Pfundskerl

Auch wenn das hier im Blog manchmal anders erscheint. Es gibt durchaus auch junge, britische, betrunkene Soldaten, die richtig nette Fahrgäste sind. Ehrlich!

Er stand winkend am Straßenrand, keine 500 Meter von seiner Kaserne entfernt.

“McDonalds, please!”

Blöd, eingestiegen ist er in Sennelager. Der nächste Mäces ist an der Detmolder, fast “Kernstadt”. Ich hab mich extra bei ihm vergewissert, ob er weiß, daß er damit eine Rundfahrt für über 20 Euro bucht.

“Yeah, yes. I’m starving!”

Okay, sehr gerne sogar. Hunger ist ja schließlich schlimmer als Heimweh.

Kurz vorm Drive-Thru fing er an, mich zu nötigen. Ich solle doch unbedingt auch was für mich mitbestellen. Man isst ja höflich, ich hab mich überreden lassen.

Es war auch grad ein lecker klingender Aktionsburger im Angebot. Selbst kauf ich mir sowas ja nie, die sind immer so teuer! ;)

“And now, back to camp!”

Ein paar hundert Meter vor seinem “Zuhause” fing er hektisch an, in seinen Taschen rumzusuchen. Ein paar Münzen und zwei Scheine fand er auch, aber am Tor fehlten dann doch ein paar Euro.

Zwei davon, um genau zu sein.

“No problem, thanks for the burger and have a good night!”

Aber so einfach wollte er auch nicht gehen. Es gibt sie wirklich, die Menschen für die Ehre mehr wert ist als schnöder Mammon.

“Take this. It’s more than two euro.”

…und drückte mir einen zerknüllten, großklickbaren Schein in die Hand:

Strange, so eine Pfundnote hatte ich auch noch nicht gesehen. Ausgestellt von der Ulster Bank Limited, also offensichtlich aus Nordirland.

Mein britischer Kollege, der von mir ab und zu als Wechselstube “mißbraucht” wird, wusste auch nicht so recht etwas mit dem Schein anzufangen. Die Euro bekam ich dann unter Vorbehalt. Aber scheinbar ist der Schein sowohl gültig als auch genausoviel wert wie einer aus England, er hat sich jedenfalls nicht beschwert (und die Geschichte ist schon ein paar Wochen her).

Wer mehr über die unterschiedlichen britischen Pfundnoten wissen will, kann ja mal bei Wikipedia nachschauen. Bilder der unterschiedlichen Noten im Königreich gibts hinter den Links dort.

21 Antworten zu “Pfundskerl”

  1. Homer sagt:

    Ich war vor 2 Wochen in Schottland und habe 5 verschiedene 5 Pfund Noten gehabt. Ich verstehe nicht, wie man da noch echt oder unecht auseinander halten soll.

  2. Ezekiel sagt:

    “Man ISST ja höflich” – nicht schlecht. Sollte ich mir merken.

  3. Ulli F. aus L. sagt:

    Man nehme das “s” von “isst”, wandele es zu einem “m” und fuege es “Mamon” hinzu, dann sind wohl alle zu frieden.

    In Schottland bekommt man sein Wechselgeld in Banknoten der “Bank of Scotland”. Zurueck in England bereitet es auch heute noch Schwierigkeiten, mit diesen Geldscheinen zu bezahlen. Hartgeld der “Bank of Scotland” wird fast nirgendwo in England akzeptiert.

  4. Ulli F. aus L. sagt:

    zufrieden

  5. Torsten Bentrup sagt:

    @Ulli: Das “s” ist tatsächlich absichtlich, den Mammon hab ich dann mal geändert.

  6. sarc sagt:

    Also… Was ich nicht verstehe: Warum hast den Schein nicht behalten? So was würd ich aufheben… Oder bist du momentan so knapp bei Kasse, dass selbst 2 Euro wehtun?

  7. Hendrik sagt:

    Aber 20 Pfund sind doch enorm viel Geld?! Der war ja wirklich wohltätig!

  8. xy sagt:

    Sind 20 Pfund nicht ungefähr 30 Euro???

  9. Ihno sagt:

    Das sind ca.24,93 Euro, je nach Umrechnungskurs.

  10. Christopher sagt:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Ulster_Bank#Bank...
    “equal in value to Bank of England notes”
    Betrogen hast du deinen Kollegen also nicht….

  11. Marco sagt:

    Ist das wirklich eine Banknote? Sieht für mich nämlich eher nach einer Art “Schuldschein” aus, den man halt wieder zu Geld wechseln kann. Aber naja, wayne. :D

  12. Christoph sagt:

    Der Schein sieht wegen des Ulster Bank Limited so komisch aus. Aus Deutschland bzw. dem Euroraum kennen wir es nicht, dass Geschäftsbanken die Geldscheine drucken. Woanders ist das aber ganz üblich. In Hong Kong z.B. wird der Hong Kong Dollar nur von Geschäftsbanken gedruckt und ausgegeben. Da steht dann z.b. HSCB drauf.

  13. Mike sagt:
  14. tobsen sagt:

    ich hätte den schein behalten, eingeramt und mir als erinnerung an nette britten ins taxi gelegt. und jedesmal wenn ich als taxifahrer wieder stress mit (betrunkenen) britten gehabt hätte, hätte ich mich mit dem anblick der note beruhigt.
    also ehrlich ;)

  15. Filmvorführerblogger sagt:

    :D lach na dass ist doch mal ne interessante Begegnung gewesen….was sich manche ihren kleinen Hunger kosten lassen….man oh man…
    vielleicht gabelst du ihn ja noch mal auf ;)
    schönes wochenende…

  16. Nils sagt:

    @Marco:
    Eine Banknote ist strenggenommen ne Art Schuldschein ;)

  17. Uwe (Fernfahrerblog) sagt:

    Den Schein hätte ich auch behalten. Sieht/kriegt man ja wirklich nicht alle Tage, schon gar nicht ausserhalb der Insel ;)

    Vielleicht ist der Sammlerwert ja noch höher als der nominelle Wert?

  18. ela sagt:

    Ich reihe mich mal in die Menge der Erinnerungssammler ein – den hätte ich 100% behalten! Wer weiß, wann man so einen mal wieder sieht.

    Mh, Du wusstest nicht, dass der Schein deutlich mehr als 2 Euro wert war, das glaub ich Dir mal ;)
    Sonst hätte ich es sehr anständig gefunden, ihm dafür die Euros wiederzugeben, oder zumindest einen großen Teil davon.

  19. tobsen sagt:

    lol, mir is gerade erst das wortspiel im “pfundskerl” aufgefallen :D :D

  20. Torsten Bentrup sagt:

    Geldscheine zu “sammeln” finde ich irgendwie komisch. Nicht lustig-komisch, eher komisch-komisch… :) Und schließlich bleibt ja das Foto als Erinnerung.

    @xy &Ihno: Als die Geschichte passiert ist, war der Umrechnungskurs tatsächlich noch 1 zu 1,5. Erschreckend, wie stark der Euro in den paar Wochen geworden ist.

    @ela: Mir war schon klar, daß seine Aussage stimmt. Und zum Geld zurückgeben war er einfach zu schnell und hat damit keinen Zweifel daran gelassen, daß er auf das Wechselgeld keinen gesteigerten Wert legt. Trinkgelder in der Höhe sind zwar extrem selten, kommen aber durchaus gelegentlich vor. Auch gewollt!

  21. Franky sagt:

    Der 20 Pfundschein der Ulster Bank hat den gleichen Wert wie ein 20er der Bank of England. Es ist tatsächlich so, dass einige Geschäftsbanken im Vereinigten Königreich das Recht haben Pfund Noten zu drucken. In Schottland sind dies drei Banken: die Bank of Scotland, die Royal Bank of Scotland und die Clydesdale Bank. In Nordirland sind das diese Banken:
    Bank of Ireland, Northern Bank, Ulster Bank und die First Trust Bank. Es geht aber noch weiter; die Insel Man, die Kanalinseln Jersey und Guernsey, Gibraltar, die Falkland Inseln und St.Helena geben eigenen Banknoten mit jeweils eigenen Motiven heraus. Dies hat eine sehr lange Tradition in diesen Inseln und Gebieten. Allerdings sind die jeweiligen Banknoten meist nur in den Ausgabegebieten gültig, einige Inseln nehemen jedoch fast alle anderen Noten an. In England selber will man aber sehr oft nur die Noten der Bank of England annehmen.
    All´diese Noten haben bei Sammlern (ja sowas wird gesammelt, schaut mal bei ebay nach!!) in ungebrauchter Erhaltung, also frisch von der Druckpresse, ohne Gebrauchsspuren einen sehr hohen Sammlerwert!!
    Ältere Ausgaben sind schon sehr gesucht und erzielen sehr hohe Preise, ähnlich wie bei seltenen Briefmarken oder alten Gemälden!!
    Der hier gezeigte 20 Pfundschein der Ulster Bank (Ausgabe von 2004) hätte in absolut ungebraucher Erhaltung einen Sammlerwert von immerhin schon 25 bis 30 Pfund. In dieser zerknüllten Erhaltung leider nur den Nennwert von 20 Pfund !

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