Doppelpost
Bei der ganzen Bloggerei quäle ich mich meistens, um einen vernünftigen Erzähleinstieg zu finden.
Normalerweise jedenfalls.
Und heute will ich was erzählen und kann mich zwischen zwei Einstiegen nicht entscheiden…
Na gut, dann gibts halt beides:
a) Aufhängungspunkt
Einer der Lieblingssprüche unserer Kunden ist eindeutig:
“Ich bin sowas von vollstramm!”
Find ich gut. Wenn jemand noch einigermaßen artikulieren kann, daß er viel Alkohol zu sich genommen hat, ist das schonmal ein gutes Zeichen. Er merkt zumindest noch was. Schlimm wirds erst, wenn die Leute nicht mehr reden und laufen können.
Genauso begrüßte mich der Fahrgast dann auch.
(das Ende der Geschichte ist weiter unten, jetzt kommt die Alternative.)
b) Gewohnheitstäter
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Briten versuchen gerne mal durch die Fahrertür einzusteigen (und wundern sich, daß der Platz schon besetzt ist), Studenten versuchen Rabatte auszuhandeln und ich fahre in langweiligen Nächten die immergleiche “Mal gucken ob einer guckt”-Runde durch Paderborn und nutze immer die gleichen Taxistände.
Fahrgäste haben natürlich auch ihre Angewohnheiten. Da gibt es welche, die jeden $Wochentag um $Uhrzeit die gleiche Strecke fahren. Oder diejenigen, die für Ihre Stammstrecke prinzipiell immer x Euro zahlen, rote Ampeln gehen dann vom Trinkgeld ab.
Dieser Fahrgast war zwar betrunken, aber durchaus noch voll ansprechbar.
a) & b) Gemeinsames Ende
Als ich losrolle, bin ich doch etwas irritiert. Ständig fummelt er mir an der rechten Schulter rum…
Bis ihm dann der Kragen platzt:
“Scheiße, wo ist denn in der Karre hier der Sicherheitsgurt?!”
“Nunja. Jetzt, wo Du es ansprichst. Wir haben damals auch lange überlegt, wo wir den Gurt montieren lassen. Die Idee, ihn an meiner Schulter anzubringen schien auf den ersten Blick auch einleuchtend. Allerdings fahre ich ja nicht alleine diesen Wagen und man hätte dann noch extra Gurte an den anderen Kollegen montieren müssen, war einfach zu teuer und unpraktisch.
Versuchs doch mal auf der anderen Seite, meist findet man sowas an der B-Säule.”
…hätte ich gerne gesagt. Aber wie das so mit der Spontanität ist, manchmal ist sie gar nicht.
Er hat sich trotzdem köstlich amüsiert, als ich ihn etwas kürzer gefasst auf seinen Fehler aufmerksam machte.
“Hmpf, normalerweise fahre ich ja auch selber…”
Ich gehe einfach mal davon aus, daß er das auch normalerweise nüchtern macht.
28. Mai 2008 um 10:26 Tom (Purzelpfund.de)(Quote)
*Grins* Ich habe mir das bildlich vorgestellt, den Taxifahrer mit eingebautem Sicherheitsgurt. Aber wahrscheinlich hatt er nur etwas Nähe und Zuwendung gesucht
28. Mai 2008 um 10:46 Anke W.(Quote)
ich glaube, wenn du das wirklich gebracht hättest, wärst du wegen akutem Lachanfalls auch nicht mehr des Fahrens mächtig gewesen. Ich jedenfalls habe mich weg geschmissen
28. Mai 2008 um 11:51 ker0zene(Quote)
Na, dass nenn ich mal eine originelle Anmache!
28. Mai 2008 um 13:29 Ulli F. aus L.(Quote)
Weiss eigentlich jemand, weshalb die Post-Auto-Anschnallgurte sich nicht bei normalen Fahrzeugen durchgesetzt haben? Der Gurt ist an der Tuer angebracht, nach Schliessen der Tuer ist man angeschnallt, fuer Kurier- und Taxifahrer, sowie fuer Gurtmuffel eine ideale Loesung, oder?
28. Mai 2008 um 16:06 Dynamodeo(Quote)
@ Ulli
Ich kenne diesen Auto-Anschnallgurt noch aus den 90ern in den USA. Das unpraktische war, dass der Beckengurt trotzdem noch manuell angeschnallt werden musste. Wenn das vergessen wurde (wie es beim Gurtmuffel/Taxifahrer wohl aus Bequemlichkeit prinzipiell passiert) bringt der gar nichts und gaukelt sogar eine Sicherheit vor, die nicht besteht. Ausserdem war schnelles Aussteigen gefährlich, weil man sich dann schonmal im zurückfahrenden Gurt verheddert hat. Sieht extrem bescheuert aus, wenn man sich da am zurückfahrenden Gurt selbst stranguliert.
28. Mai 2008 um 17:19 Taximan224(Quote)
*** BRÜLLER *** muss ich mir merken…
29. Mai 2008 um 22:22 packer(Quote)
Spontanität ist etwas, was einem meist 2 Std. später einfällt, geht mir genauso