Es ist vollbracht!

19. August 2014

Ihr müßt jetzt ganz tapfer sein…

In weniger als einem Monat bin ich weg. Weg aus Paderborn und weg aus dem Taxi.

Meine zweite Bewerbung der letzten zehn Jahre war erfolgreich. Letzten Donnerstag war ich zu einem vierstündigem Einstellungstest/Vorstellungsgespräch/Firmenpräsentation und hab mich da offensichtlich nicht ganz doof angestellt. Jedenfalls kam gestern der Anruf: “Willkommen im Team!”

Ab Mitte September beginnt dann eine fünfwöchige vollzeitige und -bezahlte Schulung und danach bin ich dann telefonischer Kundenberater für ein großes Energieversorgungsunternehmen.

Keine Nachtarbeit mehr, keinen Körperkontakt mehr mit den seltenen unangenehmen Kunden, keine 12-Stunden-Schichten mehr, keine Wochenendbeziehung mehr.

Und nachdem ich am Donnerstag auch schon kurz in meinen zukünftigen Arbeitsplatz reinschnuppern konnte: Es wird definitiv interessant und nicht allzu anspruchslos.

Ebenfalls im Jobangebot des Callcenters waren beispielsweise Rückholungstelefonate für Mobilfunkkunden nach deren Kündigung oder Apothekenrundrufe zur Bestellannahme. Hätte ich notfalls auch gemacht. Aber mehr Spaß macht mir definitiv mein zukünftiges Aufgabenfeld.

Mein zukünftiger Arbeitgeber scheint auch absolut über dem Branchendurchschnitt zu liegen. Mehrfach in den letzten Jahren ausgezeichnet als einer der besten Arbeitgeber. Klar geregelte Aufstiegsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeiten, eigene Kantine, nette Kollegen und hey: Kostenlose Kaffeeversorgung und eine eigene Kantine!

Ich denke mal, viel besser hätte ich den Ausstieg aus dem Taxi mit meinen zwei viel zu alten Ausbildungen und 43 Lenzen kaum schaffen können. :D

Und wie geht es hier weiter?

Zwei Geschichten reiche ich auf jeden Fall noch nach. Die Sonntagnacht war wirklich unglaublich. Direkt hintereinander zwei absolut blogbare Fahrten. Die erste, die mir sehr deutlich vor Augen geführt hat, wieso ich unter anderes raus will. Und die zweite, die mir wie selten zuvor in den letzten fast 21 Jahren gezeigt hat, warum ich die meiste Zeit wirklich gerne Taxi gefahren bin. Die Titel stehen schon fest: “Himmel” und “Hölle”.

Ansonsten werde ich sicher auch weiterhin das Taxigewerbe kommentierend begleiten und beispielsweise berichten, wenn uberPOP endlich vor die Wand fährt. Oder ein bestimmtes Taxiunternehmen in Paderborn endlich geschlossen wird. Oder auch mal meine Erfahrungen als Taxifahrgast berichten. Oder Urlaubsgrüße senden. Oder einfach mal so erzählen, wie sich mein Leben durch diesen heftigen Schnitt ändert.

Also ruhig weiterhin ab und zu reinschauen oder sonstwie verfolgen!

Leserkommentare uberpruft, Teil 5

8. August 2014

“Dann komme ich Silvester endlich mal zügig nach Hause”

Möglich. Nicht sehr wahrscheinlich, weil auch einige uber-Fahrer gerne Silvester feiern würden. Aber möglich.

Blöd nur, daß man an solchen Tagen dann nicht die 20% aus der uber-Werbung sparen wird. Sondern schlicht abgezockt kapitalistisch korrekt behandelt wird. uber berechnet seine Fahrpreise nämlich aus Angebot und Nachfrage.

Wo im Taxi auch an Hochlasttagen Tarifbindung existiert, multipliziert uber dann bis zu 7,75fach den normalen Preis. Das ist zumindest der bisher höchste Multiplikator, der bekannt geworden ist. Und da fragt man sich schon, ob nicht die Wartzeit aufs freie Taxi besser ist als diese Abzocke.

Bis sich die Balken biegen

7. August 2014

Taxifahrer sollen sich ja demnächst auch mit Fahrgästen an die Anschnallpflicht halten. Bisher sind wir besetzt von dieser Pflicht befreit. Meine Meinung dazu ist einfach logisch. In fast 21 Jahren hätte ich niemals einen Nutzen von der Befreiung gehabt. Aber ich war schon mehrfach heilfroh, daß ich bei einer Vollbremsung oder einem Ausweichmanöver angeschnallt war. Einen Unfall, der Gurthilfe erfordert hätte, hatte ich zum Glück noch nicht im Taxi. Privat damals im Twingo allerdings schon. Also bin ich immer angeschnallt. Manchmal merke ich nach einer halben Stunde am Taxistand verblüfft, daß der Gurt immer noch eingeklickt ist…

Die Leser von Sat1/Bayern sehen das offensichtlich anders:

sat1laesstdiebalkenbiegenbissieweinen

(Quelle: http://www.sat1bayern.de/news/20140803/taxifahrer-angst-vorm-anschnallen/

Selten lagen 6% und 94% so nah beieinander… :D

Wie dieses absurde Ergebnis zustande gekommen ist würde mich allerdings auch noch interessieren. Ich bin in diversen Taxi-Gruppen auf FB aktiv, dort wurde es auch diskutiert. Auch da gibt es ablehnende Meinungen, aber ich würde die Stimmung eher 50:50 einschätzen. Und bei Sat1 werden nicht nur Taxifahrer abgestimmt haben.

Eigentlich nur erklärbar, wenn nur ein paar Dutzend Menschen abgestimmt haben. Das Ergebnis beeinhaltet übrigens auch meine Stimme. Was ich abgestimmt habe steht oben. Allerdings wird meine Stimme wohl eher nicht eingeflossen sein, letzte Aktualisierung war am 3.8.14, abgestimmt hab ich vor einigen Minuten.

Da ist wohl der zuständige Praktikant grade im Urlaub.

PS: Die Überschrift ist von www.bildblog.de ge… ausgeliehen!

Stupid criminals

6. August 2014

Es ist schon verdammt lange wieder gut gegangen. Die letzten Zechpreller sind schon über ein Jahr her… Letzte Nacht hat es mich dann wieder erwischt.

Zwei britische Soldaten, höchstens leicht angetrunken. Dafür sehr freundlich und kommunikativ. Es sollte erst zum örtlichen Burger-Brater an der Detmolder Straße und dann weiter nach Mastbruch (gehört zu Schloß Neuhaus) gehen.

“Near Athlone Barracks, we will show you!”

Alarmglocken vom Feinsten. In der Nähe der Kaserne ist ausser viel Wald nur ein Campingplatz. Auf jeden Fall aber jede Menge Möglichkeiten, um erfolgreich zu flüchten. Ein wenig dämlich allerdings, weil danach natürlich die Wachen an der Kaserne alarmiert wären. Aber wenn man gerne ein paar Stunden im Wald hocken möchte, würde man das sicher erfolgreich durchziehen können.

Aber zuerst einmal sollte es ja noch was zu essen geben. Mein Plan sah vor, mir beim Bezahlvorgang dort unauffällig einen Einblick in die vorhandene Barschaft zu verschaffen. Die wenigsten Flitzer nehmen das Risiko auf sich, wenn sie eigentlich genug Geld in der Tasche haben.

Tja, der Plan scheiterte. Bargeld hatten die beiden wirklich nicht und ihre Kreditkarten wollte BK nicht nehmen. Neues Ziel also der nächste Geldautomat ein paar hundert Meter weiter. Türen auf, dezent Richtung Automat und dann fingen sie an ins anliegende Wohngebiet zu rennen. Zu dem Zeitpunkt hab ich definitiv nicht mehr mit einer Eskalation gerechnet.

Die nächste halbe Stunde verbrachte ich dann mit einem halben Dutzend Telefonaten. Deutsche Polizei, die informierte die britischen Kollegen, die widerum riefen dann mehrfach bei mir an und kurz nachdem ich der inzwischen eingetroffenen Streifenwagenbesatzung die ganze Geschichte detailiert diktierte kam die erlösende Nachricht von den Briten.

Man hätte zwei Jungs ohne Geld aber passend zur Beschreibung auf der Hauptstraße Richtung Kaserne eingesammelt. Ich solle doch mal vorbeikommen zur Identifizierung.

Mein “Nice to see you. Again!” quitierten sie mit ein paar gemurmelten Flüchen.

Und wie eigentlich immer in den letzten Jahren gerate ich an die völlig aus dem Klischee fallenden “Kuschelbullen” bei den MPs. Ich hab immer das Gefühl, als wenn sie ihre Kumpels am liebsten tröstend in den Arm nehmen würden. Ob ich denn auf einen Strafantrag verzichten würde, wenn sie jetzt die Fahrt bezahlen würden.

Nein, das war eiskalt geplant und kriminell. Und ich will nicht, daß sie auf die Idee kommen, daß das ein harmloser Streich wäre. Das war eine Straftat und ich hätte die gerne bestraft. Auch wenn ich auch diesmal wie immer keine Rückmeldung mehr bekommen werde: wenigstens das Gefühl will ich haben, daß es da Gerechtigkeit gibt.

Auf jeden Fall ein weiterer Hinweis darauf, daß ich mich beruflich verändern muß. Genau genommen laufen schon seit Wochen erste Bewerbungen. Und auch Paderborn werde ich in Kürze den Rücken kehren… Ziel ist das schöne Münsterland zur noch schöneren Besten. Mit der ersten Zusage packe ich hier meine Sachen zusammen und bin weg.

Falls jemand zufällig im Bereich Münster/Coesfeld offene Stellen kennt, freue ich mich über jeden Hinweis. Grundvoraussetzung ist Tagschicht, ansonsten bin ich sehr flexibel. Gerne in Richtung Büro, Industriekaufmann hab ich ja vor ein paar Jahren gelernt. Vielleicht findet sich ja sogar ein Unternehmen, daß mit meinen Blogger- und Social Media-Fähigkeiten was anfangen kann.

Leserkommentare uberpruft, Teil 4

4. August 2014

(Erklärung zur Artikelserie gibts im ersten Teil)

“Selber Schuld! Taxi ist viel zu teuer, endlich kommt mal Bewegung rein, mit uber kann ich mir das endlich leisten!”

Sorry, machen wir einen Reality-Check: Die durchschnittliche Taxifahrt liegt bei etwa 10€, eher etwas weniger. Da ist laut uber ein Sparpotenzial von 2€ drin.

Entschuldigung, wenn ich frage: Aber der Gegenwert einen kleinen Bieres? Ist es das wirklich wert, ein Gewerbe zu zerstören? In letzter Konsequenz sogar die ganze Gesellschaft? Ja, uber ist auf jeden Beruf und jedes Gewerbe übersetzbar. Und wenn wir nicht jetzt klarmachen, daß wir diese asoziale Scheiße nicht wollen, wann dann?

Erst wenn es Deinen Beruf trifft? Jeder legale Job ist zu teuer im Vergleich zur Schwarzarbeit. Denk drüber nach.

Leserkommentare uberpruft, Teil 3

30. Juli 2014

(Erklärung zur Artikelserie gibts im ersten Teil)

“Warum verbietet man dann nicht auch Mitfahrzentralen? Ist doch das Gleiche!”

Nein. Ist es nicht. Mitfahrzentralen funktionieren genau deshalb, weil die Fahrer KEINE Gewinnerzielungsabsichten haben dürfen. Einfach mal in die AGB der MFZ schauen, gewerbliche Beförderung ist ausgeschlossen. Ansonsten würden die entsprechenden Behörden auch dort sofort den Stecker ziehen.

Mitfahrzentrale bedeutet: Der Fahrer will von A nach Z. Es gibt Menschen, die auf der Strecke einen Beförderungswunsch haben. Sei es, daß sie auch von A bis Z wollen, vielleicht aber auch nur von D bis H. Der Fahrer nimmt sie mit und lässt sich die anteiligen Betriebskosten für die mitgefahrene Strecke erstatten. Das ist Teilung der Betriebskosten. Kein Cent wird bezahlt für die Arbeit des Fahrers. Weil er ja eh die Strecke fährt, funktioniert das Modell.

uber hingegen ist: Mensch will von C nach G, Fahrer lungert in der Gegend von C rum, ohne daß er von sich aus irgendwohin will. Er bekommt den Auftrag und fährt Mensch die genau gewünschte Strecke. Dafür bekommt er eine Summe Geld, die deutlich über dem Betriebskostenanteil liegt. Sogar deutlich über den Gesamtbetriebskosten. Konkret: Der Fahrer bekommt genug, damit er sich einreden kann, er würde dafür angemessen bezahlt. Das ist gewerbliche Personenbeförderung. Er fährt die Strecke, weil der Fahrgast genau von C nach G will. Weil der Fahrer für seinen Aufwand bezahlt wird, funktioniert das Modell.

Das ist gewerbliche Personenbeförderung. Und der uber-Fahrer hat dafür in der Regel weder ein Gewerbe angemeldet, noch zahlt er Steuern aus seinen gewerblichen Einkünften. Er hat kein Fahrzeug, daß den gesetzlichen Regeln für gewerbliche Personenbeförderung entspricht und keine Versicherung dazu.

Warum ich sicher bin, daß das fast immer so ist? Weil sein Umsatz reduziert um das uber-Schutzgeld (aka Provision) schlicht nicht reicht um bei ordnungsgemäßer Anmeldung und Ausstattung einen akzeptablen Gewinn zu erzielen (Konkretisierung nachträglich auf Marcos Anregung in den Kommentaren, TB). Und niemand verschleißt seinen Privatwagen und fährt stundenlang unbekannte Leute durch die Gegend, wenn am Ende nicht ein akzeptabler Lohn dabei rumkommt.

Leserkommentare uberpruft, Teil 2

28. Juli 2014

(Erklärung zur Artikelserie gibts im ersten Teil)

“Dann muß ebay ja auch verboten werden!”

Bei ebay gibt es drei Arten von Verkäufern.

Die rein privaten Verkäufer. Es ist völlig legal, seine alten Sachen dort zu verkaufen. In der Regel erzielt man damit auch keinen Gewinn, sondern macht aus Staubfängern ein paar Euro.

Dann gibt es die gewerblichen Verkäufer. Gewerbe ist angemeldet, Steuern werden bezahlt. Deutlich gekennzeichnet, mit Impressum und Widerrufsbelehrung. Genauso legal.

Und dann gibt es die ubers unter den ebay-Verkäufern. Menschen, die gezielt Waren einkaufen um sie dann mit Gewinn auf ebay zu verkaufen. Selbstverständlich mit Hinweis “Privatverkauf, keine Rücknahme, keine Gewährleistung”.

Die gibt es. Aber sobald sie auffliegen bekommen sie die volle Härte des Gesetzes zu spüren. Und grade die Finanzämter sind inzwischen sehr konsequent bei der Verfolgung dieser Straftäter.

Nichts anderes erwarten wir Taxifahrer. Gleiche Regeln für alle Marktteilnehmer. Und sicher nicht: “Wir machen das einfach, ändert ihr gefälligst die Gesetze!”

Auch dann nicht, wenn man dafür Milliarden der Investoren in der Hinterhand hat.