Co-Abhängigkeit

11. März 2010

Heute mache ich es mir mal ganz einfach und hole den Kommentar von Andy auf den alten Eintrag “Von Moral und so” nach vorne. In meinem Eintrag ging es um Besorgungsfahrten mit Suchtmitteln, per Taxi wird halt auch oft Alkohol geordert. Den Kommentar eines direkt durch Co-Abhängigkeit betroffenen Menschen finde ich wichtig, aber halt auch kontrovers diskutierbar. Wo hört die Verantwortung eines Dienstleisters auf?

Für mich habe ich inzwischen das Fazit gezogen, daß ich mich nur in Extremfällen aktiv einmischen würde und dem Kunden Hilfe anbiete. Wenn, wie im unten geschilderten Fall, allerdings schon klare Ansagen vom Sohn gekommen sind, geht nichts mehr. Dann müssen sich eben die Mitbewerber die Finger schmutzig machen, da ist mir mein Gewissen wertvoller.

“Hallo Liebe Fahrer und Schreiber.

Dieser Bericht trifft es nur zu gut. Nur frage ich mich, wo die Moral von den Taxiunternehmen und den Fahrern bleibt… und ob man wirklich nichts dagegen machen kann!?!

Meine Mutter ist so eine Alkoholikerin, zu fertig noch irgendetwas zu schaffen. Dann “ertappe” ich einen Fahrer, der ihr den Alk bringt und will ihn ansprechen darf ich mich noch aggressivst anbrüllen und beschimpfen lassen. Dann ruft man das Taxiunternehmen an, beschwert sich und nix passiert. Denn der betreffende Fahrer erzählt seine Lügengeschichte und gut ists. Das Taxiunternehmen das liefert sagt erst zu, ihr nichts mehr zu bringen und am nächsten Tag stehen wieder drei Flaschen Cognac hier. Jeden zweiten Tag kommt der Notarzt wegen ihr, jeden zweiten Tag das Ordnungsamt, die Nachbarn werden terrorisiert wenn man kein Taxi kommen kann … Tag & Nacht. Meine Freundin und ich werden terrorisiert. Das kanns doch nicht sein. Was ist das für eine Moral? Was ist das für ein sch*** Verhalten?

Ich danke denjenigen hier, die moralische Bedenken äußern und denjenigen die in so einem Fall keine Alkohol etc liefern. Ihr verdient meinen Respekt. Allerdings halte ich auch diejenigen die dennoch liefern würden gleichwertig mit denen, die ihre Frau lieber krankenhausreif schlagen weils ihnen Spaß macht.

Vielleicht bekommt man ja hier Gehör und ein wenig Verständnis von der Branche für denjenigen Sohn, der als Co-Abhängiger ohnmächtig zuschauen muss, wie geldgierige und moralisch verwerfliche Unternehmen das Leben dieser Menschen und Familien zur Hölle machen!”

Danke!

7. März 2010

Puh, das nenn ich mal eine großartige Rückmeldung! Herzlichen Dank an Euch alle, auch für die vielen Komplimente!

Die Brille ist jetzt genau so bestellt. Randlose Modelle fielen bei meiner Sehstärke, bzw. Sehschwäche leider pauschal raus. Dafür müssten es Kunststoffgläser sein und die werden dann an den Rändern deutlich dicker als bei Mineralglas. Sieht scheiße aus…

Zum Gewicht noch ein paar Worte: Laut Waage sind noch 25-30 Kilo nötig, um in den Richtigwohlfühlbereich zu kommen. Das werd ich bis Ende des Jahres schaffen. Was natürlich nichts daran ändert, daß jetzt schon mein Leben hundertmal besser ist (schon aus rein technischer Sicht) als in den Jahrzehnten zuvor.

Im Moment versuche ich grade, Psyche und Körperformen in Einklang zu bringen. Der Kopf versucht gern noch, alte Dinge hochzuhalten: meide enge Stühle, Durchgänge und ähnliches. Wenn man das weiß und drauf achtet, macht es einfach auch unglaublich Spaß, alles neu zu “eichen”. Die Erfahrung, daß die vor einem Jahr noch verhassten Bistrostühle superbequem sind. Das man im Bus mit einem Platz auskommt. Alles solche Dinge, die mir täglich passieren und richtig gut tun. Sehr geil!

Daneben passiert hier momentan ganz viel im Themenkomplex Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Selbstfürsorge. Ganz viel “selbst” also, wo früher wenig bis nichts vorhanden war.

Mein Leben hätte ganz übel kippen können, wenn ich nicht ein paar echte Freunde, einen für mich perfekten Job und auch diese Blog gehabt hätte.. Dinge, für die ich nie kämpfen musste. Sonst hätte ich sie auch nicht.

Einer der übergeordneten Dinge aus meiner Vergangenheit. Ich war immer der rücksichtsvolle Typ, der anderen den Vortritt gelassen hat und sich selbst hintenangestellt hat. Da arbeite ich jetzt auch an einer Justierung, der gesunde Egoismus.

Und tatsächlich komme ich auch so ein wenig an die Ursachen ran. Schwere Sache, aber auch da lohnt die Arbeit. Grade für mich, eine Verhaltensänderung fällt mir einfach viel einfacher, wenn ich auch die Gründe für das falsche Verhalten erkannt habe.

Fazit, running gag und Klinikinsider: “Es geht mir gut!” ;)

Umarmung

7. März 2010

Ab und zu muß ich ja mal wieder auf meinen “Klick-Fetischismus” hinweisen.

Also, klickt mal:

(Direktumarmung, via Werbeblogger.de)

Mal ne blöde Frage

5. März 2010

Was haltet Ihr eigentlich von dieser Brille? Steht mir die?

Des Taxifahrers neue Brille?

Das Preisschild am Ohr dürft Ihr Euch natürlich wegdenken… ;)

Meine derzeigen Gläser (siehe Impressum) trage ich schon seit DM-Zeiten und so langsam bin ich die kleinen, runden Gläser leid.

Das ist übrigens auch typisches Klinik-Verhalten. Kaum einer geht hier ohne einschneidende optische Veränderungen raus. Und damit meine ich nicht nur die Gewichtsveränderungen nach oben oder unten. Nein, auch die Frisöre und Tatoo/Piercingläden der Umgebung verdienen sich eine goldene Nase an uns.

Oder in meinem Fall: die Optiker! Morgen fällt die Entscheidung.

PS: Apropos Frisöre… Kommentare über die doofe “Frisur” werden gnadenlos gelöscht!

Zweistellig

4. März 2010

Nur mal so zur Info: die Rentenversicherung ist ihrer Linie treu geblieben.

Die Zusage zur Verlängerung kam wieder am eigentlichen Abreisetag. Und ich darf noch die nächsten zwei Wochen hier bleiben!

Tschakka! ;)

Einfach irre

3. März 2010

Als ich Anfang Januar hier in die Klinik “eingezogen” bin, hab ich mich eigentlich recht gesund gefühlt. Seitdem fühle ich mich von Woche zu Woche “kaputter”. Auf eine sehr gesunde Art allerdings. Klingt paradox, ist aber logisch. Vorher war da oft nur ein diffuses “kann ich nicht/will ich nicht/trau ich mir nicht zu”, ich war damit unzufrieden aber habe es nicht als Problem erkannt, daß mich in meinem Leben einschränkt. Wollte es oft auch unbewusst nicht erkennen.

In den letzten Wochen war es immer der gleiche Ablauf: ich entdecke ein merkwürdiges Verhaltensmuster, eine Blockade, manchmal wurde ich auch von Mitpatienten drauf aufmerksam gemacht. Dann überlege ich und suche nach Gründen und Lösungsmöglichkeiten. Und kommt einfach selbst nicht drauf. Sehr zermürbend.

Und dann geh ich mit einer kleinen Geschichte, einem Erlebnis, bei dem ich mal wieder nicht über meinen Schatten springen konnte, zu unserem Therapeuten und innerhalb weniger Minuten hat er genau die Fragen gestellt, die mir die Lösung bringen. Oder einen Ansatz. Oder eine Erklärung.

Ich hätte nie gedacht, daß es so einen Unterschied machen kann, wenn man einem “Profi” gegenübersitzt. Der Unterschied ist riesig…

Vor ein paar Wochen war meine Meinung zur Psychotherapie eher gespalten. Ich hab mich immer schon für die Fragen nach dem “warum” im menschlichen Verhalten interessiert, viel dazu gelesen und kenne auch durchaus die üblichen Vorgehensweisen, um solche Verhaltensmuster “umzuprogrammieren”.

Im letzten Jahr habe ich da auch einige Erfolge in der “Eigentherapie” gehabt und vieles richtig gemacht. Ein Grund dafür, daß ich den Therapeuten hier keine großen Sprünge mehr zugetraut habe. Ich weiß ja eigentlich, wie es richtig geht, muß mich nur überwinden. Scheiß auf irgendwelche Erlebnisse in der Vergangenheit, wichtig ist es, die Zukunft zu meistern.

Erst jetzt merke ich, wieviel kleiner die Hürden für mich werden, wenn ich auch die Ursachen finde und bearbeite.

Und das ist mal ein richtig gutes Gefühl!

(K)Urlaubsvertretung?

27. Februar 2010

Moin zusammen, es ist mal wieder Zeit für ein Lebenszeichen aus BadÖ! :D

Tja, das war es auch schon. Viel Neues gibt es nicht zu vermelden. Mein Heimatbesuch, hier im Setting nennt man das Rea-Training, ist prima verlaufen. Die Arbeit an mir selbst macht Fortschritte und damit bleibt als Fazit: Alles ist gut (und wird noch besser)!

Und damit Euch die nächsten Tage (wenn die Verlängerung durchgeht sinds nächsten Donnerstag noch zwei Wochen, ansonsten ist am Donnerstag schon Schluß) nicht zu langweilig werden, hab ich das freundliche Angebot von Andreas, doch mal etwas aus seinem Alltag “auffem Dorf” zu berichten angenommen.

Dann soll er sich mal selbst vorstellen, die ersten Geschichten kommen dann in den nächsten Tagen:

—-

Hallo liebe Lesergemeinde,

wie wir ja alles wissen befindet sich Torsten derzeit immer noch in Kur.

Gut für ihn, langfristig auch für uns, schließlich dient es ja dem Erhalt seiner Arbeitskraft und somit für Lesestoff. Kurzfristig fehlt aber genau dieser :(

Nachdem ich nun endlich am Ende (oder doch eher dem Anfang?!) des Blogs angelangt bin, hab ich vielleicht die Lösung gefunden, leider nur für Euch und nicht für mich, denn viele der kommenden Geschichten kenne ich ja schon, schließlich sind sie von MIR. ;)

Denn auch ich bin Taxler, nur eben nicht in Paderborn, sondern in Weinheim. Für die, die Weinheim nicht kennen:

Mittelgroße Stadt, ca. 40.000 Einwohner, bei Heidelberg und Mannheim.

Ebenso wie Torsten bin ich Nachtfahrer, kenne aber auch die Tagschicht zu genüge und springe dort auch immer mal wieder ein. Unter der Woche ist es etwas ruhiger, an den Wochenenden geht es aber dann auch meist rund, ebenso gibt es natürlich auch hier immer wieder zahlreiche Großveranstaltungen.

Briten haben wir keine, dafür Amerikaner. Denn eine der Attraktionen hier am Wochenende ist die Diskothek DOWNTOWN, durchaus überregional bekannt, viele Gäste nehmen rund 100km Anfahrt in Kauf. Leider mit eigenem Fahrzeug. ;) Hauptziel- und Besuchergruppe sind die Amis aus den umliegenden Kasernen (Mannheim/Viernheim/Heidelberg/etc.).

Zweite große Wochenendattraktion ist das SCHABERNACK, eine Mischung aus Kneipe und Disko, schon eher mein Geschmack. KEINER mag es, JEDER ist dort ;) Es wird immer über das platte Niveau gelästert, außerdem seien da ja nur Dorfprolls und überhaupt…. Trotzdem ist es der klassische Versacker, und auch viele gehen dort mit Vorsatz hin. Ich mags, denn es ist einfach irgendwie „ehrlich“, es ist kein literarisches Quartett in dem man heimlich aus dem Flachmann nuckelt, sondern eben ein Sauf- und Partyschuppen ;)

Somit haben wir von jeder Klientel etwas und erleben hier auch so ziemlich alles denkbare, von der Omma die zum Bahnhof muss, über langweilige Flughafentransfers, über Besorgungsfahrten aller Arten, Lebens- und Sinnkrisen, bis hin zu allen möglichen Totalausfällen.

Fragen zu meinen Beiträgen jederzeit gerne an Taxi@wolff-services.com (MEINE private Emailadresse, ansonsten ungenutzte Domain).

Bleibt mir nur noch das Wochenende für die ersten Geschichten abzuwarten und Torsten weiterhin angenehmes Kuren zu wünschen.

So long

Andreas