber aufgeklärt, daß er doch lieber will.

    Bei Stammkunden ist es eigentlich nie ein Problem, dann wird einfach nächstes Mal gezahlt. Ein gutes Taxiunternehmen versaut man sich als regelmäßiger Fahrgast ja auch nicht so schnell.

    Ist der Kunde nicht als “zuverlässig” bekannt, sollte ein Pfand einkassiert werden. Idealerweise ein hochwertiges Telefon (gerne ohne SIM-Card, noch lieber mit und dafür ausgeschaltet…). Gibt es keine verwertbaren Pfänder, sollten die richtigen Personendaten festgehalten werden. Ohne wirklich amtlichen und echten Ausweis hilft auch da die Polizei.

    Und wenn die anschließende Rechnung nicht ordnungsgemäß bezahlt wird, gehts dann ins normale Mahnverfahren.

    Zusätzlich kann man auch über eine Betrugsanzeige nachdenken, passiert aber so gut wie nie. Dazu müsste man auch Vorsatz nachweisen können, ein vergessener Geldbeutel ist eine gute Ausrede, dann bleibt halt nur noch “nicht bezahlte Rechnung” übrig und damit der zivilrechtliche Weg.

    So der Idealfall. Die Praxis weicht manchmal ab. Die wenigsten Unternehmen werden z.B. für eine 5-Euro-Tour die ganze Maschinerie in die Gang setzen.

    Aber wie gesagt, sowas kommt sehr selten vor. Deutlich häufiger wird vor Fahrtantritt nochmal das verbliebene Geld durchgezählt und peinlich genau der Taxameter beobachtet, die letzten Meter gehen die meisten Fahrgäste dann lieber zu Fuß.

    Das andere Extrem zum Zechpreller sind dann die Fahrgäste, die auch früher aussteigen wollen und dann noch mit Trinkgeld um die Ecke kommen. Haben noch 20 Euro und steigen bei 18,– aus, der Rest ist Trinkgeld.

    Kaum zu glauben, aber passiert auch alle paar Wochen. Ich selbst wäre ja zu bequem dazu, aber manchen Fahrgästen ist das wirklich wichtig. Typischerweise arbeiten diese Menschen in ähnlich trinkgeldüblichen Berufen oder haben das zumindest früher mal gemacht.

  5. Anke W. sagt:

    Brauerfest Warstein vor einigen Jahren:

    Mein Ex meinte, sich ordentlich einen hinter die Binde kippen zu müssen. Da er unser gesamtes Geld mit hatte bat ich ihn, 20€ fürs Taxi zurück zu sparen. Ich hörte “jaja” und er gab Runde um Runde. Irgendwann haben auch seine Kumpels gemerkt, dass er kurz vorm Bierkoma war und wendeten sich anderen zu, sein bester Freund half mir, ihn ins Taxi zu packen. Was er natürlich nicht mehr hatte – Geld. Alles versoffen. Glanzleistung. Unterwegs lallte er noch den Fahrer zu, gosh war mir das peinlich, ich wäre am liebsten in der Rückbank versunken. Vor der Haustür war das Geld alle, der Fahrer und ich mehr als verärgert. Plötzlich hat dieser Kerl einen lichten Moment in seinem Suff und merkt an, dass er die Chefin vom Taxiunternehmen kennt. Kurze Rücksprache über Funk – Tatsache, ich war überrascht. Am nächsten Morgen ist dann sein Bruder los und hat das ausstehende Geld bezahlt.
    Das funktionierte aber auch nur, weil die Chefin mal Kundin bei meinem Ex war.

    Trotz allem war diese Nummer so peinlich, dass ich nie wieder mit meinem Ex zusammen Taxi gefahren bin.

  6. Thorsten H. sagt:

    Danke für die ausführlichen Antworten. Da ich leider keinen Taxifahrer in meinem Bekanntenkreis habe, war dies die einzige Möglichkeit, meine Neugier zu befriedigen ;)

  7. tobsen sagt:

    wieso ist es für einen taxifahrer möglich, mir die heimfahrt (normal ca. 13 euro) nach ein paar netten gesprächen bei vorigen fahrten jedes mal auf 10 euro abzurunden?

    das sind keine 5 km, aber du meinst doch immer das wäre nicht möglich?
    der nette türkische taxifahrer muss das wohl kaum aus seiner eigenen tasche zahlen.

  8. opatios sagt:

    Das kommt wohl drauf an, wo die Fahrt hin geht- im Pflichtfahrgebiet geht das IIRC eigentlich nicht, da gilt der Tarif und fertig.
    Bei Fahrten nach außerhalb des Pflichtfahrgebietes kann man einen Pauschalpreis aushandeln.

    Wie ist das mit Stammkunden mit “festen Touren”, kann ein Taxiunternehmer da auch innerhalb des Pflichtfahrgebietes einen “Pauschalpreis” festlegen oder geht das nur bei Mietwagen?

  9. Torsten Bentrup sagt:

    @Noch “schöner” finde ich ja die Jungs, die im Puff eine Flasche Sekt nach der anderen spendieren und dann kein Geld mehr fürs Taxi haben.

    Und Vitamin B ist immer günstig. Solange ich nicht für Fehlbeträge einstehen muß, ist mir auch egal, ob ich Bargeld sehe oder nur ein paar Zahlen in die Rechnungsspalte eintrage.

    @Thorsten: Dafür bin ich doch da!

    @tobsen: Es gibt halt einen deutlichen Unterschied zwischen der juristischen Theorie und der Praxis. Auch eine Form der Kundenbindung.

    Im speziellen Fall (oder eigentlich fast immer, wenn spontan Festpreise “ohne Uhr” vereinbart werden) ist übrigens die Gefahr recht hoch, daß der Zehner direkt beim Fahrer und nicht beim Unternehmen gelandet ist.

    Und wie so oft: Wo kein Kläger, da kein Richter. Als Fahrer sollte man sich nur nicht dabei erwischen lassen, egal von wem.

    @opatios: Sowas geht tatsächlich mit schriftlichen Rahmenverträgen, die dann von den Ordnungsbehörden genehmigt werden müssen. Sowas macht man mit großen Firmen, Bildungseinrichtungen, Gesundheitseinrichtungen, …

  10. tobsen sagt:

    er lässt die uhr aber trotzdem immer laufen ;)

  11. BrowserGamesFan sagt:

    Wusste gar nicht, dass die Taxipreise fest sind, und man selbst bei nem 10 Cent Erlass scho Stress bekommen kann.

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