Do as I want, don’t do as I say!

2. September 2010

Naja, eigentlich geht der Elternspruch in den USA eher so: “Do as I say, don’t do as I do”. So hat es mir das wunderbare Blog “USA Erklärt” vor ein paar Monaten mal, nunja, erklärt halt.

Aber im Taxibereich stimmte die letzten beiden Schichten eher meine Version. Dienstag stieg eine Gruppe Fahrgäste in meinen Wagen und nannte als Fahrtziel ein vernuscheltes “Heiersstraße, Imbiss”. Zumindest hab ich es so verstanden, hab aber noch zweimal nachgefragt um sicher zu gehen.

Protest kam dann zum Glück recht zügig. Mein Beifahrer bestand darauf, “Haller Straße” gesagt zu haben. Okay, klingt ähnlich. Aber dort gibt es blöderweise keinen Imbiss. Und mit zwei Frauen dabei fährt man ja auch üblicherweise nicht in den dortigen Puff.

Gemeint hat er übrigens “Halberstädter Straße”. Bis ich die Leutchen dort absetzen konnte, durfte ich mir noch allerhand über meine angeblich nicht vorhandene Ortskunde, meinen Versuch, sie abzuzocken und die Unfähigkeit meines Navis anhören. Naja, ich bin bei sowas dickfellig und dem Navi war es egal. Das war schließlich noch nichtmal eingeschaltet…

Letzte Nacht begann meine Schicht gleich mit so einer Tour. Angesagt war eindeutig “Rathenaustraße” im Riemekeviertel. Kurz davor wurde sie leicht panisch und meinte was von “Stadtheide”, ganz andere Gegend. Nur gibt es die Straße dort leider nicht.

Nach kurzer Diskussion einigten wir uns drauf, daß sie mir den Weg zeigen wolle. Auf meinen Vorschlag “Dr.-Röhrig-Damm” reagierte sie immerhin leicht positiv. Die “Abkürzung” über die B1 konnte ich ihr dann noch ausreden und so haben wir uns von hinten der Stadtheide angenähert.

Letztendlich war es dann der “Rotheweg”. Bezahlt wurde unter üblem Gezeter und wüstesten Verwünschungen.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch der dritte ähnlich gelagerte Fall. Die alte Dreier-Regel halt, typischerweise ist danach erstmal eine Weile Ruhe.

Moooment! Da war doch letztens… Richtig! Der Brite, den ich vor die Tür gesetzt habe.

Dem Himmel sei Dank, es ist ausgestanden. Ab jetzt werden die Fahrgäste hoffentlich wieder sagen, wo sie hinwollen und ich werde sie weiterhin auf kürzestem Weg dorthin bringen. Puh!

Die Entstehung der Arten

1. September 2010

Bei den meisten Menschen lag Darwin wohl nicht ganz verkehrt mit seiner Vermutung über gemeinsame Vorfahren. Die drei Briten vorhin jedoch waren eindeutig Nachfahren der “Sus scrofa”, auch als Wildschein bekannt.

Als sie einstiegen, hab ich leider nicht direkt gemerkt, was die beiden hinter mir noch an Nahrungsmitteln mitbrachten. Mein Beifahrer hatte nur noch einen Rest in der Hand und schlang ihn noch vorm losfahren hinunter.

Kurz vor der Kaserne fuhr dann das Fenster hinten links runter, der hinter mir sitzende Typ steckt seinen Kopf raus und “lässt laufen”. Im Spiegel sehe ich nur noch eine weiße Masse, ich würde auf Pommes/Majo tippen…

Wenig später… Die drei sind grad ausgestiegen, hatten aber noch nicht bezahlt. Zuerst will ich mir die Rücksitze und die eventuellen Verschmutzungen aussen ansehen. Nun, die Kotzerei war problemlos vonstatten gegangen. Nicht ein Spritzer am Lack.

Dafür hatte die Drecksau die Gummifußmatte als Teller benutzt. Pommes mit Majonaise, weiträumig verteilt und offensichtlich direkt daraus weitergegessen. Die Fingerspuren in der Mayonaise waren sehr eindeutig…

Diese Gummimatten werden branchenintern auch gerne als “Kotzmatten” bezeichnet. Genau dafür sind sie da, dort können literweise Körperflüssigkeiten aufgefangen werden und können dann mit Hochdruckreiniger wieder in vernünftigen Zustand zurückversetzt werden.

Der Haken: wenn keine stinkenden Flüssigkeiten nach dieser Reinigung schreien, werden die auch tage- oder wochenlang nur ausgeschüttelt. Der nächste Fahrgast tritt die Matte ja doch nur wieder mit Füßen!

Wenn man sich jetzt aber einfach mal vor Augen führt, wo die Schuhe der Fahrgäste vorher waren… Davon zu essen ist ungefähr so, wie seine Pommes vom Bürgersteig abzukratzen und sie sich dann ins Maul stopfen. Widerlich!

Nun ging es um die Reinigungskosten. Wollten sie natürlich nicht übernehmen, schließlich war es ja keine Kotze! In deren Hirnen war dieses Argument wahrscheinlich sogar logisch. Keine Kotze = keine Verschmutzung. Wahrscheinlich sollte ich mich noch drüber freuen, kostenloses Frühstück für den Fahrer!

Die herbeigerufenen Guards haben dann zumindest eines bewirkt. Der “Täter” riß sich sein Shirt vom Leib, nahm die Matte und brachte sie mit seinem “Putzlappen” tatsächlich wieder in einen brauchbaren Zustand.

Und als ich mich dann mit der Zahlung des Fahrpreises zufrieden gab, entdeckte dann einer der Jungs sogar verschollen geglaubte Reste seiner Erziehung wieder. Er entschuldigte sich für seine Kumpel und drückte mir noch einen Zehner in die Hand. Versöhnliches Ende also.

Trotzdem. Beim schreiben dieses Eintrags mußte ich einige Male den Würgreflex unterdrücken beim Gedanken an die “Mahlzeit” von der Kotzmatte. Unglaublich…

Keine gute Tat bleibt ungesühnt!

31. August 2010

Unser Taxistand am Bahnhof ist ja zweispurig. Üblicherweise hat der Kollege vorne rechts (in Fahrtrichtung gesehen, aus dem Bahnhof kommende Fahrgäste sehen es natürlich andersrum) am längsten gewartet und bekommt die nächste Fahrt. Deshalb sortieren sich im Laufe der Vorrückerei die Taxen der anderen Spur auch irgendwann nach rechts in die passende Position.

Ich stand links zwar als Erster, aber in Wirklichkeit gehörte ich auf Position vier. Die ersten beiden Fahrzeuge der rechten Reihe wurden besetzt und ich wartete darauf, daß der Dritte mal vorrückt und ich mich hinter ihm einfädeln kann. Ging leider nicht, der Fahrer war “unbekannt verzogen”.

Nun, dann wartet man ein bißchen, kann ja nur Pinkelpause oder das Gegenteil, Kaffee holen sein. Als dann aber die ersten potenziellen Fahrgäste zu sehen waren, wurde es mir zu bunt. Da hab ich halt die Lücke genutzt und den Kollegen “überholt”.

Exakt in dem Moment kam er mit seinem Kaffeebecher zurück, sah sich alles an und ging ohne Kommentar zu seinem Auto. Naja, fährt zwar für die falsche Firma, aber ist eigentlich ein Netter. Es gibt durchaus Fahrer, die sich bei sowas erst einmal aufplustern und laut werden.

Als dann die ersten Fahrgäste ankamen, hab ich ihn freundlich gefragt:

“Willst Du fahren, Du warst ja vor mir da!”

Er hat dankend angenommen, die Fahrgäste waren leicht verwundert aber mit der Erklärung zufrieden:

“Hier war eben ein wenig Chaos, der Kollege hinter mir wartet schon länger und würde sich freuen, wenn Sie bei ihm einsteigen würden.”

Kaum war das Taxi weg, nimmt mich ein Kollege zur Seite und meint verschwörerisch:

“Hast Du gut gemacht, ich hab gehört, wo es hingeht. Nur zwei Straßen weiter! Du bekommst gleich bestimmt eine weite Tour!”

Nun, ich kenn ja mein Glück am Bahnhof. Es hat schon einen Grund, warum ich dort eher selten stehe.

“Warten wir mal ab. Wahrscheinlich steh ich jetzt noch eine Stunde auf erster Position und fahr dann zur Rathenaustraße für vier Euro…”

Nun, ich hab mich geirrt. Es wurde die Neuhäuser Straße am Ende der Rathenau… Rund einen Euro weniger als die Kurzfahrt des Kollegen. Aber immerhin hab ich nur fünf Minuten drauf warten müssen und das Trinkgeld war prozentual riesig, in Zahlen immerhin fast zwei Euro.

Es war Wochenende, kaum Briten in der Stadt. Trotz der kurzen Fahrt hab ich mich wenig später wieder angestellt. Unser Bahnhof läuft nicht wirklich gut, aber zu dem Zeitpunkt hab ich keine bessere Alternative gehabt.

Und dann kam sie, meine Belohnung. Ich stehe auf zehnter oder elfter Position, ein Gruppe von drei StudentInnen läuft an allen vor mir stehenden Taxen vorbei und klopft an mein Fenster:

“Können wir auch mit Ihnen fahren?”

“Wenn Ihr das möchtet, sicherlich und gerne! Der Kollege vorne rechts wartet allerdings schon länger als ich.”

“Wir wollen aber lieber mit Ihnen fahren! Sie nehmen doch auch das hier an, oder?”

Und hielten mir einen Taxigutschein der Deutschen Bahn hin.

Das ist der Moment, in dem die meisten Fahrer eine leichte Erregung verspüren. Taxigutscheine der Bahn bedeuten üblicherweise weite Fahrten. Ich habe schon viele davon angenommen, erst einer war für eine Stadtfahrt ausgestellt. Dieses mal sollte es rund 40 Kilometer weit gehen.

Bingo! Solch eine Fahrt wünscht sich um die Uhrzeit, Wochenendschicht und vor Mitternacht, jeder Kollege.

Ich war dann ja neugierig. Die allermeisten Menschen halten sich an die “Regel” und nehmen das erste Taxi in der Reihe, ob ich da wohl Blogleser im Taxi habe?

“Sorry daß ich frage. Aber warum habt Ihr ausgerechnet mit mir fahren wollen?”

“Sie sahen so sympathisch aus…”

Hach, was für eine tolle Antwort! So ein richtiger Seelenstreichler für jemanden, der bis vor knapp zwei Jahren noch die denkbar schlechteste Meinung von sich selbst hatte. Zumindest in Sachen “Optik”. Aber auf den ersten Blick als “sympathisch” eingeschätzt zu werden ist für mich auch heute noch kaum zu glauben…

Am Ende der Fahrt stellte sich dann heraus, daß ich nicht der einzige Taxifahrer aus Paderborn war, der diese Tour von der Bahn gesponsert bekommen hat. Während ich noch meine Buchhaltung erledigte, kam der Kollege mit gleicher Tour zu mir, klopfte ans Fenster und fragte:

“Darf ich hinter Dir herfahren, Du hast doch Navi.”

Kurz hab ich drüber nachgedacht, ob ich ihm das nicht verbieten sollte. Immerhin fährt er für Paderborns übelstes Taxiunternehmen…

Allerdings ist er einer von den drei Fahrern (unter rund 20 dieser Firma) der noch nicht negativ aufgefallen sein. Kann Zufall sein. Letztendlich glaube ich aber bis zum Beweis des Gegenteils immer noch gerne an das Gute im Menschen.

Ich war dann also doch gnädig, bin halt doch ein guter Mensch! Sein Chef hätte ihn bestimmt verprügelt, wenn er nicht rechtzeitig wieder in Paderborn gewesen wäre!

Klingt lustig, ist aber ausnahmsweise nur halblustig gemeint… Besagter Chef wird nämlich demnächst vor Gericht stehen, weil er seine Aggressionen nicht im Griff hat. Mehr dazu, wenn das Urteil gesprochen ist!

Sprach- und sonstige Probleme

27. August 2010

Paderborn ist ja jetzt nicht so die Touri-Metropole. Die meisten Nicht-Paderborner in der Stadt kommen naturgemäß aus anderen Teilen Deutschlands oder Großbritanien. Ein paar Holländer fallen gelegentlich auf, was die hier machen kann ich allerdings auch nicht sagen. Obwohl, wir haben ein paar Campingplätze und die Gegend ist nicht schlecht für Fahrradfahrer!

Englisch kann ich ganz gut, Deutsch versteh ich sogar bei übergroßer Trunkenheit. Also kommen Verständigungsprobleme extrem selten vor.

Und dann gibt es Nächte wie diese, die alte Dreierregel mußte ja mal wieder zuschlagen.

Zuerst steigt mir am Bahnhof ein Pole ins Taxi, der gerne Richtung Sauerland wollte. Die SMS mit der Adresse half schon sehr gut weiter, die Frage nach einem Festpreis konnte ich dann schriftlich beantworten. Zahlen auf Papier sind ja doch recht international.

Während der Fahrt hörte ich dann ziemlich oft das eine deutsche Wort, daß er perfekt beherrschte:

“Katastrophe!”

Immer begleitet von seinem Zeigefinger in Richtung Taxameter. Dabei war der Fahrpreis absolut fair. Zumindest für ihn, ich wusste leider bei der Vereinbarung nicht, daß die B480 hinter Wünnenberg wegen einer Baustelle gesperrt war. Die Umleitung verlängerte die Fahrt doch erheblich.

Stunden später steigt ein Mensch in meinen Wagen, der ebenfalls keiner Sprache mächtig war, die ich verstehen konnte. Italiener, zudem ohne Kenntnis der Zieladresse. Aber er wusste, wo er hin wollte und konnte mich dann mit Gesten leiten.

Zu guter Letzt (naja, gut war es überhaupt nicht) dann ein Brite mit sehr üblem Slang. Eher kein regionaler Dialekt, er schien mir schon Engländer zu sein und Schottisch oder gar Walisisch erkenne ich normalerweise. Einfach Straßenslang, sein ganzes Verhalten war ebenfalls danach.

Er stieg also ein und nannte als Fahrziel die Allanbrooke-Kaserne. Ich hab noch extra zweimal nachgefragt, weil er so unverständlich gesprochen hat und er hat es mehrfach bestätigt. Fünfhundert Meter vorm Ziel wollte er dann unbedingt noch zum “Goldenem M”. Ich wende also und will in die entsprechende Richtung und er flippt das erste Mal aus. Ob ich mich denn nicht auskennen würde und warum ich nicht gradeaus weiterfahren würde. Nun, vermutlich wäre in Rheda-Wiedenbrück der nächste Mc, wenn man die Neuhäuser Straße weiter gradeaus fährt…

Wenig später fiel ihm dann ein, daß er doch gar nicht zur Kaserne wollte. Ein britisches Wohngebiet war jetzt das neue Ziel. Also, für mich war es neu, er hat sich aufgeregt und lautstark behauptet, daß er genau diese Adresse von Anfang an genannt hätte.

Wenig später wurde mir dann die Sache zu heikel, jetzt wollte ich erst einmal Geld sehen, vorher geht es keinen Meter weiter. Er wühlte sich erfolglos durch alle Taschen und hatte einen neuen Grund, sich in ohrenbetäubender Lautstärke aufzuregen. Schließlich hätte er ja Geld gehabt, als er aus der Disco kam. Bleibt ja nur die Möglichkeit, daß ihn der Taxifahrer ganz offensichtlich unbemerkt ausgeraubt hat.

Meine heftig vorgetragene Bitte, jetzt mal schleunigst auszusteigen kam er dann glücklicherweise nach. Okay, nicht sofort. Aber als er erkannte, daß ich per Funk “Verstärkung” alarmierte, ging es plötzlich.

Das sind sie dann, die Nächte in denen ich mich einfach nur noch freue, wenn der Feierabend gekommen ist…

Mathe for runaways

25. August 2010

“Das macht dann 8 Euro 80, bitte!”

Er gab mir einen Zwanziger, kramte noch in den Hosentaschen und hielt mir noch ein 20-Cent-Stück hin.

“Dann kannst Du mir 11 Euro zurückgeben.”

Britischer Soldat. Mir war klar, daß es ihm nicht darum ging, Trinkgeld zu geben. Ausserdem hatte ich Zeit, also hab ich versucht, ein bißchen Mathenachhilfe zu geben.

“Dann hättest Du aber 9,20 bezahlt und nicht 8,80.”

“Nee, da fehlen noch 20 Cent bis 9 Euro und dann passt das genau mit den 11 Euro Wechselgeld.”

Dreimal hab ich es ihm erklärt und vorgerechnet. Dann haben wir uns darauf geeinigt, daß ich die 40 Cent einfach als Trinkgeld annehme und wir nicht mehr drüber sprechen.

Und irgendwo in Paderborn läuft jetzt ein Brite rum, der der festen Überzeugung ist, Paderborns Taxifahrer können nicht rechnen…

Pakistan

24. August 2010

Nun, auch wenn es so scheint, als ob ich momentan (nach der Leukämie-Geschichte) meine wohltätige Ader entdeckt habe, dem ist nicht so.

Hmm, ich denke grade nach…

Scheiße, doch! Es scheint zu stimmen. Aber alle Hilfe-Aufrufe, die ich hier in meinem Blog gepostet habe, hatten eine Gemeinsamkeit: Ich war und bin bereit, selbst dafür meinen Beitrag zu leisten. Die Leukämiehilfe der www.dkms.de (grad offline, wird sicher wieder) war ja noch einfach. Kostenlos, ein paar Zellen hinschicken und gut ist.

Aber ich habe es nicht vergessen!

Oben hier im Blog steht ein komisches Wort: Spender. Ein dezenter Hinweis, daß ich vor ein paar Jahren (ja, ich hab bei der “Rückzahlung” geschludert) mal sehr genial von Euch gesponsert wurde und das nur angenommen habe unter der Bedingung, daß ich Euer Geld an wirklich bedürftige Menschen weiterleite, wenn ich es mir leisten kann.

Jetzt ist es soweit, die erste Rate ist rausgegangen. Viele Menschen in Pakistan brauchen Eure (und meine) Hilfe. Von mir sind grade 100 Euro an Cap Anamur gegangen. Für mich spontan die sinnvollste Hilfsorganisation in Pakistan (aber das mag sicher auch meiner Generation geschuldet sein). Entscheidet Euch bitte selbst, das ZDF hat eine Auflistung aller relevanten Hilfsorganisationen zusammengestellt:

Hilfe für Pakistan und die Opfer der Flutkatastrophe

Wie Ihr Euch entscheidet ist egal, nur macht was!

(vom Pfoetchenblog angestupst)

Der erste Arbeitstag

19. August 2010

War ein Guter! Schon die gestrige Entscheidung, noch einen Tag länger zuhause zu bleiben war ziemlich gut, wie mir vorhin die Kollegen bestätigten. Es ist halt immer noch ruhig in Paderborn, da kann man auch mit halber Besetzung alle Fahrten ohne Hektik schaffen.

Auch die Entscheidung, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, war genau richtig getimed. Mit dem Eintreffen an der Zentrale kamen die ersten Regentropfen und bis zum Feierabend war es dann auch wieder trocken. Perfekt.

Und auch die Fahrgäste und Fahrten waren prima. Schon die zweite Fahrt war dann gleich auch blogenswert!

Eine typische “Hartz-4-Kneipe”. Üblicherweise kommen von dort am Anfang des Monats einige Fahrten, selten mehr als zwei Straßen weiter und typischerweise deshalb, weil der Fahrgast nicht mehr in der Lage ist, diese Entfernung auf eigenen Beinen zurückzulegen.

Der Fahrgast wohnte allerdings schon ungewöhnlich weit entfernt, entspannte zwei Kilometer.

“Du fährst aber komisch!”

“Wie jetzt? Zu langsam? Zu schnell?”

“Falschrum, sonst fahr ich immer andersrum!”

“Da kommt man leider im Moment nicht durch die $Straße. Vollsperrung wegen einer Baustelle. Und damit ist es jetzt ausnahmsweise hierher kürzer.”

“Aber ich bin doch Stammkunde bei Euch, ich fahr seit Jahren mit Czernoch!”

“Das weiß ich doch, ändert aber leider nichts an der Sperrung!”

“Aber ich zahl immer zwischen fünf Euro und Fünffünzig!”

“Schlimmstenfalls sind es ein paar Cent mehr, so groß ist der Umweg nicht.”

Danach ging er dann in den Smalltalk über. Auf eine Art und Weise, die mich fast wahnsinnig macht. Er stellt mir eine Frage und in dem Moment, in dem ich die ersten Worte zur Antwort sage, unterbricht er mich mit einer neuen Frage. Solche “Gespräche” sind echt fürchterlich. Er kann ja gerne alleine reden und ich höre einfach nur zu. Aber wenn er die Antwort nicht hören will, sollte er auch keine klaren Fragen stellen…

Am Ziel angekommen stehen 5,40 Euro auf dem Taxameter… Er zählt ein paar Silbermünzen zusammen:

“Hier, 10 Euro. Stimmt so!”

Manche Dinge muß man nicht verstehen. Einfach akzeptieren… ;)

Trinkgeldtechnisch wurden der Fahrgast allerdings Stunden später von drei netten Briten übertrumpft. Die waren in ziemlich guter Stimmung und auf dem Weg zu einem offensichtlich paarungswilligem Mädel.

“Three guys and one girl. Sounds gay, what do you think, driver?”

“Jepp! Evil foursome…”

Meine Antwort fanden die Jungs höchst amüsant und dankten es mir am Ende der Fahrt. Die rund sechs Euro Fahrpreis bezahlte der Beifahrer mit einem Zehner und den Worten: “Take eight, please!”

Während ich sein Wechselgeld rausgab, wurden mir dann noch von hinten zwei Zweier in die Hand gedrückt, was meinen Beifahrer mit “Fuck, keep the change!” noch abrundete.

Fast acht Euro zusammen, thanks!

Eine umsatztechnisch eher durchschnittliche Nacht mit extrem überdurchschnittlichen Trinkgeldern.

So darf es gerne weitergehen, besser als umgekehrt! ;)