Eindrittelbritisches Sammeltaxi
Payday bei den britischen Soldaten… Umsatztechnisch ein lang ersehnter warmer Regen, die letzten Wochen waren da eher nicht so prickelnd.
Leider gab es auch wieder das alte Taxifahrerproblem: Mehr als 100% geht einfach nicht, stundenlang war die Nachfrage derartig hoch, daß es einfach nicht zu schaffen war. An jeder zweiten Straßenecke standen verzweifelt winkende Menschen.
Als ich zu später Stunde die Buszentralstation ansteuere, werde ich dann auch promt rangewunken. Der sehr alkoholisierte Brite wird von seinem Kollegen fast ins Taxi geschleppt.
“Bring ihn bitte nach Sennelager, er hat auch genug Geld!”
Ich will grade losfahren, da klopft es an die Scheibe. Menno, ich bin doch schon besetzt. Alle anderen Kollegen auch, ich werde also auch kaum erfolgreich einen Kollegen herbeirufen können.
Draußen stehen zwei Mädels, Carola und eine Freundin von ihr:
“Hi Torsten, kannst Du uns nach Hause bringen!”
“Ich muß grad erstmal nach Sennelager, in 15-20 Minuten könnte ich…”
Nö, das war den beiden dann doch zu lang. Kurzerhand quatschten sie meinen Fahrgast an. Ob es denn möglich wäre, mitzufahren. Man würde auch die ersten Kilometer bezahlen, er hätte keinen finanziellen Nachteil.
So betrunken kann ein junger Mann (Nationalitäts- und Berufsunabhängig) gar nicht sein, als das er so ein Angebot ablehnen würde. Er war einverstanden.
Hab ich schonmal erwähnt, daß ich Sammeltransporte nicht mag? Ganz besonders, wenn sich die Fahrgäste untereinander nicht kennen. Die Wahrscheinlichkeit, daß es dabei Stress gibt, liegt ungefähr bei 100%.
Egal, wird schon gut gehen.
Die Mädels wurden dann auch schnell und stressfrei nach Hause gebracht. Natürlich wurde jede zum Abschied noch von ihm gefragt, ob er nicht noch eben mitkommen könne… Nee, konnte er nicht.
Und dann waren wir wieder alleine, Fahrtrichtung Senne.
Es hat keine zwei Minuten mehr gedauert und der Tanz ging los. Er zeigt auf den Taxameter und meckert:
“Das zahl ich nicht!”
“Natürlich nicht, die Mädels haben ja schon xy Euro da gelassen, die ziehen wir gleich am Ziel natürlich ab.”
“Mach das auf Null!”
“Dann mußt Du nochmal 2 Euro 70 Grundgebühr zahlen. Es ist billiger, wenn ich einfach laufen lasse.”
“Grummel!”
Weiter zwei Minuten später:
“Wo willst Du eigentlich hin. Ich will nach Sennelager!”
“Is klar. Noch bist Du im Taxi und in Paderborn. Wir fahren Richtung Sennelager. Alles ist gut, Du mußt weniger zahlen als wenn Du allein und direkt gefahren wärst. Vertrau mir, ich zock Dich nicht ab!”
“Dreh sofort um, ich will nach Sennelager!”
“Mann! Wir fahren nach Sennelager! Beruhige Dich, lehn Dich zurück und freu Dich gleich, daß Du billig nach Hause gekommen bist!”
Dann schlief er ein. Danke!
An der Kaserne angekommen lag sein Rechnungsanteil rund vier Euro unter dem Normalpreis für die direkte Strecke. Blöd nur, daß die frohe Kunde nicht so recht bei ihm ankommen wollte. Schlicht deshalb, weil ich ihn nicht mehr wachbekam. Nach einigen Versuchen kam der Guard dazu, leider auch erfolglos. Selbst die herbeigerufene Military Police brauchte einige Zeit, bis sie ihn wachbekam.
Als er sich dann berappelt hat, wollte er verständlicherweise schleunigst ins Bett. Ebenso verständlicherweise wollte ich die noch fehlenden 5 Euro 80 haben. Netterweise hat er beim Aussteigen schon einen Fünfer fallen gelassen, den hab ich schonmal als Anzahlung einbehalten.
Nach ewigem suchen in den Hosentaschen bekam er dann auch noch 6 Euro zusammen und reichte sie mir mit dem Spruch:
“Aber ich krieg noch 20 Cent zurück!”
Ja, klar. Schade, daß ich keine Zeit hatte. Sonst hätte ich ihm mal erklärt, was ihn die 15-20 Minuten Wartezeit normalerweise gekostet hätten. Egal, nur weg.
Der Zehn-Euro-Schein, den ich ein paar Minuten später im Fußraum entdeckte, hat meine Laune dann allerdings wieder deutlich gesteigert! Hätte ich ihm natürlich gerne zurückgegeben, aber die Fahrt zur Ablieferung hätte grob gerechnet 10 Euro 20 gekostet. War wohl in seinem Sinne, daß ich das nicht getan hab.
30. September 2007 um 01:48 Der Adminblogger(Quote)
Hahaha *schmunzel*
30. September 2007 um 03:08 Thomas(Quote)
Also hast du 5€ + 5,80€ + 10€ eingenommen?
30. September 2007 um 06:53 ker0zene(Quote)
Das wird der Carola jetzt peinlich sein …
30. September 2007 um 07:41 Torsten Bentrup(Quote)
@Thomas: Die letzten 10 Euro hab ich einfach mal als verschämt hinterlassenes Trinkgeld interpretiert…
@ker0zene: Na, ich hoffe doch nicht. Es war ja durchaus verständlich, daß sie nicht noch ewig inmitten angetrunkener, verzweifelter Menschen auf das nächste Taxi warten wollte. Theoretisch ist ein Sammeltaxi auch oft die bessere Variante für alle Seiten… Hätte ja auch deutlich besser laufen können.
Und ausserdem war der Umweg ja auch nur für wenige Minuten Diskutiererei verantwortlich, eingeschlafen wäre er auch auf direktem Wege.
30. September 2007 um 11:06 butscher(Quote)
ich mach sowas auch nicht gern.es versteht sowieso keiner wie sich der preis zusammensetzt,und von vornherein wird dir unterstellt du wolltest abzocken.gestern bin ich uebrigens ein wucherer gewesen weil ich es gewagt habe den preis auf uhr zu verlangen.
30. September 2007 um 12:15 PaB(Quote)
Das wird noch Theater geben, wenn ab Dezember/Januar bei Einschalten des Taxameters 5,80 Euro auf dem Ticker stehen….die wenigsten Kollegen dürften in der Lage sein, dass einem british soldier klar zu machen.
30. September 2007 um 16:55 ben(Quote)
6 öcken fürs einsteigen??!!!11eins
30. September 2007 um 19:42 Torsten Bentrup(Quote)
@PaB: WTF? Das ist dann aber ein neuer Tarif für Bielefeld mit Inklusiv-Kilometern, oder? Schreib doch mal, was da genau ansteht. Danke!
30. September 2007 um 20:33 PaB(Quote)
Folgendes ist im Gespräch:
Geplant aber wohl noch nicht endgültig beschlossen ist offenbar eine Erhöhung des KM-Preises von 1,40 auf 1,50 € (Tagtarif) und eine Erhöhung der Grundgebühr von 2,40 € auf 5,80 €; aber – darin sind dann die ersten beiden Kilometer enthalten, im Gegensatz zum jetzigen Tarif.
Für den Durchschnittsfahrgast also keine allzu gravierende Erhöhung, bis auf jene Klientel, die ein Taxi für eine Strecke von weniger als 2 KM ordert. Fahrten für beispielsweise 3,80 € wird`s dann nicht mehr geben.
Hab mir sagen lassen, dass die Detmolder dieses Tarifmodell schon länger praktizieren.
1. Oktober 2007 um 02:23 gb(Quote)
@ker0zene: nur, wenn si eihn mitgenommen haette
)
2. Oktober 2007 um 13:12 heinz(Quote)
Also meine Idee für die Taxigebühren, so wird das auch auf einigen karibikinseln gemacht:
Keine Ahnung wie hoher Kilometerpreis, der könnte so bleiben wie jetzt
aber dafür zwischen 24 und 6 Uhr 50% Aufschlag
Und Wochenende 25% Aufschlag
Diese Aufschlage lassen sich aber nicht addieren, sonst würds arg teuer werden
2. Oktober 2007 um 17:12 Timo(Quote)
@Torsten: Wegen des 10€-Scheins hab ich echt so meine Bedenken – scheint mir eine ziemlich klare Fundunterschlagung zu sein, so wie Du’s schilderst.
2. Oktober 2007 um 20:48 Torsten Bentrup(Quote)
@heinz: Im deutlich kleinerem Rahmen haben wir das mit den Nacht- und Feiertagstarifen schon. Da liegt der Aufschlag allerdings nur bei 10 Cent pro Kilometer.
@Timo: Jetzt hast Du mir einen Schreck eingejagt. Ich hab dann mal gegoogelt und erfreut festgestellt, daß die Bagatellgrenze bei “Fundsachen über 10 Euro” liegt. Bis zu 10 Euro einschließlich werden nicht bestraft. Eine sinnvolle Regel bei Bargeld.
Wieviel Aufwand soll man denn betreiben, um einen herrenlosen Schein wieder zurückzugeben? Und wie soll ich sichergehen, daß er wirklich dem vermutlichen Verlierer gehört?
7. Oktober 2007 um 22:36 Ben(Quote)
@PaB:
Was für eine strunzdumme Idee mit den 5,80 Euro Grundgebühr. Genau richtig, es wird die kleinen Fahrten nicht mehr geben. Mir zeigt das nur, dass offensichtlich maßgebliche Leute da absolut nicht rechnen können, von Psychologie möchte ich hier gar nicht erst anfangen. Aber gut, was soll man machen, wenn sich da Leute selber ins Bein schießen wollen. Viele Taxifahrer werden wahrscheinlich niemals in ihrem ganzen Leben begreifen, weshalb kleine Fahrten auch gute Fahrten sind.
10. Oktober 2007 um 00:53 carola(Quote)
Lieber Torsten, wir sind dankbar und froh darüber, dass Du uns heil und günstig ( besonders fürsorglich – wie immer) nach Hause chauffiert hast! Wir bitten jedoch um Dein Verständnis, dass wir Deine Fahrgäste nicht bis zum Schluss bei Laune halten können und freuen uns auf das nächste Sammeltaxi! Lieber Gruß, C&C