Es musste wohl mal wieder sein…
Die letzte Nacht hat genug blogbaren Lesestoff für die nächsten zwei Wochen gebracht. Meine momentane Schreibschwäche liegt also nicht an fehlenden Geschichten, lediglich an fehlender Zeit.
Aber es kommt alles, nach und nach.
Ich fang mal mit der kürzesten Fahrt an. 500 Meter weit bin ich gekommen, bevor die gemischte Dreiergruppe achtkantig aus dem Taxi flog… Es war einfach zuviel, irgendwann platzt auch mir der Kragen.
Es fing schon an mit dem Geruch, der mir bei deren einsteigen entgegenwaberte. Eine sehr ekelhafte Mischung, ich würde es am ehesten mit Korn-Kacke beschreiben. Okay, kann ich mit leben.
Das Paar auf der Rückbank fing auch direkt an, sich gegenseitig anzuschreien, erste Schläge wurden zwischen beiden ausgetauscht.
In solchen Fällen hilft normalerweise eins: in die Augen sehen und eindringlich ermahnen. Da ich meine Augen aber gerne auf die Straße richte, bin ich rechts rangefahren.
Das war dann für die Frau der Anlaß, auf mich loszugehen. Übelste Beschimpfungen auf unterstem Niveau, es ging hauptsächlich um meine sexuelle Vorlieben und mein optisches Erscheinungsbild. Als sie dann in meine Richtung spuckte, war es vorbei mit meiner Geduld.
Die unmißverständliche Aufforderung, sofort mein Taxi zu verlassen, hat dann überraschenderweise auch sofort Erfolg gehabt. Natürlich mit Türen zuschmeißen wie blöde und hämmern auf dem Autodach.
Aber immerhin…
Fünf Minuten später versuchten Sie dann telefonisch bei uns ein Taxi zu bestellen. Ich glaub ja nicht, daß irgendjemand hingefahren ist… Zumindest konnte ich denen 20 Minuten später noch freundlich im Vorbeifahren zuwinken!
29. Oktober 2008 um 07:34 TorstenW(Quote)
Hallo Torsten!
Meinen Glückwunsch, daß Du diese Fahrgäste so “leicht” losgeworden bist! Ja, unser Beruf macht zwar meist viel Spaß, aber solche Fahrgäste können einem diesen sehr schnell vermiesen! Und daß sie nach 20 Minuten immer noch keinen Kollegen/keine Kollegin hatten, der/die sie fahren wollte, ist doch ein kleiner Triumph…
LG TorstenW
29. Oktober 2008 um 08:44 Gucky(Quote)
Hier in $meinWohnort gab es lange Zeit nur zwei Taxiunternehmen. Solche Leute waren dann auch schnell bekannt und die hätte auch kein anderer eingeladen. Solange sie noch bei verbalen Attacken bleiben, geht es “noch”!
Ähnlich ging es mit Leuten, die dafür bekannt waren, daß sie nicht oder nur widerwillig bezahlen.
Ich bin (oder besser war) noch nie ein Freund davon, die Leute wg. jeder Kleinigkeit aus dem Auto zu “schmeißen”, aber was manche sich erlauben geht einfach nicht !
Was hast du denn für sexuelle Vorlieben und gar welche, die dieser Dame bekannt waren ?
29. Oktober 2008 um 08:52 Torsten Bentrup(Quote)
@Gucky: Sie bezichtigte mich der Liebe an und für sich, mit mehr Niveau hätte sie mich wohl als Onanist bezeichnet.
29. Oktober 2008 um 10:28 Andi(Quote)
Richtig so. Geht auch bei mir so einiges im Taxi und wird nicht gleich alles auf die Goldwaage gelegt. Eines jedoch geht gar nicht. Beleidigungen gegenüber (fast allen) Kollegen und schon gar nicht mir. Da folgt dann je nach Pegel eine ultimative Verwarnung oder gleich der Rauswirf.
Aber schön, dass so etwas nur alle halbe Jahre mal vorkommt.
Seltsam dabei ist nur, dass die irgendwie alle genau wie bei Torsten reagieren. Steigen zwar beleidigt aus, aber mehr kommt dann auch nicht mehr. Ist wohl wie mit den Hunden, die bellen.
29. Oktober 2008 um 11:11 Jackster(Quote)
“… es ging hauptsächlich um meine sexuelle Vorlieben und mein optisches Erscheinungsbild. ”
YMMD!
Bitte bewahre dir deinen trockenen Humor!
29. Oktober 2008 um 11:49 Jan(Quote)
Löblich finde ich, dass im Taxi auch so wichtige Themen wie Schönheit und die Erlangung eines eigenen Körpergefühls behandelt werden können. Das hebt das Niveau, und hält den Geist wach. Hier kann und möchte man dem Autor eine gewisse Professionalität nicht absprechen. Wie fein hier die innertaxische Diskussion forciert, und durch gekonntes Zusammenspiel von Bremspedal und Verabschiedungsfloskeln das Gespräch einem gossenlingualen Klimax zugeführt wurde, ist außerordentlich.
Reeeschpeckt!
29. Oktober 2008 um 14:06 Christian(Quote)
Glückwunsch, daß die so freundlich waren und gleich raus sind.
Ev. lag es ja an der Nacht? Da bei mir auch div. Kunden, schon bei der telefonischen Bestellung, in übelste Beschimpfungen ausgebrochen sind.
Nur weil sie 20-30min warten sollten.(weit ausserhalb der Stadt nachts um 2 Uhr)
Darf man in so einem Fall eigentlich das Fon an im Auto sitzende Stammfahrgäste weitergeben?
Das ist immer recht lustig, weil diese Kunden rufen spätestens 3min später wieder an um doch ein Taxi zu bestellen
Und meine Stammkunden kümmern sich dann sehr intensiv darum, ihnen ihr Fehlverhalten nachhaltig klar zu machen
29. Oktober 2008 um 15:53 Fave Arju(Quote)
Kann man sie dann nicht trotzdem irgendwie zahlen lassen?
29. Oktober 2008 um 18:36 Kein To(Quote)
> Darf man in so einem Fall eigentlich das Fon an im Auto sitzende
> Stammfahrgäste weitergeben?
Ist doch dein Telefon. Ein freundliches “Moment, ich verbinde!” und nach hinten damit.
30. Oktober 2008 um 02:07 driver3367(Quote)
Oh Mann,sei froh das die lieben Kunden sich flott vom Acker machten.Manche müssen einfach ihren aufgestauten Frust an uns auslassen.Da hilft nur rausschmeissen und der Zentrale sagen die Leute an der xy-Ecke hätten kein Geld und sich in die Hose uriniert.Höhöhö……….der nächste Bus fährt um 5 Uhr………
30. Oktober 2008 um 05:55 Torsten Bentrup(Quote)
@Jackstar: Den werd ich mir sicher behalten. Dieses Blog ist ja zum Glück keine korrekte Abbildung meiner normalen Arbeitstage. Auf einen Idioten kommen locker 100 nette und 20 sehr nette Fahrgäste. So einen Mist schreibt man sich von der Seele, freut sich über die Kommentare und gut ist.
@Jan: Herzlichen Dank für Deinen tollen Kommentar! Sehr geil!
@Christian: Ich hab mich vorhin mal mit den Kollegen darüber unterhalten, die meisten hatten tatsächlich auch ähnliche Pflegefälle im Wagen. Offensichtlich war am Dienstag irgendwo Ausgang, wo Leute wohnen, die besser nicht auf den Rest der Menschheit losgewerden werden sollten…
Telefon weiterreichen hab ich früher in Hövelhof auch gerne gemacht. Allerdings war damals der Deppenanteil deutlich geringer als hier in der “Großstadt”, die “soziale Kontrolle” hat auf dem Dorf besser funktioniert.
@Fave Arju: Auch bei kurzfristigen Fahrtabbrüchen sind die Kunden rechtlich verpflichtet, den bis dahin aufgelaufenen Fahrpreis zu zahlen.
In der Praxis ist es bei Kleinbeträgen meist einfacher, darauf zu verzichten.
Gibt nur Stress, dauert ewig und die Polizei hat sicher auch besseres zu tun, als sich um die 3,40 Euro (in diesem Fall) zu kümmern.
Kurz, ich verzichte in solchen Fällen gerne (im Namen meines Cheffes) darauf.